Presse 1998

– 1998: Die erste Meldung
– Rückblicke (1908-2008)

Vorbemerkung zu den Pressemeldungen von 1998 bis 2008: 

Die offene Auseinandersetzung um die Bebauung der öffentlichen Freifläche an der Ecke Bundestraße/HoheWeide in Hamburg-Eimsbüttel ging 2008 ins siebte Jahr. Die erste hier dokumentierte Pressemeldung dazu datiert jedoch schon aus dem Jahr 1998. Es war der heute längst anderswo tätige (siehe unter Presse 2006-1) Elim-Geschäftsführer Otto Buchholz, der als erster einen begehrlichen Blick auf die beiden Sportplätze vor seinen Bürofenstern geworfen hatte. Die Ideen, die ihm dabei durch den Kopf schossen, fand er selbst zunächst absurd. Zudem hatten alle damaligen Überlegungen noch einen ganz anderen Hintergrund: das Elim WEHRTE (!) sich seinerzeit gegen die Zumutungen einer Fusion mit anderen Diakoniekliniken. Man dachte damals beim Elim nur deshalb an eine Erweiterung, weil man andernfalls den Verlust der Selbstständigkeit befürchtete. Und wenn damals das Stichwort „Alten Eichen“ fiel, lag vor allem die Drohung einer Schließung des Elims in der Luft. Diese Konstellation von damals ist heute kaum noch bekannt. Was damals als schlecht galt, wird heute als gut dargestellt – und umgekehrt. Und nicht nur Otto Buchholz ist heute nicht mehr dabei. Auch der Nachfolger Karl-Heinz Vorwig, ein eifriger Verfechter der christlichen Betriebswirtschaftslehre und unermüdlicher Kämpfer für ein Großklinikum war plötzlich verschwunden (zu seiner weiteren Karriere: siehe ebenfalls unter „Presse 2006-1“). Ähnlich ist es auf Seite des ETV. Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer, die seinerzeit für die Veräußerung des Sparbier-Sportplatzes votierten, sind längst anderswo unter gekommen oder gar wegen gewisser Unregelmäßigkeiten entlassen worden (Vgl. u.a. unsere Themenrubrik Presse 2004). Wir erwähnen das, um daran zu erinnern, wie sehr ein solches Großprojekt sich sozusagen von denen emanzipiert, die es einst aus dubiosen Motiven angeschoben hatten. Einmal in Gang gesetzt, werden solche Projekte gewissermaßen zu Selbstläufern. Die Motive der Weiterverfolgung können unterwegs ganz andere werden. Ehrgeiz, politische Karrieren, Vorinvestitionen, erste bezahlte Rechnungen, neue Seilschaften. Man sagt, dass es ab einer Summe von einer Millionen Euro per Definition keine Fehlentscheidung mehr geben darf.

All diese Veränderungen haben es uns allerdings nicht leichter gemacht. Vorwig hatte noch eigenhändig eine „Gegen-Bürgerinitiative“ aus CDU-Mitgliedern gegründet. Unsere Argumente – vorgetragen zum Beispiel bei einer Podiumsdiskussion über die Gesundheitspolitik in der Hochschule für Politik & Wirtschaft (HWP) – haben ihn noch richtig in Aufregung versetzt. So rührend vertraulich ist die Auseinandersetzung schon lange nicht mehr. Es tauchten neue Figuren aus dem Agaplesion-Konzern und andere Diakoniebürokraten auf, Leute, die zwar wissen was sie tun, aber nur, weil sie immer wissen, was sie tun, weil sich ihr Durchsetzungswille sozusagen an jeden Gegenstand heften kann.

Die von uns hier dokumentierte Presse weiß mit wenigen Ausnahmen nicht viel von diesen Hintergründen. Zum einen, weil auch hier sehr häufig das Personal wechselt, auch in den Redaktionen. Vor allem aber, weil man eben nur weiß, was man wissen will. Wie politische und ökonomische Macht Pressearbeit strukturiert, das konnten wir im Laufe der Jahre gut beobachten. „Die Diakonie“ ist in Hamburg eine derart einflussreiche Institution, dass ihre Pressemitteilungen praktisch unkommentiert abgedruckt werden. In manchen Hamburger Redaktionen würde man eher eine Meldung der Hamburger Hochbahn etwas kritisch kommentieren. Wo sich jedoch ein Geschäftsinteresse christlich präsentiert, scheint man – nicht nur bei den Springerblättern – Kritik für Gotteslästerung zu halten.

Die folgende Pressedokumenation ist daher zwar chronologisch angeordnet, aber nicht vollständig. Bei der erneuten Sichtung fiel uns abermals der hohe Anteil unkommentierter PR-Texte unserer Kontrahenten auf. Extrem häufig werden einfach die Pressemeldungen der Agaplesion AG und des ETV wortwörtlich abgeschrieben. Eine Reihe von Textbausteinen taucht in allen Medien unverändert immer wieder auf. Es findet eine jahrelange Wiederholung der immer gleichen falschen Sätze statt. Zum Beispiel: „In Eimsbüttel herrscht ein Notstand bei der Krankenversorgung. Deshalb muss das Diakonieklinikum auf dem Sportplatz gebaut werden.“

