Flugschriften 2012

– März: Der Abriss des Elim – der nächste Schritt zur weiteren Ausdehnung der Agaplesion AG

– August: Ein Park für Alle vor dem Kaifu-Bad!

Gesundheitszentrum Hohe Weide

Flugschrift der Initiative
05.03.2012

Der Abriss des Elim – der nächste Schritt zur weiteren Ausdehnung der Agaplesion AG

Heute beginnt mit dem Abriss des Elim-Krankenhauses eine weitere dreijährige Bauzeit am Agaplesion-Klinikum mit erheblichen Folgen für das ganze Wohngebiet.

Diese Folgen werden nicht auf die unmittelbare Bautätigkeit (Lärm, Dreck, LKW-Verkehr) beschränkt sein. Weil die Bauarbeiten direkt vor dem Klinikeingang stattfinden, werden noch mehr Patienten auf die Straße Hohe Weide und andere angrenzende Straßen ausweichen, denn diese Klinik hat kein eigenes Außengelände. Daran soll sich nach dem Willen der Agaplesion AG auch durch die Bebauung des Elim-Geländes nichts ändern. Im Gegenteil: Soeben wurde der Elim-Patientengarten beseitigt. Auch diese Fläche soll nun bebaut werden.

Bis 2008 konnte die Bebauung der letzten großen öffentlichen Freifläche (Julius-Sparbier-Sportplatz) mit einer Filiale der Frankfurter Klinikkette Agaplesion AG verhindert werden. Im Februar 2011 erfolgte die Inbetriebnahme der Klinik. Seitdem sind die Folgen für kommunale Öffentlichkeit und die Wohn- und Lebensqualität noch schlimmer als erwartet. Und es hat noch kein Ende, da jetzt die Agaplesion AG mit dem Abriss des Elim und dem geplanten Bau eines Praxenparkes/MWZ (indirekte Erweiterung der Klinik) auf diesem Gelände ihre Konzernpläne – nämlich eine profitable Geschäftserweiterung – realisieren will.

Der Hauptgrund für die teilweise haarsträubenden Folgen des Klinikbaus ist, dass man hier auf zu kleinem Raum eine Klinik ohne Klinikgelände gebaut (und selbstverständlich auch zuvor so geplant) hat. Darauf hatte die Initiative jahrelang schon in der Planung und auf öffentlichen Anhörungen hingewiesen. Das gesamte Grundstück, das zu 100 % bebaut ist, grenzt an einen Fußballplatz und vorne an 2 Verkehrsstraßen. Es gibt hier weder einen Betriebshof noch einen Innenhof oder Patientengarten.

Aus diesem Grund drängt der Klinikbetrieb in den öffentlichen Straßenraum. Die Folgen können Passanten und Anwohner täglich erleben:

• Die Patienten der Tagesklinik werden regelmäßig auf offener Straße ein- und ausgeladen, häufig sogar von der gegenüberliegenden Straßenseite hinübergetragen (hierüber berichtete auch das Wochenblatt).

• Patienten und Personal sitzen direkt am Straßenrand, auf den öffentlichen Gehwegen. Manche gehen mit Infusionsständern spazieren.

• Ganz besonders schlimme Übergriffe auf den öffentlichen Raum sowie auf die Persönlichkeitsrechte von Anwohnern, Passanten und Patienten gehen von der Notfall-Auffahrt in der Hohen Weide aus, da diese wissentlich nicht groß genug geplant wurde und auch kein Sichtschutz vorhanden ist. Diese Auffahrt grenzt so direkt an den Gehweg, dass sie wie eine Freilichtbühne zur öffentlichen Vorführung der Patienten funktioniert. Patienten mit ansteckenden Krankheiten und Publikum (Passanten, auch viele Kinder) kommen sich so nahe, dass man von einem Hygieneskandal sprechen muss.

• Der Taxistand vor der Klinik und der Bürgersteig zwischen Taxistand und Notfall-Auffahrt werden ebenfalls regelmäßig zum Krankentransport bzw. Be- und Entladen der Patienten genutzt.

Aufgrund eines von MdBü Martin Schäfer (Unterstützer des Klinikbaus der Agaplesion AG seit 2002) initiierten Antrages haben die Bezirksfraktionen Eimsbüttel sogar versucht, diesen von ihnen mit verschuldeten Zustand nachträglich zu legalisieren. Dieses ist ihnen nicht gelungen: Inzwischen hat die Polizei die Verwendung des Taxistandes als Klinikgelände untersagt und der Agaplesion AG geraten, für den Tagesklinikverkehr die Tiefgarage mit zu benutzen.

