Isebek-Konflikt 2002-2015

Hinweis: Dieses Weblog entstand 2006, 4 Jahre nach Gründung der Initiative. Ereignisse von vor 2006 wurden damals nachgetragen. Auf dieser Seite wurden auch neue Ereignisse nachgetragen. Sie dokumentiert jetzt die Auseinandersetzung um den Isebek-Park.

1. 2003: Der Kaifu-Erweiterungsbau auf dem Isebekufer
2. 2006: Die Erfindung der „Ise-Promenade“ durch die SPD:
Bebauung Ecke Osterstraße/ Bismarckstraße
Bebauung Weidenstieg + Schwimmbadwiese
3. Ältere SPD-Pläne: „Kirchplatz“, DKH, Bosseplatz, Kaifu-Mensa, Kita
4. Isebekufer als Teil der „Grünplanung“ der Agaplesion-Klinik

5. 2008: 100 Meter weiter bildet sich die „Isebek-Initiative“
6. Auftritt der Heimatschützer und Schöpfungsretter mit Kreuzen
7. Heilige Allianz von Springer-Anzeigenblatt und Isebek-Initiative
8. Isebek-Initiative zwischen STATT-Partei und ÖDP
9. Biologistisches Weltbild: Aus öffentlichem Raum wird Vogelschutzgebiet
10. Ornithologisch-biologistisches Gesellschaftsbild

11. Aufklärung oder Heimatschutz? (Flugschrift 23.10.2008)
12. Die Bezirksversammlung als „Fledermausmörder“ (Flugschrift. 27.10.08)
13. 2010: ETV und Isebek-Initiative
14. 2011: Linkspartei und Isebek-Initiative
15. 2015: Grünstreifen wird „Park“ – „Ise-Promenade“ kommt auf Umwegen
16. Anhang – Vogelschutz und Nationalsozialismus

2008 Landschafts- Programm Eimsbuettel Isebek
Klicken zum Vergrößern
„Der Sparbierplatz dient als Freifläche der Freizeit und Erholung im dicht bebauten Kerngebiet Eimsbüttel. Er ist Teil des Eimsbütteler Grünzuges entlang des Isebekkanals, der auch das Freibad am Kaiser-Friedrich-Ufer einschließt.“ (Senats-Drucksache,4.12.2007)

Vorbemerkung:

Die Bedeutung des über 20.000 Quadratmeter großen „Sparbierplatzes“ im dicht bebauten Kerngebiet von Hamburg-Eimsbüttel ging immer über seine Nutzung als Sportplatz weit hinaus: Diese öffentliche Freifläche war bis Juli 2008 Teil eines größeren Ensembles öffentlicher Räume, das bis dahin – zum Beispiel auch in Stadtplänen – das Gelände des Kaifu-Bads, das angrenzende Isebekufer und den gegenüber liegenden Bosseplatz umfasste, der heute faktisch dem ETV gehört.

Als ab 2002 versucht wurde, den (nach einem völkischen ETV-Funktionär benannten) Sparbierplatz zugunsten einer evangelikalen Klinikkette zu privatisieren, entstanden nicht zufällig gleichzeitig Konzepte zur „Kompensation“ des Verschwindens dieser Freifläche – durch „Aufwertung“ der anderen (verbliebenen) Teile dieses Ensembles, also der angrenzenden öffentlichen Räume.

Dazu gehörte zunächst die Stornierung eines provokanten Bauvorhabens der Nordelbischen Kirche, die 2002 Anspruch auf die große Wiese des benachbarten Kaifu-Schwimmbades erhoben hatte: Zwei Privatisierungen im Zeichen des Kreuzes zugleich, das wäre etwas viel gewesen und hätte den Protest gegen die Privatisierung des Sparbierplatz noch verstärkt – ein Risiko, das man nicht eingehen wollte.

Anfang 2006 veröffentlichte die SPD dann ihren Masterplan zur Umwandlung des angrenzenden Uferparks in eine „Ise-Promenade„. Auch dabei wurde die geplante Bebauung (also Beseitigung) der Freifläche Sparbierplatz in Rechnung gestellt: Die erhebliche Schrumpfung des öffentlichen Raumes sollte durch „Aufwertung“ des Parkufers „ausgeglichen“ werden. Und nicht nur das: Der Park tauchte plötzlich in Planzeichnungen als erweiterte Grünfläche der Agaplesion-Klinik auf, die selbst keine Grünflächen haben soll, weil man den okkupierten Raum zu 100 % bebauen will.

2007 wurde die „Aufwertung“ des Isebekkanals dann explizit als „Ausgleichsmaßnahme“ für die Privatisierung des Sparbierplatzes zum Behördenprogramm. In der Begründung zum Bebauungsplan Eimsbüttel 9 des Bezirksamtes Hamburg-Eimsbüttel vom 23.1.2007 heißt es dazu:

„Ausgleichsmaßnahmen außerhalb des Plangebietes wird die Stadt Hamburg anstelle und auf Kosten des Vorhabenträgers (Agaplesion) durchführen. Die Maßnahmen werden über einen städtebaulichen Vertrag gesichert. Es sind folgende Maßnahmen geplant: Umgestaltung von Grünflächen am Isebekkanal mit dem Ziel, Sichtbeziehungen und den Zugang zum Wasser zu verbessern und damit die Erlebnis- und Aufenthaltsqualität zu erhöhen.“

Seither gibt es also einen nichtöffentlichen Vertrag zwischen Agaplesion und der Stadt zur „Modernisierung“ des Parkufers für die Agaplesion AG.

Diese Zusammenhänge haben wir als erste Anfang 2006 auf diesem weblog dokumentiert. Als die SPD-Pläne im August 2006 wieder zum Thema wurden, haben wir hier einige Updates hinzugefügt.

Ab Mitte 2008 bekam das Thema eine zusätzliche Dimension: Genau zu dem Zeitpunkt, als unsere Initiative die Auseinandersetzung um die Privatisierung und Bebauung der größten Freifläche des Bezirks verloren hatte, bildete sich direkt nebenan unter dem Namen „Isebek-Initiative“ eine Gruppierung aus Natur- und Heimatschützern, die sich gegen die geplante „Modernisierung“ des angrenzenden Parks aussprach.

Diese Initiative, die sich mit keinem Wort zum Verschwinden der Großfläche Sparbierplatz äußerte und die den Park behandelte, als handele es sich um ein Naturbiotop, wurde in kürzester Zeit zum Liebling all der Medien, die über den Streit um den Sparbierplatz so ungern berichteten, weil man dieses Thema nicht behandeln kann, ohne die Nutznießer der Privatisierung beim Namen zu nennen: Klerikale Unternehmen und den Großverein Eimsbütteler Turnverband, der seit 2006 wegen seiner deutschvölkischen Vergangenheit in der Kritik stand.

Beim Streit um den Isebek-Park – es ging zunächst nur um ein Dutzend Bäume! – war das ganz anders: Außer einigen Lokalpolitikern und der „Bürokratie“ musste man hier niemanden kritisieren. Und plötzlich engagierten sich Kräfte, die stets die Privatisierung und Bebauung des benachbarten Sparbierplatzes unterstützt hatten (auch durch Schweigen), für die Parkbäume, darunter auch die Kirchen und ausgerechnet auch der ETV.

Dieses Eimsbüttler Milieu ging nun soweit, das christliche Kreuz, unter dessen Zeichen die Privatsierung nebenan betrieben wurde, zum Symbol des „Widerstandes“ zu machen. Zwecks „Rettung der Parkbäume“ (auf dem Sparbierplatz wurden wenige Wochen vorher 80 Bäume gefällt!) wurden diese im großen Stil mit Christenkreuzen verziert, und esoterisch gestimmte Eimsbütteler Mittelschichtfrauen tanzten dann um diese nun bedeutungsvollen Holzgewächse.

Mit allen Mitteln versuchten Medien, Initiative, Kirchen, ETV und andere die Auseinandersetzung um den öffentlichen Raum auf diese Weise umzudeuten zum Kampf um die „Rettung der Schöpfung„.

Mit diesem Programm schaffte es die Isebek-Initiative auf die Titel der Lokalpresse und in die Nachrichten der Lokalsender, wo man froh war das „sperrige“ Thema „Christenkonzern privatisiert den öffentlichen Raum“ endlich los zu sein. Später wurde die „Isebek-Initiative“ Mitglied beim kulturalternativen Bündnis „Recht auf Stadt„, wo man im „Kampf gegen Spekulanten“ (im Namen von „Anwohnern“) mit Heimatschutz keine Probleme hat. Von dieser Entwicklung handelt diese Seite.

Folgen der Privatisierung des Sparbierplatzes (1)

2002/2003: Bauen im Park
(Bericht vom März 2006)

Mitten AUF dem Isebek-Uferpark entsteht ein Erweiterungsbau des Kaifu-Gymnasiums (Kantine), in dem auch eine Kita untergebracht wird. Auch dieses Vorhaben hat mit der geplanten Sparbierplatz-Privatisierung zu tun

2002 Kita Kaiser Friedrich Ufer
(Klicken zum Vergrößern) – Weil der ETV den Bosse-Platz will und die Kirche den Schwimmbadvorplatz, kommt die Kita auf die Parkwiese

2003 Kita Kaiser-Friedrich Ufer
Ankündigung 2003. Klicken zum Vergrößern

2004 Kita Kaiser Friedrich Ufer
Ankündigung 2004. Klicken zum Vergrößern

2006 Kita Kaiser Friedrich Ufer
Realität im März 2006: Das Konzept der „dichten Bebauung“. Zu diesem Neubau AUF der öffentlichen Parkwiese gab es nicht die üblichen Alarmrufe der Natur- und Heimatschützer. Der Grund: Man ist den Institutionen verbunden (ETV, Kaifu, „Diakonie“), deren interner Interessensabgleich zu dieser „Standortwahl“ führte.


Entwurf: Neubau der Kindertagesstätte Kaifu und einer Cafeteria für das benachbarte Gymnasium Kaifu. „Der Neubau schwimmt wie ein Schiff IN DER PARKLANDSCHAFT am Isebekkanal“ heißt es in den Planungsunterlagen. Geplant war der Kita-Bau eigentlich am Weidenstieg, wo es auch einen Bauplatz gab. Und die Cafeteria sollte am Rande des öffentlichen Bosseplatz entstehen. Mit diesem Platz will man jedoch – mit Blick auf die geplante Beseitigung des Sparbierplatzes und der Rolle des ETV dabei – den Großverein belohnen. Also baute man eine gemeinsame Unterkunft für Cafeteria und Kita mitten auf den öffentlichen Uferpark.


Bauherr: Die Kita-GmbH in „Zusammenarbeit“ mit der Behörde für Bildung und SPORT! Die Reihenfolge ist hier auf den Kopf gestellt. Ausgangspunkt der Planungen waren die Interessen des SPORT-Vereins ETV im Zusammenhang mit der Privatisierung des Sparbier-Platzes und des Bosse-Platzes.

1958 Isebek Kaiser Friedrich Ufer
Klicken zum Vergrößern
Rückblick auf den Isebek-Uferpark 1958: Nach der bedingungslosen Kapitulation der „Herrenrasse“ vor den antifaschistischen Truppen der Alliierten, musste die deutsche Volksgemeinschaft etwas zusammenrücken. Die hier zu sehenden Gebäude vor dem Kaifu-Gymnasium sind der Rest einer großen Barackensiedlung, über die vor allem „Heimatforscher“ wie die Eimsbütteler Geschichtswerkstatt immer wieder gerne reden. Überraschend: Die neue Bebauung greift dieses Motiv erneut auf. Wahrscheinlich wirkt hier das kollektive Unbewusste nach.

1960 Sparbierplatz Hamburg
Vergrößern

Rückblick auf Isebekpark und Sparbierplatz 1960. Hinter dem Kaifu-Gymnasium (rechts oben) sind noch die Baracken zu sehen. Die große öffentliche Freifläche Sparbierplatz ist bis in die 1970er Jahre nur mit Hecken vom angrenzenden Freibad abgetrennt, das wiederum mit dem Uferpark verbunden ist. Man erkennt hier sehr gut, wie Parkufer, Schwimmbadfläche und Sparbierplatz einen zusammenhängenden öffentlichen Raum bilden.

Auch zwischen dem KH Elim und der öffentlichen Freifläche gab es damals noch einen breiten Streifen mit Bäumen, weil das erst 1969 dicht an den Platz gebaute „Schwesterheim“ des evangelikalen KH Elim noch nicht existierte. Nach dem Willen von Rechtssenat & Agaplesion AG soll dieser zusammenhängende öffentliche Raum bald zerstückelt und bebaut werden.

Erläuterung zu obigen Abbildungen

Die plötzlichen Veränderungen am Isebek-Ufer haben alle mit der geplanten Bebauung des öffentlichen Sparbierplatzes zu tun. Weil diese Großfläche nach dem Willen von Rechtssenat und SPD-Eimsbüttel privatisiert werden soll, will man an anderer Stelle „Kompensationen“ schaffen – durch die „Aufwertung“ benachbarter Freiflächen. Dazu gehören der nach einem völkischen ETV-Funktionär benannte Bosseplatz und das Isebekufer.

Die Mensa des Gymnasiums sollte zunächst am Rande des Bosseplatzes entstehen. Doch das hätte bedeutet, dass gleich zwei Flächen verkleinert werden, die sich der ETV aneignen will. Da aber die Bebauung des Sparbierplatzes mit einem „Diakonieklinikum“ der Klinikkette Agaplesion AG politische Priorität hat, sollte auf die Randbebauung des Bosseplatzes verzichtet werden. Man entschied sich dafür, den öffentlichen Isebek-Park zu bebauen und dort in einer Kita auch die Kantine unterzubringen.

Der Uferstreifen am Isebek gerät ins Visier der Privatisierer

Der Vorschlag, die Alster trocken zu legen, um an dieser Stelle Parkplätze und Shopping Malls anzulegen, soll vor Jahrzehnten in Hamburg ernsthaft diskutiert worden sein. Dass diese Geschichte durchaus glaubhaft erscheint, hat damit zu tun, dass ähnliche Themen ständig virulent sind: Die „Messe Hamburg“ eignet sich immer wieder ein Stück des Planten + Bloomen-Parks an und jetzt ist der Grünstreifen am Isebek-Kanal ins Visier von Politik und Behörden geraten.

Wo Jogger, Spaziergänger und spielende Kinder nur ein ganz nettes Stück Wiese erkennen können, sehen zielstrebigere Akteure in Wirklichkeit höchst wertvolle Grundstücke. Einer Verwendung in diesem Sinne stehen allerdings zunächst Flächennutzungspläne und andere Verordnungen im Weg, in denen man einst – nicht zuletzt aus dem Wissen heraus, dass systembedingt kein Wiesenstück seine Unschuld behalten kann, wenn es daran ein ökonomisches Interesse gibt – festlegte, wieviel Grün der Städter braucht, um nicht der Depression anheim zu fallen, um also funktionieren zu können.

Wer solche Vorschriften kippen will, braucht zunächst ein irgendwie „gemeinnützig“ klingendes Argument. Es geht nicht, dort gleich eine Filiale von Ikea oder MacDiakonie hinzustellen. Wie wäre es deshalb zunächst mit einem Kindergarten? Dagegen kann niemand etwas haben. Zumal es einige Meter weiter bereits ein langjähriges Kita-Provisorium auf der Wiese gab. Ein Provisorium war diese Kita, weil man die öffentliche Parkfläche bisher nicht endgültig zu bebauen wagte und weil es in der Nähe ein Grundstück für diese Einrichtung gab, die man dann aber lieber lukrativer nutzen wollte.

Doch jetzt wurde der öffentliche Uferpark endgültig bebaut. Selbstverständlich für „gemeinnützige“ Zwecke. Der kommerzielle Hintergrund dieser Entscheidung wird schon in Vergessenheit geraten!

Es könnte aber auch so kommen: Kinder sind hungrig und Cafeteria und Kita-Küche arbeiten seit einiger Zeit mit Verlust. Ein neuer Pächter muss her, der aber von Kindern allein nicht leben kann, weshalb die Anlage auch als kommerzielles Parkcafé genutzt wird … Soweit ist es noch nicht, aber die Eimsbüttler SPD, die schon der Sparbierplatzbebauung zustimmte, arbeitet bereits an einem Programm zur „Aufwertung“ des Isebekufers zur „Isebek-Promenade„, die man sich als eine Art Ausgehmeile zwischen Hoheluft und Schanzenviertel vorstellt.

Es ist bemerkenswert, wie geräuschlos (und ohne Bebauungsplan!) dies alles geschieht. Einige bauhistorisch interessierte Passanten haben sich wohl leise gewundert, dass die Vorzeigefassade des (nach Friedrich III. benannten) Gymnasiums nun durch das neue Gebäude verdeckt wird. Die anderen, die hier vorbei kommen, Jogger und Hundebesitzer vor allem, werden sich daran nicht stören. Und auch denen, die kurz vor Einbruch der Dunkelheit schnell noch rüber zu Aldi wollen, kann es egal sein. So geht alles seinen realpolitischen Gang. Die einen handeln und gestalten, weil das ihr Job ist, die meisten anderen nehmen die neue Lage achselzuckend hin – was sie ja auch vom Job her kennen.

Gegen Indifferenz und konservative Ordnungsrufe

Doch nicht alle sind dieser Entwicklung gegenüber gleichgültig. Es gibt auch jene, die alles „retten“ wollen (Wale, Bäume etc) und die, als hätte dieses Wort in Deutschland nicht eine ganz andere Bedeutung, von der „Vernichtung“ einer Grünfläche sprechen. Das sind jene Heimat- und Naturschützer, die vor allem für Recht & Ordnung sind. Sie rufen Jugendliche zur Ordnung, die im Park feiern und sie finden, dass die menschliche Nutzung des Parks eine Zumutung für Planzen und Tiere ist. Ansonsten wollen sie, dass alles bleibt wie es ist.

Indifferenz und konservative Ordnungsrufe sind oft nur zwei Seiten einer Medaille. Unsere Kritik ist anders motiviert. Wir sehen, was hier geschieht. Die mit dem Begriff der „Privatisierung“ nur unzulänglich beschriebene In-Wert-Setzung öffentlicher Güter durch sozialdemokratische und andere Macher korrespondiert mit anderen „neoliberalen“ Diskursen, z.B. mit der die diversen Kürzungen begleitenden Aufforderung, mehr „private Vorsorge“ zu treffen. Privatisierung ist Umverteilung und ideologische Indoktrinierung zugleich.

Wir sind gegen diese Maßnahmen, aber wir glauben nicht, dass hier eine klare Frontstellung zwischen „denen da oben“ und „all den anderen“ existiert und dass es daher ausreichen würde, einem imaginären historischen Subjekt ein „Rettet den…!“ zuzurufen. Wir sagen jedoch, dass selbst an dem relativ harmlosen Beispiel eines Kita-Neubaus auf einem bislang sakrosanten Uferpark durchaus eine allgemeine Tendenz sichtbar wird. So wie im Fall der geplanten Bebauung des öffentlichen Sparbierplatzes mit einer Filiale der Klinikkette Agaplesion AG.

Folgen der Privatisierung des Sparbierplatzes (2)

Bauen im Park (Fortsetzung)

Die Erfindung der „Ise-Promenade“ durch die SPD

Immer realistisch bleiben mit der SPD: Naherholung ist auch ohne die öffentliche Freifläche Sparbierplatz möglich. Zum Beispiel auf der von der SPD erfundenen „Ise-Promenade„.

SPD Eimsbuettel 2006 Isebek
Faltblatt der SPD-Eimsbüttel, 2/2006

SPD Eimsbuettel Isebek-Promenade
(Mit Klick vergrößern) Den Sparbierplatz „vergessen“

Die Verdichtung der Verdichter: Weil die SPD die 22.000 m2 große öffentliche Freifläche Sparbierplatz privatisieren will, damit sie mit einem „Diakonieklinikum“ der Aktiengesellschaft Agaplesion bebaut werden kann (den Rest will sich der ETV aneignen), soll 100 Meter weiter der Parkstreifen am Isebekufer „aufgewertet“ werden. Auch als künftiger „Vorgarten“ dieses Klinkums, das mit aller Gewalt auf das Filetgrundstück im Kerngebiet drängt und dabei in Kauf nimmt, dass es ohne eigene Grünflächen neben dem Restplatz entworfen werden muss.

Isebekufer Park

Zusammenhänge: Links der Sparbier-Sportplatz, rechts davon die Synagoge (Hohe Weide), darüber das „Kaiser Friedrich“-Gymnasium und der Sportverein ETV, darüber das (von der SPD begehrlich als „Ise-Promenade“ in den Blick genommene) Ufer des Isebek-Kanals, rechts die Hoheluftbrücke.

