Das Krankenhaus Elim in der NS-Zeit

Vor 1933

1. Die „Christengemeinde Elim“ 
1933 bis 1945

1. Heitmüller: Reden eines Christen und Nationalsozialisten
Nach 1945

1. Elim – wirtschaftliche Basis evangelikaler Erweckungsbewegungen

2. Großevangelisations-Veranstaltungen des Elim 1960 und 1993

3. 2011: Christlicher Geschichtsrevisionismus zu Heitmüller

4. 2012: Zum Elim-Abriss

Vorbemerkung

Das Krankenhaus Elim in Hamburg-Eimsbüttel entstand 1927 als ökonomische Basis einer auf den amerikanischen Prediger Robert Pearfall Smith zurückgehenden „Erweckungsbewegung“ mit dem Namen „Christliche Gemeinschaft Philadelphia“, einer aggressiv auftretenden evangelistischen Gruppe mit rund 3000 Mitgliedern. 1920 benannte sie sich in „Christliche Gemeinschaft Hamburg“ um, 1934 in „Freie Evangelische Gemeinde“. Ihr Chefprediger Friedrich Heitmüller, ein stadtbekannter Demagoge, trat 1933 der NSDAP bei.

Diese Geschichte wird auf dieser Seite dargestellt und mit Dokumenten belegt. Sie macht deutlich, dass auch rechte Tradierungen eine Rolle spielten, als der damalige Elim-Geschäftsführer Buchholz sich sofort nach dem Hamburger Wahlsieg des Schill-Partei/CDU-Bündnisses (September 2001) gemeinsam mit dem wegen seiner völkischen Vergangenheit ebenfalls einschlägig geprägten Eimsbütteler Turnverband (ETV) daran machte, hinter dem Rücken der Öffentlichkeit die Privatisierung eines 22.000 qm großen öffentlichen Raumes in Hamburg-Eimsbüttel zu betreiben.

Doch zwei Jahre später stand des Elim kurz vor der Insolvenz. Es wurde im Mai 2003 von einer anderen evangelikalen Gruppe übernommen – von dem methodistischen Bethanien-Netzwerk, aus dem heraus 2002 der Frankfurter Klinikkonzern Agaplesion AG gegründet worden war. Die Hamburger Morgenpost sprach damals von einer„feindlichen Übernahme“. (Die Elim-Gruppe hat sich inzwischen auf andere Geschäftszweige verlegt). Über die Hamburger „Krankenhaus-Bethanien gGmbH“ hatten die finanzkräftigen Methodisten nun gute Chancen, die „Diakonie-Klinikum-Hamburg gGmbH“ zu dominieren, deren Gründung noch vom letzten SPD-Senat forciert worden war – zwecks Zusammenlegung der Betten von drei schrumpfenden klerikalen Kliniken.

Mit der Agaplesion AG hatte der Hamburger Rechtssenat einen solventen Partner gefunden, mit dem man nun nicht nur die Privatisierungspläne des Elim durchsetzen wollte: Parallel zur Zerschlagung der kommunal-öffentlichen Krankenhäuser wollte man die klerikalen Kliniken jetzt nicht mehr „gesund schrumpfen“, sondern ihre Position auf dem neuen Gesundheitsmarkt explizit stärken. Die Federführung dieses Vorhabens liegt seit 2001 bei dem CDU-Politiker Dietrich Wersich, der inzwischen Sozialsenator ist. Vor seiner Polit-Karriere war Wersich Arzt im Hamburger Bethanien-Krankenhaus. Er kennt aus dieser Zeit das gesamte Führungspersonal der Agaplesion AG.

Verzögert durch den sechsjährigen Widerstand der Bebauungsgegner, begann im Sommer die Zerstörung des öffentlichen Raumes. Eine Hälfte der Freifläche, die 1933 von den Nazis nach dem völkischen ETV-Funktionär Julius Sparbier benannt wurde, wird seit Sommer 2008 mit der Agaplesion-Filiale „Diakonieklinikum“ bebaut. Die andere Hälfte ist jetzt faktisch im Besitz des ETV.

2011 soll das Elim abgerissen werden. Dort, wo genug Platz für den Bau gewesen wäre, der jetzt auf dem Ex-Sparbierplatz steht, will die Agaplesion AG ein „Ärztehaus“ errichten, obwohl ein solches genau gegenüber schon existiert. Aber ein eigenes MVZ bringt eben mehr Krankenhaus-Einweisungen. Und mit dem Abriss des Elim wird nach 65 Jahren des Verschweigens auch die hier beschriebene Vergangenheit (mitsamt dem Elim-Archiv) entsorgt. Endgültig.

Hinweis: Schwerpunkt dieser Seite ist die Zeit des Nationalsozialismus. Dargestellt werden aber auch die Aktivitäten der „Christengemeinde Elim“ vor 1933 und nach 1945. Die Reihenfolge der Bearbeitung folgt zum Teil aktuellen Gesichtspunkten.

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■ Die „Christengemeinde Elim“ vor 1933

1928

Dieser Abschnitt wird noch bearbeitet …

■ Das Elim im Nationalsozialismus

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1934: Antisemitische Hetzschrift von Friedrich Heitmüller, Prediger der „Erweckungsbewegung“ Christengemeinde Elim und Direktor des Elim-Krankenhausses in Hamburg-Eimsbüttel.