Die Initiative hat mehrfach gefordert, dass das Elim in ein sozio-kulturelles Zentrum umgewandelt wird. Bis vor wenigen Wochen wäre dieses noch möglich gewesen, denn das Elim war noch völlig intakt. Ein solches Zentrum hätte eine gewisse Kompensation für die kommunale Öffentlichkeit dargestellt, der man eine große Erholungsfläche genommen hat, um darauf das an dieser Stelle nicht notwendige Agaplesion-Klinikum zu bauen. Bislang gehen Kompensationen allein an den ETV, obwohl diesem die frühere Freifläche nicht gehörte.

Die Option eines sozio-kulturellen Zentrums ist durch die Entkernung und den nun folgenden Abriss der rechten Hälfte des Elim weitgehend dahin.

Unabhängig von dieser Frage kann ein Teil des Elim-Geländes dazu genutzt werden, die schlimmsten Auswirkungen dieser Klinik ohne Klinikgelände zu reduzieren. Dieses Grundstück, das seit 2010 dem Agaplesion-Konzern gehört, ist jetzt die einzige Fläche, auf der die Agaplesion AG doch noch nachträglich ein Klinikgelände einrichten kann:

• Die Klinikbetreiber können auf das Elim-Gelände alle notwendigen Klinikfunktionen verlegen, die jetzt im öffentlichen Raum stattfinden. Dieses gilt vor allem für die Klinikauffahrt, über der zwar „Notaufnahme“ steht, die aber zu 95% für den Tagesklinik-Pendelverkehr genutzt wird. Dieses würde vor allem den Patienten und der Wohnbevölkerung dienen, die bisher keinerlei Diskretionsabstand wahrnehmen können.

• Dieses gilt auch für den gefährlichen Sauerstofftank an der Bundesstraße, der ohne Sicherheitsabstand direkt am Bürgersteig steht.

• Auch könnte endlich mit einem Aufenthaltsort/ Garten ein würdiger Zustand für die Patienten geschaffen werden, die sich – sobald die Sonne scheint – in Schlafanzügen im öffentlichen Straßenraum aufhalten.

Die Initiative protestiert gegen den Plan von Agaplesion, auch das Elim-Grundstück zu 100 % zu bebauen, was die unhaltbaren Zustände für Patienten, Passanten und Wohnumgebung noch weiter verschärfen würde.

Deshalb fordern wir:

■ Alle notwendigen Klinikfunktionen – einschließlich Patientenerholungsräume und Patientenanlieferung – finden ausschließlich auf den Flächen von Agaplesion statt!

■ Agaplesion muss die Nutzung des öffentlichen Straßenraumes für Klinikzwecke vollständig und dauerhaft beenden!

– Weitere Informationen auf dieser Homepage unter „Zwischenberichte 2012“.

Ein Park für Alle

Kaifu-Bad

Information der Initiative zum Agaplesion-Klinikum
August 2012

Endlich: Ein Park für Alle vor dem Kaifu-Bad!
Die Kommunalpolitik kann jetzt die Wohnbevölkerung für die verlorene öffentliche Freifläche (Ex-Sparbierplätze) entschädigen, auf der heute die Agaplesion-Klinik (ADKH) steht.

Vor allem: Straße & Gehwege dürfen nicht mehr als Klinikfläche missbraucht werden. Die Patientenanfahrt gehört vor den Eingang und in die Tiefgarage.

Wie ein verwunschenes Schloss tauchte aus dem dichtem Baustaub-Nebel des Elim-Abrisses im Frühjahr 2012 plötzlich das 1895 als „Volksbadeanstalt“ erbaute Kaifu-Hallenbad wieder auf. 85 Jahre war von diesem ältesten Hamburger Bad nur der Eingang zu sehen gewesen, weil 1927 das KH-Elim dicht davor gesetzt wurde. Jetzt steht das 117 Jahre alte, beeindruckend schöne Bad wieder frei, und davor gibt es plötzlich einen riesigen Platz von ca. 6500 Quadratmeter, der nur durch eine schmale Mauer von der Freibadwiese getrennt ist.

Selbst die hartgesottensten Privatisierungsfanatiker, die 2008 die Bebauung des öffentlichen Sparbierplatzes politisch durchgesetzt hatten, sollen, so hört man, jetzt von Zweifeln geplagt werden: Kann man dem Frankfurter Agaplesion-Konzern wirklich erlauben, auch noch diese riesige Fläche zuzubauen – mit einem kommerziellen Gewerbebetrieb, der anfangs „Praxenpark“ genannt wurde und jetzt – noch zynischer – „Gesundheitszentrum Hohe Weide“ heißen soll? Soll man hier wirklich die letzte Möglichkeit zu einer echten Kompensation für die verlorene Freifläche vergeben, eine Kompensation die ausnahmsweise mal nicht dem Agaplesion-Partner ETV zugute kommt, sondern der betroffenen Wohnbevölkerung? Mit anderen Worten: wäre es jetzt nicht dringend geboten, hier ein wirkliches Gesundheitszentrum zu schaffen, indem man aus der freigeräumten Elim-Fläche einen öffentlichen Park (statt eines „Praxenparks“) macht und zugleich aus dem Rest-Elim ein öffentliches soziokulturelles Zentrum? Und könnte man nicht zugleich den Agaplesion-Gewerbeverkehr, der momentan auf den Gehwegen der Hohe Weide stattfindet, endgültig in die Tiefgarage sowie auf die Fläche vor dem Haupteingang verbannen und diese durch einen Sichtschutz von dem Park abgrenzen?

