Die Agaplesion-Dienstleister ARGUS und EGL-Plan

Die Agaplesion-Dienstleister ARGUS und EGL-Plan
wollen mit am „Runden Tisch zum Isebek-Grünzug“ sitzen.
Sie verfolgen dort einen Auftrag, der in einem städtebaulichen Vertrag
zwischen Agaplesion und der Stadt festgehalten ist.

Verkehrsgutachter Argus
Grünplaner EGL (2006-2015)
Agaplesions Isebek-Vertrag
Die „Klinik am Isebek“ (gefakter Lageplan).

Mit einem „Runden Tisch zum Isebek-Grünzug“ (isebek-grünzug.info) will der Bezirk Eimsbüttel die seit 2006 geplante „Aufwertung“ des Isebek-Uferparks gegen den Öko-Fundamentalismus der Vogelschützer von der Isebek-Initiative doch noch durchsetzen. Man konnte diese Initiative gut gebrauchen, als es darum ging, von der Sparbierplatz-Privatisierung abzulenken. Doch irgendwann sind die Vogelschützer, die aus dem Isebek-Grünstreifen ein Naturschutzgebiet machen wollen, in dem Menschen nur stören, zum Hindernis geworden. Da man sie nicht direkt ausbooten kann, hat man im Sozialtechnologie-Handbuch unter „Bürgerbeteiligung“ nachgeschlagen und dort das Kapitel „Einrichtung eines Runden Tisches stärkt die etablierten Kräfte“ gefunden. Jetzt sitzen dort Unternehmen, Grundbesitzer, alle staatstragenden Parteien und Sportvereine. Die Ornithologen – Isebek-Initiative und NABU – sind dadurch in die Minderheit geraten. Sie haben die manipulative Absicht der Verwaltung durchschaut und zunächst ihre Teilnahme abgesagt.

Entsprechend den Regeln des Social Engineering soll der Runde Tische „Isebek-Grünzug“Impulse zur Entwicklung und Gestaltung des Isebek-Grünzuges“ geben und die mit der „Modernisierung“ befasste Bezirksverwaltung bei der Entscheidungsfindung „unterstützen“. Um das Vorhaben besser durchsetzen zu können, sollen kommerzielle Landschaftsplaner und Verkehrsgutachter gegen entsprechendes Honorar „Gutachten“ erstellen, also genau das tun, womit man 2006 schon angefangen hatte. (Siehe dazu die aktualisierte Seite Spezial 01 – Isebek-Konflikt 2002-2015 auf diesem Blog).

Gutachten von „Experten“ werden vor allem eingesetzt, um andere Stimmen zu delegitimieren, also als unqualifizierte Laienmeinungen darzustellen (mit derselben Absicht werden „Historiker“ eingestellt, wenn Außenstehende die Nazi-Geschichte einer Firma oder eines Vereins aufdecken). Sodann sollen diese Gutachten zur Grundlage für „zukünftige Planungen und Entwicklungen im Planraum“ gemacht werden. Am „Runden Tisch“ dürfen Bürger dazu Hinweise auf „Missstände“ beisteuern (Hundekot, Grillreste, Pfützen), während Vereine (ETV) Firmen (Bäderland) und Institutionen (Kaifu) ihre speziellen (längst untereinander abgestimmten) Nutzungsinteressen einbringen können.

Als Anwärter auf die Vergabe eines Planungsauftrages wurden im November 2014 unter anderem die Firmen „EGL Entwicklung und Gestaltung von Landschaft GmbH“ (Vorschlag NABU!) und „ARGUS Stadt- und Verkehrsplanung [Konrad] Rothfuchs/ [Thorsten] Buch“ [vorher Rothfuchs/ Sachau] (Vorschlag der Verwaltung) vorgeschlagen. Sie sollen „Aspekte der Grün- und Freiflächen und die verkehrstechnischen Belange der Wegeverbindung“ begutachten. Zur „besseren Orientierung“ des „Runden Tisches“ sollen im Vorwege „Referenzprojekte“ der jeweiligen Büros verschickt werden. Über die Vergabe des Planungsauftrages soll Anfang 2015 entschieden werden.

Es ist nicht bekannt, ob sich die beiden Firmen mit ihren größten „Referenzprojekten“ vorgestellt haben – mit den Aufträgen des evangelikalen Agaplesion-Diakonieklinikums.

Einigen der am „Runden Tisch“ Beteiligten ist selbstverständlich bekannt, dass ARGUS und EGL-Plan Agaplesion-Dienstleister sind, denn sie haben im Zusammenhang mit der Privatisierung des Sparbierplatzes direkt oder indirekt mit diesen beiden Firmen zusammengearbeitet: Die Verwaltung des Bezirks, die politischen Parteien, der ETV, Bäderland/Kaifu-Lodge, das Kaifu-Gymnasium (und sein dubioser Elternrat, der für die Bebauung der Parkwiese mitverantwortlich ist) und noch einige andere.

ARGUS

Beide Firmen wurden schon früh von dem evangelikalen Klinik-Konzern beauftragt. Argus 2002/2003 mit einem Verkehrsgutachten und EGL-Plan 2005 im Zuge des Architektenwettbewerbs als Grünplaner für die Hamburger Agaplesion-Filiale. Beide Firmen haben dabei die Erwartungen des Schill/Beust-Senats, der Bezirks-SPD und der Privatisierungspartner Agaplesion und ETV durch Gutachten und Planungskonzepte bestens erfüllt, indem sie den Klinikbau auf der privatisierten Freifläche als problemlos machbar dargestellt haben. Argus hat dazu ein Verkehrsgutachten erstellt, das heute schon durch den bloßem Augenschein widerlegt ist: Der Verkehr hat sich im Zusammenhang mit dem Klinikbau und der Ausweitung des ETV erkennbar vervielfacht, während er sich nach der ARGUS-Vorhersage kaum verändern sollte. Die Initiative gegen die Bebauung des Sparbiersportplatzes sah sich damals zu einer eigenen Verkehrszählung gezwungen. Eine weitere Verkehrszählung vor 2 Jahren (von einem unbekannten Auftraggeber; es gibt nur ein Foto davon) wird seither unter Verschluss gehalten.