Friedrich Heitmüller: Sieben Reden eines Christen und Nationalsozialisten, 1934

Erste Seite des Abschnittes über „die Judenfrage“. Heitmüller, der Postbeamter war, bevor er „Evangelist“ wurde, fordert schon 1934 die vollständige Ausgrenzung der Juden aus dem öffentlichen Leben. Der Apostel Paulus und Adolf Hitler gelten ihm gleichermaßen als Gewährsleute. Heitmüller verbindet christlichen Antijudaismus mit dem nationalsozialistischen „Rassen“-Antisemitismus, dessen eliminatorisches Ziel („Endlösung“) ihm bewusst ist.

Die Entmenschlichung der Juden zu „Bazillen„. Heitmüller zitiert die Parole: „Die Juden sind unser Unglück“ des völkischen Antisemiten Heinrich von Treitschke. Der danach zitierte Theologe Ludwig Albrecht (1861-1931) hatte 1926 die antijüdische Schrift: „Die Geschichte des Volkes Israel von Muse bis auf die Gegenwart“veröffentlicht.

In den Wahnvorstellungen der Antisemiten beherrschen und kontrollieren die Juden die Welt. Selbst die Krankenhäuser. Doch in einem davon kämpft Heitmüller entschieden gegen die jüdische Unterwanderung. Bereits 1927 erklärte er das

Elim-Krankenhaus für „judenfrei“:

Passage aus einem mehrseitigen Schreiben des Elim-Direktors Heitmüller an die Gesundheitsbehörde, 19. Oktober 1934.


Friedrich Heitmüller: Sieben Reden eines Christen und Nationalsozialisten

Im Zuge der Aufklärung wurden den Juden Gleichstellung und Bürgerrechte versprochen. Doch dafür verlangte man von ihnen die Assimilation, d.h. den Verzicht auf alles Jüdische. Die meisten Juden gingen auf diese Forderung ein, und nicht wenige von ihnen wurden darüber übereifrige Nationalpatrioten. Doch den Antisemiten galten gerade die „angepassten“ Juden als besonders gefährlich. Sozusagen „unerkannt“ konnten sie nach der antisemitischen Wahnvorstellung ihre Macht ausdehnen und dabei auch noch die „Reinheit des deutsches Blutes“ bedrohen. Heitmüller verurteilt die Assimilation und fordert den Auschluss der Juden aus der „Volksgemeinschaft“. Die Durchführung der „Lösung der Judenfrage“ erwartet er von der NSDAP.

Inquisition, Pogrome und alltägliche Diskriminierung kennzeichneten den christlichen Antijudaismus. Als 1492 in Spanien die durch Zwangstaufen zu Christen geworden Juden (Conversos) verdächtigt wurden, Christen nur zum Schein geworden zu sein, wurde erstmals auch die Frage nach der „Reinheit des Blutes“ gestellt. Doch für die Ausformulierung eines „Rassen“-Antisemitismus fehlte damals noch die Möglichkeit, sich auf die Naturwissenschaften zu berufen. Prinzipiell hat der christliche Antijudaismus den Juden eine jenseitige Erlösung offengehalten, die sie durch die Taufe schon in diesem Leben erreichen konnten. Freiwillig getaufte Juden waren vor weiterer Verfolgung außerhalb von Spanien meisten relativ sicher. Später waren es vor allem die die Lutheraner, die von den neuen, pseudo-wissenschaftlichen Rassentheorien begeistert waren. Man unterstellte dem zunehmend als „Rasse“ aufgefassten Judentum einen fiktiven Semitismus, um die rechtliche Gleichstellung der Juden zu revidieren und sie aus der Gesellschaft des Kaiserreichs auszugrenzen. Die Juden wurden nicht mehr in erster Linie als eine nichtchristliche Religionsgemeinschaft angegriffen, sondern als „fremdrassige“ Gruppe. Heitmüller war ein fanatischer christlicher Hassprediger, aber gerade deshalb musste er versuchen, seinen keineswegs originär christlichen „Rassen“-Antisemitismus auch christlich zu begründen.

Den Dreh, mit dem Heitmüller das „christliche Menschenbild“ (Der Mensch ist Geschöpf und Abbild Gottes) mit dem nationalsozialistischen „Rassen“-Antisemitismus verbindet, ist nicht besonders anspruchsvoll: „Gott“ habe nicht nur den einzelnen Menschen geschaffen, sondern auch die „Völker“, deren (erfundene) Existenz Teil einer „göttlichen Ordnung“ sei. Die Ordnung bzw. Hierarchie der „Völker“ (ganz oben stehen die „Arier“) ist eine Ordnung der „Rassen“, die offenbar von „Gott“ mit ganz unterschiedlichem „Blut“ ausgestattet wurden, das ständig „sauber“ gehalten werden muss. Die daraus abgeleitete „Rassenhygiene“ (Eugenik) ist für Heitmüller Grund genug, um als „christlicher Nationalsozialist“ gleich auch zwecks Verhinderung einer „Entartung“ die Zwangssterilisation „aller Minderwertigen“ zu fordern.