Man weiß nie so recht, ob es sich dabei um Gedankenlosigkeit, mangelnde Zivilcourage, Alltagspragmatismus, gezielte Einflussnahmen, vorauseilenden Gehorsam oder alles zusammen handelt. Erschreckend ist jedenfalls (besonders wenn man mit den Niederungen der Lokalpresse sonst nicht vertraut ist), die dort vorherrschende Mixtur aus offensichtlicher Feigheit, unterwürfigstem Untertanengeist und PR-„Journalismus“. Bildunterschriften wie: „Die Landschaftsplanerin erklärt einem Anwohner den Bauplan“, Ankündigungen wie: „Abgeordneter lädt ein. Die Bürger haben die Möglichkeit, Fragen zu stellen“, oder Titelgeschichten wie:„Oberbürgermeister von Beust besucht Eimsbüttel. Der aus dem ‚Du bist Deutschland‘-Spot bekannten Lenzsiedlung verlieh er den Preis für gute Nachbarschaft“ („Eimsbüttler Wochenblatt“/Arndt Prenzel),zeugen von einer tiefen Sehnsucht nach neuer Volksgemeinschaft und lassen einen darüber nachdenken, ob die Aufklärung dieses „Quartier“ jemals erreicht hatte oder es sich hier umpostfaschistische Langzeitschäden handelt. Man beginnt auf jeden Fall zu begreifen, dass es auf die berühmten „besseren ARGUMENTE“ in solchen Konflikten nur sehr beiläufig ankommt.

Immerhin: unser ausgewählter (und manchmal kommentierter) Presseüberblick zeigt etwas von der Verlaufsform dieser Auseinandersetzung.

 Presse 1998 

1998 – DIE ERSTE MELDUNG:

Das Jahr 1998: Im Zuge der Fortschreibung des Hamburger Krankenhausplanes 2000 sehen sich die klerikalen Kliniken mit der Aufforderung von Behörden und Krankenkassen konfrontiert, ihre sich immer weiter ausdehnenden Aktivitäten zu bündeln. Davon lässt die Diakonie sich nicht beeindrucken. Während das öffentliche Hafenkrankenhaus auf St. Pauli geschlossen wird, plant die private Diakonie – im Namen von Fusion, Rationalisierung und Einsparung – in Wirklichkeit zusätzliche Kapazitäten durch Ausweitung ihrer Geschäftstätigkeit und spricht sogar von einem neuen „Großkrankenhaus“ und „Mammutprojekt“. Die „Klinik in Eimsbüttel“, von der nun die Rede ist, soll die Diakonie-Krankenhäuser Elim, Jerusalem, Alten Eichen, Michaeliskrankenhaus und die Klinik Beim Andreasbrunnen umfassen. Ein Standort ist noch nicht festgelegt, aber das große Areal in Alten Eichen zeichnet sich bereits als Favorit ab. In dieser Situation taucht erstmals – bemerkenswerterweise in der TAZ – die „Idee“ auf, diese „Großklinik“ (damals sprach man von 400, später von 550 und heute von 350 Betten) auf BEIDEN Sparbier-Sportplätzen zu bauen. Andere mögliche Standorte – darunter der Wasserturm im Schanzenpark – werden offenbar bewusst als „absurde Alternativen“ erwähnt, um danach das Gespräch wieder auf den Fußballplatz zu bringen: „Beim Elim an der Hohen Weide in Eimsbüttel gibt es ZWEI SPORTPLÄTZE. DA ließe sich doch ein Klinikflügel hinstellen.“ Nein, ein Plan ist das im Jahr 1998 noch nicht. Aber der begehrliche Blick auf die öffentliche Freifläche wird erstmals offen bekannt gemacht, auch wenn man selbst noch hinzu fügt, diese „Idee“ sei sicherlich (noch) „ilussionär“.

1998 geht es noch um den Bruch eines Tabus. Der Bruch dieses Tabus vollzog sich über ein Wechselspiel von öffentlichen Infragestellungen, Andeutungen, Pressemeldungen, Verhandlungen, diversen kleinen Manövern, in denen die öffentliche Meinung, die Einstellung anderer Akteure etc. getestet wurde. Einige öffentliche Diskurse begünstigten 1998 offenbar einen Tabubruch, zum Beispiel die veränderte Einstellung gegenüber öffentlichen Gütern und privaten Investitionen. Der erste Text in unserer Presseübersicht zeigt sehr anschaulich, wie in diesem Fall die Diskursverschiebung eingeleitet wurde. 

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taz Hamburg, 21. Juli 1998
KrankenhausplanerInnen träumen 
von neuer Klinik in Eimsbüttel. 

Von Lisa Schönemann

Ein funkelnder Klinikneubau mitten in Eimsbüttel ist auf den ersten Blick EIN ABSURDER GEDANKEGleichwohl gibt es Überlegungen, in dem Dreieck, in dem die Bezirke Mitte, Altona und Eimsbüttel aneinandergrenzen, ein Krankenhaus zu bauen. „Das würde mir meine letzten Dienstjahre versüßen“, frohlockte gestern Otto Buchholz vom Vorstand der Hamburger Krankenhausgesellschaft. „Die Zukunft der Krankenversorgung in Eimsbüttel wäre gesichert“, so Buchholz, der nicht verhehlt, daß er die Umsetzung eines solchen Planes

FÜR „ILLUSIONÄR“ hält. 

Der alte Hase im Hamburger Krankenhauswesen, der gleichzeitig Geschäftsführer des Elim-Krankenhauses ist, hätte trotzdem eine Vision parat:

Beim Elim an der Hohen Weide in Eimsbüttel gibt es ZWEI SPORTPLÄTZE in unmittelbarer Nähe des Kaifu-Freibades. 

DA
ließe sich doch ein Klinikflügel hinstellen.