Über Argus schrieb die Sparbier-Initiative schon 2003: „Das Verkehrsgutachten, das man an die Firma Argus vergeben hat und das lange im Krankenhaus Bethanien (wie Agaplesion Teil des methodistischen Firmenimperiums) unter Verschluss gehalten wurde, hält genau ein, was dem Auftraggeber offensichtlich versprochen wurde. …das gesamte Gutachten ist tendenziös, nicht zufällig kaum nachvollziehbar und ohne belegte Schlussfolgerungen.“

(Kommentare der Inititiave zu ARGUS gab es 2003, 2004, 2005 und im Rahmen der juristischen Einsprüche von einem Anwalt der Initiative).

ARGUS Verkehrszaehlungen

ARGUS ist eine profitabel etablierte Gutachterfirma. Zu ARGUS (Geschäftsführer sind Thorsten Buch und Konrad Rothfuchs), gehört seit 2006 auch die LK Argus GmbH (Hamburg, Berlin, Kassel), ein Gemeinschaftsunternehmen von Lärmkontor GmbH und Argus Hamburg; Geschäftsführer ist Eckhart Heinrichs). Allein die Bilanzsumme der GmbH liegt bei rund 1.200.000 Euro. Zahlen über die Umsätze von Argus Hamburg sind nicht bekannt, weil die Firma nicht als Kapitalgesellschaft geführt wird.

Schlechte Erfahrungen mit den Auftraggeber-Gutachten von Argus haben übrigens auch andere gemacht. Im Internet finden sich viele Kritiken diverser Initiativen an den Verkehrsgutachten von ARGUS.

Zuletzt (soweit bekannt) wurde ARGUS am 29. November 2010 für die Bezirksverwaltung und die Agaplesion-AG aktiv – als Gast des Kerngebietsausschusses bei der Erörterung des Themas „Erschließung Diakonie-Klinikum / CardioClinic Hamburg“. Dabei wurde deutlich, dass ARGUS nicht nur ein Verkehrsgutachten für Agaplesion erstellte, sondern direkt an der Umsetzung der Bauplanung beteiligt ist. Kurz vor der Fertigstellung des Agaplesion-Baus auf der ehemals kommunal-öffentlichen Fläche, deutete ARGUS vor dem Kerngebietsausschuss an, dass es „aufgrund der Größe des Krankenhauses“ mehr Verkehr geben werde, es handele sich jedoch nur um eine „geringe Verkehrszunahme“.

Für die Kritiker der Privatisierung stand das zu erwartende Verkehrsaufkommen nicht im Mittelpunkt, es spielte aber eine Rolle bei der Erteilung der Baugenehmigung und dafür hatte die Bagatellisierung des Agaplesion-Wirtschaftsverkehrs eine erhebliche Bedeutung.

Dieses Unternehmen ist also für die Durchsetzung der Ziele gut geeignet, die von der Verwaltung, der Politik und den umliegenden Unternehmen (ETV, Agaplesion, Kaifu-Lodge) am Isebekkanal verfolgt werden. Welche das sind, steht auf der aktualisierten Seite zum Isebek-Konflikt 2002-2015 auf diesem Blog.

Dass es dabei auch um Ziele geht, die in einem geheimen städtebaulichen Vertrag mit Agaplesion festgelegt sind, steht im nächsten Abschnitt über EGL-Plan.

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EGL-Plan

Die EGL Entwicklung und Gestaltung von Landschaft GmbH erhielt von der Frankfurter Agaplesion AG 2005 den Auftrag zur „Grünplanung“ des Klinikbaus. Den Zuschlag bekam EGL-Plan durch die Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Architekturbüro Tiemann-Petri, das beim Architektenwettbewerb den ersten Preis erhielt. Während Tiemann-Petri sich jedoch schnell mit dem äußerst aggressiv auftretenden Agaplesion-Konzern überwarf (und dann auch Kontakt zu den Agaplesion-Kritikern hatte), verschärfte die EGL-Plan GmbH (Bilanzsumme 1,3 Millionen Euro, Geschäftsführer Jörgen Ringenberg , Eckhard Emmel und Michael Zeise) den Ton gegenüber den Agaplesion-Kritikern, ohne dabei die Adressaten namentlich zu erwähnen.

EGL 2006: Greenwashing

Schon 2006 wurde deutlich, dass die grundsätzliche Kritik der Privatisierungsgegner an der Bebauung des öffentlichen Sparbierplatzes den Leuten bei EGL zu schaffen machte. Diese Kritik prägte damals die Berichterstattung über das Vorhaben und stand ab 2006 auch beim Google-Ranking auf den ersten Plätzen, wenn man „Diakonieklinikum“ eingab. Durch diese hohe Aufmerksamkeit fühlte sich die Firma EGL-Plan beobachtet und delegitimiert. Es war damals allgemein bekannt, dass diese Klinik auf den Trümmern eines Grünzuges errichtet wurde und dass es dort auch nach der Bebauung keinen einzigen Grashalm mehr geben würde, weil das gesamte Gelände aus Profitgründen zu 100 Prozent zugebaut werden sollte.