Februar 2006

So sind sie seit über 100 Jahren:
Deutsche Sozialdemokraten verstehen es, jede Zumutung zu einer Reform umzudichten:

• Bauen sie heute eine Autobahn durch den Stadtpark, fordern sie morgen mit aller Entschiedenheit: „mehr Ampeln für unsere Schulkinder“.

• Beseitigen sie heute eine öffentliche Sportfreifläche, „fordern“ sie morgen die Aufstellung von Tischfußballgeräten. Und wenn in den Medien gerade das „Aussterben der Deutschen“ beklagt wird, denn hängen sie eben noch die Bemerkung dran, dass Tischfußball familienfreundlich ist.

Was genau eigentlich ihre jeweilige Handlungsmotivation ist, das ist oft nicht heraus zu finden. Zum Beispiel im Fall der von der SPD kreierten Ise-Promenade (intern als E-Süd Isebek-Initiative bezeichnet). Woher rührt eigentlich der eigenartige Aktivismus bei einem „Problem“, das diese Provinz-Sozialdemokraten selbst erfunden haben? Hat einer von ihnen gerade ein Landschaftsarchitektur-Büro eröffnet, das noch keine Aufträge hat? Wollen Anne Schum, Gerhard Behrens und Mechthild Führbaum sich auch einmal so fühlen wie Ole von Beust – als Macher? Und was bedeutet das eigenartige Versprechen der SPD, die Benutzung der öffentlichen Grünanlage am Isebekufer solle auch in Zukunft KOSTENLOS bleiben??

O-Ton der SPD-Eimsbüttel, 21. Februar 2006:
http://www.spd-fraktion-eimsbuettel.de/modules.php?op=modload&name=News&file=index&catid=&topic=4,

NEUGESTALTUNG DES GRÜNZUGS AN DER ISEBEK: Die SPD im Kerngebiet Eimsbüttel hat … mit professioneller Unterstützung von BGF-Landschaftsarchitekten [warum gerade die?] ein Ideenkonzept zur Gestaltung des Grünzugs an der Isebek vorgelegt. Die SPD geht dabei von folgenden Hauptannahmen aus:

(1) Eine sich VERDICHTENDE STADT bringt Herausforderungen mit sich, die von aktiver Planung begleitet werden müssen [ein Satz, der so bei Kafka stehen könnte].

(2) FAMILIENFREUNDLICHE QUARTIERE mit attraktiven [warum nicht: „mit schön langweiligen…“?] Grünanlagen sind ein wesentlicher Faktor für den Zuzug von Familien und den Verbleib von Familien in der Stadt. Dem Gestaltungskonzept für den Grünzug Isebek liegt daher [?] zu Grunde die

(3) maßvolle und nachhaltige WEITERENTWICKLUNG der Grünanlage [„Weiterentwicklung der Grünanlage“ – auf eine solche Formulierung musste erst jemand kommen!], ..

(4) wohnortnahe, KOSTENLOSE [!?] Nutzung durch alle Bevölkerungsschichten für jung und alt. Einzelne Befürchtungen wurden hinsichtlich der grundsätzlichen Gestaltungsidee zu bedenken gegeben: Die Befürchtung einer „Übernutzung“ und die Angst vor einer „Yuppiesierung“ des Grünzugs einschließlich der damit möglichen Auswirkungen bis hin zur Steigerung von Mieten. Der Bezirksamtsleiter [der Sozialdemokrat Mantell] wird gebeten, sich für die Neugestaltung des Grünzugs an der Isebek zwischen Weidenstieg und Hoheluft einzusetzen. Begründung: Das alte Stadtquartier Eimsbüttel wird [mit unserer tatkräftigen Hilfe] fortlaufend baulich verdichtet. Die Nutzung muss sich heutigen und künftigen Anforderungen anpassen. [der Zirkel ist geschlossen].

So soll es werden…
http://www.bgf-plan.de/
[der Text wurde inzwischen entfernt!]

I S E – P R O M E N A D E
Bei dem Projekt Ise-Promenade handelt es sich um eine Initiative des SPD-Distriktes Eimsbüttel Süd. BGF-Landschaftsarchitekten haben auf dieser Grundlage die Ideen weiterentwicklelt und grafisch dargestellt. Das Prinzip: Die Ise-Promenade wirkt qualitätsverbessernd auf die angrenzenden Stadtquartiere. Sie verbindet die unterschiedlichen Orte und Angebote zwischen Hoheluft und Christuskirche. Die wenigen Freiflächen [dafür hat man selbst gesorgt!] müssen durch hohe Qualitätsausstattung den Grünflächenmangel ausgleichen.

.

1. OSTERSTRASSE
„Diese Uferflächen waren VOR 1945 bebaut“. [Die SPD macht den zweiten Weltkrieg an der Osterstraße wieder rückgängig!. Ihr Planer Pohl tritt tatsächlich öffentlich mit Plänen aus der „Zeit vor 1945“ auf und begründet die neuen Bebaungspläne damit, „wie es früher war“]. „Eine Bebauung an der Osterstraße unter Hinzuziehung von Verkehrsflächen sollte möglich sein. Der Verbindungssteg unter der Eimsbütteler Brücke führt zu den Sonnenterrrassen der Eisdiele.“


Juli 1960: Das Kaifu-Bad am Isebekkanal. Vorne das Ruderer-Bootshaus.

Entgegengesetzte Blickrichtung: Wie der Plan zeigt, soll u.a. die dem Eiscafé gegenüberliegende Grünfläche bebaut werden. Rechts von „Reha am Kaifu“ beginnt der öffentliche Sparbierplatz, den Rechtssenat, SPD und Agaplesion AG privatisieren und bebauen wollen.


Zusammenhänge: Rechts oben: die geplante Bebauung der Sparbierplätze. Im Vordergrund: die geplante Bebauung der (meistens von Obdachlosen genutzten) Uferböschung in der Bismarckstraße (in Höhe der Zufahrt zur Discounter-Kette „Aldi“ bzw. des Eckgeländes des Gebrauchtwagenmarktes, das demnächst bebaut werden wird). Neben der Eisdiele und an den anderen Ecken der Brücke sollen die Uferböschungen versiegelt werden. Hinten links auf dem Grünstreifen vor dem Kaifu-Gymnasium: der Neubau der Kantine/
Kita mit einem eingezäunten Kleinsportfeld.

2. WEIDENSTIEG
„Das Ende des Kanals eignet sich zur Einrichtung eines „Amphitheaters“ mit Wasserbühne [solche „kreativen Ideen“ entstehen, wenn Architekten den Wert des öffentlichen Auftrages steigern wollen]. Der Bunker wird abgerissen und durch ein Gebäude in Zusammenhang mit den Pastoratshäusern der Christuskirche ersetzt. Am Weidenstieg können drei neue Gebäude errichtet werden: – ehemaliges Kindergartengebäude [das war der bereits vorhandene Bauplatz für jene Kita, die man jetzt IM Park gebaut hat!] – ehemaliges Eckgebäude Kaiser-Friedrich-Ufer/Ecke Bismarkstraße und das Eckgebäude, das früher
am Beginn der Ise-Promenade stand. Die Liegewiese vom Kaifu bleibt erhalten.“ [Danke!]


Hervorgehoben: dunkelrot (oben) bzw. schwarz (unten): die von der SPD geplanten Neubauten


Hier tauchen wieder Teile des Planes aus dem Jahr 2002 auf, als die Kirche am Weidenstieg – unter anderem auf der Kaifuwiese – ein Kirchenzentrum bauen wollte (s. „Presse 2002“). Diese Pläne wurden wieder storniert, weil die geplante gleichzeitige Bebauung des öffentlichen Sparbierplatzes UND der Kaifu-Wiese mit klerikalen Bauten politisch zu heikel wurde.

Damals hieß es: „Zwei neue Gebäude sind geplant, der Weidenstieg soll in einen Kirchplatz übergehen. Der Bunker gegenüber der Christuskirche wird abgerissen, an seine Stelle kommt ein fünfstöckiges Medienhaus. Und „auf der Wiese des Kaifu-Bades entsteht ein viergeschössiger Bau.“

Die SPD will nun das (im Krieg gegen Nazideutschland zerstörte) „ehemalige Eckgebäude Bismarkstraße“ direkt auf der großen Grünfläche an der Kreuzung Weidenstieg/Bismarckstraße/Eschenstieg wieder aufbauen und unmittelbar neben der Kaifu-Wiese das „ehemalige Eckgebäude Kaiser-Friedrich-Ufer“ (gemeint: das linke Eckgebäude des in der NS-Zeit gebauten Schwimmbad-Eingangs) wieder errichten lassen – wobei das frühere Gebäude allerdings nur ein Stockwerk hatte!

Die Verschattung der Wiese wird also – wie bei den damaligen Planungen der Kirche – bewusst in Kauf genommen. Der Hinweis: „die Liegewiese vom Kaifu bleibt erhalten“ ist typisch sozialdemokratische Augenwischerei.

Was das Gelände des „ehemaligen Kindergartengebäudes“ betrifft: Dieses steht erst dadurch endgültig zur Verfügung, dass man auf dem öffentlichen Isepark ein langjähriges Provisorium durch einen Neubau ersetzte. Diese Entscheidung fiel, weil die Schulkantine des Kaifu-Gymnasiuums nicht am Rande des öffentlichen Bosseplatzes entstehen sollte. Den will man dem ETV zuschanzen, der sich um die Privatisierung des Sparbierplatzes vedient gemacht hat. Die Schulkantine „musste“ also auf die Uferwiese. Damit sich das lohnt, hat man die Kita gleich dazu gepackt, wodurch am Weidenstieg ein weiterer Bauplatz für die SPD-Pläne frei wurde. Dichte Bebauung eben, ganz im Sinne des Beust-Senats.


Die Situation 1970, als noch der Schwimmbad-Eingang aus der Nazi-Zeit existierte. Das linke Eckgebäude will die SPD nun wieder aufbauen – nur viel größer. Die Freifläche links daneben wird auch gleich bebaut


November 1960: Ende des Isebek-Kanals. Vorne der alte Schwimmbad-Eingang.

3. KAIFU WIESEN
„Mit dem Neubau der Kindertagesstätte vor dem Gymnasium werden ein Teil der Wiesen an der „Promenade“ wieder hergestellt [!?], verbunden mit der Modernisiserung (?) des Spielplatzbereiches. Die Gedenkstätte [zur Erinnerung an die Bücherverbrennung 1933 an diesem Ort hinter dem ETV-Gebäude] könnte durch ein transparentes Dach betont werden.“ [Gedenkstätte mit Plastikdach: diese sozialdemokratischen Neoliberalen schrecken wirklich vor nichts zurück!]


Am 15. Mai 1933 verbrannten Hamburger Nazis 50 Meter hinter dem ETV-Gebäude (Bild) am Kaiser-Friedrich-Ufer „undeutsche“ Bücher. Erst 1985 wurde zur Erinnerung an die Bücherverbrennung am Isebekufer ein Mahnmal errichtet. In einen erhöhten Halbkreis aus Stein sind vier rote Marmorblöcke eingelassen. Auf den Blöcken befinden sich ein Zitat von Heinrich Heine, die Titel verbrannter Bücher sowie ein Aufruf zum Kampf gegen den Faschismus.
An jedem 15. Mai findet hier eine Lesung damals verbotener Texte statt. Für die von Nazis gesprägten und nach völkischen Akteuren benannten Orte in der unmittelbaren Umgebung – ETV-Gebäude, Elim-Krankenhaus, Sparbierplatz, Bosseplatz – interessieren sich Lesende und Zuhörer nicht.

4. HOHELUFT
„Der nördliche und südliche Platz werden durch eine Brücke verbunden. Es entsteht ein zentraler Drehpunkt für die Geschäftsstraße [?] Hoheluftchaussee mit der Umsteigesituation zwischen Metrobus 5 und U-Bahnlinie 3. Die überwiegend stark bewachsene Böschung sollte soausgelichtet [also versiegelt] werden, dass der [dann sicher kostenpflichtige] Blick auf das Wasser frei wird.“

Und wer macht das alles?

Die befreundeten Landschaftsarchitekten:
http://www.bgf-plan.de/ sowie
http://www.srl.de/service/bueros/buero.php4?id=149
BGF Landschaftsarchitekten: = Wolf Pohl – Maren Bosse – Ulrike Veit – Simone Neddermann – Susanne Koch – M. Naujoks

Mit unserem erweiterten Planungsbegriff stehen wir für eine nachhaltige Entwicklung unter Berücksichtigung sozialer und ökologischer Faktoren. Auftraggeber sind Städte und Gemeinden der Metropolregion Hamburg. Der PlanerInnen-Stammtisch findet jeden zweiten Donnerstag im Monat statt im CaféKult, Eppendorfer Weg 54.

→ Wolf Pohl ist zugleich aktiv für die
Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst:
http://www.dggl.org/landesverbaende/hamburg_schl_holst/hamburg_schl_holst_mitgliederliste.html

Alte Bekannte. Zum Beispiel: In der Zeitschrift „STADT“, Heft Sept. 1982 (u.a. zum Thema: Hamburg, eine Stadt auf dem Weg zu sich selbst ) schrieben gemeinsam der Eimsbütteler Stadtplaner REINHARD BUFF (KPD/ML) und WOLF POHL.

Pohl (w.pohl@bgf-plan.de) hat übrigens die Bezeichnung „Anwohner“ (als solche will uns das Abendblatt seit Jahren verharmlosen) wirklich verdient. Seine Adresse – das Hausboot am Kaiser-Friedrich-Ufer 2 (einst ein Bootsanleger) – verweist auf rotgrünalternative Anfangszeiten:

Kultursoziologische Randbemerkung:
Die Figur des „Landschaftsarchitekten“ oder der „Landschaftsplanerin“ entspricht heute der Figur des Unternehmensberaters mit linker Vergangenheit, der in den 1990er Jahren zur Ikonographie des politischen Wandels gehörte. Der Ex-Linke hatte sich einst aus sozialutopistischen Motiven mit der Politischen Ökonomie auseinander gesetzt. Nach dem Verbrauch dieses Motiv-Überschusses blieb die BWL/VWL-Qualifikation übrig.

Viele der heutigen Landschaftsarchitekten oder Landschaftsplanerinnen begannen ihr Studium mit einer grünalternativen Naturschützermotivation. Wenn heute ein alt-dogmatischer Natur- und Heimatschützer bei den Grünen anruft, weil irgendwo ein Baum gefällt wird, schüttelt man dort den Kopf über solche „Spinner“. Man ist voll und ganz mit dem eigenen Fortkommen beschäftigt. Wo heute ein Landschaftsarchitekt mit grünalternativem Hintergrund auftaucht,kann kein Grashalm mehr seiner „Aufwertung“ entkommen.

1971-1974

1971 protestierte eine brave „Bürgerinitiative“ erfolgreich gegen den Plan, den Isebekkanal mit einer Autobahn zu überbauen. 1974 trat
diese Initiative erneut an. Diesmal, um den Park zu modernisieren. Offenbar ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für junge Berufseinsteiger. Nicht zufällig dabei: Wolf Pohl, Isestraße 63.


(Flugblatt der „Bürgerinitiative Isebek“, 8.6.1974, Auszug)

Die Vorarbeit der SPD im Jahr 2002
(Parallel zur Planung der Sparbierplatz-Privatisierung)

Gerhard Behrens und Anne Schum:
Die politische Bilanz zweier Eimsbütteler Sozialdemokrat/inn/en

aus: SPD-Eimsbüttel – Aktuelles aus der Kommunalpolitik, 21.11.2002
(das Dokument wurde inzwischen gelöscht)

(1) BILDUNGSZENTRUM CHRISTUSKIRCHE (Weidenstieg)

Die nordelbisch-evangelische Kirche möchte am Weidenstieg ein Bildungszentrum errichten [„Bildung“ meint: klerikale Propaganda] und auch ihre umfassende Bibliothek aus der Grindelallee hierhin verlagern, wodurch man [!] sich Synergieeffekte verspricht. Die Kirche will näher an die Menschen heranrücken [das findet die SPD gut!]. Die Gemeinde vor Ort verspricht sich eine Verbesserung ihrer Möglichkeiten für ihre der Bevölkerung zugewandte Gemeinde- und Stadtteilarbeit [man glaubt es nicht: Die SPD war einmal eine Partei der Aufklärung!]. Die SPD-Fraktion steht dem Bauvorhaben [zusätzlich zum Vorhaben einer Christianisierung des Sparbierplatzes!] grundsätzlich positiv gegenüber, will aber keine Kaifu-Schwimmbad-Wiesenbebauung, aber dafür eine Aufwertung der Grünfläche am Kopf der Isebek erreichen. (Behrens, 11/2002)

[„Aufwertung der Grünfläche“ – wann genau haben sich Sozialdemokraten dieses Vokabular angeeignet? Den Ehrgeiz, allen Bauvorhaben auf dieser Welt „grundsätzlich positiv gegenüber“ zu stehen, hat nicht einmal die CDU. Diese war noch vor dem sozialdemokratischen „aber“ gegen das ganze Projekt – s. „Presse 2002“. So kann man sich durch Übereifer blamieren!]

(2) DIAKONIE-KLINIKUM HAMBURG

Auf dem vorderen der beiden Sportplätze will das Diakonische Werk [man schleimt sich zwar an die Kirchen heran, hat aber keine Ahnung von deren Strukturen. Das DW ist ein Dachverband, der nicht baut] ein 540 [stimmt auch nicht]-Betten-Klinikum errichten. Dieser Bau soll die jetzigen Kliniken Elim, Alten Eichen, Bethanien und Jerusalem [Jerusalem ist nicht dabei]ersetzen. Bislang hat die Diakonie [„Diakonie“ ist ein anderer Name für den Dachverband. Er plant keine Kliniken] geplant, einen solchen Neubau, auf dem Gelände des Krankenhauses Alten Eichen in Stellingen zu errichten. Mit dem ETV ist die Diakonie einig geworden: Anstelle des Sportplatzes soll auf dem Dach [!] ein kleineres Fußball- und Hockeyfeld mit Kunstrasen errichtet werden. Die SPD hat tiefes Verständnis für die AnwohnerInnen,verkennt aber auch die Interessen der Diakonie nicht. (Anwohnerversteher Gerhard Behrens, 11/2002)

[ (a) Der Akteur ist überhaupt nicht das von der SPD „die Diakonie“ genannte Diakonische Werk, sondern die Frankfurter Klinikkette Agaplesion AG. (b) Nicht „die Diakonie“ hatte „bisher“ einen Neubau in Alten Eichen geplant, sondern der damalige SPD-Senat! Nachdem die SPD nach ihrer Wahlniederlage Ende 2001 auf die Schill-Partei/CDU-Position umgeschwenkt ist, will man an die eigenen Beschlüsse nicht mehr erinnert werden. (c) Ob mit dem ETV jemand „einig“ geworden ist, ist völlig unerheblich, das es sich bei dem Sparbierplatz um einen öffentlichen Platz handelt. Der ETV kann darüber nicht verfügen. Er konnte aber mit dem Rechtssenat und mit Agaplesion hinter dem Rücken der Öffentlichkeit politische Deals verabreden, auf die sich die SPD nun beruft und berufen will. (d) Wir sind, wie auch die SPD weiß, keine Gruppe von Anwohnern. (e) Die SPD hat sogar Pläne abgenickt bzw. „begrüßt“, die sich der potentielle Investor nur für Abendblatt-Leser und ETV-Vorstände ausgedacht hatte: Kein Mensch hatte jemals vor, einen Fußballplatz „auf dem Dach“ zu bauen. Opportunismus macht dumm!]

(3) BEBAUUNG DES Bosse-SPORTPLATZES

An der Heymannstraße befindet sich dieser Sportplatz, dessen Fläche bereits für das neue Klassenhaus des Gymnasiums Kaifu angeknabbert worden ist. Die Schule will sich weiter ausdehnen und dort eine KANTINE errichten und auch die KITA hat ein Auge auf die Fläche geworfen, sind ihre benachbarten Pavillons für die Kita im Grünzug an der Isebek doch abgängig.

Die SPD-Fraktion ist durch unsere Genossin Anne Schum aktiv in dem hier stattfindenden Diskussionsprozess dabei. Auch hier gilt es, DIE VERSCHIEDENEN, BERECHTIGTEN INTERESSEN zu würdigen: Kinderbetreuung, Sport, Schule und Freiflächen. NICHT EINFACH – ABER WIR BLEIBEN DRAN. (Behrens, 11/2002)

[„Verschiedene berechtigte Interessen“ – sozusagen ein Traumkonflikt für eingefleischte Sozialdemokraten. Klar, dass „die Freifläche“ am Ende auch etwas nachgeben muss. Der öffentliche Bosse-Platz – zu dessen Benennung nach einem deutschvölkischen ETV-Funktionär im Jahr 1933 die SPD übrigens auch nichts sagen will – wird vom ETV beansprucht. Die SPD verweigert deshalb dem Gymnasium und der Kita Flächen auf diesem Platz und bietet ihnen dafür an, den PARK zu bebauen! Mit Gerhard Behrens und Anne Schum beginnt die Bebauung des Isebek-Grünstreifens.]