Die Sterilisierungen bildeten den Auftakt zu den Morden an Behinderten im Rahmen der NS-„Euthanasie“. Nach Ernst Klee (Euthanasie im NS-Staat: Die Vernichtung lebensunwerten Lebens) waren 20 Prozent aller Einrichtungen, die sterilisiert haben, evangelische Häuser. Warum sie dazu von den Nazis in keinem einzigen Fall gezwungen werden mussten, zeigen diese Auslassungen des christlichen Nazis Heitmüller. Da Heitmüller selbst Chef eines Krankenhauses war, ist es wahrscheinlich, dass er die Mitwirkung des Elim an der NS-Eugenik angeboten hat.

Eine weitere Konsequenz von Heitmüllers christlichem „Rassen“-Antisemitismus besteht darin, dass er das Christentum von seinen jüdischen Einflüssen trennen muss. Da sich das nationalsozialistische Parteiprogramm grundsätzlich zum positiven Christentum bekannte, entsprach das auch der Parteilinie, zu der eine antisemitische Deutung des Evangeliums und die „These“ von der „arischen“ Herkunft des hebräischen Gurus Jeschua von Nazaret gehörte.

(weitere Dokumente folgen)

■ Nach 1945

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Der Religiös-industrielle Komplex *

Das Krankenhaus Elim als wirtschaftliche Basis evangelikaler Erweckungsbewegungen

„Es kamen nur diejenigen geschäftlich hoch, welche methodistischen oder baptistischen oder anderen Sekten angehörten. Kapitalistischer Erfolg war ein Beweis der Bewährung und Begnadung, hob das Prestige und die Propagandachancen der Sekte und war deshalb gern gesehen. Nicht die ethische Lehre einer Religion, sondern das Verhalten, auf welches durch die Art ihrer Heilsgüter Prämien gesetzt sind, ist ihr spezifisches Ethos. Jenes Verhalten, welches dem ‚Geist‘ des modernen Kapitalismus die Wege ebnete.“ (Max Weber: Die protestantischen Sekten und der Geist des Kapitalismus)

Die Aktivitäten religiöser Gruppen – ob Amtskirchen oder Freikirchen – sind immer mit einer ausgedehnten wirtschaftlichen Tätigkeit verbunden. Zu sagen, sie benutzten religiöse Ziele nur als „Vorwand“ zur Durchsetzung wirtschaftlicher und politischer Ziele, würde aber die Pointe verfehlen: Das überwiegend mit öffentlichen Mitteln finanzierte Netzwerk der „diakonischen“ GmbHs und Aktiengesellschaften ist die ökonomische Basis der missionarischen Praxis, und zugleich ist umgekehrt die religiöse Propaganda das entscheidende Differenzierungsmerkmal – die nach innen und außen wirksame corporate identity – solcher Unternehmen auf den zwei Märkten, auf denen sie tätig sind: Während sie auf dem religiösen Markt mit anderen religiösen Gruppierungen um Legitimität konkurrieren (Kirche oder Sekte?), konkurrieren sie auf dem Markt der Sinn- und Lebenshilfeangebote unter Einsatz ihrer Traditionsmarken (Diakonie, Caritas etc.) sowie der steuerfreien „Gemeinnützigkeit“.

Das Elim-Krankenhaus in Hamburg-Eimsbüttel, das einer den Baptisten nahe stehenden, evangelikalen ‚Erweckungsbewegung‘ gehörte, bevor es 2003 von einem Konzern der konkurrierenden Methodistenkirche übernommen wurde, war seit seiner Einweihung im Januar 1927 ein Zentrum der reaktionären Gegenaufklärung. In den 1920er Jahren war es berühmt-berüchtigt wegen der Entlassung jüdischer Ärzte und wegen der rechtsradikalen Predigten seines Direktors Heitmüller, die damals Tausende anzogen. Noch in den 1950er Jahren weigerte sich die SPD in der Hamburger Bürgerschaft einem Kreditbegehren des Elim zuzustimmen – unter Hinweis auf die Rolle dieser Klinik in der Zeit des Nationalsozialismus.

Von all dem wussten wir nichts, als das Elim sofort nach dem Wahlsieg der Schill-Beust-Koalition im Herbst 2001 daran ging, den bereits geplanten Bau eines „Diakonie-Klinikums“ auf dem Diakonie-Gelände im Eimsbütteler Stadtteil Stellingen zu stoppen, weil es sich von dem neuen Rechtssenat Unterstützung für ein anderes Projekt erhoffte: die Privatisierung & Bebauung eines Filetgrundstückes im Kerngebiet von Eimsbüttel, das zu diesem Zeitpunkt noch eine öffentliche Freifläche war. Uns fiel aber damals schon auf, dass sich hier zwei Partner gefunden hatten, die mehr gemeinsam hatten als ihre „neoliberalen“ Überzeugungen. Das gilt auch für den dritten Partner dieses Privatisierungsprojektes – für den ETV -, dessen deutschvölkische und faschistische Vergangenheit auf diesem weblog geschildert wird.

