Flugschriften 2010

1. Flugblatt anläßlich einer Wiedergutwerdungs-Veranstaltung des ETV

2. Zur (vorgezogenen) Einweihung der Hamburger Agaplesion-Filiale

Hakenkreuz ETV Hamburg 2010

An der ETV-Turnhalle sind bis heute mehrere faschistische Runen zu sehen. Darunter befinden sich ein linksdrehendes und ein rechtsdrehendes Hakenkreuz. Statt diese Runen zu entfernen, hat der ETV im Zuge einer geschichtsrevisionistischen „Vergangenheitsbewältigung“ neben dem rechtsdrehenden Hakenkreuz eine Tafel angebracht, auf der dieses – diese Interpretation hat man von uns übernommen – als Turnerhakenkreuz bezeichnet wird. Das linksdrehende Hakenkreuz und die anderen Runen werden weiterhin unkommentiert zur Schau gestellt – eine weitere aggressive Handlung des ETV. Über das linksdrehende Hakenkreuz wird auf diesem Blog an anderer Stelle eingegangen werden. Die Nazis, die den jüdischen Grabstein in Kröpelin damit beschmierten wissen um seine Symbolik. Tatsache ist: Die antisemitische Rune, mit der anderswo jüdische Grabsteine beschmiert werden, wird zur selben Zeit in Hamburg vom ETV vorgeführt – gegenüber der Hamburger Synagoge.

Initiative gegen die Bebauung des Sparbierplatzes
08.10.2010

Warum wir heute Abend nichts über Fritz Kruhm erfahren werden

Nachdem die Kolonne mehrere Kilometer gefahren war, hielt sie an. Die Gruppe von 40 jüdischen Zivilisten musste, ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht, von dem Lastwagen herabsteigen und seitlich des Weges in die Steppe gehen. Ihnen, die jetzt mit Sicherheit erkannten, dass sie nun getötet werden würden, folgten mit mehreren Metern Abstand Angehörige des Erschießungskommandos, unter ihnen Fritz Kruhm. Nachdem sie sich eine Strecke von etwa 150 Metern von den Lastwagen entfernt hatten, erschossen die Soldaten von hinten die vor ihnen laufenden jüdischen Zivilisten. Die Getöteten wurden da, wo sie unter den Schüssen zusammengebrochen waren, liegen lassen.

Dieser Mord ereignet sich im August 1942 in der Nähe der Bahnlinie Rostow-Stalingrad. Das Erschießungskommando gehörte zur 4. Kompanie des Panzernachrichtenregiments 4 der 6. Armee. Der verantwortliche Kompaniechef Kruhm* war Mitglied des ETV.
(*Wir werden den richtigen Namen nach Abschluss der Recherche bekannt geben)

Solche Geschichten wird man dem Publikum heute Abend nicht zumuten. Die Täter spielen bei dieser „Vergangenheitsbewältigung“ keine Rolle. Sie würden nicht in das Bild passen, das heute gemalt wird und nicht zu dem Zweck, der mit dieser, vor allem medial stattfindenden „Aufarbeitung der Vergangenheit“ verfolgt wird.

Fast alle Männer und ein Teil der Frauen des ETV waren bei der Wehrmacht. Hunderte waren in der SA und ganze Abteilungen – etwa Hockey und Fechter – bestanden überwiegend aus SS-Leuten. Wir erfahren heute Abend nichts über sie. Keine Namen, keine Einzelheiten. In vielen uns bekannten Fällen sind die Kinder und Enkel heute im ETV aktiv. Wir haben schon 2006 rund 30 Stichproben im Bundesarchiv gemacht – auf der Basis der Geburtstagsgrüße im ETV-Magazin – und sind auf Fälle wie den von Fritz Kruhm gestoßen. Fast 70 Prozent waren Mitglieder der NSDAP.

Kruhm war keine Ausnahme und er musste keine Gewissensbisse überwinden. Die Wunsch nach Beseitigung von „Rasseschädlingen“ war Konsens im ETV. Es war erklärtes Ziel des Vereins, seine Mitglieder fit für den bewaffneten Kampf der „arischen Rasse“ zu machen. Sparbier, Jacobsen, Bosse, Brose, Finn und andere ETV-Führer haben ständig davon gesprochen.