(4) SPD BEGRÜSST KOMPROMISS FÜR KITA-NEUBAU

„Die Eimsbütteler SPD-Fraktion hat die Neubaupläne für die Kita am [auf dem!] Kaifu-Ufer als GUTEN KOMPROMISS begrüßt. Anne Schum: „Die vorgestellten Planungen stellen eine gute Grundlage für eine Entscheidung dar.“ Die Lage der Pavillons mitten im Park sei OFTMALS KRITISIERT worden. Der Neubauentwurf belasse die Kita zwar im Park, rücke sie aber deutlich AN DEN RAND.
„Davon haben alle etwas: Die Grünfreunde mehr Fläche (?), die Kinder neue Räume und Platz zum Spielen im Grünen,“ sagt Anne Schum. „TOLL ist auch, dass die eingezäunte Spielfläche für alle Kinder offen sein soll und eine für die Öffentlichkeit nutzbare Toilette (?) zur Verfügung steht.“
Die SPD setzt sich überdies dafür ein, dass die KÜCHE, die für das Ganztagesangebot der Kita entsteht, auch das benachbarte Gymnasium mit versorgt, das Ganztagsschule werden soll. Dazu Schum: „Steuergelder für eine Küche, die zwei Einrichtungen versorgt – das ist doch optimal!“.
Einen SCHULKANTINENBAU auf dem benachbarten Bosseplatz lehnt die SPD dagegen ab. „Der Sportplatz darf nicht angeknabbert werden, den brauchen WIR (meint: der ETV, obwohl dem auch dieser Platz nicht gehört) dringend“, so Schum“ (Hamburger Abendblatt 11. März 2003).

[Was an Anne Schum so unerträglich ist, ist die Kombination von Hausfrauenbiederkeit und gnadenloser Lobby-Arbeit für den ETV und seine klerikalen Geschäftspartner. Jeder weiß, dass die SPD dem ETV den öffentlichen Bosse-Platz (im Zusammenhang mit der geplanten Sparbierplatz-Bebauung) zuschustern will. Aber Schum vollstreckt hier nur den Willen von Schill-Partei und Beust-CDU. Immer wenn Anne S. etwas „freudig begrüßt“ oder etwas „ganz optimal“ findet, dann ist klar, dass die Sache auch ohne sie zustande gekommen wäre. Anne S., das merkt leider jeder außer ihr, würde es auch „entschieden begrüßen“, dass auf den Frühling der Sommer folgt.]

Nachtrag 2015: Anne Schum geistert immer noch als Mutti-Figur in der Eimsbütteler Provinzpolitik herum. Gerhard Behrens hat sich einen Verwaltungsposten in der Sozialbehörde ergattert und tritt politisch nicht mehr in Erscheinung.


So langweilig wie ein öffentlicher Grünstreifen sein sollte: Das Isebekufer vor der „Weiterentwicklung der Grünanlage“ zur sozialdemokratischen „Ise-Promenade“. Unbebaut dümpelt auch der – seit 1933 nach einem deutschvölkischen ETV-Funktionär benannteBosse-Platz vor sich hin. (Luftbild aus dem Jahr 1970)

2006: Eine Landnahme nahe am Isebek-Ufer mißlingt. Der Versuch zeigt aber das Prinzip

(Bericht vom 12. März 2006) Wie die Agaplesion AG und der ehemalige Bethanien-Arzt (Bethanien = Agaplesion) und „gesundheitpolitische Sprecher“ des Rechtssenates, Dietrich Wersich, versuchten, sich auch das benachbarte Kaifu-Gelände anzueignen

Nach den Plänen von Senat und Agaplesion AG soll der öffentliche Sparbierplatz zwischen Agaplesion und ETV aufgeteilt werden. Dem ETV, dem diese aus zwei Grandplätzen bestehende Freifläche nie gehörte, der heute jedoch Partner eines Privatisierungsbündnisses ist, soll ein Rest des Platzes für Millionen (aus der Bausumme) mit Kunstrasen hergerichtet werden. Allerdings passen Klinik und Restplatz nicht ganz auf die selbe Fläche, jedenfalls nicht wenn der Restplatz noch die Normgröße eines Fußballplatzes haben und wenn es zwischen Klinik und Fußball noch einen minimalen Abstand geben soll.

Angesichts dieses „Problems“, dass allein der Gier des Agaplesion-Konzerns geschuldet ist, schoben die Planer den Restplatz auf ihren PCs hin + her, bis eine große Ecke des Platzes schließlich auf dem Parkplatz des Nachbargrundstückes (Kaifu-Bad und Kaifu-Lodge) landete. Prima, dachte man sich, dann kann man die Klinik deutlich breiter machen. Dietrich Wersich behauptet sogleich, der Grundstückseigner Bäderland sei damit einverstanden, was aber nicht der Fall war.

Diesen Plan stellte man im August 2005 im Rathaus der Presse vor. Der ist nichts aufgefallen. Erstens, weil es sich nicht gehört, „die Diakonie“ (es ist die Agaplesion AG) zu kritisieren. Zweitens, weil die anwesenden Journalisten von der Materie ohnehin nichts verstehen. So blieb es unser Job, auf diesen „Irrtum“ hinzuweisen, was wir natürlich nicht taten, um das Projekt auf den rechten Weg zu bringen, sondern um es zu verzögern (mit Erfolg: die Planung musste geändert werden) und die dadurch bewirkte erhöhte Aufmerksamkeit für dieses Privatisierungsvorhaben in unserem Sinn zu nutzen.

Dieser planerischer „Irrtum“ war nicht Folge eines Architektenfehlers (so die Presse), sondern Folge der radikalen Wollens der Agaplesion AG: Berauscht von ihren bisherigen Erfolgen bei der Landnahme, wollen sie immer weitere Terrains erobern. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass sie fast alles haben können. Sie haben somit gehandelt wie sie denken.

Korrigiert wurde der „Irrtum“ mit dem Bäderland-Parkplatz übrigens auf Kosten der Wohnstraße Hohe Weide: Man verschob den Agaplesion-Bau 3 Meter näher zu den gegenüberliegenden Wohnhäusern! Wenn die Privatisierung nichtverhindert wird, werden die Mieter dort direkt in die Krankenzimmer schauen können.

Update August 2006
Sparbierplatz und Isebekufer

Das Isebekufer als Teil der „Grünplanung“ des Agaplesion-Diakonieklinikums

Die „Aufwertung“ des Isebek-Parks wird von SPD und Bezirksbürokratie mit Blick auf das „Diakonieklinikum“ der Agaplesion AG betrieben.

Weil das Klinikum auf der vormals öffentlichen Freifläche aus Gründen der Standortkonkurrenz unbedingt zwischen den Restsportplatz, Bundesstraße und Hohe Weide gequetscht werden soll, musste es als schalldichter Bunker und ohne eigene Grünflächen für die Patienten konzipiert werden.

Ein modernisiertes Isebek-Ufer soll dafür Ersatz bieten. In einigen Plandiskussionen taucht sogar die Idee eines direkten Fußwegs vom Klinikum durch das Kaifu-Bad zum Isebekufer auf. Gerade weil man diese Klinik ohne eigene Grünflächen (ja sogar ohne jede ebenerdige Außenfläche für die Patienten) plant, spekuliert der Agaplesion-Konzern, der den öffentlichen Raum beseitigen will, zugleich auf Zugänge zu dem umliegenden öffentlichen Raum.

Die von der SPD geplante Neugestaltung (Verbreiterung, besserer Belag, Beleuchtung) des Geh- und Radweges zwischen Bundesstraße und Weidenstieg – ein Lieblingsthema der lokalen Anzeigenblätter – würde also in erster Linie der Agaplesion AG nutzen. Wenn alle diese Privatisierungs- und Modernisierungsvorhaben durchgesetzt werden sollten, wird der gesamte an die Agaplesion-Klinik angrenzte öffentliche Raum (Hohe Weide/Bundesstraße /Kaifu-Ufer/Weidenstieg) zur Klinik-Promenade werden.

Gruenplanung Diakonieklinikum EGLPlan

Grünplanung (der Firma EGL-Plan) für das Diakonieklinikum der Agaplesion AG auf dem Sparbierplatz: Das Isebekkanal-Ufer mitsamt Kaifu-Schwimmbad wird zum Vorgarten der Klinikums umdefiniert. Der Kunstrasen auf dem Restsparbier-Sportplatz wird als „grüne Verbindungsfläche“ dargestellt:

Zitat: „Das Grünkonzept steht im Spannungsfeld zwischen dem Grünzug am Isebekkanal und der dichten Bebauung an der Straße Hohe Weide. Es entwickelt sich von naturnah geprägten, weitläufigen Grünflächen am Kanal über funktionale Grünelemente im Bereich der Sportanlagen hin zu architektonischen, linearen Grünstrukturen (Straßenbäume) im an das Klinikum angrenzenden Straßenraum. Als Ausgleich für die fehlenden Klinik-Freiflächen zu ebener Erde entstehen auf einem Teil des Klinikumsdaches herausragende Aufenthaltsmöglichkeiten mit Blick über die Dächer von Hamburg. [Hinweis: Der Dachgarten ist inzwischen gestrichen. Dorthin soll die Haustechnik, weil es für die sonst keinen Platz gibt!].
Siehe: http://www.egl-plan.de/projekte_aktuelle.php?id=294 (inzwischen gelöscht)

——————————————————————————————-

August 2006: „Ise-Promenade“ revisited

Kommentar zu einem falschen TAZ-Artikel zum Isebek

In der TAZ von 12. August ist ein Artikel zur von der SPD geplanten Umgestaltung des Grünzuges am Isebekkanal erschienen. Im Rahmen seiner Recherche hat der Autor sich auch bei uns gemeldet und auch unsere Thesen dazu auf diesem weblog zur Kenntnis genommen. Doch steht nun davon nichts im Text der Hamburger TAZ. Der Zusammenhang des SPD-Projektes „Isebek-Promenade“ mit der von Senat und Bezirk geplanten Bebauung des öffentlichen Sparbierplatzes bleibt unerwähnt. Ebenso der von uns ausdrücklich benannte Zusammenhang zum 2002 geplanten Bau eines Kirchenzentrums am Weidenstieg. Tatsächlich existieren folgende Beziehungen zwischen den einzelnen Vorhaben:

1. Ein Kirchenzentrum am Weidenstieg (teilweise auf der Kaifubad-Wiese) UND eine klerikale Klinik auf der öffentlichen Spprtfreifläche Sparbierplatz – beides zugleich war damals politisch nicht durchzusetzen.

2. Die SPD in Eimsbüttel behandelt das Isebekufer auch als Ersatzfreifläche für den Sparbierplatz, dessen Beseitigung sie befürwortet.

3. Alle Frei-, Sport- und Grünflächen in diesem Umkreis werden von allen Planern und in allen Konzeptionen als ein Zusammenhang behandelt. Sie sollen sich gegenseitig substituieren. Wird an der einen Stelle etwas weggenommen, soll an einer anderen Stelle etwas „aufgewertet“ werden.

Ein Taz-Schreiber kann das nicht begreifen. In sein einfältiges Weltbild passt nur die Vorstellung, wir würden als „Anwohnern“ gegen eine „Yuppisierung“ des Viertels protestieren. Diesen Begriff führten jedoch nicht wir, sondern die dazu befragte SPD-Politikerin ein, aber so, als würde sie auf einen Vorwurf von uns antworten. So werden wir also erwähnt, aber nicht mit dem, worauf es UNS ankommt, sondern mit einer Position, die nicht unsere Position ist, denn die mit dem Feindbild des „Yuppies“ verbundenen Konnotationen (wohlabender hedonistischer Nichtsnutz als Gegenbild zum bodenständigen authentisch-deutschen Mittelstand) gehören nicht zu unserem Repertoire.

Auszug aus der Taz. (Siehe dazu auch unter „Presse 2006“)

TAZ NORD, 12.8.2006
Die SPD im Bezirk Eimsbüttel will das Ufer des Isebekkanals umgestalten, um es attraktiver zu machen. Kritiker befürchten jedoch, dass dadurch die Mieten steigen und die Natur verdrängt werden dürfte.

Über das Wie wird seitdem gestritten. Der ursprüngliche Entwurf sah im Frühjahr 2005 an vier Schwerpunkten erhebliche Veränderungen vor: Am Weidenstieg, der Osterstraßenbrücke, den Kaifu-Wiesen und der Hoheluftbrücke sollten weite Terrassen, Sitzstufen, öffentliche Bootsliegeplätze und Stege gebaut werden. Ein Boule- und ein Grillplatz waren vorgesehen, ebenso ein Amphitheater am Weidenstieg. Zudem sollten um die entstehenden „Quartiersplätze“ an Weidenstieg und Hoheluftbrücke sowie an der Osterstraße mehrere Neubauten entstehen. „Ise-Promenade“ taufte die SPD das Projekt.

Gegen den Entwurf regte sich Widerstand: Aus diesen Gründen stand auch der Koalitionspartner GAL dem Entwurf kritisch gegenüber. „Wir sind gegen jegliche Verbauungs- und Versiegelungsvorhaben“, so Silke Bluhm von der GAL. Auch Wolfgang Böttcher von der CDU lehnt die Vorhaben als „Phantasiepläne“ ab und kritisiert den Eingriff in die Natur.

Noch ganz andere Bedenken hat Regina Behrendt, Mitglied der Initiative gegen die Bebauung des nahe gelegenen Sparbierplatzes: Sie fürchtet, durch die Neugestaltung der Parkanlage und die Errichtung neuer Wohnhäuser könnten die Mieten in der Umgebung steigen. „Dann werden die derzeitigen Anwohner [?] verdrängt„, so Behrendt. „Gegen eine Verschönerung haben wir natürlich nichts. Aber neue Wohnhäuser braucht man da eigentlich nicht“, sagt sie. Ihre Vermutung: „Das soll eine lukrative Ecke [?] werden.“

[Jeder dieser Sätze entspringt allein der politischen Dummheit des TAZ-Schreibers. Unsere Initiative lehnt reaktionäre Sprechpositionen wie „Anwohner“ oder „Steuerzahler“ grundsätzlich ab. Unsere Kritik gilt der Abwertung kommunal-öffentlicher Einrichtungen durch Privatisierungen, Umwidmungen etc. sowie durch die Verbreitung „neoliberaler“ Sichtweisen und Herrschaftstechniken. Dass Eimsbüttel eine „lukrative Ecke“ werden soll bzw. schon längst ist, kann niemand übersehen, und auch nicht die steigenden Mieten. Aber es ist reaktionär, dagegen im Namen von „Ureinwohnenr“ zu argumentieren und angebliche Yuppies dafür verantwortlich zu machen. Das ist pures Ressentiment. Leute die so reden, interessieren sich vielleicht für ihren Vorgarten aber nicht für die gesellschaftspolitische Bedeutung kommunal-öffentlicher Einrichtungen (statt klerikaler oder privatkapitalistischer) und die damit verbundenen unmittelbaren politischen Eingriffsmöglichkeiten].

SPD-Frau Schum [zu Schum: s. oben] wehrt ab: „Wir haben kein Interesse an einer Yuppisierung der Gegend.“ Von dem ursprünglichen Entwurf ist ihre Fraktion inzwischen abgerückt – wegen der Proteste, aber [!] auch eigener Bedenken. „70 Prozent des ursprünglichen Plans sind schon wieder weg“, beschwichtigt sie. So soll es an der Hoheluftbrücke und an der Osterstraße nun keine zusätzlichen Gebäude geben.

Die SPD will das Projekt nun in „kleine Häppchen“ unterteilen. In einem ersten Schritt soll der Anfangsbereich der Isebek am Weidenstieg umgestaltet werden – ohne das Amphitheater. Die bereits vorhandene Treppe zum Ufer und der dort gelegene zugewucherte kleine Platz sollen „in Ordnung gebracht“ werden. Anne Schum will sich für Mittel aus dem Sonderinvestitionsprogramm des Senats einsetzen. „Es ist mir daran gelegen, dass wir den ersten Schritt ohne private Gelder machen“, so Schum. Für die spätere Gestaltung des Platzes am Weidenstieg und bei weiteren Abschnitten der „Ise-Promenade“ könne man darüber nachdenken, Sponsoren zu gewinnen. [Die Frau verrät wohl mehr als sie soll! Sie suchen wirklich nach privaten „Investoren“!]

Im Gespräch ist, Stege durch Geschäftsleute und andere Privatpersonen mitfinanzieren zu lassen. Aber: Alles soll öffentlich und für jeden zugänglich bleiben, sagt Schum. [Jeder Hobby-Freudianer weiß sofort: Frau Schum verplappert sich schon wieder. Die SPD hat intern offenbar darüber diskutiert, ob man nicht eine Sitzgebühr für die Parkbänke erheben könnte]. Private Investoren will die Sozialdemokratin nur für die Gestaltung der beiden Enden des Kanals ins Boot holen, wo der Senat ohnehin den Verkauf von zwei Grundstücken plant.

——————————————————————————————-

Endlich die passende Initiative zum Werbeumfeld: Anschubhilfe für die Isebek-Initiative im Wochenblatt mit URL und Telefonnummer, 10. Juli 2008
2008 07 christlich oekologisch Isebek
Klicken zum Vergrößern

Sommer 2008.
Auftritt der Heimatschützer und Schöpfungsretter

Die Initiative gegen die Bebauung des Sparbierplatzes hat seit 2002 die Politik der Privatisierung, Bebauung und „Aufwertung“ auf den benachbarten öffentlichen Flächen beobachtet und in Flugschriften sowie auf diesem weblog dokumentiert und kommentiert.

Während dieser ganzen Zeit war das auch in Eimsbüttel existierende Milieu der „Naturschützer“ nicht zu vernehmen. Das hatte einen eindeutigen Grund: wegen ihrer letztlich christlich-ökologischen Orientierung wollten sie sich zum GRÖSSTEN Privatisierungs- und Bebauungsprojekt in Eimsbüttel nicht äußern, denn die Privatisierer des öffentlichen Raumes sind in diesem Fall „die Diakonie“ (die Agaplesion AG) und der einflussreiche ETV. So kam es, dass die „Naturschützer“ selbst dann noch schwiegen, als auf dem Sparbierplatz über 80 Bäume gefällt und Hunderte Hecken beseitigt wurden. Aus der bornierten Öko-Sicht (öffentliche Räume für Menschen interessieren weniger) also eine riesige Katastrophe für Pflanzen, Käfer und Vögel.

Doch kaum hatte die Initiative gegen die Bebauung des Sparbierplatzes im Sommer 2008 angekündigt, dass sie diese politische und juristische Auseinandersetzung angesichts der politischen Lage (Der rechte Beust-Senat wurde durch eine schwarzgrüne Regierungskoalition gerade gerettet) für aussichtslos hält, traten plötzlich die Eimsbütteler Heimat – und Naturschützer mit einer „Isebek-Initiative“ auf den Plan, die sofort zum Medien-Liebling wurde.

Heimatschützer und Schöpfungsretter treten mit Kreuzen an

„Wanderweg gleicht Mahnmal“, Eimsbütteler Wochenblatt August 2008
Isebek-Inititaive christlich
Klicken zum Vergrößern

Isebek-Inititaive Heute-Journal
Klicken zum Vergrößern

Die Isebek-Initiative, die derzeit im Zeichen des Kreuzes in Hamburg-Eimsbüttel auftritt, ist daran interessiert, gesellschaftpolitische Zusammenhänge auszublenden.

Wenn sie sich genauer zu den Hintergründen der Vorhaben äußern würde, gegen die sie angetreten ist, müsste sie nicht nur die Ziele von Behörden und Investoren im Detail beschreiben, sondern auch ihre eigenen politischen Positionen offen legen. Da würde dann einiges mehr von jener anti-aufklärerischen Gesinnung zu Tage treten, die mit der Wahl von Holzkreuzen als Initiativen-Symbol bereits erkennbar ist.

Die Rhetorik der „Rettung“ (der Bäume, des Parks, der Vögel, Gottes Schöpfung etc.) dient einerseits als kleinster Nenner von Leuten, die ihre gesellschaftspolitischen Vorstellungen (von Linkspartei bis Rechtsökologen) nicht explizit machen wollen und stellt doch zugleich ein politisches Bekenntnis zum heimattümelnden Schulterschluss dar.

Isebek-Initiative christliche Esoterik
Klicken zum Vergrößern
Links: Esoterischer Trauergesang „Rettet die Bäume“ der Isebek-Initiative. Rechts: Direkte Vorgängerorganisation der NABU war der NS-Reichsbund für Vogelschutz. Daneben: Heimatfilm der 50er Jahre.

