Flugschriften 2002

– Oktober: Die Ziele der Initiative 
– November: Rechte Privatisierung, rotgrüne Duldung 
– Dezember: CDU & Diakonie bezahlen eine „Gegen-Bürgerinitiative“ 

Gründung der
INITIATIVE GEGEN DIE BEBAUUNG DES SPARBIER-SPORTPLATZES
■ Presseinformation 9.10.2002

Im August 2002 hat sich die „Initiative gegen die Bebauung der Sparbier-Sportplätze“ im Bezirk Eimsbüttel gegründet. Sie richtet sich gegen den Neubau eines Diakonie-Großklinikums, in dem die vier Kliniken Elim, Jerusalem, Bethanien und Alten Eichen auf der Fläche des öffentlichen Sportplatzes (Hohe Weide/Bundesstraße) zentralisiert werden sollen.

Die geplante Bebauung einer öffentlichen Sportfreifläche beruht auf politischen Beschlüssen des Rechtssenats. Während der Sitzung des Planungsausschusses des Bezirks Eimsbüttel im September 2002 wurde deutlich, dass die für diesen Plan verantwortlichen Politiker von Schillpartei & CDU wie auch die ihn forcierenden Chefs des christlichen Wohlfahrtskonzerns Diakonie ganz ohne Bedarfsanalysen, Verkehrsgutachten, Untersuchungen über Sport- und Freiflächen, Überlegungen über erhöhtes Verkehrsaufkommen und dergleichen auskommen. Der Wille, auf dem „Filetgrundstück“ eines zentral gelegenen – öffentlichen – Sportplatzes zu bauen, war zuerst da. Diverse „Gutachten“, um Kritikern den Mund zu stopfen, werden sich sicher noch nachreichen lassen. Diese Frechheit rechter bis rechtsradikaler Politiker und Kirchenmanager stieß auf große Ablehnung bei den Zuhörern und Diskutanten auf dieser Sitzung. Ganz offensichtlich ging man davon aus, dass die fadenscheinige Argumentation von der Notwendigkeit eines „wohnortnahen“ Klinikums mit Unfall- und Notaufnahme ausgerechnet auf einem Sportplatz im dichtbesiedelsten Gebiet von Eimsbüttel einfach vom Publikum geschluckt wird.

Es wurde jedoch deutlich, dass allein betriebs- und konkurrenzwirtschaftliche Entscheidungen der Diakonie diese auf den Sparbier-Sportplatz drängen lassen und dabei sprichwörtlich alle anderen Bedingungen für Gesundheit und ein entsprechendes Wohnumfeld, also etwa Sportmöglichkeiten verdrängen. Verdrängt werden soll offenbar auch das Tagesheim für Obdachlose (TAS).

Von der Initiative wurde besonders kritisch gewertet, dass eine weitere öffentliche Sportfreifläche, die nicht nur vom ETV genutzt wird, sondern auch allen Privatpersonen jederzeit zugänglich ist, (elim)iniert werden soll. Ohnehin sind Hohe Weide/ Schäferkampsallee/ Bundesstraße sehr mit Verkehr, Lärm und Parkproblemen überlastet, und im Kerngebiet Eimsbüttel besteht ein Mangel an Freiflächen. So gibt es hier pro Einwohner nur 1, 2 m² Sportfreifläche. Im besser ausgestatteten Nachbarstadtteil Eppendorf gibt es immerhin 3 m² Freifläche pro Einwohner gibt).

Nach dieser Erfahrung und Konfrontation hat die Initiative, an der Personen aus dem Bezirk, Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen, Sportler/innen und an dem Thema generell Interessierte beteiligt sind (wir sind politische Subjekte und keine „Anwohnerinitiative“), ein in Hamburg mögliches „Bürgerbegehren“ unter der Fragestellung: „Sind Sie gegen die Bebauung des Sparbier Sportplatzes?“ gestartet und wirbt mit einem Flugblatt, in dem die Einwände gegen die Bebauung in drei Rubriken (Freizeit + Kultur, Bedarf + Wirtschaftlichkeit, Verkehr + Umwelt) aufgelistet sind sowie mit einer Vielzahl von Materialien um Unterschriften. Eindeutiges Ziel: der Beschluss zum Bau des Klinikums auf dem Sparbier Sportplatz soll ( unter anderemmit dieser Aktion) gekippt werden.