Die ETV-Mitglieder zogen in den Osten, doch die „Aufarbeitung“ ist eine Heimatgeschichte

Dass der ETV ein völkischer Verein war, wird jetzt nicht mehr bestritten. Aber das heimatkundliche Bild, das jetzt entsteht, besagt, dass der rechte Standpunkt der ETV-Mitglieder wenig konkrete Folgen hatte, da sie am Ende doch nur Sportler waren. Tatsächlich aber sind die Männer und Frauen des ETV zweimal bewaffnet durch Europa gezogen hatte, wo sie als Herrenmenschen über Leben und Tod entschieden haben. Es gibt noch Feldpost aus dieser Zeit, die auch nach 1945 das alles prägende Ereignis war und das Handeln des Vereins bestimmte. Doch die Teilnahme von vielen Hundert ETV-Mitgliedern beim Vernichtungskrieg im Osten, in dessen Schatten zugleich der Holocaust stattfand, spielt keine Rolle, wenn man sie unter dem gemütlichen Volkshochschul-Titel: „Vom Kaiserreich bis zur Nazi-Zeit“ als lokale Heimatgeschichte erzählt.

Keine Namen, keine konkreten Biographien, kein Ostfeldzug. Außer dem damaligen völkischen Führungspersonal kommen die handelnden Menschen, aus denen der ETV damals bestand, bei dieser „Aufarbeitung“ überhaupt nicht vor. Fritz Kruhm und seine „Kameraden“ werden hinter Sparbier & Co. versteckt, die gestern noch als Vorbilder galten und ab heute an allem Schuld sein sollen. Die Nazis, das waren immer die anderen. Alles andere hieße, dem Eimsbütteler Bürgertum, das hier seit Generationen seinen Hintern bewegt, zu nahe zu treten.

Aber nicht alle blieben so anonym und gesichtslos. Es gibt rund 20 Ausnahmen. Der ETV hat hunderte Namen zusammengetragen, aber nicht um Täterbiographien zu schreiben, sondern um in dieser Personendatei nach Juden zu suchen! Diese „Judensuche“ des ETV ist ein Akt geschichtsverdrehender Propaganda. Sie ist nicht als Ergänzung einer Tätersuche angelegt, sondern ERSETZT diese. Man wusste schon vorher, dass sich in diesem völkischen Verein – verteilt über viel Jahrzehnte! – nicht mehr als zwei Dutzend Personen jüdischer Herkunft verirrt hatten. Es waren meist rechts gesinnte Leute, die sich durch extrem vaterländische Positionen Anerkennung verschaffen wollten und sich deshalb z.B. im Wehrsportausschuss des ETV engagierten. Vor der Verfolgung hat sie das trotzdem nicht geschützt. Dass sie jetzt auf einer Tafel nachträglich wieder eingemeindet werden, während die Namen der Täter, denen das weiterhin vorhandene Wehrmachtsstein gewidmet ist, weiterhin anonym bleiben, stellt eine eklatante Geschichtsverdrehung dar.

Die Mehrheit der jüdischen Opfer des ETV hat nicht in Hamburg gelebt. Der ETV-Mann Fritz Kruhm allein hat doppelt so viele Juden ermordet als jetzt auf der Tafel erwähnt werden. Diese Tafel stellt eine Instrumentalisierung dieser Verfolgten für das „vergangenheitspolitische“ Profil des ETV dar.

Die zwei Vergangenheiten des ETV

Der Eimsbütteler Turnverband hat zwei Vergangenheiten. Die eine reicht von 1898 bis 1945. Die andere von 1945 bis in die Gegenwart. In diesen 62 Jahren wurden nicht nur zahlreiche Texte in der Vereinszeitschrift veröffentlicht, in denen ein Loblied auf die erste Vergangenheit gesungen wurde – auch über die „besten Jahre“ des Vereins zwischen 1933 und 1945. In dieser Zeit wurde auch praktisch immer wieder der völkischen und nazistischen Vereinsführer gedacht, wurden Tafeln angebracht, ein Kriegerdenkmal aktualisiert, die völkischen Zeichen an der Außenwand der Sporthalle geputzt, die Spuren der Zwangsarbeiterverschläge im Keller beseitigt, das Archiv gesäubert und dergleichen. Bis 1974 haben das die ehemaligen NSDAP-Mitglieder noch selbst gemacht. Zuletzt der Vereinsvorsitzende Robert Finn. Danach übernahmen die Jüngeren stolz das Erbe und führten es fort.