Wenn es ein Grundstück gibt,
wird der Bau vielleicht von der Stadt finanziert …“, überlegte Buchholz laut. Schließlich wird das AK Barmbek trotz leerer Stadtsäckel auch neu gebaut. Da könnte man doch gleich einen Doppelpack bestellen.

Die gestern durchgesickerten Überlegungen für ein Großkrankenhaus in dem Viertel sind offenbar in einer Sternstunde der KrankenhausplanerInnen entstanden, die sich mit der Fortschreibung des Krankenhausplanes 2000 beschäftigen. In Hamburg sollen etwa 450 Betten wegfallen. Besonders für die freigemeinnützigen Kliniken würde das Überleben zum Kampf.

Davon gibt es in Eimsbüttel fünf kirchliche Häuser mit jeweils höchstens 220 Betten: Das Elim, das benachbarte Krankenhaus Jerusalem in der Straße Moorkamp, Alten Eichen und das Michaeliskrankenhaus in der Eichenstraße sowie die Klinik Beim Andreasbrunnen. Nach den neuen Plänen sollen sie eine gemeinsame Gesellschaft gründen und für den 400 Betten-Neubau votieren, an den auch ein Hospiz und eine Sozialstation angeschlossen werden sollen.

Unklar ist, WO 

ein solches Mammutprojekt, daß sich schlecht auf einer Verkehrsinsel am Pferdemarkt plazieren läßt, errichtet werden soll. 400 Betten passen auch nicht in den leerstehenden WASSERTURM im Schanzenpark. Der letzte Investor für ein Hotel im Turm hat seine Pläne wegen der Drogenprobleme im Park zurückgezogen.

Außer den
SportplätzEN neben dem Elim 

bliebe da nur das Schlachthofgelände an der Lagerstraße und die gegenüberliegende Fläche des ehemaligen Autoverlade-Bahnhofs an der Sternschanze. Näher dran also an das ehemalige Hafenkrankenhaus auf St. Pauli, dessen Umbau zu einem Sozial- und Gesundheitszentrum rein zufällig ebenfalls gestern erneut in Frage gestellt wurde.
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(alle Hervorhebungen: INI) 

[vgl. hierzu auch den Kommentar „Das Zeitfenster“ unter Presse 2003]

DER PLAN:

Die Kapitalerhöhung für die geplante Offensive:
BUNDESANZEIGER ZENTRALHANDELSREGISTER
Bekanntmachungen vom 7.8.1998
KRANKENHAUS ELIM GmbH
Text: Durch Gesellschafterbeschluß vom 3. Juni 1998 ist das Stammkapital um 500 000 DM auf 1 500 000 DM erhöht und der Gesellschaftsvertrag in § 3 (Stammeinlagen) geändert worden.

Rückblicke:

1908

1908: Hohe Weide und Moorkamp sind erst zur Hälfte bebaut. Die großen Wiesen werden landwirtschaftlich genutzt. Der Bau des ETV ist schon geplant, das Gymnasium noch nicht. (Abbildung: Bebauungsplan Hamburg-Eimsbüttel mit Karte, November 1908. Staats- und Universitätsbibliothek – Kartensammlung) 

Der Sportplatz an der Hohen Weide war zunächst kleiner (5000 m²) und gehörte zur Realschule am Weidenstieg. Er ist auf diesem Plan schon eingezeichnet. Der Platz liegt auf einer damals als Viehweide genutzten Fläche neben dem hier eingezeichneten Fußweg, der quer über die Fläche vom 1898 erbauten Hallenbad zur Kanalbrücke ging. Einige Jahre später wurde dieser Sportplatz mit dem Rest der Fläche bis zur „verlängerten Osterstraße“ verbunden, wodurch eine Freifläche von über 25.000 m² entstand, die durch aufgefahrenen Schutt spielfähig gemacht wurde. Dieser Platz war von nun an eineöffentliche Sportfreifläche. Er gehörte nun nicht mehr zur Schule am Weidenstieg, und er gehörte auch niemals dem ETV, auch wenn die Nazis den Platz 1933 nach einem Funktionär dieses Vereins benannten. Erstmals wurde im Jahr 1927 ein Teil dieser Fläche (6000 m²) bebaut – mit einem Diakonie-Krankenhaus, das heute, nach der Fusion mit der Agaplesion AG, auch noch den größeren Teil dieser Freifläche in Besitz nehmen will.

1910

1926

„Der Schaffung neuer Sportplätze hat das Amt für Gartenwesen sich besonders angenommen. Für Eimsbüttel wurde der Sportplatz zwischen Kaiser-Friedrich-Ufer und Hoheweide vergrößert. Er ist ganz mit Schlacken befestigt und von hohen Einfriedigungen umgeben.“
(Jahresbericht der Verwaltungsbehörden der Freien und Hansestadt Hamburg, 1926)

1927

Christliche Nächstenliebe, finanziert mit Steuergeldern. Das im Januar 1927 eingeweihte Krankenhaus der freikirchlichen Elim-Sekte wurde hauptsächlich mit öffentlichen Geldern errichtet. Nicht nur das: Auch das Grundstück von ca. 6000 m² gehört – bis heute – der Stadt (Erbpacht). Bereits dieses Grundstück war zuvor Teil einer großen öffentlichen Fläche. Nach dem Bau wurde, wie auf diesem Foto zu sehen, die verbliebene Fläche als städtischer Sportplatz durch einen festen Zaun deutlich von dem Diakoniebau abgegrenzt. Die aktuellen Bebauungspläne sind also der Versuch der Kirche, sich zusätzliche öffentliche Fläche kostenlos anzueignen.