Das war durchaus kein Geheimnis, sondern aus den 2005 bekannt gewordenen Plänen sofort ersichtlich. Die Eimsbütteler Bezirksbürokratie, namentlich die Abteilung des Baudezernenten Reinhard Buff erfand dafür sogar eine unglaubliche Rechtfertigung:

„Begrünte Außenanlagen und Krankenhausgärten spielen im heutigen Krankenhauswesen keine für die Genesung der Patienten bedeutende Rolle mehr. Daher sieht das Bebauungskonzept keine für Patienten nutzbaren Außenanlagen vor.“ (Bezirksamt Hamburg-Eimsbüttel, 23.1.2007: Begründung zum Bebauungsplan Eimsbüttel 9).

Warum bezahlte man unter diesen Voraussetzungen noch eine Firma für die „Grünplanung“?

EGL-Plan hat dort in der Tat fast nichts zu tun. Was es bei Agaplesion zu tun gab und gibt, könnte jedes Blumengeschäft in Eimsbüttel erledigen. Dass man sich dort trotzdem EGL-Plan leistet, hat vor allem propagandistische Gründe und daneben noch einen strategischen Grund, der mit dem Isebek-Ufer zu tun hat.

EGL ist bei Agaplesion vor allem für eine PR-Strategie des Greenwashings zuständig, also für eine manipulative Öffentlichkeitsarbeit, die dazu dient, Agaplesion eine grüne Weste zu verpassen. Der brutale Agaplesion-Bau auf der zerstörten Erholungsfläche wird von EGL als „umweltfreundlicher“ und letztlich menschenfreundlicher Beitrag zur „Aufwertung“ und „Modernisierung“ des Viertels dargestellt. Dabei arbeitet EGL mit nebulösen Begriffen, falschen Labels, irrelevanten Worthülsen ohne jeden Aussagewert, direkten Unwahrheiten und bewusster Aussparung der naheliegenden Nachhaltigkeitsfrage.

An die Stelle von realem Grün (also der öffentlichen Freifläche, die von Agaplesion beseitigt wurde) tritt bei EGL eine leere Grün-Wort-Propaganda. Worte, „Ideen“ und unzulässige Assoziationen treten an die Stelle der Wirklichkeit. Im Januar 2006 hörte sich das bei EGL-Plan so an:

Das Grünkonzept für den Agaplesion-Bau auf der zerrstörten und bebauten ehemaligen Freifläche von 22.000 qm „steht im Spannungsfeld zwischen dem Grünzug am Isebekkanal und der dichten Bebauung an der Straße Hohe Weide. Es entwickelt sich von weitläufigen Grünflächen am Kanal über funktionale Grünelemente im Bereich des Bades und der Sportanlagen hin zu linearen Grünstrukturen am Klinikum und dem angrenzenden Straßenraum. Dreh- und Angelpunkt des Geländes ist der neue Klinikumsplatz. Er wird weit über seine Funktion als Eingangsbereich des Klinikums hinaus einen neuen, zentralen Treffpunkt für das gesamte Quartier bilden. Als Ausgleich für die fehlenden Freiflächen zu ebener Erde entsteht auf einem Teil des Daches im Freien eine herausragende Aufenthaltsmöglichkeit mit Blick über die Dächer von Eimsbüttel.“

In diesen fünf Sätzen kommt fünf Mal das WORT Grün vor, aber in keinem der Sätze gibt es einen Zusammenhang mit dem Agaplesion-Bau. Reales Grün gibt es zur Erbauung der Bürger am Isebek und einen grünen Rest gibt es in Gestalt von Straßenbäumen sogar noch in der Hohen Weide. Auf dem Agaplesion-Gelände gibt es kein Grün, und das wird von EGL auch nicht behauptet. In diesen Sätzen geht es allein darum, das ANDERSWO vorhandene Grün VERBAL auf den Agaplesion- Bau zu BEZIEHEN. Es kommt hier alleine darauf an, das WORT „Grün“ möglichst oft in die Nähe des NAMENS „Agaplesion“ zu rücken.

Nach dem Muster: „Grünzug am Isebekkanal“ – Agaplesion – „Grünflächen am Kanal“ – Agaplesion – „Grünelemente im Bereich des Bades und der Sportanlagen“ – Agaplesion – „Blick über die Dächer von Eimsbüttel“ – Agaplesion. Das ist die Reihung, die falsche Assoziationen wecken soll.

EGL-Plan macht also keine „Grünplanung“, sondern Greenwashing-PR. Immerhin muss man zugeben, dass ein „Ausgleich für die fehlenden Freiflächen“ nicht schaden würde. Diesen „Ausgleich“ soll laut EGL ein Dachgarten bieten.

„Als Ausgleich für die fehlenden Freiflächen zu ebener Erde entsteht auf einem Teil des Daches im Freien eine herausragende Aufenthaltsmöglichkeit mit Blick über die Dächer von Eimsbüttel.“

„Ausgleich“ ist hier ein anderes Wort für Kompensation, und es ist klar, dass dabei nicht an die geschädigte Wohnbevölkerung gedacht wird, sondern nur Agaplesion-immanent.