Im Zeichen des Kreuzes
1. für die Privatisierung des öffentlichen Sparbierplatzes
2. für „Artenvielfalt“ am Isebekufer

So geht Christentum: Die Mitbetreiber der Privatisierung und Bebauung der öffentlichen Freifläche Sparbierplatz (22.000 m2) für ein klerikales „Diakonieklinikum“ verteidigen 100 Meter weiter die „Artenvielfalt“ am Isebekufer, die sie im Sinn des reaktionären Kreationismus als „Schöpfung“ darstellen:

Isebekinitiative Eismbuetteler Bote2
Klicken zum Vergrößern
Aufruf im Eimsbütteler Pocket Boten, einer Zeitung der Ev.-Luth. Kirche Eimsbüttel, September 2008.

Noch mehr Kreuze:

Am 20.9.2008 mobilisieren evangelikale „Lebenschützer“ und ihre bis ins rechtsextreme Lager reichenden Verbündeten zu einem „Schweigemarsch” gegen Abtreibungen. Wir rufen dazu auf, der klerikalen Aktion „1000 Kreuze für das Leben“ entgegenzutreten. Gegenkundgebung: “Smash 218 – Gegen christlichen Fundamentalismus”, 20.09.2008, 11.30 Uhr auf dem Platz vor dem Berliner Roten Rathaus.

Siehe dazu: http://no218nofundis.wordpress.com/. Siehe auch die websites der Klerikalen: http://www.kostbare-kinder.de/54-0-1000-Kreuze-fuer-das-Leben.html sowie http://www.auf-partei.de/newsdetails/berlin-marsch-1000-kreuze-fuer-das-leben-20-september-2008/

—————————————————————————————-


Lebensraumschützer und Eigentümer-Initiativen mobilisieren mit fragwürdigen Parolen gegen die Bebauung des Isebekufers und des Parks am Michaeliskrankenhaus. Im Falle des Sparbierplatzes, wo neben der Freifläche weitaus mehr Bäume und Büsche gerodet wurden, haben wir verhindert, dass der Protest zum Heimatschutz wird.

Warum eine Abholzaktion auf dem Sparbierplatz nicht zum Heimatschutz-Thema wurde.
Oder: Warum Heimatschützer und Schöpfungsretter im Fall des Sparbierplatzes nicht zum Zuge kamen …

Die Privatisierung öffentlicher Räume ist mehr als ein ökonomisches Konzept. Sie zielt vor allem auf die Herstellung von politischer Unmündigkeit. Der Protest dagegen sollte deshalb als Verteidigung der Aufklärung geführt werden.

Im Unterschied zu Heimatschützern und anderen reaktionären Bürgerinitiativen, die auf Ressentiments setzen (Ureinwohner wehren sich gegen Überfremdung), konnte die Verteidigung des öffentlichen Raumes Sparbierplatz nur als Plädoyer für eine aufgeklärte, großstädtische Lebensweise geführt werden. Dazu gehört einerseits die urbane Dichte der Wohnverhältnisse und andererseits die Existenz öffentlicher Räume: Plätze, Parks, Freizeitflächen.

Unsere Verteidigung dieses öffentlichen Raumes war stets gegen die staatliche und privatkapitalistische Kontrolle aller Lebensäußerungen in einem dicht bebauten Gebiet gerichtet. Im Kampf gegen Rechtssenat & Agaplesion AG konnte der Hinweis, dass dieser Platz als Teil einer “Landschaft” erhaltenswert sei, kein zentrales Argument sein, weil er den Zweck der Privatisierung ignoriert hätte und dem politischen Anspruch auf den öffentlichen Raum das reaktionäre Ideal einer “natürlichen Heimat” gegenüber stellen würde.

Heimat- und Naturschützer verteidigen ein Dutzend Bäume am Isebekufer. Haus- und Wohnungsbesitzer am ehemaligen Michaeliskrankenhaus haben scheinbar nur ein Ziel: die Bäume des kleinen Klinikparks erhalten. So stellt sich “Bürgerprotest” heute dar. Warum aber wurden die 86 Bäume und 1350 qm Grün (Hecken, Büsche) am Rande des Sparbierplatzes, die vom “Diakonieklinikum” Anfang Februar mit Baggern komplett gerodet wurden, nicht zu einem “Öko-Skandal”?

„Kahlschlag am Isebek! „Nächste Abholzaktionen geplant!“. „Ein wunderschöner Park muss weichen! „Kein Eims-Dubai!“ – das sind die Überschriften der Lokalpresse und die Slogans der „Anwohnerinitiativen“, die derzeit in Eimsbüttel die Runde machen. Hinzu kommt die Universität, die der um die GAL erweiterte Rechtssenat von Eimsbüttel in die Hafencity verlegen will. Auch dagegen wird protestiert – im Namen des „in Jahrzehnten gewachsenen Viertels“ und des Einzelhandels („Die Geschäfte brauchen die Uni“). Kein Wort darüber, dass mit dieser Verlagerung (ähnlich wie mit Studiengebühr und Regelstudienzeit) auch das Studium als Lebensstil endgültig abgeschafft werden soll. Man hat heute andere politische und soziale Präferenzen.

Das zeigt sich etwa daran, wie die Forderung „Hände weg vom Isebek“ zum „Ökumenischen Open-Air-Gottesdienst“ passt, mit dem zeitgleich der „freiwillige autofreie Sonntag“ eingeläutet wird. Da rufen dann der „Polizeiseelsorger und Diakon“ Peter Meinke und der Diakonie-Funktionärin Maria Jepsen, sekundiert vom sozialdemokratischen Bezirksamtsleiter Jürgen Mantel (wie beim „1. Spatenstich“ auf dem Sparbierplatz), dazu auf, mittels Tier- und Umweltschutz „Verantwortung für die Schöpfung“ zu übernehmen. Gleichzeitig veranstaltet die GAL-Eimsbüttel eine Fahrradtour, um gegen zugeparkte Radwege zu protestieren.

Dieselbe Protestform wählte zuvor die „Bürgerinitiative Michaeliskrankenhaus“, die nicht wissen will, was die Schließung dieses Hospitals mit der Klinik-Politik des Rechtssenats und der Bebauung des Sparbierplatzes zu tun hat, um gegen ein „Eims-Dubai“ vor ihrer Haustür anzutreten. Die „Anwohner demonstrieren mit einem Fahrradkorso zum Bezirksamt“. Auf einem mitgeführten Transparent haben sie ihre Weltsicht formuliert: „Abgeordnete lassen uns im Stich!“ Sie überreichen schließlich dem selben Herrn Mantell, der eben noch mit Frau Jepsen „Verantwortung für die Schöpfung“ übernommen hatte, der aber auch bei der auf PPP-Projekte spezialisierten Baufirma Otto Wulff im Wort steht (zumal diese neben dem Michaelispark auch den Sparbierplatz bebaut), um ihm brav ihre Petition zu übergeben.

Auch der angestrebte Konsens ist schon auf einem Transparent formuliert: „Wachsende Stadt braucht Bäume!“ Da demonstrieren also die Wähler und Anhänger der Parteien, die Hamburg zugunsten der „kreativen Eliten“ (Horst Becker/GAL) aufmischen wollen, gegen eine Konsequenz dieser Politik. Diesmal hat es eine bessere Wohngegend getroffen, allerdings nicht den Baudezernenten Buff, der einige Straßen entfernt wohnt. Mantell verspricht, dass „Dubai“ (bisher sechs Stockwerke) in Eimsbüttel etwas kleiner ausfallen soll.

Der brave Bürger, der sonst allen Grund zur Zufriedenheit hat, kann, wenn ein Neubau sein Haus verschattet oder Investoren auf den benachbarten Park zugreifen, das Prinzip nicht in Frage stellen, dem diese Maßnahmen geschuldet sind. Er kann daher nur im Namen noch höherer Prinzipien gegen das Partikularinteresse vorgehen, dass vom Staat zum Allgemeinwohl geadelt wurde. Die Berufung auf die „Bewahrung der Schöpfung“ und ähnliche kreationistische Ideen aus dem Parteiprogramm der CDU ist eine Möglichkeit. Eine andere, die mit der Schöpfungs-Erzählung durchaus zusammen passt, aber auch unabhängig davon existiert, ist das ökologisch-biologistische Schlagwort vom „Lebensraum“. Dieser ist zum Beispiel bedroht, wenn „zahlreiche heimische Gehölze wie Weiden, Erlen, Ahorn und Weißdorn“ abgeholzt werden.

Was für den ideologisch unbedarften Spaziergänger einfach nur unschön ist, ist für die Verteidiger des Lebensraumes ein Angriff auf die Heimat und den „Kreislauf der Natur“. Allerdings gilt das nur für den „wertvollen Lebensraum“. Ohne Zusatz-Erläuterungen wie „ökologisch wertvoll“ oder „erhaltenswerte Flächen“ würde man sich falsch verstanden fühlen. Das wertlose (früher: unwerte) ist vom wertvollem Leben klar zu unterscheiden, wenn man sich auf höhere Prinzipien berufen will, vor denen auch ein Investor sich legitimieren muss. Das ist die Logik im Eimsbütteler Bürger-Biotop. Weil die Terminologie der Politischen Ökologie dem wildwucherenden Wachstum von Weide und Weißdorn einen höherer Sinn verleiht – man tut so als gäbe es einen „natürlichen Naturkreislauf“ und eine jenseits der menschlichen Bedürfnisse zu schützende „Umwelt“ – können die politischen und ökonomischen Gründe, die zur „Abholzung“ und Bebauung von Parks und öffentlichen Freiflächen führen, verschwiegen werden.

Wir haben unseren Kampf gegen die Bebauung einer öffentlichen Freifläche bewusst in Abgrenzung von solchen Bürgerinitiativen geführt. Die Initiative gegen die Bebauung des Sparbierplatzes hat den politischen Anspruch auf den öffentlichen Raum gegen das reaktionäre Ideal einer „natürlichen Heimat“ in den Mittelpunkt gestellt. Unsere Verteidigung dieses öffentlichen Raumes war stets gegen die staatliche und privatkapitalistische Kontrolle aller Lebensäußerungen in einem dicht bebauten Gebiet gerichtet.

Unsere Initiative hat die Folgen der Sparbierplatz-Bebauung für die „Umwelt“ durchaus auch erwähnt, zum Beispiel in unseren Einsprüchen gegen den Bebauungsplan Eimsbüttel 9 im März 2007 sowie in unserer Baustopp-Klage.

Die Bebauung und die am Gesundheits- bzw. Sportmarkt orientierte kommerzielle Nutzung (Agaplesion AG und ETV) dieses Freiraumes hat erhebliche nachteilige Auswirkungen auf die allgemeinen Lebensbedingungen, was nicht dasselbe ist wie die „Umwelt“ der Ökologen. Auf Grund der Verbindung des Sparbierplatzes zum Grünzug am Isebekkanal hat das Gebiet wegen des hohen Freiflächenanteils eine lokalklimatische Funktion. Hier werden durch die Bebauung negative Effekte auf das Lokalklima verursacht (vermehrte Wärmeabstrahlung, geringere Verdunstung). Durch die Versiegelung der Fläche wird es zu einer Verminderung der Grundwasserneubildung kommen. Durch die Bebauung wird auch der Raum für Pflanzen und Tiere verringert, der zugleich eine Pufferfunktion für gesundheitsschädigende Immissionen hatte. Wie auf der Seite „Unsere Einsprüche“ auf diesem Blog nachzulesen ist, haben Senat und Bezirk für diese Eingriffe mit zynischem Unterton die „Dachbegrünung“ des Agaplesion/Asklepios-Klinikums als Maßnahme der „Kompensation“ erfunden.

In den Tagen des kurz vor der Bürgerschaftwahl 2008 inszenierten „1. Spatenstichs“ am 7. Februar (fünf Monate vor dem realen Beginn der Bebauung!) wurden nach einem „Baumfällantrag“ der Agaplesion AG auf der Grundlage der „Ausnahmegenehmigung nach § 4 der Verordnung zum Schutz des Baumbestandes und der Hecken in Hamburg“ genau 87 (!) große Bäume mit einem Bagger zerstört. Zusätzlich wurde auf einer Länge von 300 Metern das gesamte, zwischen 3 und 6 Meter breite Gebüsch gerodet. Damit wurde eine Gesamtfläche von rund 1350 Quadratmeter beseitigt, die in der Terminogie der Naturschützer als „ökologisch wertvolles, naturnahes Gehölzbiotop“ bezeichnet wird und die vielen Vögeln als Nistplatz diente. Außerdem gibt es bereits eine Ausnahmegenehmigung für die Fällung und Rodung („Entnahme“) weiterer Straßenbäume im Zuge der Bauarbeiten.

Wäre der Protest gegen die Bebauung des Sparbierplatzes nicht von unserer Initiative sondern von Natur- und Heimatschützern organisiert worden, so hätten diese die Beseitigung der öffentlichen Freifläche zum Öko-Thema gemacht und den Protest in eine politisch „wertkonservative“ Richtung gedrängt, die gut zu dem CDU-Slogan von der „Bewahrung der Schöpfung“ gepasst hätte.

Bei dieser Masse an Grünbeseitigung hätte normalerweise ein gemeinsamer Aufschrei von Heimatpresse und Heimatschützern das schwarzrotgrüne Eimsbütteler Bürgertum aufgeschreckt. Wie jetzt im Falle des (geplanten) „Abholzaktionen“ am Isebekufer und am Michael-Krankenhaus wäre es zu Radfahrerumzügen und verbalen Protesten von Vogelschützern und jener Sorte von „Anwohnern“ gekommen, die sich bei anderen Gelegenheiten gegen „Drogenberatungsstätten“ in ihrer Nachbarschaft wenden.

Die Thematisierung dieser „Öko-Folgen“ der Sparbierplatz-Bebauung macht jedoch nur Sinn, wenn sie als ein weiterer Aspekt des politischen Angriffs auf den öffentlichen Raum zugunsten privater Investoren verstanden werden. Wir haben das „Diakonieklinikum“ immer als ein „Krankenhaus, das krank macht“ bezeichnet. Damit meinten wir, dass die Bebauung dieses Freiraums die Möglichkeiten einer selbstgewählten Nutzung einschränkt. Dieses Vorzeigeprojekt verschlechtert die allgemeinen Lebensbedingungen nicht nur durch die bauliche Verdichtung, durch die brutale Beseitigung des „perspektivisch weiten Blicks“ im Kerngebiet und durch die endgültige Beseitigung bislang bestehender Verbesserungsmöglichkeiten (Aufwertung des vorhandenen Freiraumpotenzials, Anbindung des Sparbierplatzes als Element eines Freiraumverbundes an die benachbarten Grünflächen).

Der Verlust des öffentliche Sparbierplatz ist in erster Linie ein weiterer Verlust der Möglichkeit, sich jenseits von staatlicher und vereinsmeierisch-kommerzieller Zugriffe im öffentlichen Raum zu bewegen, Plätze und Einrichtungen nach Belieben zu nutzen. Der Sparbierplatz war jederzeit öffentlich und kostenfrei zugängig. Neben dieser Option hatte der Sparbierplatz zudem wegen seiner Größe eine Erholungsfunktion im dicht bebauten Kerngebiet, die in der bürokratischen Terminologie „Freiraumversorgung für den Menschen“ genannt wird. Diese Freifläche diente bisher auch nach dem Flächennutzungsplan „der öffentlichen, wohnungs- und siedlungsnahen Erholung in dem sonst mit Grünflächen unterversorgten Quartier. Sie bietet im dicht bebauten Stadtteil eine selten vorzufindende Weite.“

Isebek-Initiative Baumrettung

NABU

Als öffentlicher Raum hat der Sparbierplatz die Natur- und Heimatschützer nie interessiert …

Als die SPD ihre „Ise-Promenade“ als Kompensations-Konzept für den „verdichteten“ Sparbierplatz entwarf, galt ihr diese Freifläche immerhin noch als öffentlicher Raum. Für die Natur- und Heimatschützer, die jetzt gegen den SPD-Plan opponieren, war am Sparbierplatz höchsten dessen Randbegrünung relevant. Gegen deren Beseitigung durch einen christlichen Klinikkonzern wollten sie aber nichts gesagt haben, weil sie das in einen Glaubenskonflikt gestürzt hätte.

Nachdem nun aber der Sparbierplatz als öffentlicher Raum verschwunden ist, stellt der Naturschutzbund NABU die Forderung nach „mehr natürlicher Natur am Isebek“ als „naturschutzrechtlichen Ausgleich für die Zerstörung von Natur“ auf dem Sparbierplatz dar.

Die Natur- und Heimatschützer erklären damit 95 Prozent der ehemaligen Sportfreifläche, auf denen wegen ihres Grandbelags kein Grashalm wuchs, nachträglich für nicht existent! Das passt zu ihrer Vorstellung vom Primat des Natürlichen und löst zugleich ihr Hauptproblem:

Wie kann man über das „Diakonieklinikum“ auf dem privatisierten Sparbierplatz schweigen und gleichzeitig 100 Meter weiter ein Dutzend „Bäume retten“?

Die Lösung: Aus Naturschützersicht hat der Sparbierplatz überwiegend nicht existiert, weil er nicht aus „natürlicher Natur“ bestand, sondern aus rotem Sand. Nur am Rand war er begrünt und dafür fordert NABU jetzt „Ausgleichmaßnahmen“ am Isebek, die darin bestehen sollten, dass dort alles bleibt, wie es ist.

Es ist kein Wunder, dass die sozialdemokratischen Behörden angesichts dieser Bewegung zur „Rettung der Schöpfung“ am Isebekufer die Welt nicht mehr verstehen. Das plötzliche große Interesse des Eimsbütteler Bürgertums an dem Isebek-Thema hat Politik und Behörden überrascht. Man fragt sich dort:

„Wieso gibt es plötzlich wegen einem Dutzend Bäumen einen solchen Aufstand von Leuten, die sich zur Privatisierung des Sparbierplatzes (und selbst zu den 86 Bäumen, die dort gefällt wurden) nicht äußern wollten? Wieso handeln wir uns mit kleinen Veränderungen an der Hoheluftchaussee, wo am Bahndamm ein Haus entstehen soll, so viel Ärger von all den braven Leuten ein, die sich zur christlichen Privatisierung eines Platzes, der größer ist als zwei Fußballfelder, nicht äußern wollten?“

In der Tat: Der aktuelle Streit um das Isebekufer hat Züge einer kollektiven Verdrängung und performativen Ersatzhandlung. Noch entscheidender als das, was gesagt wird, ist in dieser Auseinandersetzung, das, worüber geschwiegen wird.

Es gibt hier ein eigenartiges Nicht-wissen-wollen, eine Ablehnung von Aufklärung und Selbstaufklärung und ein Verlangen nach dem Irrationalen. Wenn erwachsene Menschen, die eine gute Ausbildung haben, singend um Gehölz herum tanzen, also ein Nachdenken über Zusammenhänge weit von sich weisen, stellt sich die Frage, woher eine solche Regression kommt? Eine Rolle spielt dabei, dass mit dem Gegenstand (Park, Eigenheimbesitzer) und der Dominanz einer christlich-rechtsökologischen Naturschützer-Szene schon früh die Weichen gestellt wurden. Wir werden dieser Spur auf auf dieser website noch etwas folgen.

——————————————————————————————-

Isebek-Initiative, ETV, Agaplesion, Wochenblatt, 12. Februar 2009
2009 02 Gesundheitsmesse Eimsbuettel
Klicken zum Vergrößern

Die heilige Allianz von Springer-Anzeigenblatt und Isebek-Initiative

Wie die Lokalpresse gleichzeitig die Privatisierungs-Gegner bekämpft, die Heimatschutztruppe “Isebek-Initiave” fördert und diese Förderung mit kommerzieller Werbung für die Privatisierungspartner Agaplesion & ETV verbindet

Im Sommer 2008 entstand in Hamburg-Eimsbüttel ein beispielloses Bündnis zwischen einer „Bürgerinitiative“ und dem Anzeigenformat „Eimsbütteler Wochenblatt“. Sofort nach dem Beginn der Privatisierung und Bebauung des Sparbierplatzes entstand zwischen dem Wochenblatt und Agaplesion & ETV eine nicht mehr verdeckte Beziehung in Form einer geschäftlichen Kooperation. Das Wochenblatt war nun voll von Positivmeldungen über den Fortschritt bei der Zerstörung der öffentlichen Fläche. Zeitgleich mit der Beseitigung dieses für dieses ganze Kerngebiet so wichtigen Erholungsraumes begannen Agaplesion & ETV das von ihnen negierte Erholungsbedürfnis zu monetarisieren, indem sie noch 2008 eine „Eimsbütteler Gesundheitsmesse“ in den ETV-Hallen starteten, die seither jährlich stattfindet. Auch hier wurde das Wochenblatt Geschäftspartner.