Man könnte denken, dass diese Vergangenheit lange vergangen und daher heute unwirksam wäre. Das würde aber die Wirkung von Tradierungen (durch Aktualisierung) unterschätzen. Es handelt sich hier einerseits um soziale Berufs- und Vereinsmilieus, denen teilweise seit Generationen die Treue gehalten wird und zugleich um Wirtschaftsunternehmen, die mit ihren Traditionen bewusst werben. 2007 ist es uns nur durch erheblichen Einsatz gelungen, die Umbenennung einer nach einem Nazi benannten ETV-Halle zu erzwingen. Im Fall des Elim-Krankenhauses werden unsere Enthüllungen etwas Vergleichbares nicht mehr bewirken können: Nachdem sich unsere Kontrahenten im Juli 2008 durchsetzen konnten und die Bebauung des einst öffentlichen Sparbierplatzes begonnen hat, wird das Elim, das jetzt ohnehin einer anderen evangelikalen Unternehmensgruppe gehört, 2011 abgerissen werden. Mit dem Bauschutt wird man versuchen, auch die auf diesem weblog geschilderte Vergangenheit endgültig zu entsorgen.

Trotzdem wird unsere Darstellung der historischen Tatsachen auch den neuen Eigentümern keine Freude machen, da wir zeigen können, dass ihre heutigen evangelikalen Praktiken diejenigen des Elim direkt fortsetzen. Seit Beginn der Bebauung hat sich die Situation bereits auffallend verändert. Unsere Warnung, dass die politischeDurchsetzung dieses Baus, die Kräfte der Gegenaufklärung in Eimsbüttel erheblich stärken wird, hat sich bereits bewahrheitet. Die Vorgeschichte dieser Entwicklung ist hier nachzulesen.

1955


Der Text dazu steht hier

1960

Die Hamburger Großevangelisations-Veranstaltungen der „Christengemeinde Elim“ 1960 und 1993


→ Links: Elim-Direktor Friedrich Heitmüller und Billy Graham 1960 in Hamburg.
→ Rechts: Übertragung der ‚Großevangelisation‘ „ProChrist“ (mit Billy Graham als Hauptprediger) in das Zentrum der Hamburger Elim-Gemeinde, 1993. 

Die Hamburger „Holstenwallgemeinde“ gehört heute zum evangelikalen „Bund Freier evangelischer Gemeinden“ (BFeG), der sich als „Partner der Evangelischen Allianz“ bezeichnet und nicht Teil der Landeskirchen ist. Diese „Erweckungsbewegung“ ging 1897 aus einer „Christlichen Gemeinschaft Philadelphia“ hervor, die sich 1926 in „Christengemeinde Elim“ und 1934 in „Freie evangelische Gemeinde“ umbenannte. Auch bei dieser evangelikalen Gruppe bilden ein in religiöser Terminologie vorgetragenes gesellschaftspolitisches Machtstreben (wozu auch „innerreligiöse“ Machtkämpfe mit konkurrierenden Religionsgruppen um Vorherrschaft auf dem umkämpften religiösen Markt gehören) und wirtschaftliche Ziele eine einheitliche Strategie: Ihre wirtschaftliche Basis bilden marktförmige Sinn- und Lebenshilfeangebote in Gestalt der ‚diakonischen Stiftung‘ Elim, einer Unternehmensgruppe, zu der seit ihrer Gründung u.a. das Krankenhaus „Elim“ in Hamburg-Eimsbüttel gehörte. Dieses wurde im Mai 2003 von der finanzkräftigeren Bethanien/Agaplesion-Gruppe übernommen, einem besonders expansivem methodistischen Heilsunternehmen. Direktor des Elim-Krankenhaus war, bis zu seinem Tod im Jahr 1965, der landesweit bekannte Demagoge Friedrich Heitmüller. Der antisemitische Erweckungsprediger wurde 1934 Politischer Leiter der NSDAP.

Das linke Foto zeigt Heitmüller bei der Begrüßung des baptistischen Predigers Billy Graham, dessen Antisemitismus seit 2002 ebenfalls dokumentiert ist (s. FR vom 4.4.02 auf dieser Seite). Auf Einladung der aggressiv-evangelikalen Evangelischen Allianz, aber auch der evangelischen Landeskirche, trat Billy Graham 1960 in Westberlin (mit provokanter Extrapredigt an der Sektorengrenze), in Essen und in Hamburg auf. Graham, kam 1960 vom 18. bis 24. September nach Hamburg. Er wurde im Namen aller Hamburger Evangelikalen von dem Ex-NSDAP-Mann Heitmüller begrüßt. Zur ersten Massen-Evangelisierung in einem Riesenzelt am Stadtpark sollen 35.000 Menschen gekommen sein; im Laufe der Woche wurden es rund 300.000. Offenbar war der Sinnstiftungsbedarf der deutschen Volksgemeinschaft so kurz nach der Vernichtung der europäischen Juden, des Vernichtungskrieges im Osten und der anschließenden bedingungslosen „Kapitulation unserer Wehrmacht“ ganz besonders groß. Das politische Motiv, das damals Altnazis und Evangelikale einte, waren Antisemitismus und Antikommunismus. (Bei seinem ersten Auftritt in Westberlin 1954 kündigte Graham für den Fall eines westlichen Sieges über die Sowjetunion eine „religiöse Wiedergeburt“ in Osteuropa an. Diese „Wiedergeburt“ blieb seit 1990 jedoch begrenzt).