Sichtachse

EGL redet ständig über den BLICK. Der „Blick über Hamburg“ wird ebenso beschworen wie der „Blick auf den Fußballplatz“. Man weiß bei EGL, dass eine Klinik, die den Patienten keinerlei BLICK erlaubt, nicht gut ankommt.
Doch bei EGL ist der BLICK allein der kapitalisierte Blick aus der Perspektive der Privatisierer. Agaplesion hat an diesem Ort Tausenden den BLICK gestohlen. Bevor dieser Bau dort stand, konnte man – auch ohne auf ein Dach zu steigen – „über die Dächer von Eimsbüttel“ schauen. Weil dieser öffentliche Raum so riesig war, bot er Blickachsen in alle Himmelsrichtungen.
Im Jahr 2010 veröffentlichte Agaplesion in einer „Bauzeitung“ ein Foto vom Hamburger Fernsehturm. Unter dem Bild stand: „Blick vom Dach auf den Fernsehturm“. Man trumpfte provokant mit einem BLICK auf, den man anderen genommen hatte. (Real sieht auch bei Agaplesion niemand den Fernsehturm, weil das Klinikdach nicht zugänglich ist). Die Initiative hat dieses Foto seinerzeit hier kommentiert.

Ausgleich? Hier wurde eine Klinik ohne jeden Auslauf für Patienten gebaut. „Das Bebauungskonzept sieht keine für Patienten nutzbaren Außenanlagen vor“ heißt es dazu in der Begründung zum Bebauungsplan Eimsbüttel 9. Während die Eimsbütteler Bezirkspolitik diesen Zustand mit einer frechen Lüge rechtfertigt („Begrünte Außenanlagen und Krankenhausgärten spielen keine Rolle mehr“), kommen die Grünplaner von EGL nicht umhin, anzudeuten, dass mit „fehlenden Freiflächen“ durchaus etwas fehlt. Und da bieten sie als „Ausgleich“ eine Dachterrasse mit einem traumhaften Blick über Hamburg.

Doch diese Aussichtsplattform (von einer Begrünung ist hier keine Rede) war nur eine PR-Idee im Jahr 2006, mit der die Akzeptanz dieses Schreckensbaus in der Öffentlichkeit erhöht werden sollte. 2006 gab es noch keine Baugenehmigung, es war noch offen, ob aus dem Bau, der erst 2011 fertig wurde, überhaupt etwas wird. Für entsprechende Zweifel sorgten die Privatisierungskritiker.

Davon abgesehen, dass Dachbesucher niemals „über die Dächer von Hamburg“ geschaut hätten – dazu ist der Bau nicht hoch genug – sondern lediglich in die Schlaf- und Wohnzimmer der gegenüberliegenden Mietshäuser, war immer klar, dass es bei Agaplesion nicht nur keinen Hof und keinen Garten geben wird, sondern auch keinen Platz für Aufzugstechnik, Lüftungstechnik etc. All das musste also auf das Dach, wodurch der Bau (mit nachgereichter Genehmigung) einen ganzen Stock höher wurde.

Als sich die Initiative über den PR-Gag mit der Dachterrasse lustig machte, änderte EGL-Plan stillschweigend die Firmenhomepage. Der bisherige Terrassen-Satz wurde gelöscht und durch den folgenden ersetzt:

„Als Ausgleich entstanden auf einem Teil des Klinikums Dachterrassen mit Blick über die Dächer Hamburgs.“

Aus „auf einem Teil des Daches“ wurde „auf einem Teil des Klinikums“. Aus „herausragende Aufenthaltsmöglichkeit mit Blick über die Dächer von Eimsbüttel“ wurde „Dachterrassen mit Blick über die Dächer Hamburgs“.

Vorher blickte man als vom DACH der Klinik über EIMSBÜTTEL. Jetzt blickt man von einem „Teil des Klinikums“ weit über Eimsbüttel hinaus über die Dächer von ganz HAMBURG!

Selbstverständlich ist auch das nur PR. Diese Klinik hat weder eine Aussichtsplattform auf dem Dach, noch irgendwelche „Dachterrassen“, von denen Patienten über Eimsbüttel oder gar ganz Hamburg schauen können. Es bleibt bei der Feststellung im Bebauungsplan, dass es absolut „KEINE (!) für Patienten nutzbaren Außenanlagen“ gibt. Die Leute sind dort eingesperrt und wenn sie doch raus wollen, gehen sie im Schlafanzug/Morgenrock mitsamt Urinbeutel auf öffentlichen Bürgersteigen spazieren.

EGL-Plan Dachgarten
Zu „Dachterrassen“ ernennt EGL zwei Übergänge, die sich nicht auf dem Dach befinden, sondern im dritten (!) Stock zwischen drei wuchtigen Blocks des Gebäudes. Diese Übergänge ergeben sich durch die ab Stockwerk Drei vor – und zurückspringende Vorderfront und zwei Lichtschächte für die Stockwerke darunter. Wegen der Lichtschächte sind diese Übergänge sehr schmal. Man schaut auf beiden Seiten in ein tiefes Loch. Diese Übergänge sind kaum größer als die heute an Altbauten außen angehängten Balkons und werden vor allem als interne Abkürzungen innerhalb der 3. Etage benutzt. Da Patienten dort nicht rauchen dürfen (obendrüber sind Patientenzimmer), hält sich dort auch kaum jemand auf.

EGL Entwicklung Gestaltung Landschaft 02

Man kann von dort also weder über Eimsbüttel noch über Hamburg schauen, sondern nur in die Wohnungen der ersten drei Stockwerke der gegenüberliegenden Mietshäuser. Das ist für Patienten und Mieter gleichermaßen unangenehm, zumal die Straße so eng ist, dass die Mieter direkt auf die Betten der Patienten schauen und unfreiwillig mitkriegen wenn dort jemand eine Spritze bekommt. Solche Zustände gibt es in keinem anderen Krankenhaus.

Die „Grünplaner“ von EGL müssten diese Zustände eigentlich für unvereinbar mit ihrem beruflichen Profil halten. Aber statt Agaplesion zu kündigen wie es die Architekten taten, richtet EGL seine Wut gegen die Kritiker. Diese Wut äußert sich in provokanter Überaffirmation. Typisch dafür ist die PR-Behauptung, der Platz vor dem Klinik-Eingang würde zum „Treffpunkt für das gesamte Quartier“ werden.