Dieser Zynismus wurde in von einem noch nie da gewesenen Einsatz des Wochenblattes und anderen Lokalmedien (Abendblatt, Hamburg 1, NDR) für die Isebek-Initiative begleitet. Auf diese Weise standen wöchentlich Jubelartikel über die Zerstörung des öffentlichen Raumes neben Jubelartikeln über die „Baumrettung“ der Isebek-Initiative 100 Meter weiter. Hinzu kamen die versteckten und offenen Werbeanzeigen von Agaplesion & ETV. Da es in dem Wochenblatt keine Trennung von Text und Anzeigen gab, waren die Beiträge, in denen die Isebek-Initiative gefeiert und ermutigt wurde, von den Pro-Privatisierungsartikeln vollständig umgeben.

BEISPIELE


Links: Aufruf zur Bekämpfung der Sparbier-Initiative im Springer-Anzeigeblatt „Eimsbütteler Wochenblatt“ (10. Oktober 2003). Rechts: Parteinahme gegen Spaltungsversuche im Eimsbütteler Wochenblatt (18. September 2008). Texte: Arndt Prenzel

2003 wollten Senat und Agaplesion AG eine Pro-Klinikum-Initiative etablieren, um den Widerstand gegen die Bebauung des Sparbierplatzes zu spalten. Wie sich bald zeigen sollte, bestand diese „Bürgerinitiative“ aus Mitgliedern der Eimsbütteler CDU sowie aus DKH-Führungskräften, die als Mitglieder der „Mitarbeitervertretung“ (MV) auftraten.

Die MV bildet in den gewerkschaftsfreien Kirchenbetrieben, in denen auch das Betriebsverfassungsgesetz nicht gilt, eine Art Pseudobetriebsrat.

Die Erfindung dieser „Bürgerini für das Klinikum“ wurde im Hamburger Abendblatt schon Wochen vor (!) deren erstem Auftritt unter der Überschrift „Zwei Bürgerinitiativen im Streit“ gemeldet. Die ganze Geschichte war ein abgekartetes Spiel. Der erste und zugleich letzte Auftritt dieser Leute fand unter einem Sonnenschirm der CDUvor Karstadt-Osterstrasse statt.

Obwohl all das dem Eimsbütteler Wochenblatt (EWB) im Januar 2003 längst bekannt war, druckte der Redakteur Arndt Prenzel die vom Klinikum (!) selbst verschickte Pressemitteilung über die „Gründung“ dieser „Bürgerini“ im Januar 2003 ab.

Die DKH GmbH gehört nicht nur zu den regelmäßigen Anzeigekunden dieses Blattes, sie ist auch ein Machtfaktor in Eimsbüttel mit guten Verbindungen zur politischen Klasse. Deshalb war es für die Lokalpresse selbstverständlich, diese von den Klinikbetreibern selbst gegründete „Ggegen-Initiative“ zu födern. Eine Kritik an dieser Astroturfing-Strategie musste die Agaplesion AG nicht befürchten.

Pressemeldungen der Privatisierer des Sparbierplatzes werden im EWB grundsätzlich abgedruckt. Man konnte dort über die Jahre unzählige Bauankündigungen lesen, ohne dass je gefragt worden wäre, warum die jeweils vorherige nicht den Tatsachen entsprach. Wenn dann etwas von uns kam, wurde die Gegenposition der DKH GmbH meistens gleich mitzitiert.

Und weil aus allen Bauankündigungen vor dem 10. Juli 2008 nichts wurde, wurden die Leerstellen mit Meldungen über den Klinikbetrieb gefüllt: „Baby geboren“ (siehe die Abbildung weiter unten), „neuer Chefarzt“, „Umbau der Eingangshalle“ etc.

Schwarzgrüne APO

Wir erwähnen das nicht, um uns zu beklagen. Es wäre naiv, von einem Werbeblatt aus dem Hause Springer etwas anderes zu erwarten. Auch die Kirchennähe gehört dort zur Blattlinie.

Bemerkenswert ist jedoch, dass das EWB fünf Jahre später beim Thema Isebekufers in einem ganz ähnlichen Fall, plötzlich Partei ergreift! In diesem Fall kann sich das EWB offenbar problemlos und in einer die Auflage fördernden Weise als Anwalt der um ihre Bäume besorgten Eimsbütteler positionieren.

Problemlos ist das für das Werbeblatt, weil die Kritiker der geplanten „Aufwertung“ dieses Uferstreifens sich als schwarzgrüne APO präsentieren, die mit Holzkreuzen ihm Namen der Schöpfung ein oder zwei Dutzend Bäume gegen „die Behörden“ verteidigen und von verwickelten politischen Zusammenhängen ansonsten (angeblich) nichts wissen.

Zum Beispiel nichts wissen WILL von dem zeitlichen und planerischen Zusammenhang einiger dieser Maßnahmen mit dem Verschwinden des öffentlichen Raumes „Sparbierplatz“, mit dessen Bebauung auch die Privatisierung des angrenzenden Bosse-Platzes zugunsten des ETV zusammenhängt, die dann wiederum zum Bau einer Caféteria/Kita auf dem Parkufer führte.

Der Protest der Baum- und Vogelfreunde trifft keine Institution, mit der das EWB direkte Kooperationen unterhält (z.B. beim „1. Eimsbütteler Gesundheitstag“ von ETV + Agaplesion, siehe unter „Presse 2008-1“). Da fällt die für das Blatt vorteilhafte Parteinahme leicht. (Die URL der Isebek-Initiative erscheint unter jedem Artikel).

Der Protest gegen die Bebauung des Sparbierplatzes war hingegen notwendigerweise frontal gegen den Hamburger Rechtssenat, gegen die christliche Klinikkette und gegen den Eimsbütteler Turnverband gerichtet. DAS ist der Grund, warum ein Spaltungsversuch in dem einen Fall gefördert wurde und in dem anderen nun moniert wird.

Text und Kontext

Die Meldung „Tricks gegen die Ini?“ (s. oben) in ihrem Kontext (Foto + Texte: Arndt Prenzel)
Isebek-Initiative Wochenblatt 2008
Klicken zum Vergrößern

Die Bedeutung einer Meldung wird durch den Kontext mitbestimmt, in dem sie erscheint. Zum Kontext der EWB-Meldung „Tricks gegen die [Isebek-] Ini?“ gehören daher die postiven Nachrichten über die Hauptbetreiber der Sparbierplatz-Bebauung.

Indem man Woche für Woche die Akteure Wersich, Jepsen, Stoltenberg, DKH GmbH, SPD und ETV präsentiert und dabei ihre (auf diesem weblog ausführlich dargestellte) Rolle bei der Privatisierung der riesigen Freifläche nicht einmal andeutet (was durchaus möglich wäre, wie die Kommentare zum Isebekufer zeigen), werden die Relationen verschoben.

Auf diese Weise wird nachträglich die Beseitigung einer öffentlichen Fläche legitimiert und normalisiert, die zwanzig Mal größer ist alle Abschnitte zusammen, die am Isebekufer überwiegend nicht beseitigt, sondern „aufgewertet“ werden sollen. Diese eigenartige „Schieflage“ hat ganz schlicht mit dem gesellschaftspolitischen Gewicht des Klinikums (christlich, 1000 Mitarbeiter, 50 Mio. € Umsatz) und des Eimsbütteler Turnverband (Traditionsverein, 9000 Mitglieder) zu tun.

Und weil das alle wissen und zugleich für sich behalten wollen, stehen die positiven Meldungen über die Privatisierer des Sparbierplatzes nur scheinbar in keinem Zusammenhang zu den „engagierten“ Kommentaren zum Isebekufer.

NOCH EIN BEISPIEL

Ausrisse „Eimsbütteler Wochenblatt“, 23.Oktober 2008 (Foto + Texte: Arndt Prenzel)
Eimsbüttler Nachrichten
Klicken zum Vergrößern

Links: Jubelartikel über die Beseitigung der größten öffentlichen Fläche im dicht bebauten Eimsbütteler Kerngebiet. Der eingeblendete Babykopf erscheint als wöchentliche Anzeige des „Diakonieklinikums“ der Agaplesion AG neben solchen Texten. Rechts oben: Der NABU behauptet, die Agaplesion-Klinik würde auf dem Grundstück des Agaplesion gehörenden KH-Elim gebaut. NABU behauptet dann, DAFÜR sei die „Modernisierung“ des angrenzenden öffentlichen Parkufers gedacht. Der Zusammenhang mit der Beseitigung der öffentlichen Fläche „Sparbierplatz“ wird absichtsvoll ignoriert. Rechts unten: Gleichzeitig wird bekannt, dass der öffentliche Bosse-Platz und der Rest des Sparbierplatzes in den faktischen Besitz des Großvereins ETV übergehen.
Und alles unter der Überschrift „Mehr Natur am Isebekkanal!“ .

Kommentar

(1) Aus den oben erläuterten Gründen unterstützt der Lokalanzeiger „EWB“ seit Monaten auffallend engagiert die Kampagne „Hände weg vom Isebek“ und druckt direkt daneben Jubelartikel über die Beseitigung des Sparbierplatzes ab – eine Gewichtung die auch im Interesse vieler Unterstützer der Isebek-Initiative liegt, namentlich der Kirchen, der Naturschutzverbände, des Kaifu-Elternrates (der übrigens den Schulkantinenbau auf der Kaifuwiese unterstützte) und diverser rechts-ökologischer Gruppen.

(2) Um euphorisch klingende Erfolgsmeldungen über die Sparbierplatzbebauung zu bringen („die Bagger tanzen!„), benötigt man nicht einmal den sonst üblichen Aufhänger: Der hier erwähnte Bau der TAS wurde zuvor schon mehrfach gemeldet. Das Bild ist über zwei Monate alt! Die Tiefgarage, die hier erst ausgeschachtet wird, ist in Wirklichkeit schon fertiggestellt. Es handelt sich also um eine Pseudomeldung, bei der es nicht auf den Inhalt, sondern auf die Machtdemonstration ankommt.

Wichtig ist allein, dass weder derTatort (die Brainwash-Formel heißt bis heute: „die Baustelle an der Bundestrasse„) noch der Investor (die Klinikkette Agaplesion AG, die ihre Filiale „Diakonieklinikum“ nennt) genannt werden. Wichtig ist auch die wöchentliche Anzeige mit dem Babykopf („Neu! Geboren im Elim“), die hier die selbe Funktion hat, wie Eisbär Knut für die Berlinwerbung. Sie soll sagen:

Wir beseitigen die Freifläche für die Kinder. Man will vergessen machen, dass diese Klinik, die in der Konkurrenz um Geburtenfallzahlen nur im Mittelfeld liegt, auch in Stellingen oder auf dem Elim-Gelände hätte gebaut werden können.

(3) Anders als beim Streit um das Isebekufer wird im Fall des Sparbierplatzes jedes wichtige Detail unterschlagen. So auch in einer Meldung über „sanierungsbedürftige Sportplätze“ in der selben Ausgabe (unten rechts). Man verschweigt, dass es sich um einen halbierten Sparbierplatz handelt und dieser und der Bosseplatz für die öffentliche Nutzung gesperrt sind.

(4) Jetzt hat mit dem Naturschutzbund NABU überraschend ein uns durchaus suspekter Verein unsere Kritik aufgegriffen, um sie in seinem Sinn zu interpretieren. Der NABU erklärt jetzt im Wochenblatt (s. oben rechts), was wir seit jeher sagen: Dass es sich bei den Vorhaben am Isebek um „Ausgleichsmaßnahmen“ für „den Neubau des Diakonieklinikums“ handelt. Dieser Neubau, so der NABU, entstehe aber nicht auf dem Sparbierplatz, sondern „auf dem Gelände des ELIM-Krankenhauses“. Was zunächst wie eine Freud´sche Fehlleistung wirken mag, hat in Wirklichkeit System. Der NABU weiß schon, wer hier wo baut. Der NABU macht also absichtlich aus unserem Nachweis, dass das SPD-Konzept der „Ise-Promenade“ mit Blick auf das Verschwinden des Spabierplatzes als öffentlicher Raum konzipiert wurde, die Behauptung, „die Umgestaltung der Grünflächen am Isebekkanal“ sei „als rein naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahme“ für den Klinikbau entworfen worden.

Aus purer ideologischer Verbohrtheit kann man den Sparbierplatz als öffentlichen Raum überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen. Man hat nur mitbekommen, dass am Rande dieses Platzes auch 1350 qm Vegetation beseitigt wurden. Nach den üblichen Spielregeln hätten diese Naturfreunde eigentlich einen riesigen Öko-Skandal ausrufen müssen, als die Bagger der Agaplesion AG diese Fläche (die nur 5 Prozent des Platzes ausmachte) zerstörten.

Doch abgesehen davon, dass wir eine solche Bedeutungsverschiebung nicht hingenommen hätten – der „Öko-Skandal“ war nur eine Nebenfolge des Privatisierungsskandals! – , lag es auch nicht im Interesse des NABU, sich mit einem Christenkonzern anzulegen.

Deshalb hat dieser Verein seine eingespielte Rolle als „Anwalt der Natur“ einfach mal ruhen lassen und abgewartet bis alles vorbei ist. Und nicht nur der NABU handelte so, sondern auch all die anderen eifrigen Natur- und Heimatschützer des Bezirks haben sich in dieser Zeit verkrochen, um nicht in einen Glaubenskonflikt zu geraten.

Gerade deswegen müssen 18 Bäume am Isebek jetzt in einem Akt der Sublimierung besonders lautstark verteidigt werden und gerade deshalb produziert der NABU völlig sinnfreie Statements wie dieses: „Eine Zerstörung der natürlichen (?) Uferzonen des Isebekkanals kann nicht als Ausgleich für die Zerstörung von Natur an anderer Stelle dienen!“

Mit „Natur an anderer Stelle“ meinen sie wirklich die kleine grüne Ecke des riesigen Sparbierplatzes, die allerdings größer war als alle kleinen grünen Ecken zusammen, die man jetzt am Isebekufer heroisch verteidigen will. Nicht einmal der Rechtssenat hätte es gewagt, mit einer solchen „Ausgleichsrechnung“ aufzutreten.

—————————————————————————————-

schwarzgrüner Rechtspopulismus von unten

Politische Orientierung der Isebek-Initiative:
zwischen STATT-Partei und ÖDP

Die politische christlich-rechtsökologische Orientierung der Isebek-Initiative wird schon auf den ersten Blick deutlich durch die Wahl ihrer Symbole (Kreuze) und Bündnispartner (Kirchen, ETV etc.), Lieblingsthemen (Vogelschutz) und durch ihr Verschweigen (Privatisierung des Sparbierplatzes durch Agaplesion und ETV). Damit sind die gesellschaftspolitische Orientierung und der ideologische Hintergrund auch schon hinreichend kenntlich. Die Isebek-Initiative liegt politisch auf der Linie der rechtsökologischen Partei ÖDP; sie könnte sofort als Stadtteilgruppe dieser Partei weiter machen. Dem steht wohl nur das Kontrollbedürfnis ihrer Macher über den eigenen Laden entgegen.

Deutlich wird die Orientierung der Isebek-Initiative an einer Buchempfehlung auf ihrer Homepage: „Das Machtkartell: Die Stadt als Beute. Eine Bilanz nach mehr als 40 Jahren SPD-Regierung in Hamburg“ von Jörn Breiholz und Frank Wieding. Auf der Isebek-Website, wo das ganze Inhaltsverzeichnis des Buches abgebildet ist, heißt es dazu:

„Lesenswert und von NEUER Aktualität ist da ein Buch der Journalisten Jörn Breiholz und Frank Wieding aus dem Jahre 2001: „Das Machtkartell: Die Stadt als Beute. Eine Bilanz nach mehr als 40 Jahren SPD-Regierung in Hamburg“. Das Buch berichtet, als wär’s aus der finsteren Eimsbüttler Realität gegriffen, von der „Arroganz der Mächtigen“ und davon, „wie in der Stadt Hamburg Grundstücksdeals und Bauprojekte an den Interessen der Bürger vorbei gefingert werden.“

Dieses Buch ist nicht zufällig Mitte 2001 im reaktionären Mikado-Verlag von Jürgen Hunke erschienen. Die Autoren kritisieren die SPD aus der Perspektive von Ronald Schill und Dietrich Wersich. Ihr Buch fügte sich damals nahtlos in die Kampagne von Springer-Presse, Schill und Wersich gegen den „roten Filz“ ein. Wie beim Schill/CDU-Bündnis steht auch in diesem Buch die Sozialbehörde BAGS im Mittelpunkt, die sozusagen als staatssozialistisches Monopol erscheint („Wir haben uns vor allem auf die Sozialbehörde konzentriert“, WELT 13.7.2001).

Diese RECHTE Kritik an den Sozialdemokraten, die nicht der Aufklärung verpflichtet ist, sondern dem rechtspopulistischen Ressentiment, mündete schon kurze Zeit später in die Privatisierung der kommunalen Kliniken und der öffentlichen Freifläche Sparbierplatz, sowie in die systematische Bevorzugung klerikaler Konzerne wie Agaplesion AG oder Markus-Stiftung.

Schon das Inhaltsverzeichnis spricht für sich: „• BAGS: Die Hütte des Filzes. • Wie sich Senatoren und Genossen Millionen bewilligen und sich selbst kontrollieren. • Filz in Reinkultur. • Am Beispiel Drogenhilfe: Wie die Partei Loyalität belohnt. • Wie die Hoteliers in St. Pauli die Stadt mit Unterstützung des Sozialamtes abkassieren. • HSV = Hamburger Sozialdemokraten Verein.“

Die eingenommene Perspektive ist die des „ehrlichen Steuerzahlers“, der von korrupten Seilschaften und „Spekulanten“ übers Ohr gehauen wird. Während die „einfachen Leute“ meistens ehrlich sind (aus Mangel an Gelegenheit), zeigt das Wirken verborgener Mächte, dass Ehrlichkeit sich nicht lohnt. Deswegen muss der „Sumpf“ trocken gelegt werden, vor allem der „rote Filz“. Es geht hier also nicht um eine Analyse demokratischer Herrschaft und eines staatlich alimentierten Parteiensystems und auch nicht um die Frage, wie ökonomische Macht und politische Macht vermittelt sind. Das Buch bedient vor allem jene dumpfen Ressentiment, die damals fast 20 Prozent für die Schill-Partei brachten.

Der Autor Jörn Breiholz war, bevor dieses Buch entstand, verantwortlicher Redakteur des Anzeigenblattes „Hamburg 19″, das im Jahr 2000 in Konkurs ging. Zum Profil dieses Anzeigenblattes gehörte die Querfront-Verknüpfung von Links- und Rechtspopulismus. Jörn Breiholz arbeitete damals auch für Jürgen Hunke, den Chef der rechtspopulistischen STATT-Partei. Zusammen mit dem Boulevard-Schreiber Frank Wieding machte man im Auftrag (!) von Hunke dann dieses rechtspopulistische „Anti-Filz“-Buch, herausgegeben in Hunkes Mikado-Verlag.

Hunke (der von autoritären asiatischen Despotien begeistert ist) suchte 1999 das Bündnis mit Ronald Schill: „Grundsätzlich vertritt er im Bereich Sicherheit und Ordnung Werte, über die wir vor der Bürgerschaftswahl 2001 ins Gespräch kommen können“ sagte Hunke 1999 zu Focus.