Während der Zeit der Protestbewegungen der 1960er und 70er Jahre, die auch die enge Zusammenarbeit von Kirchen und Nazis zwischen 1933 und 1945 zum Thema machten, beschränkten sich die missionarischen evangelikalen „Erweckungsveranstaltungen“ auf die weniger spektakuläre und auch wenig beachtete „Zeltmission“, die bis heute (besonders in Osteuropa) vor allem von der Methodistenkirche (EmK) betrieben wird, deren Aktiengesellschaft Agaplesion Mehrheitsgesellschafterin des Hamburger „Diakonie-Klinikums“ ist. Die Wiederaufnahme evangelikaler ‚Großevangelisationen‘ erfolgte erst wieder 1993 mit der Gründung der evangelikalen Dachorganisation „ProChrist“. Und auch diesmal war das Hamburger Elim-Krankenhaus ganz vorne dabei: Die erste ProChrist-Veranstaltung, bei der Billy Graham als Hauptprediger aufrat, wurde – wie 1960 – aus der Essener Grugahalle per Satellit in die Hamburger Zentrale der „Elim-Stiftung“ übertragen.


→ Links: ‚Großevangelisation‘ von ProChrist 2006 in München. Rechts: Ulrich Parzany, nach Grahams Auftritt von 1993 regelmäßig Hauptprediger von ProChrist, im Jahr 2008 zwischen Bischof Huber und dem CVJM-Chef Neuser.

Die erste Show der Missionskampagne „ProChrist“ war 1993 zugleich Auftaktveranstaltung des Jubiläums „100 Jahre Gemeinde und Diakonie Elim“. Seither findet dieses Remake evangelikaler Erweckungs-Events, die ihren Höhepunkt 1960 zunächst überschritten hatten, alle drei Jahre mit großem Propagandaaufwand in verschiedenen Städten statt – 1995 in Leipzig, 1997 in Nürnberg, 2000 in Bremen, 2003 in Essen, 2006 in München und 2009 in Chemnitz.

Unterstützt wird diese aufdringliche Werbekampagne (wie auch die dazu gehörige Jugend-Evangelisation „JesusHouse“) seit 1993 auch von der ‚amtlichen‘ evangelischen Staatskirche. Allerdings wurde diese Unterstützung nicht immer so offensiv öffentlich gemacht wie heute. Manchen etablierten Christen ist die kulturindustrielle Emotionalisierungsform einer Mega-Evangelisation (Bühneshow, Public Viewing, ständiges ‚Chanten’/’heilsames Singen‘, einpeitschende Reden eines ‚charismatischen‘ Führers, indoktrinierende Publikumkulte mit Dauerjubel und Vorstellung der Frischbekehrten) etwas peinlich. Mache haben ein Problem mit den Hetzparolen der Evangelikalen gegen „praktizierte Homosexualität“, mit ihren Vergleichen zwischen Abtreibungen und Holocaust sowie mit dem kreationistischen Furor dieser Gruppen.

Manche Mittelschicht-Christen, die schon McDonald’s & Cola für Teufelszeug halten, sehen in ProChrist eine „Amerikanisierung“ der lutherisch-autoritären deutschen „Volkskirche“ (sie erwähnen nicht, dass die amerikanischen Megachurches auf dem religiösen Markt ohne Staatsgelder agieren und die Zahl der Christen in den USA seit 20 Jahren rückläufig ist). Andere finden, dass zuviel gruppendynamischer Hokuspokus (vor allem die von ‚ergreifender‘ Musik untermalten Auftritte der soeben ‚Erleuchteten‘) zu einen Bekenntnisdruck führt, der nur kurzfristig wirkt.

Aus dieser Sicht passt die von klerikalen Medienunternehmen kommerziell organisierte Massen-Evangelisierung nicht so recht zu den vom säkularen Staat rundum fett versorgten und politisch gestützten Amtskirchen, in denen nach dem Niedergang der 68er-Bewegung viele Ex-Linke als „progressive Christen“ eine Heimat und oft auch ihr berufliches Auskommen fanden (besonders in den Firmen des ‚Diakonischen Werks‘). Diesem Milieu ist durchaus noch bewusst, dass es vor allem Grahams Antikommunismus war, der in den 1950er und 1960er die entnazifizierten Nazi-Pfarrer, die ehemaligen „Deutschen Christen“ sowie das gesamte Milieu des politischen Klerikalismus der finsteren Adenauer/Erhard-Zeit begeisterte. Vor dem Hintergrund der „Entspannungspolitik“ (Atomwaffensperrvertrag von 1968, Salt-I-Vertrag 1972, Ostverträge 1970-1973) und der damit verbundenen Optionen im Osten (Kontakte zu DDR-Christen) wurden evangelikale, pfingstlerische und charismatische Zeltmissions-Praktiken nach 1968 von der Kirchenführung etwas weniger lautstark unterstützt.

Das änderte sich ab 1990:

• Mit dem Ende des Realsozialismus wurde schlagartig der seit 1968 wegen der Kolonialzeit etwas in Mißkredit geratene Missionarismus wiederbelebt: Die Aussicht auf eine Re-Christianisierung des atheistischen Osteuropas (mitsamt der damit verbundenen wirtschaftlichen Expansion) beflügelte Amtskirchen und „Freikirchen“ gleichermaßen.