Die Geschichte des Elim nach 1933 liegt übrigens bis heute im Dunkeln. In der Broschüre aus dem Jahr 1977, der dieses Foto entnommen ist, wird die NS-Zeit (wie beim ETV) nur mit einem Satz und aus einer gespielten Opferperpektive erwähnt: „Am 25. Juli 1943 wurde ein großer Teil des Krankenhauses zerstört“. Kein Wort davon, dass die Innere Mission/Diakonie mit Begeisterung Teil der NS-Volkswohlfahrt war. Siehe dazu unsere Diakonieseite. 

1928

Der „Sportplatz an der Hohenweide“ wird ausgebaut, eingeebnet, mit Sprunggrube und festen Toren versehen und mit einem über drei Meter hohen Maschengitter umgeben, das eine Grünböschung von der Straße abtrennt. Die Finanzmittel für ein Umkleidehaus wurden von der Behörde in Aussicht gestellt. (Jahresbericht der Verwaltungsbehörden der Freien und Hansestadt Hamburg, Januar 1928)

In Eimsbüttel gibt es 1928 folgende öffentliche Sportplätze: 1 Grandfeld von 11.000 m² zwischen Isebekkanals und Liliencronstraße (heute Heymannstraße) , 1 Grandfeld von 12.000 m² neben dem Kaifu-Gymnasium (seit der Nazi-Zeit: Bosse-Platz), 2 Grandfelder mit 24.000 m² auf dem „Sportplatz Hoheweide“, (ab 1933 „Sparbierplatz“), 1 Rasenfeld von 19.500 m² zwischen Bogenstraße und Liliencronstraße (heutiger Gustav Falke Platz), 1 Grandfeld an der Tornquiststraße von 13.400 m². Pro Einwohner standen 0,63 m² zur Verfügung.

1928

Am 17. Mai überklebt die Eimsbüttler SA an der Ecke Bundesstraße/ Hohe Weide SPD-Plakate mit Nazi-Propaganda. Als die SA-Leute dabei von Mitgliedern des sozialdemokratischen Schutzbundes Reichsbanner erwischt werden, erschießen sie den Sozialdemokraten Heidorn.

1927/1938/1950

Links: Schauturnen im Jahr 1927 auf dem „Sportplatz an der Hohenweide“. Im Hintergrund die Wohnhäuser der Hohen Weide 30-32. Das Haus der Hitler-Jugend (heute Sitz der TAS) ist noch nicht gebaut. Ab 1933 wird die deutschnationale Massengymnastik durch Nazi-Aufmärsche ersetzt. Der öffentliche Platz wird im Juli 1933 von den Nazis nach einem ETV-Funktionär benannt. Der neu getaufte „Julius-Sparbier-Platz“ sowie die Sportplätze „Gustav-Falke-Straße“ und „August-Bosse-Platz“ (1935 nach einem deutschvölkischen Studienrat und ETV-Funktionär benannt) werden ab 1933 vom marschierenden SA- und HJ-Mob geprägt. Ab 1937/38 steht dabei das HJ-Heim auf dem Sparbierplatz (gegenüber dem ETV-Haupteingang) im Mittelpunkt der Aufmärsche. Die auf Drängen des ETV umgetauften Sportplätze (der SPD-Senat hatte das abgelehnt) sind zum Exerzierfeld der Nazis (viele davon im ETV) geworden. Die Bewohner der nahe gelegenen jüdischen Wohnstifte (z.B. in der Kielortallee 13) müssen nun ständig um ihre körperliche Unversehrtheit fürchten (ab 1941 sind aus den Wohnstiften „Judenhäuser“ geworden). Foto rechts: Der ETV hat in den 1950er Jahren trotzdem kein Problem damit, erneut Masseninszenierungen auf dem Sparbierplatz zu bieten. (Im Hintergrund das Kaifu-Gymnasium).

Zum ETV-Archiv: Das linke Foto erschien zuerst in der ETV-Zeitung „Der Eimsbüttler“ 1/1925. Es wurde in Heft 4/2002 des ETV-Magazins nachgedruckt. Der ETV verfügt über ein zwar schlecht aufgeräumtes aber dennoch komplettesArchiv aller ETV-Publikationen von der Gründung bis zur Gegenwart. Auch die meisten Schriften aus der Nazizeit sind vorhanden. Anders als verschiedentlich behauptet, verbrannte das ETV-Archiv nicht nach einem „Bombentreffer“. Zur Zeit der Entnazifizierung hat die ETV-Führungsclique (Brose, Finn, Tonndorf, Ritter etc.) belastendes Material beseitigt. Nachdem die Entnazifzierung abgewehrt war, wurden auch die ETV-Publikationen aus der Nazizeit aus privaten Beständen wieder aufgefüllt. Wahrheitswidrig behauptet der ETV jedoch, wenn es um die eigene Rolle in der NS-Zeit geht, er verfüge leider über keinerlei Material. 

1930

Friedrich Heitmüller, Direktor der „Privatkrankenanstalt Diakonissenhauses Elim“ und Chefprediger der evangelikalen Erweckungsbewegung „Christliche Gemeinschaft Hamburg“, wollte schon 1930 – drei Jahre nach Eröffnung des Elim-Krankenhauses an der Hohen Weide im Kerngebiet von Hamburg-Eimsbüttel auf den öffentlichen Platz zugreifen wollte. Der damalige -sozialdemokratisch dominierte – Senat verweigerte ihm das.