In einem Interview fragte die WELT damals die beiden Autoren: „Ihr Buch wird in einem Verlag veröffentlicht, der dem Statt-Partei-Chef Jürgen Hunke gehört. Zudem erscheint das Buch zwei Monate vor der Bürgerschaftswahl. Ist das nicht ein Interessenkonflikt?“ Antwort: „Wir haben einen Vertrag mit dem Verlag und nicht mit der Statt-Partei. Auch ist es der Statt-Partei ausdrücklich untersagt, den Inhalt des Buches zur Wahlwerbung zu benutzen.“ (WELT 13.7.2001)

Wir haben auf diesem weblog unter „Presse 2001“ bereits vor dem Auftauchen der Isebek-Initiative einen Artikel der WELT vom 4. Februar 2001 zu dem Thema zitiert:

„Der Vorsitzende der STATT-Partei in Hamburg will Filz und Korruption in der Hansestadt enthüllen. (…) STATT-Partei Chef Jürgen Hunke macht Front gegen den Bürgermeister und ruft zum Block mit CDU und FDP auf. Und was ist mit Richter “Gnadenlos” Ronald Schill? “Der kann allenfalls der Joker im Ärmel sein.” Und es dauert nicht mehr lang, dann kommt aus Hunkes Verlag ein Buch auf den Markt: “Das Machtkartell”. Es soll den Hamburgern die Augen für FILZ UND KORRUPTION in Politik und Verwaltung öffnen. … “Der Wechsel muss her”, sagt er. Nach 44 Jahren. Von “piefiger Bezirksmentalität” spricht er, vom “Hamburg-Muff” und “all diesen Seilschaften”. Namen will er nicht nennen. Noch nicht. Eine Armada von Anwälten stehe seitens der SPD-Regierung auf dem Plan und warte nur darauf, dass “Das Machtkartell” veröffentlicht werde. Die zwei von ihm beauftragten (!!!) Rechercheure – ein Redakteur der “Mopo” und einer des früheren Magazins “HH 19″ – würden absichtlich ganz unabhängig ermitteln. (Die Statt-Partei: 1993 als “Protestbewegung gegen die etablierten Parteien” gegründet, schaffte sie – damals unter dem Vorsitz von Ex-CDU-Mann Markus Wegner – den Sprung ins Rathaus. Sie kooperierte dann mit der SPD und büßte wegen Personalquerelen und „Filz“ Stimmen ein. 1997 scheiterte sie an der Fünf-Prozent-Hürde).“

Eine Woche später meldete die Frankfurter Rundschau:

„Beust sucht Verbündete am rechten Rand. Er schließt eine Koalition mit rechtsgerichteten Parteien nicht mehr aus. Beust hat sich jetzt einen Oberstaatsanwalt als “Sicherheitsberater” geholt hat, der den Spritzentausch für drogenabhängige Gefangene beenden will. Schill zeigte sich hocherfreut über Beusts Angebot, ebenso der Chef der STATT-Partei, Jürgen Hunke. Auch hinter seinen Parolen verbirgt sich ein ausgesprochen rechtes Programm. In der Hamburger CDU stieß Beusts Offensive nach rechts auf breite Zustimmung. Wie immer in einer solchen Situation reagiert die SPD indem sie eilig versucht die rechten Themen selbst zu besetzen.“ (10. Februar 2001).

Isebek Ökologische Partei Eimsbuettel
ödp-Hamburg: Die Isebek- Initiative hat sich am 1. September 2008 zu einer Aktion während der
öffentlichen Sitzung der Bezirksversammlung Eimsbüttel getroffen. Leider sind unsere personellen Spielräume begrenzt, unsere Schwerpunkte liegen z.Zt. in Altona und Wandsbek. Am 1. September 2008 traf sich die norddeutsche ödp im ETV-Lokal „Ehrenstein 9“ in Eimsbüttel. Obwohl die Partei bei der Bürgerschaftswahl nur wenige Stimmen bekam (anders als in Bayern), zeigt sie rege Aktivitäten. Am stärksten präsent ist sie in Altona, wo sie über einen Kreisverband verfügt. Nach Bildung der schwarz-grünen Regierung hatten Mitglieder der Grünen den ödp-Kreisverband Wandsbek gegründet. Spitzenkandidatin ist Verena Häggberg, Pastorin der Melanchthongemeinde in Groß-Flottbek. Sie wurde von Bischöfin Jepsen ordiniert. Eng verbunden mit der Parteigeschichte ist der frühere CDU-Bundestagsabgeordneten Herbert Gruhl, Mitbegründer der Grünen. Zentrales Thema der ödp ist der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen. Abtreibungen steht sie ablehnend gegenüber.

Hinweis:

RECHTE BÜRGERINITIATIVEN IN HAMBURG 1998-2001

Einige der Anhänger der Isebek-Initiative waren 10 Jahre zuvor schon aktiv – beim Bürgerbegehren gegen den Fixerraum am U-Bahnhof Hoheluft, der am Ende des Isebek-Parks liegt. Die Stelle gilt bis heute als „Schandfleck“, weil sich dort am Park-Ausgang Trinker und Junkies aufhalten. Die Beseitigung dieses „Schandflecks“ ist das parteiübergreifende gemeinsame Ziel aller am Isebek-Konflikt Beteiligten. Den letzten Antrag zur „Beseitigung des Schandflecks“ kam von der Eimsbütteler Linkspartei. Er wurde von allen Parteien unterstützt. Das „Bürgerbegehren gegen den Fixerraum am U-Bahnhof Hoheluft“ war übrigens Teil einer ganzen Welle von rechten Bürgerinitiativen, die den Boden für den Aufstieg der Schill-Partei bereiteten. Siehe dazu diese Liste.

Biologistisches Weltbild

Die Isebek-Initiative will den öffentlichen Raum zum Vogelschutzgebiet machen

Es begann mit Kreuzen „gegen die geplante, aber nicht notwendige Rodung von Bäumen und Sträuchern bei der Instandsetzung des Geh- und Radweges zwischen Weidenstieg und Bundesstraße.“

Die Isebek-Initiative kommt mit Vögeln weit besser klar, als mit Menschen, vor allem wenn diese einen öffentlichen Park benutzen wollen, der den Vögeln vorbehalten sein sollte. Man will den Isebek-Uferweg zum Park ernennen, aber Park ist für diese Gruppierung nur ein anders Wort für Biotop. Mit der Park-Idee der Aufklärung – Landschaftsarchitektur ohne Barock und zivilisierte Erholung – hat das nichts zu tun.

Der Isebekkanal ist keine „natürliche Natur“, sondern eine künstliche Einrichtung. Seit sich in Europa das Prinzip des englischen Landschaftsgartens durchgesetzt hat, gelten Abwechslungsreichtum, der Wechsel der Blickperspektiven und Gewässerränder als besonders attraktiv. Die soziale und ästhetische Qualität eines Parks steigt nicht mit der reinen Grünmasse, sondern mit dem Eindruck der Vielfältigkeit einer landschaftlichen Situation. Die Qualität einer öffentlichen Freifläche hängt letzten Endes von seiner allgemeiner Nutzbarkeit ab.

Die herausragenden Parkanlagen entstanden unter dem Einfluss der Aufklärung. Der Central Park in New York oder der Hyde-Park in London sind berühmte Beispiele dafür. Diese ÖFFENTLCHEN Parks entsprechen dem Wunsch der Bevölkerung nach einem Erholungsgebiet, in dem man spazieren gehen, reiten, rudern oder Golf spielen kann und wo es Spielplätze für Kinder gibt. Es sind Parks für alle Bürger, Oasen der Erholung und nicht zu verwechseln mit Zoos oder Naturschutzgebieten. Es gibt Wasserflächen, Fußwege, Fahrwege, Promenaden, Plätze, Bowlinganlagen, Musikpavillons und weitläufige Rasenflächen zum picknicken und ausruhen.

All das will die Isebek-Initiative NICHT. Sie will aus dem Uferweg, den sie Park nennt, ein Vogelschutzgebiet machen.

Diese menschenfeindliche Tierliebe knüpft an eine besondere deutsche „Tradition“ an: An das biologistische Weltbild vieler Naturschützer und Landschaftspfleger, die Heimatliebe und Naturliebe immer noch (oder schon wieder) als „eine der stärksten Wurzeln“ verstehen, aus denen Deutschland Kraft schöpfen kann.“ (Bund für Vogelschutz 1933)

Unübersehbar sind die Affinitäten zwischen dem Schutz der Natur und politischen Phantasien von einer organischen bzw. autoritären Strukturierung des „Volksganzen“. Die Isebek-Initiative begann damit, Wassersportler und Leute, die dort ein Picknick machen, anzuklagen.

2009 07 Wassersport Isebek

Ihre naturschützerische Natur-Utopie einer ‚reinen‘ Umwelt“ findet ihre Entsprechung in der Vorstellung einer reinen Welt. In der Terminologie der Isebek-Initiative wirkt die nach 1945 nur oberflächlich bereinigte Terminologie des damaligen Naturschutzes weiter. Bis heute werden auch von den Behörden Pflanzenkartierungen mit der nationalsozialistisch entwickelten Norm „heimischer“ Pflanzen verbunden und zum Maßstab für Naturschutz und Landschaftsplanung gemacht. Bis heute gibt es die unsinnige Metapher vom „ökologischen Gleichgewicht“, eine reaktionäre Konstruktion, die die Evolution leugnet und die Abwesenheit von Entwicklung behauptet.

Gestört wird dieses fiktive Gleichgewicht von ‘dem Menschen’, allerdings nicht von den ‘Naturvölkern’ – und das allein sagt einiges über den Rassismus der politischen Ökologie. Dieses normative Ideal von („Park“-) Landschaft geht einher mit unverhohlen autoritären Forderungen zum „Schutz der Natur“ vor ihren Feinden: Das sind in erster Linie die Parknutzer und dann die Behörden. Das letztere jederzeit bereit sind, Teile des Isebek-Uferwegs zu privatisieren wird dann nicht mehr als Angriff auf den ÖFFENTLICHEN Charakter dieses schmalen Uferparks kritisiert, sondern als Angriff auf die Vogelwelt:

Die Zerschneidung des Isebekparks in einer besonders schutzwürdigen Gehölzzone bei der Goebenbrücke durch Bocciaspiel- bzw. Veranstaltungsflächen sowie die insgesamt geplante Intensivnutzung für Freizeitvergnügen würde vor allem für die bemerkenswert reichhaltige Vogelwelt des Isebekparks einschneidende Auswirkungen haben.“ (Harald Duchrow als Privatperson im April 2006 )

Herimatschutz Vogelschutz
Klicken zum Vergrößern
Anthropomorphismus der Isebek-Initiative: Tieren und Pflanzen werden menschliche Eigenschaften angedichtet. „Fleißig wie die Ameisen“, „Heimattreu wie der Dompfaff“. Solche Personifikation in belehrender Absicht verbindet sich bei vielen Vogelschützern mit einer spirituell-religiösen Vorstellung von einem beseelten Kosmos. Diese Darstellung auf der Homepage der Isebek-Initiative zielt vor allem auf eine allgemeingültige lokalpatriotische Moral: Wie der Dompfaff sind wir heimattreu; daraus erklärt sich unser Engagement für Eimsbüttels Bäume. Immerhin gibt es auch negative animistische Metaphern: „Dumm wie eine Kuh“.

Isebek-Initiative Planet
Links: Plakat der Isebek-Initiative.

Das Verschwinden des öffentlichen Sparbierplatzes
aus ornithologischer Sicht

Die Isebek-Initiative hat die Beseitigung der kommunal-öffentlichen Freifläche Sparbierplatz nur zwei Mal ganz nebenbei erwähnt. Das war im Sommer 2008.

Zitat 1:

Die naturnahen Ufergehölzsäume am Isebekkanal zwischen Christuskirche und Hoheluftbrücke sind derzeit der ökologisch wertvollste Lebensraum im dicht besiedelten, an Grünanlagen armen Eimsbüttler Kerngebiet. Doch nun sollen die Abholzungen zwischen Weidenstieg und Bundesstraße beginnen. Die Baumreihe zwischen Fuß- und Radweg soll entfernt werden. Vernichtet wird damit auch ein wichtiger Teil eines vogelreichen Biotops. Dies wiegt umso schwerer, als gerade in der Nähe, am [!] Sparbier-Sportplatz, ein wertvoller Gehölzsaum mit 86 stattlichen Bäumen beseitigt wurde.

Kommentar:

Es wurde dort nicht eine Biotop-Ecke beseitigt, sondern der GESAMTE 22.000 qm große Platz, der durch seine Größe eine Erholungsfunktion hatte und zudem für Freizeitaktivitäten da war. Die Isebek-Initiative bedauert nicht die Beseitigung der Großfläche, sondern die Beseitigung von 86 Bäumen AM Rande der Fläche. Nur diesen grünen Rand des öffentlichen Platzes hält sie für „wertvoll“. 95 Prozent des Platzes gelten ihr als „wertlos“, weil dieser Flächenanteil nur für Menschen wichtig war.

Zitat 2:

Die Notwendigkeit des Erhalts des Biotopverbundes am U-Bahnhof Hoheluftbrücke ist in letzter Zeit noch dadurch verstärkt worden, dass der Biotop- und Freiraumverbund zwischen Isebek-Grünzug und den südlichen anschließenden Parks im Bereich der Eimsbütteler Grünachse derzeit am Sparbierplatz durch den Bau des Diakonieklinikums geschlossen wird.

Kommentar:

Dieser Satz ist programmatisch: Aus der „Grünachse“, die nicht nur von den Privatisierungskritikern der Sparbier-Initiative, sondern auch von den Behörden als „Freifläche der Freizeit und Erholung im dicht bebauten Kerngebiet“ definiert wird, also als öffentlicher Raum für die MENSCHEN, wird bei Duchrow ein „Biotopverbund“, also ein Raum für Pflanzen und Tiere, sprich: ein Vogelschutzreservat!

Dass nun plötzlich 22.000 qm dieses angeblichen „Biotopverbundes“ von Agaplesion AG und ETV privatisiert, platt gemacht und bebaut wurden, wird von Duchrow auf bemerkenswerte Weise erwähnt: Diese 22.000 qm „Biotop“ verschwinden bei ihm dadurch, dass an dieser Stelle „die Grünachse“ „durch den Bau des Diakonieklinikums geschlossen wird“. Immerhin nennt Dochrow die Namen: „Sparbierplatz“ und „Diakonieklinikum“. Nicht erwähnt werden der Frankfurter Mutterkonzern Agaplesion AG, der ihm durch unsere Flugblätter bekannt ist und der ETV, der sich ja die (oberirdische) Hälfte der 22.000 qm aneignet. Aber Duchrow will da niemand zu nahe treten. Als sei es ein Schicksal, wird der „Biotopverbund“ an dieser Stelle durch einen Bau mal eben „geschlossen“.

Für Duchrow ist diese „Schließung“ kein Anlass zur konkreten Kritik, sondern er nimmt sie als weiteres Argument für die „Notwendigkeit des Erhalts des Biotopverbundes am U-Bahnhof Hoheluftbrücke“. Darauf muss man erst einmal kommen: Der „Abgang“ von 22.000 qm „Biotop“ ist für Duchrow nicht mehr als ein gutes Argument zur „Rettung“ von vielleicht 500 qm Bahngleishecken am U-Bahnhof.

Deutlicher kann man nicht mehr ausdrücken, welches Angebot die Isebek-Initiative dem konformistischen Eimsbütteler Publikum machte: Scheinaktivitäten, die angesichts der unglaublichen Vorgänge auf dem Sparbierplatz das Wegsehen ermöglichen.

In diesem Sinn hat sich dann sechs Monate später auch der NABU geäußert, als er es als „Skandal“ bewertet, „dass die Umgestaltung der Grünflächen am Isebekkanal als naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahme für den Neubau des Diakonie-Klinikums auf dem Gelände des ELIM-Krankenhauses (sic!) dienen soll.“ Die Verantwortlichen hätten „offensichtlich den Sinn einer Ausgleichsmaßnahme nicht begriffen.“ Also: nichts gegen das Verschwinden von 22.000 qm „Biotop“ (wenn Klerikale und ETV dahinter stecken), aber dann doch bitte Ausgleichsmaßnahmen, die den Vögeln nutzen.
Diese Vogelschützer sind echte Menschenfeinde.


Vogelreservat statt öffentlichem Park

Das ornithologisch-biologistische Gesellschaftsbild
der Isebek-Initiative

In der Terminologie der Isebek-Initiative wirkt die nach 1945 nur oberflächlich bereinigte Terminologie des damaligen Naturschutzes weiter.

Zitate von der Homepage der Isebek-Initiative:

Der Isebek-Grünzug ist eine schutzwürdige Naturoase inmitten der Stadt. Sein Ufergehölzsaum wurde vom Naturschutzamt als wertvoll eingestuft.

• Hervorzuheben ist die besondere Bedeutung der Ufergehölzsäume des Isebekkanals als Vogelbrutgebiet. Etwa 90 Vogel-Arten lassen sich am Isebekkanal beobachten, acht Fledermaus-Arten haben hier ihren Lebensraum. Bei einer Renaturierung von Teilen des Isebekufers ist der entstehende Land-Wasser-Übergangsbereich von besonderem ökologischen Wert, unter anderem als Brutareal von Haubentaucher, Blässralle und Teichralle.

• Solche Grünzüge an Kanälen oder U-Bahndämmen haben für die biologische Vielfalt eine große Bedeutung und werden von Tieren als Durchgangskorridore zur Fortbewegung in der Stadt genutzt. Über den kleinen, aber wichtigen Gehölzbiotop vor dem U-Bahnhof Hoheluftbrücke steht der Isebek-Grünzug in Verbindung mit dem ökologisch ebenfalls wertvollen Grünzug, der sich am U-Bahndamm Richtung Schlump hinzieht.

• Als „beeinträchtigende Nutzungen“ sind auch Partikularnutzungen anzusehen, welche die Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes mindern. Der Isebek-Park soll der Allgemeinheit für eine „sanfte“ Nutzung zu Verfügung stehen; er ist kein Vergnügungspark und kein Sportpark.

Wertvoller Lebensraum

Der von der amtlichen Biotopkartierung als wertvoll eingestufte Lebensraum ist unter Schutz zu stellen. • Wir rügen den Umgang des „Dezernats für Wirtschaft, Bauen und Umwelt“ mit dem wertvollen Uferbiotop. • Eine fehlerhafte Darstellung ökologisch wertvoller Flächen hat zu falschen Entscheidungen veranlaßt. • Die geplanten Gehölzrodungen im ökologisch wertvollen Ufergehölzsaum wurden verschwiegen. • Der als ökologisch wertvoll eingestufte, mit einheimischen Gehölzen dicht bewachsene Uferbiotop ist Bestandteil des Biotop- und Freiraumverbundsystem. • Keine Rodung, Versiegelung oder auch Bebauung des wertvollen Biotops am Isebekkanal. • Hier wird ein wertvoller Baumbestand Eimsbüttels vernichtet. • Der als wertvoll eingestufte Lebensraum ist unter Schutz zu stellen. • Schonende Sanierung des Weges, damit ein wichtiges Stück natürlichen Lebensraumes in Eimsbuttel für die nachfolgenden Generationen erhalten wird.

Beliebte Metaphern der Isebek-Initiative:

Ökologischer WERTGebietsheimische Gehölze • Weißdorn statt Mahonie • Heimische Sträucher pflanzen! • Einheimische Wildsträucher und Gehölze • Ersatz-Pflanzenarten für unerwünschte gebietsfremde Arten • Gegenüberstellung heimischer und nicht heimischer Gehölze • Brachland –Unkraut oder Lebensraum?

Der öffentliche Raum als Vogelschutzgebiet:

Beliebte Themen auf der Homepage der Isebek-Initiative: • Der ökologische Wert des Grünzuges am Isebekanal • Fledermäuse am Isbekkanal • Insekten am Isebekkanal • Vogel-Fotos vom Isebekkanal • Singendes Rotkehlchen am Weidenstieg • Amsel singt in Bismarckstraße bei Aldi • Singschwäne fliegen bei Christuskirche in 50 m Höhe • Misteldrossel singt in Bismarckstraße vor Aldi • Buntspecht vor dem Reha-Zentrum am Kaiser-Friedrich-Ufer • Klappergrasmücke singt in dem von Rodung bedrohten Gehölzbiotop gegenüber ALDI • Der erste Zilpzalp singt im Ufergehölz gegenüber dem Kaifu-Gymnasium • Ringeltauben zwischen Bundesstraße und Weidenstieg • Graugans-Paar auf Liegewiese des Kaifu-Freibades.

——————————————————————————————-

Aufklärung oder Heimatschutz? Eine Kritik an der Isebek-Initiative

Ein Briefwechsel

Isebek-Initiative, 20.10.08
Einladung zum Eimsbütteler BI-Treffen am 23.10.2008

Liebe Mitstreiter fürs Eimsbütteler Grün in der Initiative gegen die Bebauung des Sparbiersportplatzes, bei dem Treffen „grüner“ Eimsbütteler Bürgerinitiativen am Donnerstag dieser Woche (19:00, in der Aula des Gymnasiums am Kaiser-Friedrich-Ufer), zu dem wir eingeladen haben, sollte zur gegenseitigen Information ein Vertreter jeder Bürgerinitiative einen etwa zehnminütigen Bericht über das eigene Projekt und über Möglichkeiten und Wünsche zur bezirksweiten Zusammenarbeit geben. Bitte teilen Sie uns mit, ob und durch wen Ihre Initiative bei dem Treffen vertreten sein wird, ob Sie ergänzende Vorschläge zur Gestaltung der Veranstaltung haben und ob Sie vorhaben, Material über Ihr Projekt zu zeigen, so daß z.B. eine Pinwand bereitgestellt werden sollte. Mit den besten Grüßen

Initiative gegen die Bebauung des Sparbierplatzes, 22.10.08
Antwort an die Isebek-Initiative

Die Mitgliederversammlung der Initiative gegen die Bebauung des Sparbierplatzes hat entschieden, nicht an einem „Treffen grüner Eimsbütteler Bürgerinitiativen“ teilnehmen. Wir sind weder eine „grüne Bürgerinitiative“, noch „Mitstreiter fürs Eimsbütteler Grün“.