• Der Aufschwung des christlichen Fundamentalismus wird durch die Re-Islamisierung vieler Länder, die vor einigen Jahrzehnten noch zur Moderne strebten, gefördert. Dieser Islamisierung setzt hier auch der säkulare Staat ganz gezielt statt Aufklärung eine Re-Christianisierung entgegen.

• Das einigende Band zwischen religiösem und politischem Klerikalismus ist heute das Projekt eines „christlichen Europas“. Im Zentrum von politischem Klerikalismus (in CDU und SPD), Amtskirchen & Evangelikalen steht heute die Forderung nach Aufnahme des christlichen „Gottesbezugs“ in die EU-Verfassung. Die Gegner des Laizismus, also der strikten Trennung zwischen Kirche und Staat, melden sich dabei immer lauter zu Wort. Sie greifen den Laizismus als Wegbereiter einer „multireligiösen Beliebigkeiten“ an und polemisieren gegen die „Entchristlichung Europas“.

• Angesichts des christlichen Ursprungs des Antisemitismus in Europa kann eine solche „Rückbesinnung“ auf die „christliche europäische Tradition“ allerdings nur mit neuem Antisemitismus einhergehen. (Genau das ist jetzt zu beobachten – von der Wiedereinführung der tridentinischen Messe bei den Katholiken bis zur evangelikalen „Judenmission“). Nach der Ermordung von Millionen europäischer Juden und der Auswanderung der meisten Überlebenden nach 1945,ist dieses christliche Europa heute fast „judenfrei“: Vor dem Holocaust gab es etwa 18 Millionen jüdische Europäer, heute sind es kaum mehr als eine Million. Die Rede von der „Entchristlichung Europas“ enthält daher bereits die den Holocaust relativierende Lüge.

• Die Angriffe gegen die „multi-religiöse Beliebigkeit“, der die christlichen Antisemiten in der Nazizeit selbst ein Ende gesetzt hatten – etwa 90 Prozent der evangelischen Pfarrer waren eingeschriebene Nazis – richten sich heute angeblich gegen den Islam. Tatsächlich geht es vor allem darum, die Einflusssphären abzustecken. Ein Islam, der sich auf sein „angestammtes“ Territorium beschränkt und in EU-Europa die christliche Hegemonie anerkennt, ist für die christlichen Kirchenführer, die mit den Dschihadisten (Glaubenskämpfern) außer der Judenfeindlichkeit noch viele andere Grundüberzeugungen teilen, kein Problem: „Die Christen müssen Christen sein, und die Muslime müssen Muslime sein. Aber wenn wir aufhören, Christen zu sein, und die aufhören, Muslime zu sein – was bleibt dann noch?“ (Kardinal Kasper in der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 08.02.2007)

• Seit 1990 werden in der EKD die liturgischen Kulte und der (volksmissionarische) „Segen“ von Dingen (die „Real-Benediktionen“ von Neubauten, Fabriken, Waffen, privatisierten Plätzen etc.) wieder aufgewertet. Die „liturgische Renaissance“ (von der „Sündenbekenntnis“ bis zur liturgischen Tracht), die zunächst bei den Methodisten und Baptisten einsetzte, hat heute die Amtskirchen erfasst.

• Seit 2005 sind auch alle Hardcore-Evangelikalen ganz offiziell Partner der evangelischen Amtskirche. Im Grunde ist es derselbe Vorgang wie bei der ‚Heimholung‘ der Piusbrüder bei den Katholiken: Die Hamburger Bischöfin Jepsen, die 2008 die Privatisierung des Sparbierplatzes „segnete“, war 2007 Schirmherrin der evangelikalen Großveranstaltung „JesusHouse“ (s.a. unter Presse 2007). Die EKD-Führung wie auch Rosemarie Wenner, Bischöfin der (etabliert-evangelikalen) Methodistenkirche (EmK), unterstützten 2008 auch das fundamental-evangelikale ‚Christival‘, das zugleich unter der Schirmherrschaft der Bundesfamilienministerin v. d. Leyen stand. Wolfgang Huber wiederum ist – neben vielen bekannten Politikern – Mitglied im Kuratorium von „Pro-Christ“ und die „Evangelische Allianz“ ist ein beim Deutschen Bundestag akkreditierter Verband .