EGL-Plan weiß genau, dass schon sehr früh mehr als 7500 Leute mit ihrer Unterschrift gegen diesen Bau gestimmt haben und dass die Leute im „Quartier“ („Quartier“ ist widerliche Investoren-Poesie) diesen Bau hassen und sich schon deshalb auf dem (übrigens aus Betonplatten bestehenden!) Platz niemals treffen werden. Die Leute aus dem „Quartier“ wechseln die Straßenseite wenn sie an diesem Bau vorbei gehen müssen. Auch deshalb, weil auf den Bürgersteigen (und auf der Straße) in aller Öffentlichkeit (liegende und sitzende) Patienten verladen werden, worüber bekanntlich in der gesamten Lokalpresse berichtet wurde.

EGL-Plan Gruenplanung 01

Es kommt nicht so oft vor, dass ein Dienstleister sich derart distanzlos für seinen Auftraggeber zum reinen Propaganda-Sprachrohr macht und in einem politischen Streit offen Partei für die Privatisierer des öffentlichen Raumes ergreift. Und das noch als „Landschaftsplaner“!

Als EGL-Plan vor 10 Jahren für das Hamburger „Diakonieklinikum“ der evangelikalen Klinik-Kette Agaplesion AG (Sitz in Frankfurt am Main) die „Grünplanung“ übernahm, war auch für EGL schon ersichtlich, dass Agaplesion das privatisierte Gelände wegen des Profits zu 100 Prozent bebaut. „Grundflächenzahl 1“ heißt das in der Fachsprache; so etwas gibt es sonst nur in innerstädtischen Einkaufsstraßen.

EGL wusste also schon 2005, dass für „Grünplaner“ hier nur dekorative Aufgaben bleiben. EGL konnte hier und da ein paar Blumenkübel aufstellen und auf den Böden der Lichtschächte einige Gewächse auf Kieselsteinen und Kunstdünger anordnen. Dazu noch etwas Kraut rund um das große 3-D-Firmenlogo an der Bundesstraße.

Vor allem aber steht diese gnadenlos nach dem BWL-Lehrbuch errichtete Baumasse auf einer Fläche, die einst nicht nur grün umrandet war, sondern allein schon wegen ihrer ungewöhnlichen Weite eine Oase der Erholung war.

EGL-Plan Gruenplanung 02

Angesichts der anhaltenden Kritik an dem Bau kam EGL um einen halbwahren Satz nicht mehr herum: „Im Klinikum selbst gibt es, bedingt durch das enge Baufeld, nahezu keine Freiflächen für Patienten und Besucher.“ Der Skandal dieses Befundes wird durch eine falsche Ursachenbeschreibung gleich wieder relativiert: Dieser Zustand ist eben NICHT „bedingt durch das enge Baufeld“, sondern das „enge Baufeld“ selbst ist bedingt durch die Profitgier der Agaplesion AG, die unbedingt DIESES zentral gelegene „Sahnegrundstück“ mit Hilfe des Schill/Beust-Senates privatisieren und zu 100 Prozent zubauen wollte.

EGL wollte auf das Geschäft mit dem Agaplesion-Konzern nicht verzichten. Für die Presseabteilung des Agaplesion-Konzern listet EGL auf demagogische Weise jeden Straßenbaum, der auch nur in der Nähe der Klinik steht, einzeln auf und schlägt ihn rhetorisch dem „Agaplesion-Grünkonzept“ zu. (Dummerweise erinnern sich viele Leute daran, wie es dort vorher aussah). Für die Agaplesion-PR hat EGL Schwimmbadwiesen und den Isebek-Park der Klinik zugeschlagen und schließlich sogar der Kunstrasen (!) des ETV auf der Agaplesion-Tiefgarage, der zum „funktionalen Grünelement“ umgedichtet wird. Solche Grünplaner würden auch eine grün gestrichene Betonwand unter die Rubrik „Grünes Eimsbüttel“ subsummieren.

EGL-Plan Gruenplanung 03

Alle EGL-Ankündigungen von „herausragenden BLICKEN“ von den „Dachterrassen“ der Agaplesion-Klinik waren Lug & Trug. Adressaten dieser Lügen waren: 1. Lokalmedien, die positiv über den Klinikbau berichten sollten. 2. Geschäftspartner von Agaplesion, vor allem sogenannte Einweiser. 3. Fachkräfte, die man hoffte, trotz der Niedriglöhne gewinnen zu können. 4. Potentielle Patienten, die man über PR-Maßnahmen gewinnen wollte, um die Betten voll zu kriegen (es gab keinen Bedarf für diese Klinik an diesem „Standort“; der musste erst erzeugt werden).

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EGL-Geschäfte mit Agaplesion 2005-2008

Andere Agaplesion-Dienstleister machen ihren Job, kassieren die Honorare und halten ansonsten lieber den Mund. Nur EGL rechtfertigt seit 2006 immer wieder offensiv die skandalösen Folgen dieses Privatisierungsprojektes. Und EGL ist dicker im Geschäft mit Agaplesion als man auf den ersten Blick sieht:

Die Hamburger Agaplesion-Klinik hat eine Gesamtfläche von 32.000 Quadratmetern (plus 6400 qm Dachaufbauten im 6. Stock). Hinzu kommen 10.000 m² für ein Ärztehaus, 4.600 m² für eine ETV-Halle und 2000 m² für einen (betonierten) Platz. Davon „begrünt“ EGL nach eigenen Angaben 1.900 Quadratmeter, also großzügig gerechnet nicht mehr als 3,5 Prozent der Fläche. Real sind es noch weniger, denn diese 3,5 Prozent bestehen überwiegend aus drei Palmen in Lichtschächten, nachgepflanzten Straßenbäumen (die während der Bauarbeiten beseitigt wurden), und Blumenkübel vor dem Eingang und Deko-Grün um das Firmenlogo herum. EGL bekommt dafür 2 Prozent der Bausumme, also 2 Millionen Euro.