In unserer sechsjährigen Auseinandersetzung um die vom Rechtssenat betriebene Privatisierung und Bebauung des Sparbierplatzes mit einem „Diakonieklinikum“ der methodistischen Aktiengesellschaft Agaplesion ging es stets um die Verteidigung eines öffentlichen Raumes mit den Mitteln der Aufklärung.
Mit freundlichen Grüßen

„Bäume Dich auf!“ – Der Aufstand der Konformisten
2008 Park Fiction
Klicken zum Vergrößern

Hinweis: Unsere Initiative hat vor dem Versammlungsort die nachstehende Flugschrift verteilt. Hinsichtlich der Teilnehmerzahl war das „Treffen grüner Eimsbütteler Bürgerinitiativen“ nicht erfolgreich. Die christlich-rechtsökologische Tendenz der Isebek-Proteste wwar hingegen eindeutig.

INITIATIVE GEGEN DIE BEBAUUNG DES SPARBIERPLATZES
■ Flugschrift, 23.10.2008

Aufklärung oder Heimatschutz?
Zum Zusammenhang von Sparbierplatz-Privatisierung und „Aufwertung“ des Isebekufers

Mit einem Festakt in der St. Jacobi-Kirche und einer Rede von Bundespräsident Köhler ging an diesem Mittwoch das „Wichern-Jahr“ zu Ende. Diakonie & Kirche ehrten mit dem Gründer der Diakonie jenen Mann als „Praktiker der Nächstenliebe“, dem wir den Begriff „im Dreieck springen“ verdanken. Denn Wichern war von 1857-72 ein landesweit berüchtigter Aufseher im Zellengefängnis Lehrter Straße (Moabit), ein Spezialist fürs Überwachen & Strafen, der wegen seiner sadistischen Foltermethoden vom Preußischen Landtag schließlich entlassen wurde. Diese Tatsachen werden vom Diakonischen Werk bis heute unterschlagen.

Warum erinnern wir an diese Geschichte? Weil der sechsjährige Kampf unserer Initiative gegen die Privatisierung und Bebauung des öffentlichen Sparbierplatzes mit einem „Diakonie-Klinikum“ der Klinikkette Agaplesion AG durch das historische Gewicht der Marke „Diakonie“ erheblich erschwert wurde.

Zum Beispiel durch die Lüge vom „gemeinnützigen“ Zweck, dem der Sparbierplatz angeblich geopfert werden musste. Zu den Kontrahenten unserer Initiative gehörten seit 2002 neben dem Netzwerk der „diakonischen“ Firmen noch zwei andere einflussreiche Kräfte der Gegenaufklärung: der Schillpartei/CDU-Senat sowie der „Traditionsverein“ ETV, dem wir es 2007 durch unsere Enthüllungen unmöglich machten, seine Halle weiterhin nach dem Nazi Robert Finn zu benennen. Diese Beispiele sollen zeigen: Politisches Engagement muss der Aufklärung verpflichtet sein.

Das heutige „Treffen grüner Eimsbütteler Bürgerinitiativen“ findet genau gegenüber der Großbaustelle statt, in die sich der vormals öffentliche Sparbierplatz im Juli dieses Jahres verwandelt hat. Und nur 100 Meter vom ehemaligen Sparbierplatz entfernt, beginnt das Isebekufer, dessen geplante „Aufwertung“ jetzt Anlass von Protesten ist.

In einem Papier des Senats vom 4.12. 2007, mit dem die Änderung
des Flächenutzungsplanes vorbereitet wurde, heißt es zum Zusammenhang von Sparbierplatz und Isebekufer:

„Der Sparbierplatz dient als Freifläche der Freizeit und Erholung im dicht bebauten Kerngebiet Eimsbüttel. Er ist Teil des Eimsbütteler Grünzuges entlang des Isebekkanals, der auch das Freibad am Kaiser-Friedrich-Ufer einschließt.“

Diese Gemeinsamkeit der beiden öffentlichen Flächen wird von der Isebek-Initiative mit keinem Wort erwähnt. Ihr Engagement ist nicht der Aufklärung verpflichtet. Das wird deutlich, wenn man sich den Zusammenhang zwischen den beiden Flächen in Erinnerung ruft. Dazu einige Zahlen:

■ Am Isebekufer geht es um maximal 1000 qm, auf denen 18 Bäume und Ufergehölz gerodet werden sollen. Etwa die Hälfte dieser Fläche soll zugunsten einer Cafeterrasse privatisiert werden.
■ Mit der Aufteilung der Privatisierungsbeute Sparbierplatz zwischen Agaplesion AG und ETV gingen hingegen 22.000 qm an öffentlichem Raum verloren! Dazu gehörten auch 86 (mit Baggern gefällte) Bäume und rund 1350 qm Vegetation.

Betrachtet man also Sparbierplatz und Isebekufer als einen zusammenhängenden öffentlichen Raum im Kerngebiet von Eimsbüttel, so wurden bereits 95 Prozent der dazu „vorgesehenen“ Flächen auf Betreiben des Senats und mit Zustimmung der Bezirksversammlung privatisiert, versiegelt und der öffentlichen Nutzung entzogen!

Vor diesem Hintergrund erscheint besonders die „Rettet die Bäume“-Aktion zwischen Weidenstieg und Bundesstraße in einem merkwürdigen Licht. Denn während in Sichtweite der Baumfreunde derzeit 22.000 qm Freifläche im Zeichen des Kreuzes zum Verschwinden gebracht werden, macht die Isebek-Initiative ausgerechnet Holzkreuze zu ihrem Markenzeichen, dekoriert damit 14 Bäume und tut so, als sei deren Rodung das größte aller denkbaren Dramen.

Der Griff zur christlichen Symbolik ersetzt hier das Sprechen über Zusammenhänge und verdrängt somit die Aufklärung: Die „Modernisierung“ des Isebekufers wurde von der SPD-Eimsbüttel Ende 2002 als „Kompensation“ für die Beseitigung des Sparbierplatzes konzipiert.

Zugleich ging es darum, dem ohne eigenes Grün geplanten Klinikum am Isebek einen Vorgarten zu verschaffen. Das ist in der „Grünplanung“ dieses Projektes ausdrücklich erwähnt. Auch der Bau der Kita/Cafeteria auf der Uferfläche war kein Zufall: Man wollte den Bosse-Platz, an dessen Rand die Kantine zunächst geplant war, zusätzlich zum halben Sparbierplatz dem ETV übereignen, der die Privatisierungspolitik des Senats unterstützt.

Es ist gerade die Leugnung dieses Zusammenhangs zwischen der Christianisierung des Sparbierplatzes und der geplanten „Aufwertung“ des Isebekufers, die es den Medien leicht macht, mit größter Sympathie vom „Kampf um die Bäume“ am Isebek zu berichten und dann ZUGLEICH (!) direkt daneben die Hauptbetreiber der Sparbierplatz-Bebauung zu feiern und über den Baufortschritt des Klinikums zu berichten. So als hätte das eine mit dem anderen nichts zu tun! Man hat eben eine bessere Presse und mehr Unterstützer (zum Beispiel die Ev. Kirche!), wenn man in der Auseinandersetzung um des Isebekufer Holzkreuze zum Initiativen-Symbol macht und kein schlechtes Wort über das „Diakonieklinikum“ und den ETV verliert, zumal beide zu den wichtigsten Anzeigekunden im „Wochenblatt“ gehören.

Die Privatisierung öffentlicher Räume ist ein gesellschaftspolitischesThema. Die Aufteilung der Beute Sparbierplatz in nichtöffentlichen Verhandlungen zwischen Schillpartei/CDU-Senat, „Diakonieklinikum“ und ETV im Jahr 2002, wurde erst möglich durch die gesellschaftliche Dominanz eines „Neoliberalismus„, die erst in diesen Tagen durch die Kernschmelze des Kreditsystems ihr Ende findet.

Das bis 2001 auf dem Kirchengrundstück in Alten Eichen geplante „Diakonieklinikum“ wurde vom Hamburger Rechtssenat absichtlich in der Nähe des UKE angesiedelt wurde, um den kirchlichen Trägern einen Konkurrenzvorteil im Kampf um Marktanteile zu verschaffen. Diese ganz gezielte Privilegierung eines klerikalen Konzerns war und ist eine politische Demonstration.

Sie wurde als gesellschaftspolitisches Gegenmodell zum „staatsmonopolitischen“ LBK entworfen, der zeitgleich zerschlagen wurde. Und mit der Enteignung des öffentlichen Sparbierplatzes zugunsten eines Kirchenkonzerns, wollte dieser Senat demonstrieren, dass sein „Neoliberalismus“ kein bloßes ökonomisches Kalkül ist, sondern eine gesellschaftliche Rechtswende bewirken soll.

Wer sich in der Auseinandersetzung um ein ideologisch derart überdeterminiertes Bauvorhaben für die Froschperspektive des „betroffenen Bürgers“ oder des „unpolitischen Naturschützers“ entscheidet, ist entweder politisch naiv oder verfolgt damit eine politischen Absicht.

Ob Sparbierplatz oder Isebek – es geht hier um (partei-) politische Stadtplanung, um ideologische Konzepte wie das der „wachsenden Stadt“, um die Ökonomisierung weiterer Lebensbereiche, um die Schaffung neuer Märkte (wie den Gesundheitsmarkt), um die Durchsetzung des „Investors“ als einzige gestaltende Kraft, um politische Karrieren in den Bauabteilungen etc. Wer sich der Aufklärung und Selbstaufklärung über diese Zusammenhänge verweigert und sich stattdessen als Anwalt der Fledermaus inszeniert oder mit esoterischen Gesängen um Parkbäume tanzt, will seine eigenen politischen Positionen nicht offen legen – und tut es indirekt doch.

Denn die anti-aufklärerische Heilsrhetorik der „Rettung“ – Rettung der Bäume, des Parks, der Vögel, der Schöpfung, der Eimsbütteler Heimat etc. – ist keineswegs so unpolitisch, wie sie sich gibt. Jede dieser Rhetoriken ist aus politischen Konzeptionen entstanden. Zum Beispiel der im Umfeld der Isebek-Initiative benutzte Slogan von der „Bewahrung der Schöpfung“ oder die ständige Unterscheidung zwischen „ökologisch wertvollem Lebensraum“ und weniger wertvollem Leben. Während die eine Losung dem christlichen Kreationismus zuzurechnen ist, kommt die andere aus der politischen Ecke der „biopolitischen“ Lebensschützer.

Es ist daher kein Zufall, dass die heutige Veranstaltung dem Zusammenschluss „grüner Eimsbütteler Bürgerinitiativen“ dienen soll. Und es ist bemerkenswert, dass man sich einen solchen Zusammenschluss ausgerechnet in Hamburg vornimmt, wo die Politik der Privatisierung öffentlicher Einrichtungen und öffentlicher Räume von einem schwarz-grünen Koalition verfolgt wird, deren Personal mehrheitlich seit den Tagen des Schillpartei/CDU-Senats dabei ist. Wer auf diese Konstellation mit dem Projekt einer schwarzgrünen APO im christlichen und rechtsökologischen Geist Herbert Gruhls (auf den sich vom Sozialsenator Wersich bis zur rechtsgrünen ÖDP alle berufen) reagiert, betoniert die Totalität der Verhältnisse.

Daran haben WIR kein Interesse. Um es mit Jimi Hendrix zu sagen:
There must be some kind of way out of here…

V.i.S.d.P.: R. Behrendt (Tel. xxxxxx) – G. Warnke – Th. Schulze

Isebek-Initiative Arbeitsdienst Heimat
Volksgemeinschaftlicher Heimatschutz der Isebek-Initiative nach dem Vorbild des 1931 gegründeten, „gemeinnützigen“ Freiwilligen Arbeitsdienstes (FAD). Erstes Einsatzgebiet dieses Vorläufers des Reichsarbeitsdienstes waren die Moore im Emsland. Am Anfang standen die „gemeinnützigen“ Aktvitäten christlicher Organisationen, die dort Lager bauten, die schon bald mit zwangsverpflichteten Jugendlichen gefüllt wurden. (Abbildung aus dem Springer-Lokalanzeiger „Eimsbüttler Wochenblatt“ vom 2.10.2008. Fotos und Texte: Arndt Prenzel)

—————————————————————————————–

Sind Papst, Göring oder Hitlers Autobahnen gut oder schlecht? Ökos haben da ein klares Kriterium: Was bedeutet das denn für Natur – und Tierschutz?
Isebek-Initiative Tiere
Aufschrei der Tierschützer. Papst Benedikt XVI. hat sich bei eisiger Kälte auf dem Petersplatz mit einer Pelzmütze präsentiert. Mit seiner Hutwahl bringt der Heilige Vater Tierschützer gegen sich auf. Nach dem Auftritt von Benedikt XVI. mit einem hermelinbesetzten roten Hut, dem so genannten „Camauro“, erklärte die Organisation Europäischer Tier- und Naturschutz (ETN), der Papst solle „auf Pelzkleidung verzichten und sich von den tierquälerischen Haltungsmethoden der Pelzindustrie distanzieren“. An der Papstmütze „klebe das Blut unschuldiger Tiere.“ (dpa, 22. Januar 2006)

Rechtes Bild: Der Landschaftsarchitekt Seifert war seit 1934 als „Reichslandschaftsanwalt“ an der Gestaltung der neuen Autobahnen beteiligt, vorzugsweise mit heimischen Gehölzen. Er war mitverantwortlich für den Kräutergarten der SS im KZ Dachau, wo viele Häftlingen aufgrund der Arbeitsbedingungen starben, während die SS biologischdynamische Anbaumethoden testete. Das Entnazifizierungsverfahren schloß er als Unbelasteter ab. 1950 wurde Seifert Professor und 1954/55 Ordinarius für Landschaftspflege, Straßen- und Wasserbau an der Technischen Hochschule in München und war jahrelang Vorsitzender des Bundes Naturschutz. Sein Buch „Gärtnern, Ackern – ohne Gift“ (1967) wurde mehrfach aufgelegt und galt als Bibel der ökologischen Bewegung.

Flugblatt zur Veranstaltung „Was passiert an der Isebek?“ der Eimsbütteler Bezirksversammlung

INITIATIVE GEGEN DIE BEBAUUNG DES SPARBIERPLATZES
■ Flugschrift, 27.10.2008

Die Bezirksversammlung als „Fledermausmörder“
Zum Zusammenhang von Sparbierplatz-Privatisierung und „Aufwertung“ des Isebekufers

„Was passiert an der Isebek?“ Die Frage wäre von der Bezirksversammlung Eimsbüttel (BV) nie formuliert worden, wenn es nicht so viele Leute gäbe, die mit dem, was dort „passieren“ soll, nicht einverstanden sind. Denn der normale Gang der Dinge ist, dass die Abstimmungsmaschine der Eimsbütteler Allparteienkoalition im Verbund mit der Bezirksbürokratie den privaten Investoren zu ihren Projekten verhilft und die erforderlichen Rahmenbedingungen dann als „Sachzwang“ vollstreckt: passend gemachte Flächennutzungspläne, Ein-Euro-Jobber, Erbpacht-Grundstücke und vieles mehr.

Die neoliberale CDU/SPD-Mehrheit dieser BV hat alle Einsprüche gegen die Privatisierung und Bebauung des öffentlichen Sparbierplatzes mit einer Filiale der Klinikkette Agaplesion AG stets ohne jede Diskussion im Sinne des Beust-Senats niedergestimmt.„Nächster Tagesordnungspunkt!“. Irgendein Einspruchsrecht ist auch mit dieser „Informationsveranstaltung“ nicht verbunden. So funktioniert demokratische Herrschaft.

Die geplante „Modernisierung“ des Isebekufers geht auf das SPD-Konzept der „Ise-Promenade“ vom Februar 2006 zurück. (Die Details können auf unserer Homepage nachgelesen werden). Begonnen wurden diese Planungen im November 2002 – als Kompensationsmaßnahmen für den Verlust der öffentlichen Freifläche Sparbierplatz, den man – gemeinsam mit dem Rechtssenat – zugunsten der Klinikkette und des ETV privatisieren wollte, was dann wegen unseres Widerstandes immerhin noch sechs Jahre dauern sollte.

Wer vom Sparbierplatz nicht reden will, sollte über das Isebekufer schweigen!

Die BV hat ein Interesse daran, die Frage: „Was passiert an der Isebek?“ von der Frage „Und was passierte mit dem Sparbierplatz?“ abzutrennen. Denn Isebekufer und Sparbierplatz waren bis Juli 2008 Teil eines zusammenhängenden Ensembles öffentlicher Räume: „Der Sparbierplatz dient als Freifläche der Freizeit und Erholung im dicht bebauten Kerngebiet Eimsbüttel. Er ist Teil des Eimsbütteler Grünzuges entlang des Isebekkanals, der auch das Freibad am Kaiser-Friedrich-Ufer einschließt“, heißt es sogar in einem Papier des Senats vom 4.12. 2007.

Dieses aus zwei großen öffentlichen Räumen bestehende Ensemble existiert seit Juli nicht mehr!

Sieht man beide Flächen im Zusammenhang, so ergibt sich, dass bereits mehr als 95 Prozent der dazu „vorgesehenen“ Flächen auf Betreiben des Senats und mit Zustimmung der Bezirksversammlung privatisiert, versiegelt und der öffentlichen Nutzung entzogen sind!

In der Auseinandersetzung um das Isebekufer geht es also nur um die restlichen 5 Prozent! Es geht dort um die Privatisierung für eine Cafeterrasse in Wohnungsgröße, um 18 Bäume und um eine nicht ganz 1000 qm große Fläche, deren Grün verschwinden soll. Mit der Aufteilung der Beute Sparbierplatz unter den Klinikkonzern und den ETV, gingen aber bereits 22.000 qm öffentlicher Raum verloren! Dabei wurden auch 86 Bäume mit Baggern platt gemacht und 1350qm Grün gerodet.

Vor diesem Hintergrund wird es die BV bereits als Erfolg dieses Abends verbuchen, wenn ihr Beitrag zum Verschwinden dieser riesigen Teils der beiden öffentlichen Flächen unerwähnt bleibt.

Um es deutlich zu sagen: Wir kritisieren die Isebek-Initiative dafür, dass sie in allen ihren Verlautbarungen das Verschwinden des Sparbierplatzes verschweigt und so tut, als seien die am Isebekufer geplanten Eingriffe nicht als Folgetat der Privatisierung des Sparbierplatzes zu bewerten.

Die Empörung über die geplanten Eingriffe am Isebek wird durch das Schweigen zum Sparbierplatz unverhältnismäßig und unglaubwürdig.

Man könnte wohlwollend unterstellen, dass diese Empörung das Verschwinden des Sparbierplatzes in Rechnung stellt und vielen erst mit den neuen Bezirksplänen endgültig „der Kragen geplatzt“ ist. Tatsächlich gibt es aber keine Stellungnahme in diesem Sinn.

Im Gegenteil. An den Protesten gegen die Eingriffe am Isebek sind jetzt Institutionen, Gruppierungen und Personen beteiligt, die die Bebauung des Sparbierplatzes entweder direkt unterstützen (z.B. die Ev. Kirche in Eimsbüttel), die dazu demonstrativ schwiegen (z.B. der Elternrat am Kaifu-Gymnasium, der auch dem Bau einer Schulkantine AUF dem Isebekufer zustimmte) und diverse Naturschützer, die sich für öffentliche Räume nur interessieren, wenn diese von Vögeln & Pflanzen bevölkert sind.

Viele Medien unterstützen das Anliegen der Isebek-Initiative auffallend engagiert. Doch die selben Medien feiern direkt neben Schlagzeilen wie „Bäume sollen sterben – Anwohner sind sauer“ (Mopo von heute) die Betreiber der Sparbierplatz-Privatisierung (z.B. den Sozialsenator Wersich, der vorher Agaplesion-Arzt war), die Einweihung der neuen TAS auf dem Sparbierplatz und den Fortschritt des Klinikbaus. Denn die Empörung über Baum-Massaker (Mopo) gilt nur Bäumen, die nicht vom „Diakonieklinikum“ gerodet wurden.

Das Schweigen über das Klinikum ist geradezu zur Voraussetzung einer wohlwollenden Berichterstattung über „grüne Initiativen“ geworden.

Doch es sind nicht nur taktisch-opportunistische Motive, die dazu führten, dass Isebekufer & Sparbierplatz nicht mehr als zwei Bestandteile eines zusammengehörenden öffentlichen Raumes („Eimsbütteler Grünzug“) betrachtet werden.