In dieser Zeit hat sich die Mentalität gebildet, die 2002 das geldwerte Bündnis mit Schill, Beust und dem „Diakonieklinikum“ der evangelikalen Aktiegesellschaft Agaplesion erst möglich machte und auch der repressive Stil, mit der man gegen jene vorging, die damit nicht einverstanden waren. Diese weit über 60 Jahre betriebene „Traditionspflege“ hat sich für den Verein also längst ausgezahlt. Sie hat sich gelohnt. Man kann es nachrechnen. Das gesamte Eigentum des ETV beruht – beginnend beim Hallenbau 1908 – auf guten Verbindungen zu rechten Politikern und Verbündeten.

Historiker und historische Fakten haben keinen Einfluss auf die ETV-Politik

Diese zweite Vergangenheit bleibt das große Tabu. Sie gehört explizit nicht zum Thema der vom ETV bestellten Historiker Sven Fritz und Hannes Heer. Das ist nichts anderes als die Abtrennung der Vergangenheit des ETV von den 65 Jahren, in denen sie gefeiert wurde.

Der ETV hat sich in seinem Handeln nie von den historischen Fakten abhängig gemacht. Das ist auch jetzt so. Was die von ihm bestellten Historiker jetzt aufschreiben, ist in der Substanz seit 2006 öffentliches Wissen. Für alle Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, insbesondere für die Umbenennung des Sparbierplatzes gibt es seit 2006 genügend öffentlich bekannte Fakten (intern wusste man ohnehin immer schon alles). Die Entscheidungen zur Umbenennung des Sparbierplatzes wurde schon vorher und unabhängig von allen historischen Texten getroffen. Noch vor kurzer Zeit behauptete der ETV-Chef Fechner, dass „weder Julius Sparbier noch August Bosse völkisch-antisemitische Einstellungen nachgewiesen werden“ können. Der ETV will, nachdem er seine Privatisierungsbeute realisiert hat, vor allem den Namen Sparbierplatz weg haben, weil damit 8 Jahre härteste Auseinandersetzungen um die Privatisierung dieses Platzes verbunden sind und das Image deshalb ruiniert ist.

Turnerhakenkreuz

Dass der ETV die vier völkischen Symbole nicht entfernt, sondern sie durch Deko-Maßnahmen ergänzt, ist eine Fortsetzung der alten Aggression mit neuen Mitteln.

2010 12 19 Agaplesion-Hamburg

INITIATIVE GEGEN DIE BEBAUUNG DES SPARBIERPLATZES
19.12.2010

Die Agaplesion AG will alles!

Nach neun Jahren ist eine Klinik (fast) fertig, auf die niemand gewartet hat. Dafür wurde die letzte große öffentliche Erholungsfläche des Bezirks beseitigt. Jetzt will man sich noch den Rest der Straße Hohe Weide holen.

Es gab keine offenen Türen und keine Öffentlichkeit, als Agaplesion und ETV Anfang 2002 mit Hilfe des Schill/Beust-Senates die Beute Sparbierplatz verteilten, auf der nun ein Klinikbau steht, von dem heute nur einen kleiner Teil gezeigt wird, weil nach unzähligen Eröffnungsankündigungen seit 2002 auch diese letzte nicht eingehalten werden konnte. Es gibt auch jetzt keine „offenen Türen“, da es im Hintergrund über die weitere Verwendung des Elim geht.

Die Agaplesion AG wollte mit aller Gewalt ins Zentrum von Eimsbüttel, um sich im Kampf um Anteile am Gesundheitsmarkt einen Standortvorteil zu verschaffen. Man nahm dafür in Kauf, dass diese Filiale so hart zwischen den Rest des Fußballplatzes und zwei viel befahrene Straßen gequetscht wird, dass dazwischen gerade noch ein riesiges Stahlgitter passt und dass Patienten und Mieter der gegenüber liegenden Häuser nun in intimer Nachbarschaft leben müssen. Zugleich türmen sich auf dem Dach drei Meter hohe technische Anlagen, für die es auf dem Boden keinen Raum gibt. Diese Enge wirkt auf das ganze Kerngebiet zurück.