Billy Graham bei ‚ProChrist 93‘ und bei Nixon 1972

Drei Pressemeldungen

Tageszeitung, 20.03.1993
Die EKD verbündet sich mit den Evangelikalen
Immer weniger Menschen den Versprechungen von Kirchenleuten. Die „Volkskirchen“ leiden unter Schwindsucht. Sie müssen fürchten, dass ihre Institutionen und 13 Milliarden Kirchensteuern so langsam hinweg siechen. Allein den Protestanten liefen 1991 knapp 150.000 Schäflein davon. Die obersten Kirchengremien sind ratlos. Und weil die himmlische Inspiration fehlt, wollen sie das Problem ganz irdisch lösen – mit den Mitteln des Marktes. Seit Monaten wird an Marketing-Strategien gebastelt. Professionelle Agenturen sollen die Botschaft konsumentengerecht zuschneiden. Im Kampf gegen die Erosion ist den Kirchenstrategen jedes Mittel recht ist. Für die Evangelisationskampagne ‚Pro Christ 93‘ hat man den erzkonservativen Prediger Billy Graham engagiert. Für das Spektakel setzen sich neben Politikern mehr als 50 Kirchenrepräsentanten ein. Offen geben sie zu, den Baptisten als Einstiegsdroge benutzen zu wollen. In den kircheninternen Flügelkämpfen haben sich die fundamentalistischen Evangelikalen mit Unterstützung von Spitzenvertretern der Kirche durchgesetzt. Mit 1,7 Millionen Mark sponsern 19 Landeskirchen die 8 Millionen teure „Pro Christ“-Bewusstseinsindustrie. Der Rest wird angeblich aus Spenden bezahlt. In Wirklichkeit zahlen auch die lokalen Veranstaltungsorte, also die Kommunen, mit öffentlichen Geldern.

Tageszeitung, 20.03.1993
‚ProChrist 93‘ missioniert mit Billy Graham aus der Grugahalle
Allabendlich ruft PRO CHRIST 93 die Menschen zusammen: „Komm und erlebe Gottes Wort.“ Live-Übertragung jeweils um 19.30 h, direkt aus der Gruga-Halle in Essen. Am Eingang zur Mehrzweckhalle übereichen uns junge Menschen in fröhlich-ernster Frömigkeit ein Flugblatt „Jesus Christus oder Billy Graham?“ Dahinter aufgeregte Gemeindehelfer der Aufbau-Generation, die mit bebendem Zorn versichern: „Das ist nicht von der Gemeinde!“ Der Gedanke daran, was sie tun könnten, wenn sie nicht gehindert wären, kann durchaus frösteln machen. Und dann der Jungendchor. Alle haben Jesus sehr sehr lieb. Das Licht geht aus, der Top-Act kann kommen. Erst mal wieder ein Gebet. Und dann er. Nicht der Herr, nicht Billy Graham. Cliff Richard. Der hat auch Jesus lieb. Nochn Lied. Und nochn Gebet. Und nun THE ONE AND ONLY BILLY GRAHAM. Ein Bußprediger, mal polternd und wütend, dann schmeichelnd und visionär verheißend. Die Erde ist ein Jammertal, doch hier in diesem Buch steht der Ausweg. Hier Krieg und Hunger, Aids und Ehescheidung, dort das Passstück in der Heiligen Schrift. Noch heute kannst du dich bekehren. Dies ist der Tag, komm nach vorn, bekehr dich, hier in Essen. Und da stehen sie auf, um „Segen“ und „einen ganz persönlichen Brief“ von Billy Graham zu empfangen.

Frankfurter Rundschau, 04.04.2002
Antisemitische Evangelisten
Richard Nixon wurde aus dem Amt gejagt, weil die Washington Post und die New York Times ein Tonband veröffentlicht hatten, auf dem Nixon sich darüber ausließ, mit welchen schmutzigen Tricks er seine politischen Gegner bekämpfte. Über Nixons Tonbänder könnte 30 Jahre später noch jemand anderes stolpern: Billy Graham. Der heute 83-jährige Evangelist hat 1972 eine Unterhaltung mit Nixon geführt, die er für vertraulich hielt und bei der er sagte, dass der jüdische Klammergriff um die Medien gebrochen werden müsse – „ansonsten geht das Land den Gully hinunter“. Nixon stimmte Graham zu, und der fuhr fort: „Viele Juden sind meine besten Freunde. Sie schwärmen um mich herum und sie sind nett zu mir, weil sie wissen, dass ich freundlich zu Israel bin. Aber sie wissen nicht, wie ich wirklich darüber denke, was sie diesem Land antun.“ Die Tonbandaufnahmen wurden in diesem Februar vom Nationalarchiv freigegeben und in der New York Times und der Washington Post veröffentlicht. Und sie lösten einen Schock aus.
Doch Graham ist nicht der erste Evangelikale, der antisemitische Bemerkungen macht. Reverend Jerry Falwell hatte im Januar 1999 geäußert, der Antichrist sei am Leben – jüdisch und in den Medien arbeitend. Billy Graham ist mit dem US-Rechtsaußen Jesse Helms befreundet, er unterhielt einst enge Beziehungen sowohl zu dem Kommunistenjäger Joseph McCarthy als auch zu dem konservativen Medienzaren William Randolph Hearst – jenem Hearst, der in den Dreißigern Gastbeiträge eines gewissen Adolf Hitler veröffentlichen ließ. Dass Evangelikale den Nazis nahestanden, war seinerzeit nicht ungewöhnlich; der US-Radioprediger Father Charles Coughlin etwa hatte eine wöchentliche Radiosendung, in der er gegen Juden und Kommunisten hetzte. In Siebzigern, als sich Nixon und Graham vertraulich besprachen, standen Juden in den USA unter dem Generalverdacht, aufrührerisch und links zu sein, und dies nicht völlig zu Unrecht. Die Protestbewegung gegen den Vietnamkrieg und der Kampf gegen die „Rassen“-Diskriminierung wurden vor allen von den jungen jüdischen Intellektuellen getragen. Nixon beschwerte sich auf den Tonbändern von 1972 auch, dass die Bewegung zur Legalisierung von Marihuana jüdisch unterwandert sei.