EGL-Plan Gruenplanung 04

EGL-Geschäfte mit Agaplesion 2008-2011

EGL 2008: Kunstrasen als Grünkonzept

Aber EGL hat noch einen anderen Auftrag angenommen, von dem 2006 noch keine Rede war. Diese „Grünplaner“ wurden 2008 auch zuständig für den KUNSTRASEN, mit dem der Agaplesion-Privatisierungspartner ETV für seine politische Unterstützung vom Schill/Beust-senat belohnt wurde. Bezahlt aus Krankenhausinvestitionsmitteln, ist der ETV-Kunstrasen auf dem ETV-Privatplatz mit 1,5 Millionen Euro der mit Abstand teuerste Kunstrasen in ganz Hamburg. (Siehe die Liste hier)

Ausschreibung vom 07.03.2008 (Auszug)
Diakonie-Klinikum gGmbH/CardioClinic GmbH
Bauauftrag II.1.5: Neubau eines Sportplatzes mit Kunstrasen. Erd-, Entwässerungs- und Dränagearbeiten, Zaunbauarbeiten, Flutlichtanlage. Gesamtfläche 13 000 m². Davon sind 4 000 m² mit einer Tiefgarage unterbaut. Kunstrasenfläche 10 000 m². Beachvolleyball 1 000 m², Pflasterflächen 1 500 m² Ballfangzaun 300 m, Flutlichtanlage. Weitere Auskünfte erteilen: EGL GmbH, Unzerstraße 1-3, z. Hd. von Thomas Wagner, D-22767 Hamburg. Tel. (49-40) 389 12 80. E-Mail: thomas.wagner@egl-plan.de.

Als dieser Kunstrasenplatz im April 2009 eingeweiht wurde, verteilte die Initiative gegen die Bebauung des Sparbierplatzes ein Flugblatt mit dem Titel Toxischer Kunstrasen.

Dort wird unter anderem geschildert, dass man dem ETV angesichts des anhaltenden Widerstandes gegen seine Privatisierungspolitik im Verein selbst und durch die Initiative immer mehr Versprechungen machte. Dass der ETV dann den teuersten Kunstrasen Hamburgs bekam („Kunstrasenbelag der 3. Generation“), wurde erst 2008 entschieden, sozusagen als Entschädigung für die Baustopp-Klage der Initiative, die dem ETV seine auf Kosten der Öffentlichkeit gemachten Deals noch einmal für ein Jahr verdorben hatte. Anders gesagt: EGL profierte 2008 zusätzlich von politischen Entscheidungen der Privatisierungs-Bruderschaft.

EGL 2009: Neoliberale PR

Entsprechend aggressiv fiel die Presseerklärung von EGL zur Eröffnung des ETV-Privatplatzes aus:

Planungsbüro EGL, 22.04.2009
Eröffnung der neuen Sparbier-Sportplätz-e
Nachdem der nasse Herbst 2008 die Fertigstellung der Kunstrasenplätze verhindert hat, ist es nun endlich soweit: die Sparbier-SportplätzE an der Bundesstraße können eröffnet werden. Die Sportplätze sind Bestandteil der Baumaßnahme „Neubau Diakonie-Klinikum“. Die Klinik wird auf einer Teilfläche des alten Sparbierplatzes errichtet. Als Ausgleich für die in Anspruch genommenen Flächen, entstanden zwei neue, ganzjährig nutzbare Spielfelder mit einem Kunstrasenbelag der 3. Generation und ein neues Umkleidegebäude. Die Fußballjugend des Eimsbütteler Turnverbandes hat jetzt endlich optimale Trainings- und Spielbedingungen. Wir wünschen dem ETV viel Spaß und Erfolg auf den neuen Plätzen.

Auch mit dieser Presseerklärung geht EGL über das übliche Dienstleister-Gebaren hinaus. Der Text ist bewusst provokant gegen die Flugschriften der Privatisierungsgegner gerichtet.

Indem gleich im ersten Satz der „nasse Herbst 2008“ als Grund dafür angeführt wird, warum der ETV-Privatplatz auf der vormals öffentlichen Freifläche erst 2009 eröffnet werden konnte, wird der sechsjährige Widerstand gegen das Vorhaben als wirklich Ursache in Abrede gestellt.

Durch diesen Widerstand wurde der zuletzt für 2007 angekündigte Baubeginn noch einmal verhindert – bis zum 10. Juli 2008. Der ETV-Privatplatz ist auch kein „Ausgleich“ für die Zerstörung einer unbebauten öffentlichen Großfläche. Da dieser Platz von 1908 bis 2008 nicht dem ETV gehörte, sondern der Öffentlichkeit, könnte von einem „Ausgleich“ nur die Rede sein, wenn dieser der allgemeinen Öffentlichkeit zugutekäme.

Ein solcher Ausgleich ist aber „innerhalb des Plangebietes“ (Baugenehmigung) prinzipiell nicht möglich, eben weil die eine Hälfte der Großfläche jetzt bebaut und die andere Hälfte vom ETV privatisiert wurde. Selbst auf dem Restplatz (EGL spricht demagogisch von „PlätzeN“, da es dort vorher zwei Grandfelder gab und der Restplatz wiederum in zwei Teilfelder aufgeteilt wurde) ist die Öffentlichkeit jetzt ausgesperrt.