Diese Klinik ist auf Wachstum angewiesen. Als es noch darum ging, die Privatisierung des Sparbierplatzes politisch durchzusetzen, erfand man die Story vom „Stadtteilkrankenhaus“, das Eimsbüttel ganz dringend genau an dieser Stelle benötige. „Die Agaplesion AG schenkt Eimsbüttel eine Klinik! – so lautete die Propaganda, die nicht nur die Richtung verklärt, in der die Finanzmittel wirklich fließen, sondern auch die Tatsache unterschlägt, dass ein Bedarf nie nachgewiesen werden konnte: Im Kerngebiet gibt es für 280 Einwohner einen Arzt und mehrere leicht erreichbare Kliniken, während in Stellingen, wo dieser Bau nach einer fast fertigen Planung auf dem Kirchengrundstück „Alten Eichen“ eigentlich entstehen sollte, ein Arzt auf 550 Einwohner kommt.

Jetzt, da der Bau auf der einst öffentlichen Fläche steht, ist von einem Stadtteilkrankenhaus keine Rede mehr. Mit Eimsbüttelern allein sind hier die Betten nicht voll zu kriegen! Die Rede ist jetzt von einem „Gesundheitszentrum für Hamburg und Umgebung„.

Der Vorwand, den man einst brauchte, um eine öffentliche Fläche zu zerstören, hat sich nun erledigt. Nicht aber die Frage, woher der Platz für dieses „Gesundheitszentrum“ kommen soll. Der Neubau allein ist dafür zu klein. Das wusste man immer schon. Eine Ausweitung auf den Restsportplatz wäre unter Hinweis auf den Sportlärm juristisch wahrscheinlich jederzeit durchsetzbar, ist aber wohl nach Jahren der Kumpanei mit dem Privatisierungspartner ETV in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht zu erwarten.

So bleibt also, schließt man die durchaus denkbare Option einer nachträglichen Aufstockung zunächst aus, der Rest der Straße Hohe Weide, vor allem das Gebäude des Elim-Krankenhauses, das nach den gültigen Verträgen mitsamt Grundstück 2011 jedoch an die Stadt zurückfällt – gegen eine „Entschädigung“ von 8,4 Millionen Euro, die es noch zusätzlich zum Neubau und dem Sparbierplatz gibt! Diese geniale Auslegung des Erbbaupachtvertrages von 1925 verdankt die Agaplesion AG übrigens dem inzwischen von Ahlhaus entlassenen Staatsrat Heller.

Jetzt aber zeichnet sich ab, dass es nicht beabsichtigt ist, das Elim aufzugeben. Nach unseren Informationen will Agaplesion das KH Elim nach und nach durch einen Neubau ersetzen und die während dieser Zeit noch bestehenden Teile u.a. für Klinikzwecke nutzen. Agaplesion besitzt am Ende zwei Flächen und Gebäude: Das eine auf dem privatisierten Sparbierplatz und zusätzliche Neubauten auf dem derzeitigen Elim-Gelände. Am Ende gehört ihnen die gesamte Straße!

Es ist uns bestimmt nicht entgangen, dass dieser Klinikbau jetzt genau dort steht, wo wir ihn nicht haben wollten. Wir wissen, dass diese Auseinandersetzung entschieden ist. Aber es gilt, ob hier oder anderswo, dass sich an den Gründen des Dagegenseins nichts ändert, wenn ein offenkundiger Widersinn – eine Klinik verdrängt einen Ort der Erholung! – nach langen Auseinandersetzungen in Beton gegossen wurde. Im Gegenteil: Jetzt, da das Ding fertig ist, wird erst im ganzen Umfang deutlich, wovor wir seit 2002 gewarnt hatten. Indem wir das nachweisen und dokumentieren, misslingt es unseren Kontrahenten, ihr Handeln nachträglich zu legitimieren. Man kann einen Bau durchsetzen, aber nicht dessen Akzeptanz.