Auf der Veranstaltung der Diakonie am 30.9.2002 hatten die vier Geschäftsführer der beteiligten Kliniken einen schweren Stand, denn alle vernünftigen Argumente liegen bei der Initiative, die im Stadtteil und Bezirk und bei den ETV-Mitgliedern viel Unterstützung erfährt. Festzustellen hatte die Initiative aber leider auch: Vor Lügen bzw. Desinformation z.B. über die geplante Bauhöhe, scheuen die ehrenwerten Herren der Diakonie nicht zurück. Anders als von ihnen gesagt, werden die geplanten Gebäude des Klinikums nach ihren eigenen Unterlagen die gegenüberliegende Häuser in der Hohen Weide teilweise um mind. 8 m überragen. Mit solchen Mannövern wird zugleich versucht, uns auf das Terrain unserer Kontrahenten zu ziehen: Indem wir uns über Bauhöhen streiten, sollen wir das Vorhaben schon vorweg anerkennen. Mittlerweile haben sich auch SPD und Grüne der Bezirksversammlung Eimsbüttel mit „kritischen Fragen“ in die Auseinandersetzung eingebracht und fordern, was im normalen bürgerlichen Verkehr bei einem solchen politisch gewollten Großprojekt dem Bebauungsplanverfahren ja voraus zu gehen hätte: Bedarfsanalysen, Verkehrsuntersuchungen etc.

Die Initiative strebt unter anderem an, bis November 1800 Unterschriften zu sammeln. Damit können (nach den derzeit geltenden Regeln) zunächst alle Planungsvorhaben des Diakonieklinikums (als Diakonie-Klinikum-Hamburg) auf dem Sparbier Sportplatz für 3 Monate gestoppt werden.

Was die Initiative erreichen will: 

Freizeit und Kultur
Erhalt der letzten großen Sportfreifläche im Kerngebiet Eimsbüttel.
Grünflächen und Sportfreiflächen gehören zu den Voraussetzungen eines großstädtischen Lebens. Eine unterirdische Sporthalle im Klinikum, wie von der Diakonie anmaßend „vorgeschlagen“, kann diese Voraussetzungen niemals ersetzen. Abgesehen davon wäre eine solche Halle nicht frei zugänglich wie die Sportplätze.

Keine Verschlechterung der Obdachlosenarbeit 
Erhalt der (am Rande der Sparbier-Sportplätze liegenden) Obdachlosentagesstätte TAS.

Bedarf und Wirtschaftlichkeit
Kein Klinikum, das krank macht! Die Absicht, auf einem intensiv genutzten 2-Felder-Sportplatz in einem dicht bebauten, von einer Vielzahl von Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen geprägten innerstädtischen Gebiet, dessen Versorgung mit Gesundheitseinrichtungen zudem mehr als üppig ist, ein Großklinikum bauen zu wollen, ist für alle (außer den Betreibern) sozusagen ein Gesundheitsrisiko.
Ganz offensichtlich rechnet sich das Klinikum nur für die Diakonie, für die der Sparbier-Sportplatz und die Wohnumgebung betriebswirtschaftliche Größen sind, eben besonders „attraktive Standortfaktoren“, weshalb sich diese Gegend für die Geschäftsinteressen der Diakonie zweifellos besser als andere Standorte im Bezirk Eimsbüttel eignet.
Die Investitionen für diesen Bau (geplant sind 150 Mio. €) wie auch für die Fläche werden übrigens staatlich finanziert. Die Diakonie pickt sich praktisch kostenfrei die (Standort-) Rosinen in einem dichtbesiedelten Kerngebiet raus – ohne Rücksicht auf die Lebens- und Wohnbedingungen anderer Leute. Übrigens auch ohne Rücksicht auf hier ansässige Tageskliniken, Belegkrankenhäuser (wie das Michaelis), Arztpraxen etc., die bisher auch ohne ein Diakoniegroßklinikum die Gesundheitsversorgung garantieren.
Die Initiative weist überdies die ständige Behauptung zurück, dass eine Zusammenlegung der Kliniken zu deren Existenzerhalt notwendig ist. Davon abgesehen, dass wir eine Verknüpfung des Themas der Fusionen (privater) Kliniken mit der Absicht einer Bebauung der (öffentlichen) Sparbier-Sportplätze ablehnen – Fusion und Standort sind verscheidene Themen – sei hier, um die Willkür der „Argumente“ der Betreiber deutlich zu machen, daran erinnert, dass eine Modernisierung der einzelnen Kliniken und eine zentrale, gemeinsame Geschäftsführung und Verwaltung ebenso möglich sind, was für Bewohner der benachbarten Viertel, für Sportler, Patienten und Personal eben auch die weitaus angenehmere Perspektive darstellt.