EGL unterstützt politische Säuberung im ETV

EGL lässt keine Provokation aus. Dazu gehört die Nebenbemerkung von dem – nur vom ETV! – nun „ganzjährig“ nutzbaren Platz. Dieses blöde „Argument“ gehört seit 2002 zum Repertoire der Agaplesion AG: Durch die Privatisierung werde nun alles moderner. Davon abgesehen, dass auch der Kunstrasenplatz im Winter geschlossen ist, bestand die Bedeutung dieser Großfläche überhaupt nicht in erster Linie in ihrer Nutzung als Sportplatz, sondern in ihrer unbebauten Weite in einem dicht bebauten Wohngebiet.

Besonders dreist für einen subalternen Dienstleister ist der Gruß von EGL an den ETV: „Die Fußballjugend des Eimsbütteler Turnverbandes hat jetzt endlich optimale Trainings- und Spielbedingungen“. Gerade die „Fußballjugend“ war lange gegen diese Privatisierung, was sich erst nach ETV-internen Säuberungen (Mobbing, Entlassungen etc.) und ideologischer Indoktrinierung („die Evangelikalen sind unsere Freunde“, „Privatisierung ist etwas Gutes“) änderte.

Geboren im Diakonieklinikum Hamburg

Dort wo die „Fußballjugend des ETV“ jetzt „optimale“ Bedingungen hat, wurden 10 andere Vereine vertrieben, die Öffentlichkeit ausgesperrt und ein schalldichter Bunker von Agaplesion hin gebaut.

EGL weiß das alles. Die offensive Rechtfertigung dieser Großprivatisierung und der damit verbundenen Folgen durch EGL ist jedoch nicht damit hinreichend erklärt, dass EGL auf der Lohnliste von Agaplesion steht. Hinzu kommt der Hass auf die Enthüllungen der Gegner dieses Baus. Offensichtlich kommen aber bei EGL noch neoliberale politische Überzeugungen als Motiv hinzu.

EGL 2011: Angriff auf die Lärmschutzverordnung

Nochmals deutlich wurde diese aggressive Überaffirmation, als die Hamburger Agaplesion-Filiale im Januar 2011 mit mehrjähriger Verspätung eingeweiht (aber noch nicht eröffnet) wurde. Auch dazu gab es eine Presseerklärung von EGL, in der übrigens erstmals der Name der Frankfurter Konzernmutter erwähnt wird:

Planungsbüro EGL, 31.01.2011
Einweihung Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg
Das modernste Gesundheitszentrum der Stadt wird eingeweiht. Deutschlandweit einmalig dürfte die Lage des Klinikums unmittelbar an einem Sportplatz sein. Von der Magistrale im Klinikum haben die Patienten einen optimalen Blick auf das Spielfeld und die trainierenden Jugendlichen.
Die übrigen Außenanlagen bestehen aus aufwendig gestalteten Innenhöfen und Dachterrassen im 2. Obergeschoss. Diese sind direkt von den Pflegeabteilungen aus zugänglich und bieten für Patienten und Mitarbeiter eine angenehme Aufenthaltsmöglichkeit im Freien. Noch liegt der Haupteingang des Klinikums etwas versteckt. Dies wird sich ändern sobald der neue Klinikumsplatz fertiggestellt ist. Im Zentrum zwischen Klinik und noch zu bauendem Ärztehaus sowie Sporthalle entsteht ein neuer städtischer Platz mit Café, Sitzmöglichkeiten und einer schattenspendenden Baumgruppe aus Schnurbäumen. Bis dies soweit ist, werden jedoch noch einige Jahre vergehen.

Bereits der Satz „Deutschlandweit einmalig dürfte die Lage des Klinikums unmittelbar an einem Sportplatz sein“ steht dort als Provokation. Er ist direkt den Texten der Agaplesion-Kritiker entnommen. Im Original heißt er: „Diese unglaubliche Nachbarschaft von Klinik und Fußballplatz ist bundesweit einmalig und mit keiner Lärmschutzverordnung vereinbar.“

Es wird hier ganz deutlich, welche Rolle als Rechtfertigungs-Maschine EGL in dieser Auseinandersetzung spielt. Selbst Agaplesion hat es bis heute nicht gewagt, den Fußballplatz direkt vor den bis in den zweiten Stock vergitterten Klinikfenstern als besonderen Standortvorteil darzustellen.
Dass EGL das macht, ist nicht zuletzt deshalb bezeichnend, weil EGL damit die Einschränkungen der Baugenehmigung angreift und sich damit als „Fachbetrieb“ selbst demontiert.

Die intime Nachbarschaft von Klinik und dem auf der Agaplesion-Tiefgarage liegenden Fußballplatz ist die Folge eines Privatisierungsbündnisses: Ohne den ETV hätte Agaplesion den öffentlichen Raum nicht bebauuen können. Und ohne Agaplesion hätte der ETV keine Einrichtungen im Wert von 6,5 Millionen Euro GESCHENKT bekommen. Dafür musste man sich die Privatisierungsbeute allerdings teilen. Agaplesion und ETV sind dadurch zu einer ungemütlichen Nachbarschaft verurteilt. Für beide ist der Gesamtplatz zu klein. Jetzt donnern die Bälle bis hinauf zum zweiten Stock an die vergitterten Klinikfenster.