Abgesehen von denen, die sich auf keinen Fall gegen „die Diakonie“ und den ETV stellen wollen, gibt es noch andere Gründe, warum manche Bürger über Zusammenhänge nicht reden wollen: Man müsste dann auch den eigenen materiellen und politischen Sprechort offen legen, z.B. als Hausbesitzer, als Wähler einer bestimmten Partei, als Gegner von Drogenberatungseinrichtungen an der Hoheluft, oder als jemand der beruflich ständig zwischen Hamburg und Dubai pendelt.

Und genau hier kommt die Fledermaus ins Spiel! Aus der Perspektive eines Anwaltes der Fledermaus muss man nicht mehr über politische und ökonomische Zusammenhänge reden. Wer einfach nur „Bäume retten“ will und diese dazu mit Holzkreuzen dekoriert, muss sich weder zur Aufklärung bekennen, noch Selbstaufklärung betreiben. Und diesem Bedürfnis nach gespielter Indifferenz, macht die Isebek-Initiative ausgerechnet im schwarzgrün regierten Hamburg ein Angebot: Ein Engagement im Kräftefeld der Gegenaufklärung, wo man für die „Bewahrung der Schöpfung“ eintreten kann und „biopolitisch“ zwischen „ökologisch wertvollem Lebensraum“ und weniger wertvollem Leben unterscheiden darf.

Es gehört zur Pointe dieser Konstellation, dass die Bezirksversammlung damit mehr Schwierigkeiten hat, als mit einer aufklärerischen Kritik. Gegenüber der moralischen Wucht des Vorwurfes, potentielle Mörder der Fledermaus zu sein, ist sie deutlich hilfloser, als wenn man sie als Helfershelfer des Kapitals charakterisieren würde. Denn die ideologische Dominanz des Neoliberalismus, die erst in diesen Tagen durch die Kernschmelze des Kreditsystems ihr Ende findet, hat die BV gegen linke Kritik völlig unempfindlich gemacht. Und seit man zum Beispiel den Papst nicht mehr als Chefpropagandist eines Aberglaubens kritisiert, sondern – nachdem er kürzlich eine Hermelinmütze trug – als Handlanger von Tierquälern, ist dieAufklärung von Zusammenhängen aus der Mode gekommen.

Klimapolitik und Finanzkrise? LBK-Privatisierung und „Diakonieklinikum“ auf dem Sparbierplatz? TAS-Einweihung und Subway-Schließung? Sparbierplatz und Isebek? Öffentliche Räume und private Investoren?

Alles zu kompliziert! Und das nicht etwa, weil Eimsbütteler eine schlechte Schulbildung hätten, sondern weil das Reden über Zusammenhänge Zivilcourage voraussetzt. „Mein Freund, der Baum“ bietet da als Ersatzobjekt einen Ausweg.

Das bedeutet: Selbst wenn ein `Volksbegehren´ „Hände weg vom Isebek“ zustande kommen und erfolgreich sein sollte, wird das Ergebnis doch ein Misserfolg sein, weil dann die maßgeblichen Akteure der Beseitigung von 95 Prozent des erwähnten Ensembles öffentlicher Flächen unbehelligt blieben. Und auch die Vertreter der Bezirksversammlung werden diesen Abend politisch gut überstehen – zumal wenn sie bekennen, dass der Schutz der Fledermaus ihr wichtigstes Anliegen ist.

V.i.S.d.P.: Gisela Warnke (Tel. 040-494200) – R. Behrendt – T. Schulze

—————————————————————————————-

ETV und Isebek-Initiative
Mit dem Privatisierungsverein ETV gegen Privatisierungspläne (anderswo)

Als die Isebek-Initiative entstand, stand der ETV sofort hinter ihr. Diese Zuneigung beruhte allerdings nicht auf Sympathie für Vogelschützer, sondern hatte damit zu tun, dass der „Kampf um die Bäume“, der genau zu dem Zeitpunkt begann, als die Kritiker des Privatisierungs-Duos Agaplesion/ETV ihren Kampf verloren hatten, dieses Thema endgültig aus den Lokalmedien verdrängte und dass sich die Reihen des staatstragenden Eimsbütteler Publikums wieder problemlos schließen ließen. Sechs Jahre stand der ETV unter Beschuss – intern und von außen. All das sollte der „Isebek-Kampf“ nun heilen.

Für die reale Politik des ETV ist die Isebek-Initiative (die sich vom Zuspruch des Großvereins geschmeichelt fühlt) allerdings nicht brauchbar. Der ETV hatte während der Bauzeit des Agaplesion-Klinikums die Parkflächen als Fußballplatz benutzt. Das fanden nicht alle gut. Der ETV bietet seit 2013 auch den neuen BWL-Trend „Park-Sport“ an, also die Nutzung öffentlicher Flächen, Straßen etc. als erweitertes = kostenloses Vereinsgelände.

Das, so befürchtet der ETV, geht nicht mit den Vogelschützern, die man gefördert hat, um die ETV-Kritiker zu verdrängen, die aber ihren Eigensinn haben (wofür es ja auch anderswo in der Politik Beispiele gibt). Trotzdem hat die Isebek-Initiative aus ETV-Sicht ihren Zweck erfüllt.

ETV Magazin 3-2010
Die Isebek-Initiative will nicht das denkmalgeschützte Klinker-Ensemble am U-Bahnhof Hoheluftbrücke mit einem riesigen Büroklotz verunstalten lassen, wie es auf der Homepage der Isebek-Initiative heißt (www.isebek-initiative.de). Damit bleibt aber auch ein Fastfoodrestaurant und ein Treffpunkt für Menschen, die gerne schon vor 10.00 Uhr morgens mit einem Bier in der Hand an eben diesem Grünstreifen sitzen. An dieser Stelle muss die Frage erlaubt sein, ob statt »Hände weg vom Isebek«, nicht ein wenig Handanlegen doch ratsam gewesen wäre. (zitiert auf der Isebek-Homepage)

ETV Magazin 2-2014
Zu begrüßen ist, dass die ursprünglichen Privatisierungspläne rund um die Hoheluftbrücke passé sind. Besonders schön wäre es, wenn bald ein wenig Bewegung in den Stillstand am Isebek kommen könnte. Der Stadtteil mit der höchsten Bevölkerungsdichte hat einen Park verdient (sic!), der möglichst vielen gerecht wird.

Linkspartei und Isebek-Initiative

Auch die Beziehung zwischen der Partei DIE LINKE („Linksfraktion in Eimsbüttel“) und der Isebek-Initiative hatte von Beginn an damit zu tun, dass beide Gruppierungen auf keinen Fall das Agaplesion-Klinikum („die Diakonie“) und den Großverein ETV für ihre Privatisierungspraxis kritisieren wollten. Allerdings hatte diese Freundschaft einen schlechten Start, denn die Linke (damals Bauske & Co.), die im Bezirk Eimsbüttel zu 99% immer mit den anderen Parteien stimmt, hatte schon mangels vogelkundlicher Partei-Tradition FÜR all das abgestimmt, was die Isebek-Initiative verhindern wollte. Selbstverständlich auch für die Beseitigung der heiligen Bäume (Bäume spielten in der politischen Vergangenheit der Parteifunktionäre keine Rolle, die Öko-Rhetorik war ihnen noch nicht vertraut).

Diese Konfrontation war beiden Seiten ziemlich peinlich und die Linke beeilte sich mit einer Entschuldigung und schwor – man will ja gewählt werden – einen Öko-Schnellkurs zu belegen und künftig zum Baum- und Vogelfreund zu werden. In der ersten Zeit unterstützte die Linke nach allen Regeln linker „Bündnispolitik“ die Anwälte der Fledermaus von der Isebek-Initiative. Aus Rot wurde Grün und man half dann auch kräftig mit bei der Durchführung eines „Soli-Konzert“ mit dem sinnreichen Namen „Give Green a Chance“ im Mai 2009. Doch dabei gab es Streit ums den CD-Verkauf der Links-Partei-Band „Gruppe Gutmensch“. Die Öko-Fundis empfanden das als zu kommerziell und gaben sogar eine Spende der Linkspartei zurück.

Da die Eimsbütteler Linke, seit sie in der Bezirksversammlung sitzt, vor allem am Konsens mit CDU, SPD, FDP und Grünen interessiert ist, geriet ihr Selbstdarstellungsinteresse immer mehr in Konkurrenz zum harten Kern der Isebek-Initiative, der seine Öko-Ziele kompromisslos verfolgt. 2011 beauftrage die völlig korrupte Eimsbütteler Linkspartei einen Architekten (das gehört zu den Folgen der staatlichen Parteienfinanzierung!), einen Vorplatz für den U-Bahnhof Hoheluft zu entwerfen, der eine Abholzung des Isebek-Ufers vorschlug.

Dieser Vorplatz ist seit den Tagen der Schill-Partei allen Ordnungsfanatikern ein Dorn im Auge, weil dort Trinker und auch Junkies öfters in der Sonne sitzen. Die SPD wollte dort 2003 schon die Bänke abmontieren. Die Linke erklärte den Vorplatz zu „Eimsbüttels Schandfleck“ (der Ex-DKP-Mann Hartmut Owens) und bekam dafür viel Zustimmung von den anderen Parteien. Dass die Linke aber mit dem „Schandfleck“ auch das Ufergebüsch beseitigen wollte, wurde ihr von Taz bis Anzeigenblätter und natürlich von den Vogelschützern sehr übel genommen. Die Linke hatte immer noch nicht verstanden, dass das Gebüsch die Heimat „wertvoller Singvögel“ ist.

Da für Linke jetzt mit dem Öko-Thema nichts mehr zu holen war, schlug sie – wie immer – zusammen mit den anderen Parteien „unter der Berücksichtigung unterschiedlicher Nutzungsinteressen“ einen „moderierten runden Tisch“ vor, der u.a. ein „Gutachten für den Isebek-Grünzug mit zukünftigen Planungen und Entwicklungen im Planraum“ (natürlich von Argus, EGL & Co, die schon Gefälligkeits-Verkehrsgutachten und Grünplanung für das „Diakonieklinikum“ erstellt haben, wobei EGL bereits damals das Isebekufer mit einbezogen hatte. Siehe oben auf dieser Seite) in Auftrag geben soll. Der „Tisch“ wurde dann auch eingerichtet – inklusive eines Vertreters des ETV.

Die Vogelschützer erkannten allerdings sofort, dass sie auf diesem Weg ausgebootet werden sollten und verweigerten die Mitarbeit. Die Linke, die nach Absolvierung mehrerer Öko-Volkshochschulkurse inzwischen gelernt hatte, von einer „Neu- bzw. Umgestaltung des Isebek-Grünzugs unter strikter Beachtung der ökologischen und faunistischen Schutzinteressen“ zu sprechen, empfand das Festhalten der Vogelschützer an ihren Zielen (eben Vogelschutz!) nun „bisweilen penetrant“. Dogmatismus erinnert diese Linke zu sehr an die eigene Vergangenheit, die sie so mühsam überwunden hat, um endlich mal „dabei“ zu sein.

2015

Mit der „Aufwertung“ des Isebek-Grünstreifens zum „Park“
wird die „Ise-Promenade“ von 2006
doch noch Wirklichkeit werden.

Die Vogelschützer erkennen klar, was hier gespielt wird: Eine All-Parteien-Union – seit 2008 gehört in Eimsbüttel die Linke dazu – will genau das durchsetzen, was die SPD schon 2006 mit ihrer Ise-Promenade vor hatte: Die Inwertsetzung der Grünflächen durch diverse „Aufwertungen“ und „Anbindungen“ zugunsten kommerzieller Interessenten, sowohl für direkte Nutzung (Gastronomie, Kulturveranstalter, Park-Sport des ETV) wie auch als Umfeld (Eigentumswohnungen, Auslauf für Agaplesion-Patienten: Agaplesion wirbt bereits mit dem Park als Lagevorteil und nennt den eigenen Erweiterungsbau „Ärztehaus Kaifu“). Dazu muss alles auf Vordermann gebracht werden, müssen die „Schandflecke“ weg.

Die christlich-esoterisch-rechtsökologische Orientierung der Vogelschützer war 2008 willkommen, weil sie dabei half, die Privatisierung des öffentlichen Raumes 100 Meter weiter als Thema zu verdrängen – durch Schweigen über die Akteure (Agaplesion, ETV, SPD-Eimsbüttel), durch die Hinnahme der Abtrennung des Sparbierplatzes von dem sonst so gerne betonten „Eimsbütteler Grüngürtel“ und durch die Ersetzung des Begriffs „öffentlicher Raum“ (für Bürger) durch „Biotop“ (für Vögel).

Jetzt steht die Isebek-Initiative mit ihrem Fledermaus-Tick den „Modernisieren“ selbst im Weg. Ihr ökologischer Fundamentalismus wird immer häufiger als unzeitgemäß dargestellt. Schon seit geraumer Zeit gibt es Polemiken gegen den „Stillstand“ und gegen Nutzungseinschränkungen. Auch für die „Schandflecken“ (sumpfige Wege, ungepflegte Vorplätze als Trinker-Treffpunkte) werden die Vogelschützer verantwortlich gemacht.

Noch wagt aber niemand offen zu sagen, dass dieser ganze Vogel-Diskurs überhaupt nicht interessiert. Die Eimsbütteler Politik ist provinziell und antiintellektuell. In ähnlichen Auseinandersetzungen anderswo werden ganz andere Geschütze aufgefahren, zum Beispiel Gutachten über die Anpassungsfähigkeit von Stadtvögeln oder die theoretische Infragestellung der Ideologie vom „ökologischen Gleichgewicht“, das ja immer das gerade gegebene „Gleichgewicht“ ist.

Die Isebek-Initiative wird aber vor allem durch die „Gutachten“ von „Verkehrsexperten“ und „Landschaft- und Grünplanern“ verdrängt werden, die in der Lage sind, eine „grüne“ Rhetorik mit den „vielfältigen Interessen der Nutzer“ in Einklang zu bringen.

Um dem ETV den ehemaligen Bosseplatz zu überlassen, hat man schon eine große Kita mitten auf die Wiese gebaut und das Kaifu-Gymnasium hat deswegen seine Kantine auf den eigenen Schulhof gestellt. Dafür gibt es wieder Hallenplatz in der neuen Sporthalle des ETV, die aus Krankenhaus-Investitionsmitteln finanziert wurde. So wäscht eine Hand die andere und deshalb wird der schmale Isebekuferweg, der jetzt nach dem Willen der Isebek-Initiative „Park“ genannt wird, kein „Naturschutzpark“ im Sinne der Vogelschützer, sondern ein Vorgarten der umliegenden Immobilienbesitzer und „gemeinnützigen“ Konzerne.

Weil dieser sehr schmale Grünstreifen aber nicht der Central-Park oder der Hyde-Park ist, werden die Albträume der Vogelschützer wahr werden. Sie waren es, die den Begriff des Öffentlichen entpolitisiert und die reale Privatisierung durch ihren Biozentrismus umgedeutet haben. Diese Rechtsverschiebung des Diskurses ist in Eimsbüttel nicht mehr umkehrbar, zumal mit dem evangelikalen Agaplesion-Konzern ein weiterer Akteur der Gegenaufklärung politischen Einfluss hat.

—————————————————————————————-

Anhang

Vogelschutz und Nationalsozialismus

Bis 2045 dürften auch diejenigen Institutionen, die es bisher versäumt haben, ihre „Vergangenheit aufgearbeitet“ haben. Andere haben es nach 65 oder 70 Jahren geschafft. Zum Beispiel der ETV. Man könnte denken, dass diese „Aufarbeitung“ nach so langer Zeit vorbehaltlos ist, weil die Tätergeneration überwiegend schon unter der Erde liegt. Aber damit unterschätzt man das Verpflichtungsverhältnis der Nachkommen (= Erben) gegenüber den Alten und die damit verbundene Tradierung. Die „Aufarbeitung“ fällt eher relativistischer aus, je mehr Zeit ins Land gegangen ist. Man versteht nicht mehr so recht, was diese Vergangenheit mit dem HEUTE zu tun haben soll.

Auf jeden Fall haben auch die „Naturschutzverbände“ – noch vor dem LKA und den Geheimdiensten! – inzwischen überwiegend ihre vergangenheitspolitische Pflicht getan und ein paar abgrenzende Worte gefunden: So mancher alte Naturschützer war doch ein schlimmer Nazi, manche sicher aus Überzeugung, aber andere auch eher aus Not. Das können wir heute gar nicht mehr so richtig nachvollziehen, auf jeden Fall tut es uns schrecklich leid.

Es soll also „Schnittmengen“ gegeben haben zwischen Naturschutz und Nationalsozialismus. Wer hätte das gedacht? Aber was ist aus diesen „Schnittmengen“ geworden? War es ein Zufall, dass bei der Gründung der Grünen so viele Nazis dabei waren? Könnte es sein, dass sich die ideologischen Essentials des Nationalsozialismus auch im heutigen (demokratischen) Naturschutz nachweisen lassen? In den Gesetzen (die noch aus der NS-Zeit stammen), in der Terminologie (wertvolles Leben, heimische Arten etc.), der Ideologie („ökologischer Kreislauf“ bis Urban Gardening/Selbstversorgung). Es „Naturschutz“ also ohne braune „Schnittmengen“ gar nicht machbar?

Im Zentrum der Isebek-Initiative steht der „Vogelschutz“, aber über die menschenfeindliche Vorgeschichte der Ornithologie ist von dieser Initiative nichts zu hören. Sie wurde nie selbstkritisch thematisiert und stellt offenbar für die christlich-rechtsökologischen Mitmacher dieser Gruppe kein Problem dar.

Doch schon in der Terminologie der Isebek-Initiative wirkt die nach 1945 nur oberflächlich bereinigte Terminologie des damaligen erkennbar Naturschutzes weiter. Deswegen muss heute kein Naturschützer zum Nazi werden (auch wenn es die braunen Biobauern gibt). Viele Naturschützer fühlen sich heute irgendwie alternativ und graswurzeldemokratisch.

Aber immerhin gibt es – wie auf dieser website gezeigt – auch bei der Isebek-Initiative eine rechtspopulistische Grundorientierung. Diese Initiative hat in Eimsbüttel die Kräfte der Gegenaufklärung gestärkt und damit eine Entwicklung befördert, die mit der Ansiedlung der evangelikalen Klinik-Kette Agaplesion AG begann und die durch das Bündnis mit dem ETV (der seine Mitglieder seit 2002 auf Agaplesion einschwört) erheblich verbreitert wurde.

NABU Vogelschutz
Klicken zum Vergrößern
Reichsbund für Vogelschutz, Mitgliedskarte 1942, Jahreshefte 1938 und 1940.

„Heimatliebe und Naturliebe sind eine der stärksten Wurzeln, aus denen Deutschland Kraft schöpfen kann, deshalb dürfen wir – so klein unser Arbeitsgebiet scheinen mag – uns zu Mitkämpfern rechnen. Freudig stellen wir uns hinter den Führer, geloben, unsere ganze Kraft einzusetzen für sein hohes Ziel.“ (Reichsbund für Vogelschutz zur Machtübernahme der Nationalsozialisten, 1933)

Lina Hähnle Vogelschutzbund NABU

Anna-Katharina Wöbse:
Lina Hähnle und der Reichsbund für Vogelschutz.
In: Joachim Radkau und Frank Uekötter (Hg.): Naturschutz und Nationalsozialismus, Frankfurt/Main u.a. 2003 (Das Buch ist ansonsten nicht zu empfehlen. Es ist ein Beispiel für den Wandel durch die „neue deutsche Erinnerungskultur“: Man will keinen Schlussstrich mehr ziehen, aber zugleich „entspannt“ mit der Vergangenjeit umgehen: WIR haben uns doch so geändert und deshalb mit „damals“ nicht mehr viel zu tun. „Naturschutz“ hat zwar eine braune Vergangenheit, aber wir sind heute doch aufgeklärt. Eine gute Besprechung gibt es hier).

NABU gratuliert
06.02.2008 – NABU-Präsident Olaf Tschimpke hat der Enkeltochter von Verbandsgründerin Lina Hähnle zum 95. Geburtstag und zur 95-jährigen Mitgliedschaft im NABU gratuliert.

Erstveröffentlichung im Internet:
Heinrich Himmler Singvoegel in Konzentrations- Lagern
Klicken zum Vergrößern

Reichsführer SS Heinrich Himmler, 1. Oktober 1937: bessere Nistgelegenheiten für Singvögel in Konzentrationslagern.

Die Vogelwelt von Auschwitz
Günther Niethammer: Lebenslauf eines Ornithologen: ab 1937 Mitglied in der NSDAP, seit 1940 Mitglied der SS, SS-Obersturmführer, im Oktober 1941 und Juni bis Oktober 1942 in Auschwitz, 1967 Präsident der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft. Autor von: Niethammer, Günter (1942): Beobachtungen über die Vogelwelt in Auschwitz. In: Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien, Band 52. Niethammer (1942): Handbuch der Deutschen Vogelkunde (Reprint 1996).

Print Friendly