Verkehr und Umwelt
Das Diakonieklinikum soll 542 Betten haben und 1200 Mitarbeiter. Hinzu kommen Anfahrten der Angehörigen der Patienten. Ebenso werden Anlieferer und Entsorgungsunternehmen das Klinikum ständig anfahren, die Not- und Unfallaufnahme wird Tag und Nacht Sirenengeheul zur Folge haben. Wir erwähnen das nicht, weil wir eine ländliche Idylle in der Großstadt anstreben. Der von der Diakonie begehrte Sportplatz liegt auch nicht in einem der „besseren Viertel“, wo man nun um den Fortbestand privilegierter Abgeschiedenheit bangt. Senat & Diakonie planen vielmehr ein Großklinikum dort, wo die Verdichtung schon erheblich ist: Hier gibt es unter anderem den ETV mit 8000 Mitgliedern , die Krankenhäuser Elim und Jerusalem, das Institut für Lehrerfortbildung, das Kaifu-Bad (Hallen und Freibad), das sehr „angesagte“, private Fitness-Center Kaifu-Lodge – alles Einrichtungen, die für eine hohe Verkehrsdichte sorgen. Zusätzlich frequentieren 6400 Kinder und Jugendliche aus 9 Schulen und 3 Kindergärten die unmittelbare Umgebung des Sportplatzes. Die Gefährdung dieser Schulkinder und Jugendlichen würde sich durch die Bebauung mit diesem klerikalen Klinikum deutlich erhöhen.

* Zahlen und Anmerkungen können bei der Initiative eingesehen werden

INITIATIVE GEGEN DIE BEBAUUNG DES SPARBIER-SPORTPLATZES.
■ November 2002

Streit um Sparbier-Sportplatz und das geplante Diakonieklinikum in vollem Gang:

KEINE ELIM-INIERUNG DER SPORT- UND FREIZEITFLÄCHEN!
KEIN KRANKENHAUS, DAS KRANK MACHT!

Während der Unterschriftensammlungen für das von uns initiierte „Bürgerbegehren“ gegen die Bebauung des Sparbier-Sportplatzes zeigt sich stets der politische Charakter dieser Auseinandersetzung. Da wir Wert darauf legen, dass man uns nicht aus falschen Gründen zustimmt (z.B. aus rechten Ressentiments heraus), halten wir es für bemerkenswert, dass viele politisch Interessierte ihr Befremden darüber äußern, dass ein privater christlicher Wohlfahrtskonzern (Diakonie) mit Rückendeckung des Rechtssenats ausgerechnet auf eine der letzten größeren öffentlichen Sportfreiflächen ein Klinikum bauen will, während zugleich staatliche Krankenhäuser wie dasHafenkrankenhaus und auch die Frauenklinik Finkenau geschlossen werden.

Dass diese keine „Widersprüche“ sind, wird deutlich, wenn man das scheinbar gegensätzliche Vorgehen im Kontext der Privatisierungspolitik des Hamburger Rechts-Senats sieht, die von SPD und Grünen durchaus mitgetragen wird: staatliche Krankenhäuser sollen von privaten Trägern gekauft werden. Einige Krankenhauskonzerne (z.B. Helion) wollen an die Börse zu gehen. Es versteht sich, dass es nicht zum Geschäftszweck solcher Klinikfirmen gehört, eine allgemeine Gesundheitsversorgung zu sichern oder gar zu verbessern. Der Hamburger Senat favorisiert mit dieser Zielsetzung eindeutig die Stärkung der privaten Träger (wie z.B. die Marseille-Kliniken, dessen Besitzer Marseille der Schill-Parteiangehört) und die Zerstörung einer Krankenhausversorgung, die bislang eine gewisse gleichmäßige Versorgung derjenigen sicherstellte, die ihre Gesundheit vor allem erhalten müssen, um ihre Arbeitskraft verkaufen zu können.

Um diese Politik durchzusetzen, ist den beteiligten Parteien beinahe jedes Mittel recht, sogar das Verleugnen der eigenen (inzwischen als peinlich empfundenen) Parteiprogramme, in denen offiziell immer noch für „mehr Freiflächen und lebenswertes Wohnen“ geworben wird. Nun aber strebt man beispielsweise die Bebauung einer der letzten Sportfreiflächen in Eimsbüttel an – in einer Gegend, in der täglich mehr als 6.000 Schüler unterwegs sind.