1933 und 1935

werden die beiden an das ETV-Gebäude angrenzenden Sportflächen nach den deutschvölkischen ETV-Funktionären Julius Sparbier undAugust Bosse benannt. Bosse (gest. 1935) und Sparbier (gest.1937) waren nach unserem bisherigen Wissen keine NSDAP-Mitglieder.
Als Deutschvölkische haben sie die Machtübernahme der Nazis jedoch als Verwirklichung vieler ihrer eigenen politischen Überzeugungen begrüsst und umgekehrt wurden sie durch die Umbenennung der beiden Plätze von den Nazis für ihre deutschnationale Praxis geehrt. Im Land der Täter hielt es selbstredend auch nach 1945 niemand für notwendig, diese Namensgebung rückgängig zu machen. Im Gegenteil: Der ETV feiert seine rechtsradikalen Gründerväter bis heute. Siehe dazu unsere „Jugendseite“ sowie die drei Seiten zur Geschichte des ETV.


Hamburger Anzeiger vom 4. Mai 1933

Julius Sparbier und August Bosse waren nicht nur im ETV aktiv, sondern auch als Funktionäre in Dachorganisationen der Sportvereine tätig. Sparbier, der diverse Funktionen in der der Deutschen Turnerschaft ausübte und dort 1933 Führungsfunktionen in der Sektion „Nordmark“ übernahm, war bereits in den 1920er Jahren als Autor populärer Sportbücher (z.B. „Handbuch der Leibesübungen“/1923) weithin bekannt. Bosse war von 1914-1924 Vorsitzender des Norddeutschen Fußballverbandes (NFV), der sich 1927 in Norddeutscher Sport-Verband umbenannte. 1933 wurden die Regionalverbände des Sportverbandes aufgelöst und in „Sportgaue“ umbenannt. Aus dem Norddeutschen Sportverband wurde im Mai 1933 der „Sportgau Nordmark“. Kurz zuvor wurde der ETV-Mann Bosse, damals schon 67 Jahre alt, noch zum „1. Vorsitzenden“ des Hamburger NSV-Bezirks ernannt (die Bezeichnung „Führer“ – siehe Überschrift – war noch nicht vollständig durchgesetzt). Die Nazis meldeten das als Erfolg ihrer „Gleichschaltungs“-Politik. Tatsächlich bestand diese „Gleichschaltung“ – gerade dort wo die Vereine schon vor 1933 von deutschvölkischen Sportlern dominiert wurden (und dort zum Beispiel Wehrsport betrieben) – oft nur in der Bestätigung der bisherigen rechtsradikalen Funktionäre als (nun nicht mehr abwählbare) „Führer“. Auch die ETV-Chefs Brose & Finn wurden 1933 lediglich in ihrem Amt bestätigt. Nach der bedingungslosen Kapitulation des „Dritten Reiches“ stellten sich die Nutznießer des Naziregimes dann gerne als Opfer der „Gleichschaltung“ dar.

1942


Strom, Gas und Wasser sind abgestellt: Rechnung der Eimsbütteler Firma Flumm (Grindelallee) an die Verwertungsstelle, die den Besitz jüdischer Deportierter einzog. Die Telefonnummer ist noch dieselbe.

1944


Oktober 1944: Zur Normalität der NS-Volksgemeinschaft gehört, dass seit 1940 die Bombenkrater auf Hamburgs Sportplätzen pedantisch genau aufgelistet werden.

1946

Sports-ground Julius-Sparbier, 20th of August 1946: The ground has been turned up by the British Troops, 209. work-section for use as motor-bicycle race-court. It cannot be used as football or handball-ground any more. On this sports-ground motor-bicycle races take place regulary.

Die britischen Soldaten, die im Kampf gegen Nazideutschland ihr Leben riskiert hatten, veranstalten auf dem während der NS-Zeit nach Sparbier benannten und häufig für HJ- und SA-Aufmärsche benutzten Platz Motorradrennen. Die ETV´ler sind außer sich, müssen sich aber mit Protesten noch zurück halten, da der ETV als NSDAP-durchsetzter Verein bekannt ist. Der Fragebogen war Teil einer koordinierten Aktion der sich wieder sammelnden, plötztlich „unpolitischen“ Sportfunktionäre zur Vorbereitung einer Eingabe bei den Briten.

1949

Hamburger Abendblatt, 1949. Der zweite „Führer“ des ETV während der NS-Zeit ist seit 1948 nun der 1. Vorsitzende. Die Kontinuität im ETV ist vollständig: Abgesehen von Julius Sparbier und August Bosse, die 1935 bzw. 1937 verstarben, ist noch die gesamte Führungsmannschaft an Bord, die den ETV schon lange vor 1933 als völkischen Verein aufgebaut hat und ihn dann während des NS zur „Zelle der Volksgemeinschaft“ machte. Brose, Jacobson, Tonndorf und Finn sind nur die bekanntesten Namen. Sie wahrten die personelle und ideologische Kontinuität bis in die 1970er Jahre. Auch danach hat sich kaum etwas geändert. Die „alten Kameraden“ prägen den Verein auch die nächsten dreißig Jahre. Im Vereinsblatt des ETV nehmen bis zum Ende der 1990er Jahre die Nachrufe auf die „Ehrenmitglieder“ breiten Raum ein. Die meisten von ihnen sind während der Nazi-Zeit eingetreten, viele aber auch vor 1918. Noch im März 2002 gratuliert das Vereinsblatt dem früheren SS-Unterführer Hans Domscheit zum Geburtstag. Er ist einer von 15 „Mai-Kindern“ im Alter zwischen 78, 79, 82, 83, 84, 90, 91 und 97 Jahren, denen das ETV-Magazin „die herzlichsten Glückwünsche verbunden mit den besten Wünschen für die Zukunft!!“ ausspricht. Nach unseren Stichproben im Bundesarchiv auf der Basis der im ETV-Magazin regelmäßig aufgelisteten „Geburtstagskinder“ (Frauen und Männer), ergab sich, dass etwa ein Drittel von fünfzig überprüften Personen in der NSDAP, in der SA und der SS war.