Es ist keine Frage, dass diese Vorschläge naheliegend und vernünftig sind. Sie drängen sich allen von selbst auf, die jetzt erstmals das alte Bad und die Riesenfläche sehen. Und warum auch sollten die Geschäftsinteressen der Agaplesion-Klinik mehr zählen als das allgemeine Interesse an halbwegs gesunden Wohn- und Lebensbedingungen in einem dicht bebauten Viertel?

Leider zeigen die Erfahrungen der Vergangenheit, dass eine postdemokratisch orientierte Kommunalpolitik ihre wichtigste Aufgabe darin sieht, Konzernen wie der Agaplesion AG zu Diensten zu sein. Zur Erinnerung:

2002: Schill-Partei und CDU kippen den SPD-Beschluss zum Bau des „Diakonieklinikums“ auf dem riesigen Gelände der „Diakonie Alten Eichen“ in Stellingen. Zugunsten der Agaplesion-AG wird die öffentliche Freifläche Sparbierplatz im dicht bebauten Kerngebiet privatisiert.

2003: Der Frankfurter Agaplesion-Konzern kauft das angeschlagene Elim. Doch unsere Forderung, den Klinik-Neubau dann wenigstens auf dem Elim-Gelände zu errichten, wird abgelehnt, obwohl das 7100 qm große Elim-Grundstück 800 qm größer (!) als die Grundfläche des heutigen Agaplesion-Klinikums ist.

2005: Agaplesion erhebt zur allgemeinen Überraschung nun Anspruch auf BEIDE Grundstücke.

2008: Der Beust-Senat zahlt Agaplesion 8,4 Millionen „Entschädigung“ für den „Verlust“ des Elim, dessen Abriss dann 2012 ebenfalls von der Stadt bezahlt wird. Für ein Drittel dieser Summe kauft Agaplesion das Grundstück, auf dem nun unter dem Namen „Gesundheitszentrum“ ein Erweiterungsbau errichtet werden soll.

2011: Mit der Inbetriebnahme der Agaplesion-Klinik, die weder Hof noch Garten hat, beginnt die Nutzung des öffentlichen Straßenraums für Klinikzwecke. Obwohl die Agaplesion-Auffahrt in der Hohen Weide nur für Notfälle vorgesehen ist, wird darüber der gesamte Patientenverkehr abgewickelt und immer wieder auch der Lieferverkehr. Weil die Rampe dafür nicht gebaut wurde, werden Patienten auf der Straße ausgeladen und weil es keinen Garten gibt, sonnen sie sich im Schlafanzug am Straßenrand. Agaplesion externalisiert so seine Kosten und bürdet sie der Öffentlichkeit auf. Diese entwürdigenden Zustände werden von der Initiative dokumentiert und schließlich auch von der Presse thematisiert.

2012: Agaplesion macht 80 Prozent des Elim mitsamt dem Patientengarten dem Erdboden gleich, um Platz für neue Geschäftszweige zu schaffen. Im Rest-Elim wird die Bethanien-Tagesklinik untergebracht. Patienten werden jetzt auch vor den Häusern dieses Teils der Hohen Weide auf der Straße ausgeladen. Die von uns durchgesetzte Sichtblende vor der Rampe ändert nichts daran, dass weiterhin der Klinikbetrieb auch davor stattfindet. Die Agaplesion-Klinik GmbH führt sich auf, als gehöre ihr die ganze Straße. Am Ende wird sie diese Wohngegend mit einem 260-Meter-Bau auch vollständig in ein Gewerbegebiet verwandelt haben.

 

Was wir wollen:

Bild und Überschrift sollen zeigen, was möglich wäre, wenn die den Konzernen verpflichtete Kommunalpolitik unter Druck geraten würde. Es gibt keinen vernünftigen Grund dafür, dass das Kaifu-Bad wieder für Jahrzehnte hinter Mauern verschwindet und dass die Option eines öffentlichen Parks mit Kulturzentrum für immer zunichte gemacht werden soll. Eine andere Entscheidung ist möglich! Man muss nur dem seit 10 Jahren aggressiv expandierenden evangelikalen Agaplesion-Konzern Einhalt gebieten.

 

Der erste Schritt in diese Richtung ist die Umsetzung unserer Forderung:
Alle Klinikfunktionen dürfen nur auf dem Klinikgelände selbst stattfinden! Das Wohngebiet gehört nicht zum Klinikgelände! Agaplesion muss die Nutzung des öffentlichen Straßenraumes vollständig und dauerhaft beenden!

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