Die Diakonie, die dieses böse Spiel um die Bebauung des Sportplatzes in Gang gesetzt hat, verhüllt sich weiterhin mit dem löchrigen Mantel christlicher Nächstenliebe. „Wohnortnahe Versorgung“ ist eines ihrer „Wir-wollen-Euch-doch-nur-helfen“-Stichworte, wenn sie sich direkt an die „lieben Mitbürger“ wenden. Aber schon der ehemalige kaufmännische Leiter des Elim, Otto Buchholz, ließ das eigentliche Ziel klar verlauten: Im Rahmen der angepeilten Privatisierung möchte man sich den besten Ausgangsort in der zunehmenden Konkurrenz auf dem „Gesundheits-Markt“ sichern. Und das kann man „leider“ am allerbesten auf einer großen Sportfreifläche in einem dichtbesiedelten Gebiet. Denn da liegen die Patienten sozusagen direkt auf der Straße. Dass man den bisher im Krankenhausplan 2005 vorgesehenen Standort Alten Eichen nicht mehr will, liegt nun offen auf der Hand: Die Diakonie möchte die diakonieeigene Fläche Alten Eichen nicht für den Bau des Klinikums hergeben, sondern will diese anderweitig nutzen. 

Mittlerweile hat die SPD/ GAL-Fraktion dem Stadtplanungsausschuss Eimsbüttel einen Antrag vorgelegt, in dem gefordert wird, „vor dem Aufstellungsbeschluss eines Bebauungsplanes zur Errichtung eines Krankenhausneubaus auf dem Gelände Elim/Sparbier-Sportanlage durch den Bezirk Eimsbüttel folgende Probleme abzuarbeiten“:
– die Finanzierung der Kompensation für die Sportanlage ist sicherzustellen
– den Betrieb der TAS und deren Finanzierung ist sicherzustellen
– eine grundsätzliche Finanzierungszusage für einen Klinikneubau ist einzuholen
– eine Darstellung des Bedarfs unter Berücksichtigung der Nähe zum UKE

Für unsere Initiative bedeutet dieser taktierende Antrag (wenn er angenommen wird) noch kein Aufatmen, denn er enthält eben

• keine grundsätzliche Ablehnung der Bebauung der Sportfreifläche.

• In dem Antrag wird die Sportfreifläche nicht als erhaltenswert benannt.

• Auch die Privatisierungspolitik des Hamburger Senats, die ja eine grundsätzliche Bedeutung für die Durchsetzung des Klinikneubaus hat, wird nicht hinterfragt.

Es gibt also noch viel zu beratschlagen, viele Unterschriften zu sammeln – aber auch etwas zu feiern: 1800 Unterschriften für das Moratorium (Stop aller Bauplanungen bzw. Beschlüsse für drei Monate) sollen bis Ende November abgegeben werden.

November 2002

INITIATIVE GEGEN DIE BEBAUUNG DES SPARBIER-SPORTPLATZES
(Bundesstraße/Hohe Weide)
■ Dezember 2002

Mit Lügen und Verdrehungen und gesponserter Gegen-Bürgerinitiative

und bei voller Rückendeckung durch CDU/Schill-Partei/FDP und mit der Macht einflußreicher eigener Presseabteilungen, versucht die Diakonie mit allen Mitteln das geplante Diakonie-Großklinikum auf dem Sparbier-Sportplatz durchzusetzen.

Weil kaum jemand an das mit viel christlicher Rhetorik beschworene Motiv einer angeblich dringend gebotenen „bürgernahen Klinik“ bei diesem selten paradoxen Konfliktbau glaubt, dessen Errichtung den Verlust der letzten großen Sportfreifläche im dichtbesiedelten Eimsbüttel zur Folge haben würde, zieht die Diakonie jetzt eine neue Idee aus der Trickkiste:

Nach unserem erfolgreichen Herbstfest am 24.11.2002 und der Übergabe von über 2000 Unterschriften FÜR einen Stop von Baubeschlüssen, wurde vom christlichen Hamburger Abendblatt am 2.12. groß angekündigt, dass nach „eigenen Informationen“ geplant sei, eine „zweite Bürgerinitiative“ zu gründen, die FÜR das Großklinikum eintritt.

Diese „zweite Bürgerinitiative“ (wir sind übrigens eine politische Initiative), gesponsert vom Diakonie-Konzern, CDU und „befreundeter“ Presse, hatte nun am 7. Dezember just an einem CDU-Parteistand ihren ersten großen Auftritt – mit einem Flugblatt, auf dem versehentlich noch der Faxabsender des Krankenhauses Bethanien stand, unterzeichnet von Belegschaftsvertretern (MAV).