1954

Im Land der Täter wird nach 1945 über Deutschvölkische und Nazis geredet, als wäre nichts gewesen 

Hamburger Abendblatt, 27.10.1954
Eimsbüttler Turnverband
Faszinierend ist der Eindruck des Verbandshauses, in dessen großen Hallen sich ein einzelner fast verliert. Das Gebäude an der Bundesstraße, nach den Entwürfen der Mitglieder Stövhase und BaudirektorSchwarz errichtet, stand im Baujahr 1909/10 zwar noch in der „Wildnis“, war aber bereits auf die Anforderungen von damals, 2739 Mitglieder, zugeschnitten. Dieses Werk ist der umsichtigen Energie des Lehrers Julius Sparbier zu verdanken. Auf seinen Arbeiten baute der ETV unter Männern wie August Bosse, Dr. Sahlmann, Dr. Sievert, Robert Finn und G. Tonndorf weiter, gliederte seit 1906 eine Sportabteilung nach der anderen an, betreibt heute fast alle Sportarten und zählt 4123 Mitglieder.

1958

20 Jahre nach der Pogromnacht: Bau der Synagoge an der Hohen Weide. Nachbar auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist der Eimsbütteler Turnverband. Besucher, die die Synagoge verlassen, schauen direkt auf ein großes, aus den vier „F“ der Turner gebildetes Hakenkreuz aus dem Jahr 1910. Der ETV sammelt die Beschwerden darüber seit vielen Jahren in einem inzwischen sehr dicken Ordner. Und beharrt dann darauf, dass die Zierart, auch wenn sie aussehe wie ein Hakenkreuz, ein harmloses Turnerkreuz darstellen soll. In diesem provokanten Bescheid setzt sich die deutschvölkische Vereinstradition fort.

1959

Dieser Artikel erschien im Januar 1959 in den heimattümelnden „Eimsbüttler Blättern“. Damals wollte das UKE in Eppendorf auf dem von ETV und Victoria genutzten Fußballplatz Hoheluft ein Krankenhausgebäude errichten. Das UKE wollte also genau das tun, was heute Senat & Diakonie auf dem Sparbierplatz tun wollen. Bemerkenswert an dieser Textpassage ist, welche Einwände den Fußballern damals eingefallen sind. Derartige Proteste müssen sich mit einem im Namen des Allgemeinwohls auftretenden Partikularinteresse auseinander setzen (hier: der „moralisch höher stehende“ Anspruch der staatlichen Klinik, dem gegenüber Fußball als egoistisches Einzelinteressse erscheint). Als gute Staatsbürger neigen die Protestierenden dann zumeist dazu, ihr eigenes Einzelinteresse als moralisch NOCH höher stehend darzustellen. In diesem Fall bietet sich fast wie von selbst das „Argument“ an, Sport sei letztlich die bessere Medizin. Sport wird also als vorbeugende Gesundheitsmaßnahme dargestellt. Sport als Selbstzweck (Spaß) oder gar als gesundheitschädliche Aktivität (Muskelriss) kann es nun nicht mehr geben: man turnt angeblich für die deutsche Volksgesundheit. Nach diesem Schema enden Proteste häufig bei konservativen oder gar rechten Parolen. Angemessen willkürlich (also so wie das UKE) ist hingegen der pragmatische Tip an das UKE, ein Hochhaus zu bauen oder aufs Land zu ziehen. Bemerkenswert ist auch die frei erfundene Behauptung: „Solche Mammutanstalten sind nicht zeitgemäß“. Dass die Gegenseite wiederum vorschlug, den Sparbierplatz und das Kaifu-Ufer zum Sportzentrum auszubauen, erscheint heute als besondere Pointe.

1960

Die öffentliche Freifläche Sparbierplatz ist 1960 nur durch einem Zaun vom Kaifu-Bad getrennt. Zwischen dem Platz und dem angrenzenden Elim-Krankenhaus gibt es noch einen breiten, von Pappeln gesäumten Streifen.

1964

Ab 1964 sollte in den Wintermonaten auf dem oberen Teil des Kaifu-Freibades eine Eisbahn entstehen. Der geplante Standort befand sich 200 Meter vom Elim-Krankenhaus entfernt – noch hinter dem öffentlichen Sparbierplatz. Trotzdem klagten die evangelikalen Betreiber des Elim gegen die Eisbahn und verhinderte sie schließlich im Jahr 1968. Das ist deshalb besonderes bemerkenswert, weil die Agaplesion AG, der das Elim inzwischen gehört, heute auf dem vorderen Teil des öffentlichen Platzes eine Filiale errichten will, die dann 2 Meter neben einem Restsportplatz liegen soll. Weil man sich unbedingt das Filetgrundstück mitten in Eimsbüttel aneignen will, nimmt man nun sogar den Lärm eines unmittelbar angrenzenden Restsportplatzes in Kauf.
Die Bebaungspläne sehen einen schalldichten Klinikbunker vor, der – ohne jede Grünfläche – zwischen Restplatz und vielbefahrenen Straßen eingeklemmt sein würde. Man plant also ein „Krankenhaus, das krank macht“, und zwar in jeder Hinsicht: (a) durch die Zerstörung einer öffentlichen Freifläche, die nicht nur als Sportfläche, sondern auch als großer unbebauter Raum in einem dicht bebauten Stadtteil von Bedeutung ist sowie (b) durch eine Klinik, deren Patienten hinter schalldichter Isolierung leben und keinen Grashalm sehen würden.