Der Agaplesion geht es vor allem die wirtschaftliche Rentabilität. Von einem „Gesundheitszentrum“ ist ja vor allem deshalb die Rede, weil die Klinik sich besser rechnet, wenn sie von einer gewissen Anzahl von Subfirmen und „Einweisern“ umgeben ist, die sich alle wechselseitig zuarbeiten. Dazu braucht man mehr Platz! Genau darum wird es ab sofort vor allem gehen: Um die Weiternutzung des Elim.

Dieses Stichwort zeigt, dass die Auseinandersetzung um diesen Bau noch keine „Geschichte von vorgestern“ ist. Die Agaplesion AG ist der derzeit am aggressivsten expandierende Gesundheitskonzern überhaupt. Als die Kapitalgesellschaft 2002 gegründet wurde, verfügte sie über 2000 Beschäftige und 1060 Betten. Heute gehören zu dem evangelikalen Imperium über 13.000 Lohnabhängige in 80 Einrichtungen, darunter 22 Krankenhäuser (5.100 Betten, 214.000 Patienten) sowie 32 Senioren- und Pflegeeinrichtungen (2.750 Betten, 810 betreute Wohnungen, darunter mehrerer Luxusaltenheime). Der offizielle Jahresumsatz ist von 120 Millionen Euro (2002)) auf heute 620 Millionen Euro gestiegen. In absehbarer Zeit werden von der Agaplesion mehr Menschen abhängig sein als von der dahinter stehenden Methodistenkirche, deren Mitgliederzahl in der selben Zeit von 88.000 auf 55.000 gefallen ist.

Mit dieser Power im Rücken, ist die Verwandlung der gesamten Hohe Weide in ein wachsendes „Gesundheitszentrum“ durchaus möglich. Man kann daher davon ausgehen, dass die Privatisierung und Bebauung der Hälfte des Sparbierplatzes nur ein Anfang war.

In diesem Zusammenhang gibt es noch weitere Aspekte:

(1) Während der gesamten Zeit der Auseinandersetzung war das „Stadtteilkrankenhaus“ bemüht, den Namen der Konzernmutter Agaplesion AG möglichst im Hintergrund zu lassen. Nicht einmal auf dem Bauschild stand dieser Name. Die Bezeichnung „Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg“ ist erst wenige Wochen alt. Jetzt aber, nach der Fertigstellung, geht man in die Offensive und outet sich als „Gesundheitszentrum“ einer evangelikalen Klinikkette. Dieser Konzern wird in wenigen Wochen einer der größten „Arbeitgeber“ im Kerngebiet sein. Seinen 1000 Mitarbeitern ist Kirchenmitgliedschaft vorgeschrieben und gewerkschaftliche Tätigkeit untersagt. Missionarische Ambitionen werden immer offener formuliert. Fundamentalismus und Intoleranz werden daher auf die Umgebung ausstrahlen und lassen einen gesellschaftpolitischen Backlash befürchten.

(2) Der Senator Dietrich Wersich schafft es vielleicht gerade noch bis zur Klinikeröffnung, bevor diese politische Karriere ein Ende hat. Ohne Wersich würde dieser Bau dort nicht stehen. Seit den Tagen der Schill/Beust-Koalition war er der politische Hauptbetreiber. Er war früher Arzt bei Bethanien. Aus der bundesweiten Bethanien-Kette heraus wurde 2002 die Agaplesion AG gegründet. Deren Chef Bernd Weber war damals Chef von Bethanien-Hamburg. Doch jetzt ist es so, wie es meistens ist: Die politisch Verantwortlichen halten nie so lange durch wie die Konzerne, denen sie Nutzen bringen. Mehrmals war das Privatisierungsvorhaben durch unseren Widerstand ernsthaft gefährdet, doch Wersich hat es über drei Amtszeiten von Beust hinweg immer wieder retten können.

Jetzt schließt sich ein Zeitfenster, das geprägt war durch Privatisierung von LBK und anderen kommunalen Einrichtungen bei gleichzeitiger Bevorzugung christlicher Träger. Wersich und Co. werden wohl von der politischen Bühne verschwinden. Doch die von ihnen geschaffenen Fakten werden dadurch nicht revidiert.

2010 Agaplesion Millionen von Wersich
Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft, Drucksache 19/6551 vom 22.06.2010
Die Finanzierung des Agaplesion Diakonieklinikums Hamburg (und der ETV-Anlagen) aus Krankenhausinvestitionsmitteln

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