Die korporatistischen Belegschaftsvertreter waren allerdings selbst nicht anwesend, dafür umso mehr Funktionäre der CDU aus Eimsbüttel und aus anderen Stadtteilen. Allerdings waren noch nicht alle von ihnen über die neuste Parteilinie informiert. Es war daher eine schöne Ironie, dass wir diese CDU-Mitglieder darauf hinweisen mußten, dass auf der Website der CDU-Eimsbüttel noch das Gegenteil von dem gefordert wird, was sie hier am Parteistand unter der Parteifahne fordern, dass auf der Website ihrer eigenen Partei also momentan noch ganz „entschieden gefordert“ wird, den Bau des Diakonie-Klinikums in Alten Eichen/Stellingen „zügig umzusetzen“.

Die Diakonie-eigene „Gegen-Bürgerinitiative“ arbeitet mit der Lüge, dass eine weitere Verzögerung der Bauplanung 1200 Arbeitsplätze gefährden würde.
Auf diese Weise spielt die Diakonie-Geschäftsführungen (unterstützt von der hauseigenen christlich-korporatistischen Belegschaftsvertretung) mit der Arbeitsplatzangst uninformierter und meist unorganisierter Mitarbeiter und schickt einige Ehrgeizige vor, um sie öffentlich behaupten zu lassen, UNSER Widerstand gegen die Bebauung des Sportplatzes gefährde IHRE schlechtbezahlten Jobs, genannt „Arbeitsplätze“.

Dreist wird dabei verschwiegen, dass die Diakonie, allen voran der persönlich sehr ambitionierte Elim-Geschäftsführer Karl-Heinz VORWIG, die im Krankenhausplan 2005 vorgesehenen Bebauung von Alten Eichen/Stellingen vom Tisch wischte, um sich in der Hohen Weide ein „Filetstück“ – bislang in öffentlichem Eigentum – kostenlos anzueignen.

Diese Vorgehensweise irritiert dann auch jene Bürger, die an die üblichen Erklärungen von wachsenden Kosten im Gesundheitswesen und die damit verbundene Rhetorik von Einsparungen, Fusionen und Privatisierungszwang glauben, die deshalb einen „sorgsamen Umgang mit Gesundheitsgütern bei wachsenden Ausgaben“ verlangen. Sie sind nun überrascht, wie willkürlich mit beschlossenen Maßnahmen umgegangen wird, denn der Bau eines Diakonie-Klinikums auf dem Sparbier-Sportplatzes würde am Ende viel teurer werden als der Bau am bislang geplanten Standort Alten Eichen. Allein durch die (aus rechtlichen und politischen Gründen) unvermeidlche Kompensation der Sportanlagen werden die Kosten sich auf 150 Mio. Euro verdoppeln! Das wiederum hat zur Folge, dass bei anderen Krankenhäuser weitere Einsparungen erzwungen werden… Wer also gefährdet hier „Arbeitsplätze“? Wer treibt die Kosten?

Noch ein Wort an die erwähnten Mitarbeitervertretungen:

„Arbeitsplatzsicherheiten“ werden HEUTE nicht mehr im gemeinsamen korporatistischen Kampf von „Betriebsgefolgschaft und Betriebsführer“ gegen konkurrierende Firmen errungen. Vielmehr werden selbst minimale Job-Sicherungen von Geschäftsführungen als konkurrenzschwächend empfunden und müssen deshalb GEGEN das Unternehmen erkämpft werden. Beim Diakonie-Großklinikum geht es im Rahmen der Fusion von vier Krankenhäusern (Alten Eichen, Elim, Jerusalem, Bethanien) nicht um Einsparungen (das sagt man den braven Bürgern, die an so etwas glauben wollen), sondern um eine Geschäftsausweitung: das Großklinikum soll 27.000 Patienten pro Jahr bedienen. Das sind 18.000 MEHR (bisher hatten die 4 Kliniken 9.000 Patienten/ Jahr). Und irgendwoher müssen diese neuen Patienten ja kommen!

Wir fragen daher die Mitarbeitervertretungen der Diakoniekliniken! 

– Kann es sein, dass Sie einfach dem Arbeitsplatzkonflikt bequem ausweichen und die Verantwortung für IHRE (sehr relative) Arbeitsplatzsicherheit an UNS delegieren?