Hamburger Abendblatt, 22.12.1965
Kaifu-Eisbahn schmort in der Schublade
Vor einem Jahr sollte auf der Liegewiese des Sommerbades Kaiser-Friedrich-Ufer („Kaifu“) in Eimsbüttel eine Kunsteisbahn entstehen. So wurde es in der Bürgerschaft groß angekündigt. Aber die hoffnungsvolle Kunde trog. Heute, ein Jahr später, ist das Unternehmen noch keinen Schritt weitergekommen. Und in „Planten un Blomen“ muß sich die Jugend weiterhin in drangvoller Enge übers Eis schieben. Von einer möglichen „Lärmbelästigung“ der Patienten des benachbarten „Elim„-Krankenhauses ist jetzt die Rede. Hamburgs Eissportfreunde müssen sich betrogen fühlen.

Hamburger Abendblatt, 06.08.1968,
Elim verhindert Eisbahn am Kaiser-Friedrich-Ufer
Die jahrelangen Bemühungen, die dringend benötigte zweite Kunsteisbahn im Sommerbad Kaiser-Friedrich-Ufer zu bauen, sind an den zivilrechtlichen Einsprüchen der Verwaltung des benachbarten Elim-Krankenhauses gescheitert, weil man dort den Lärm fürchtet.

→ siehe hierzu auch den Artikel unter „Zwischenberichte 2009/2″

1967

Hamburger Abendblatt, 21.06.1967
August-Bosse-Platz
Der Eimsbüttler Turnverband baut auf dem [öffentlichen, seit der Nazizeit nach einem „vaterländischen“ ETV-Funktionär benannten] August-Bosse-Platz sieben Dienstwohnungen.

1968

1968 wird an das Elim-Krankenhaus ein Wohnheim für Diakonie-„Schwestern“ angebaut. Dafür wird auch ein Randstreifen von rund 800 m² des öffentlichen Sportplatzes, auf dem zuvor Zuschauer stehen konnten, weggenommen (erkennbar an der Pflasterung der rechten Durchfahrt). Das Gebäude wird 1969 bezogen.

1969

Diese Luftbilder aus den Jahren 1969 und 1970 zeigen die beiden öffentlichen Sportplätze an der Hohen Weide in Hamburg-Eimsbüttel und – als direkter Nachbar – das Diakoniekrankenhaus Elim mit dem gerade eingeweihten, als „Schwesternhaus“ bezeichneten Hochhaus. Auf den Fotos existiert noch nicht das private Fitness-Center Kaifu-Lodge. Es trat später an die Stelle des rechten Flügels des (hier noch symmetrischen) Haupteingangs des Schwimmbades (1893 als „Volksbadeanstalt Hoheweide“ entstanden, 1938 von Nazis als nur für
„Arier“ zugängliches Volksgemeinschaftsbad ausgebaut). Um 1970 wurden etwa 2 Meter des Sportplatzes und ein Teil der Hauptliegewiese des Bades für den Neubau der Kaifu-Lodge verbraucht (ca.
300 m²). Trotz aller Begehrlichkeit, die über 21.000 Quadratmeter (von einst rund 25.000 m²) „potentielles Bauland“ in bester Lage bei „Investoren“ unvermeidlich wecken, war jedoch die „Kernfläche“ des Sportplatzes – die beiden Fußballfelder also – bis 1998 tabu. Wie der Bruch dieses Tabus eingeleitet wurde, zeigt unsere erste Pressemeldung aus dem Jahr 1998.

1970

Postkarte 1970: Das Krankenhaus Elim, das sich damals noch im Besitz der evangelikalen Elim-Stiftung befand, besteht aus der vorderen Eckbebauung (bis zu dem erhöhten Riegelbau) und dem 1969 fertig gestellten Hochhaus, das nun unmittelbar an die öffentliche Freifläche heranreicht. In der Mitte des Fotos ist das Kaifu-Hallenbad zu sehen; im Hintergrund eine Schule und die Schwimmbadeingänge aus der Nazizeit. Das Freibad grenzt an den Isebekkanal. Zwischen der Sportfreifläche und dem Kaifu-Bad gibt es eine direkte Verbindung. An der Stelle des runden Beckens wurden später von Bäderland Gebäude errichtet, deren Mauern direkt an den Platz grenzen. Die evangelikale Elim-Gruppe hatte auch damals schon mehrfach versucht, in den Besitz des angrenzenden öffentlichen Raumes zu kommen, aber dieses Ziel war vor dem Wahlsieg der Schill/Beust-Koalition im Jahr 2001 politisch nicht durchsetzbar.

1973


Hamburger Abendblatt, 1973. Finn hatte sein „schweres Amt“ als stellvertretener ETV-Führer schon während der Nazi-Zeit ausgeübt. Wegen seiner NSDAP-Mitgliedschaft konnte er erst 1948 ETV-Vorsitzender werden. Für den Krieg hatte Finn im ETV-Magazin getrommelt und als Direktor der kriegswirtschaftlichen Schmierölverteilung hatte er nach Kräften für dessen Verlängerung gewirkt. Gleich 1948 hat er das Kriegerdenkmal aus dem 1. Weltkrieg vor dem ETV-Gebäude auch den „gefallenen Kameraden“ von Wehrmacht und Waffen-SS gewidmet. Die Abendblatt-Schreiber wissen das.