1965

(Text folgt)

2008

Die Innere Mission im Nationalsozialismus

Rotenburger Rundschau, 04.06.2008
Gedenksteine für NS-Opfer vor dem Diakonieklinikum
Was damals geschah, war ein Verbrechen. Es geht um die in der NS-Zeit praktizierte Zwangssterilisationen im Rotenburger Diakonieklinikum. Zwei Stolpersteine [und nicht etwa eine Gedenktafel!] erinnern jetzt vor dem Haupteingang an das Schicksal von Patienten, die durch „Euthanasie“ ums Leben gekommen sind. Mit dieser Aktion wurden erstmalig Stolpersteine vor ein Krankenhaus gesetzt, in dem Menschen infolge der Auslesepraxis der Nationalsozialisten umkamen. Die beiden Steine tragen die Namen von Adele Nöbeling(Diagnose „Epilepsie“, gestorben 1935) und der erst 13-jährigen Else Lisbeth Warnken (Diagnose: „angeborener Schwachsinn mit starker motorischer Unruhe“, gestorben 1937). Beide Frauen waren Bewohnerinnen der damaligen Rotenburger Anstalten der Inneren Mission [Diakonie] und starben in Folge der Zwangssterilisation im Krankenhaus. Die wurde auf Basis des sogenannten „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14. Juli 1933 durchgeführt. Die Schicksale von Adele Nöbeling und Else Warnken stehen stellvertretend für die vieler anderer. Denn: Zwischen 1933 und 1945 wurden rund 360.000 Menschen sterilisiert. Auch in Rotenburg. Nachdem der evangelische Pastor Buhrfeind als Direktor der Rotenburger Anstalten die Genehmigung zur Sterilisation von sogenannten Erbkranken selbst beantragt hatte, wurden von 1933 bis 1945 mindestens 335 Bewohner sterilisiert! Mindestens zwei von ihnen sind an den Folgen gestorben. Einige Kritiker halten die Platzierung von „Stolpersteinen“ auf dem Boden für unangemessen und fordern eine Begegnung auf Augenhöhe.

→ Weitere Berichte auf der allgemeinen Diakonie-Seite sowie auf der Seite zum DKH-Krankenhaus Alten Eichen. Alten Eichen – damals Krüppelheim Alten Eichen – ist Mitglied im „Kaiserswerther“ Dachverband, der eine zentrale Rolle bei der Durchführung der „Euthanasie“ spielte. Was in dieser Hinsicht in Alten Eichen (und ev. im Elim) geschah, ist bislang nicht aufgeklärt, weil man das nicht wollte. 

2009

■ Evangelikale erzwingen Zensur

Vorher:

Nachher:

Die obere Abbildung zeigt einen Text auf „Welt-Online“ vom 4. April 2009 über die Großevangelisation ‚ProChrist‘ mit der Headline „Evangelikales Festival: So peitschen deutsche Prediger ihr Publikum auf“. Nach einer Flut von evangelikalen Angriffen im Leserforum, tauschte das Springer-Blatt die Artikelüberschrift stillschweigend aus. Wer seit dem 6. April die bisherige Überschrift bei Google eingibt, landet bei einer Headline, die das Gegenteil der bisherigen verkündet: „Erfolgreiche Mission: Wie Evangelikale jugendliche Herzen erobern“. Dabei erscheint die neue Überschrift unter dem Datum der zensierten. Nur über Google-Cache ist die Original-Fassung vom 4. April für einige
Zeit noch einzusehen.

Die rund 100 evangelikalen Kommentare, die vom 4. bis 6. April im Online-Forum der Welt auftauchten, sind extrem aggressiv formuliert und inhaltlich häufig rechtsradikal. Eine Auswahl:

• „Uns Deutschen ist durch die politische Linke der christliche Glaube abgewöhnt worden“. • Offenbar „muss jeder Deutsche bis in Ewigkeit bestraft werden für den Holocaust, den die Vorväter begannen haben“. • „Was für ein Pluralismus ist das, wenn sich die Vertreter der Evolutionslehre oder die Schwulen– und Lesbenlobby auf den Schlips getreten fühlen?“ • „Wenn es gegen Deutschland und die Christen geht, ist die Kritik ohne Grenzen“; wir brauchen ein „Gegengewicht zum Islam„. • „Die Evolutionslehre ist eine ungesicherte Ideologie. Wer nicht daran glaubt, wird niedergemacht“. • „Die Obrigkeit der Kirchen redet an den Gläubigen vorbei in die Fratze des Zeitgeistes. Bei den evangelischen Gläubigen sind daher Notgemeinschaften und Freikirchen entstanden, die jetzt so stark sind, dass die Amtskirche sie nicht mehr ignorieren kann“. 

2010

(folgt)

2011

Februar: Copy & Paste – Eine christliche website kopiert Dokumente und stellt Heitmüller als NS-Opfer dar.

2012

März: Abriss des Elim-Krankenhauses

(Text folgt)

© dieser Seite: Initiative gegen die Bebauung des Sparbierplatzes. Das historische Material recherchierte für uns der Historiker G. Jacob

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