– Kann es sein, dass Sie lieber aktiv an der Seite der Diakonie-Geschäftsführung zur Durchsetzung sozialer und politischer Willkür beitragen, anstatt das Gespräch darüber zu suchen, wie man gegen die Auswirkungen von massiven Konkurrenzkämpfen und stattfindenden Umstrukturierungen gesellschaftliche Bedarfe sichern kann?

Das Gerede von „bürgernaher“ und „wohnortnaher Versorgung“, (wonach sich die Patienten laut Diakoniereport – direkt mit dem Fahrrad oder zu Fuß komend – innerhalb von zehn Minuten ins Krankenbett legen), welches nach der Darstellung der Diakonie (& friends) angeblich von den BürgerInnen lediglich (noch) nicht richtig verstanden wird, ist nur ein vorgeschobenes Argument, um sich die Standortrosinen durch die Elim-inierung von Sportfreiflächen zu sichern.

Nicht zufällig ist es nicht nur die Eimsbüttler CDU-Basis, die mit den nun angesagten „neuen Argumenten“ für den „Standort Sportplatz“ nicht so rasch klar kommt. Auch die Behörde für Bildung und Sport schrieb noch am 2.4.2002:

„… lehnt das Amt für Sport die Inanspruchnahme von Flächen des Sparbier-Sportplatzes für Zwecke des Krankenhausbaus nachdrücklich ab.“

und:

 Der Sport erfüllt wichtige gesellschaftliche Funktionen. Dies gilt neben vielen anderen – vor allem sozialen – Aspekten auch im Hinblick auf das Wohlbefinden, die Persönlichkeitsentwicklung und die Gesundheitsvorsorge der Menschen. Von daher mutet es geradezu paradox an, wenn eine in diesem Sinne präventive – Krankheit vorbeugende – Einrichtung zu Gunsten einer medizinischen – Krankheit heilenden – Einrichtung verdrängt werden soll.“

Mittlerweile ist im vielkritisierten Haushalt 2003 beschlossen worden, den Bau des Großklinikums auf dem Sportplatz mit zwei Drittel der Nettobaukosten (von 150 Mio. Euro) zu tragen. Die Errichtung dieses Klinikums soll in Form einer Public Private Partnership erfolgen, wird aus Steuern und aus Kapital von Krankenhauskonzernen finanziert und auf einer staatlichen Fläche errichtet. Damit wird ein weiterer Schritt in Richtung stärkerer Ökonomisierung und Privatisierung getan. Und es steigt auch das soziale Risiko in der Gesundheitsvorsorge für diejenigen, die nicht über genügend Einkommen verfügen. Immerhin möchten Krankenhauskonzerne Gewinne erzielen.

Jeden Tag kann man in der Presse verfolgen, welche für Patienten und Personal negativen und zugleich (entgegen von Behauptungen, die leider auch Kritiker dieser Entwicklung teilen) kostentreibenden Folgen diese politisch gewollte Konkurrenz unter den Krankenhäusern anrichtet:

Nachtrag: 

• Nach Informationen des Hamburger Abendblatts vom 14.12. 2002 will das Krankenhaus Alten Eichen aus dem Projekt Diakonie-Großklinikum ausscheren (!) und lieber eine Allianz mit dem Albertinen– und Amalie-Sieveking-Krankenhaus eingehen.

• Daran wird deutlich, wieviel Konkurrenzkämpfe und politische Willkür hinter der Kulisse toben, die man für das naive Publikum aufgebaut hat, das glauben soll (und oft genug glauben will!), all der Aufwand werde nur getrieben, um armen kranken Leuten das Leben zu erleichtern.

Angesichts der harten und schwierigen Auseinandersetzung bitten wir nochmals um Ihre Unterstützung.

Wir fordern aktuell:
– Das von der Diakonie in Auftrag gegebene Verkehrs- und Emissionsgutachten muss vom Bezirksamt/ Stadtplanungsausschuss zurückgewiesen werden bzw. alle Untersuchungsmethoden und Daten müssen genauestens geprüft werden, da die Diakonie eine Partei in dem Streit um die Bebauung des Sportplatzes ist.

KEIN KRANKENHAUS, DAS KRANK MACHT!
KEINE ELIM-INIERUNG DER SPORTFREIFLÄCHE

Tageszeitung, 22. November 2002

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Kontakt: R. Behrendt: 040-xxxxxx, G. Warnke: xxxxxx, T. Schulze: xxxxxx.

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