1976


Hamburger Abendblatt, 1976. Als die ETV-Halle nach Finn benannt wurde, wußte man im Verein, dass dieser ein Nazi war. Man hat es gerade deswegen gemacht.

1976

Hamburger Abendblatt, 26.08.1976
Zwei Sportplätze bekamen neue Deckschichten
Die beiden „Sparbier-Sportplätze“ an der Bundesstraße neben dem Schwimmbad Kaiser-Friedrich-Ufer (…) haben eine neue Deckschicht bekommen. Bei den Plätzen wurde die alte Decke aus groben Steinen abgehoben und der Schlackenbelag entfernt. Die neuen Schichten bestehen aus einem sogenannten Dibolieth-Belag, einer Schicht, die aus fein gemahlenen roten Steinen besteht. Für jeden dieser öffentlichen Plätze wurden aus dem ordentlichen Haushalt von der Gartenbauabteilung 100 000 Mark ausgegeben.

1986

Bezirksamt lässt Sparbierplätze renovieren

Im Sommer 1986 werden die beiden Sparbierplätze komplett renoviert. Am 29. August findet dann auf dem frischen „roten Rasen“ ein Eröffungsspiel statt. (Quelle: 100 Jahre Fußball in Eimsbüttel, S. 214)

1989

■ Das Abendblatt über die schöne Zeit im ETV während des Nationalsozialismus

Hamburger Abendblatt, 06.06.1989
Wie ich mich für den ETV entschied
Weil sich die 60 [„vaterländischen“] Herren, die am 12. Juni 1889 in Jappes Wirtschaft an der heutigen Fruchtallee uneinig waren, ob sie nun im Klubraum einer Wirtschaft oder in einer Schulturnhalle turnen sollten, entstand neben dem „Eimsbütteler Männer-Turnverein“ im noch die „Eimsbütteler Turnerschaft“. Im Februar 1898 fusionierten die beiden Vereine zum „Eimsbütteler Turn-Verband“.

100 Jahre Eimsbütteler Turnverband. Abendblatt-Mitarbeiter Rudolf Franz wurde [1935] als Zehnjähriger – vier Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg – Mitglied im damals größten Sportverein Hamburgs. [Wo war er 1942?] Er schildert persönliche Erinnerungen an sein „Eimsbüttel“, wie die ETVer ihren Klub respekt- und liebevoll nannten. [So erinnern sich „echte“ und rechte Deutsche eben an den Nationalsozialismus. Für sie war er ja gut]. 

Wozu gab es den nach dem „Vater des ETV-Fußballs“ benanntenAugust-Bosse-Platz an der Hoheweide oder die Julius-Sparbier-Plätze an der Bundesstraße? Zum bordeauxroten Trainingsanzug hatte es nicht gereicht. Den bekam ich Weihnachten von Dr. Eduard Brose [NSDAP]. „Edu“ war an der Oberrealschule für Jungen am Kaiser-Friedrich-Ufer nicht nur mein Sportlehrer, er war auch ETV-Vorsitzender. Es begann eine fußball-schöne Zeit. Wenn wir uns der Hamburger Meisterschaft näherten, spendierte unser Betreuer „Kaue“ bei Eis-Ada an der Osterstraße eine Extra-Portion. Wir gingen ja aber zu „Tante Anna“ in der Bismarckstraße. Da waren die Portionen größer und im Hinterzimmer konnten wir an einem Fußball-Kickgerät unseren Vorbildern nacheifern. Davon gab es viele beim ETV. „Ebbe“ Stührk, der Erfinder der „Grätsche“, Otto Rohwedder, der „Bomber“ und Kopfball-Artist, Herbert Panse. Alles Nationalspieler [in der Nazi-Zeit]. Vor allem aber Hans Rohde. Gleich nach dem Sonntags-Frühstücksei lief ich die 300 Meter von unserer Wohnung zu „meinem“ ETV. „Hanne“ Voß unterwies uns in der Technik des Stabhochsprinfens, „Edu“ Brose meinte, zum Faustball, dem ETV-Traditionssport, könnte man auch nicht früh genug kommen. In der Halle trainierten Walter Richter und Robert Smuda für den Turnstädtekampf Hamburg/Leipzig/Berlin im Zirkus-Busch-Bau am Millerntor, auf dem Bosse-Platz spielte die deutsche Meistermannschaft der Handball-Damen des ETV. Die wurfgewaltige Paula Mollenhauer holte sich 1936 in Berlin so ganz nebenbei mit dem Diskus die olympische Bronzemedaüle. Nachmittags pigerten wir zum Tribünensportplatz Hoheluft und jubelten, wenn der HSV vor 25 000 Zuschauern gegen Nordmark-Meister ETV unter die Räder kam. Lang ist’s her. Aber mein Jugendtraum – das war schon ein toller ETV. Ende der dreißiger Jahre waren Eimsbüttels Fußballer die besten Norddeutschlands, wurden mehrmals Nordmark-Meister. Hans Rohde, Otto Rohwedder, Erwin Stührk, Herbert Panse spielten damals in der Nationalmannschaft. Berühmt machten den ETV auch andere. Die Diskuswerferin Paula Mollenhauer (Bronze 1936), oder Hans-Heinrich Sievert, in den dreißiger Jahren Zehnkampf-Weltrekordler. Im Turnen führte das Ehepaar Julius und Irmgard Lüdemann die Eimsbütteler zur deutschen Spitze. [Über die Rolle der hervorgehobenen Personen im NS gibt es diverse Informationen auf diesem weblog].

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