EGL Entwicklung Gestaltung Landschaft 05

EGL-Plan Gruenplanung 07

EGL-Plan Gruenplanung 08

Diese Klinik/Fußball-Nachbarschaft ist in der Tat bundesweit einzigartig, weil so etwas überall sonst gesetzlich verboten ist. Auch in Hamburg war das bis 2008 verboten (Tibarg-Urteil über Mindestabstand zwischen Sportplätzen und Kliniken). Der Schill-Partei/CDU-Senat hat extra für Agaplesion Ausnahmegenehmigungen erteilt, auf der Basis von Verordnungen, die man erlassen hat, damit in der Hafencity (schalldichte) Wohnungen neben Industriefirmen gebaut werden können. Für die Patienten ist das Donnern der Bälle ein zusätzlicher Stressfaktor in einer Klinik, die keinen Hof und keinen Garten, also keine Ausweichmöglichkeiten hat.

EGL verschweigt, welchem rhetorischen Aufwand die Behörden betreiben mussten, um diese Klinik/Fußball-Nachbarschaft in der Baugenehmigung und in anderen offiziellen Dokumenten formal zu ermöglichen und mit welchen unvermeidlichen Einschränkungen diese politisch gewollte Genehmigung bis heute verbunden ist.

In der Begründung zum Bebauungsplan Eimsbüttel 9 vom 23.1.2007 heißt es dazu:

Sportlärm im Plangebiet

Der im April 2001 vom SPD-Senat der Freien und Hansestadt Hamburg verabschiedete Krankenhausplan 2005 sah zunächst die Schaffung des Diakonieklinikums am Standort des Krankenhauses Alten Eichen vor. Nach dem Regierungswechsel Ende 2001 wurde jedoch befunden, dass ein Standort in zentraler Kerngebietslage besser geeignet ist. Auf Ebene des Bebauungsplans ist damit die Lärmbelastung des innerstädtischen Standortes planerisch zu bewältigen.

Durch die direkte Nachbarschaft von Klinik und Fußballplatz können sich an der Nordwestfassade der Klinik werktags Pegel von bis zu 60 dB(A) ergeben. Durch die Nutzung des Fußballplatzes auch am Sonntag innerhalb der Ruhezeit von 13 Uhr bis 15 Uhr können sich an der Nordwestfassade des Klinikums Pegel von bis zu 65 dB(A) ergeben. Dies entspricht Überschreitungen der Immissionsrichtwerte der Sportanlagenlärm- Schutzverordnung von bis zu 20 dB(A). [Studien haben gezeigt, dass bei Straßenlärm, der im Haus einen Schallpegel von 65 Dezibel erreicht, das Risiko für Herz-Kreislaufstörungen, um 20 Prozent höher ist, als bei 50 bis 55 Dezibel]. Zur Einhaltung der Immissionsrichtwerte der Sportanlagenlärm- Schutzverordnung wäre eine Reduzierung der Emissionen der Sportflächen um bis zu 20 dB(A) erforderlich! Lärmschutzmaßnahmen wie Lärmschutzwälle würden aber Höhendimensionen aufweisen, die aufgrund der vorhandenen städtebaulichen Situation im Eimsbütteler Kerngebiet nicht machbar sind. Auch die Anordnung aller empfindlichen Räume ausschließlich in Richtung der lärmabgewandten Seite (Hohe Weide) ist aufgrund des räumlichen Grundrissgefüges der Klinik nicht machbar. Auflage: Aufenthaltsräume sind durch geeignete Grundrissgestaltung der lärmabgewandten Gebäudeseite zuzuordnen.

EGL Entwicklung Gestaltung Landschaft 04

In der Baugenehmigung, der immerhin noch die juristische Klage der Initiative anzumerken ist, heißt es: „Es ist sicherzustellen, dass für Bettenzimmer ein Innenraumpegel von 35 dB(A) während der Tageszeit nicht überschritten wird.“ Weil das aber an der ETV-Fußballplatzseite nicht möglich ist, MUSSTEN die Patientenzimmer an die fußballfreie Zone (Hohe Weide) verlegt werden.

Die von EGL erwähnte Aufenthaltshalle gehört zu den Aufenthaltsräumen, die laut Baugenehmigung nicht an den Fußballplatz angrenzen dürften. Offiziell darf es an der Seite zum Fußballplatz auch keine Patientenzimmer geben, weil die zulässige Lärmgrenze dort überschritten wird (Tatsächlich zeigen Fotos und Berichte, dass dort immer wieder auch Patienten liegen). Es ist auch allgemein bekannt, dass Patienten immer wieder erschrecken, wenn im Wartebereich plötzlich Bälle gegen die Gitter prallen. Für Patienten, die gerade eine OP hinter sich haben, kann ein solcher Schreck folgenreich sein.

Dass der EGL-Satz: „Deutschlandweit einmalig dürfte die Lage des Klinikums unmittelbar an einem Sportplatz seinnicht als Kritik eines skandalösen Zustandes gemeint ist, sondern einen angeblichen Vorzug beschreiben soll, müsste für den Berufsverband der Landschaftsplaner, dem EGL angehört, direkt ein Ausschlussgrund sein, denn EGL plädiert hier ALS FIRMA (!) für die Nichteinhaltung von Lärmschutzverordnungen. Falls es in den Berufsorganisationen der professionellen Grünplanern überhaupt irgendwelche Grundsätze gibt oder eine informelle Berufsethik, so steht EGL-Plan auf jeden Fall außerhalb solcher Mindeststandards.

In einer veränderten und noch aggressiveren Formulierung steht all das bis heute auf der Firmen-Homepage:

„Als Attraktion entpuppte sich die unmittelbare Lage des Klinikums am ebenfalls neu gebauten Kunstrasenfeld des ETV. Im Wartebereich der Magistrale sitzen die Patienten quasi am Spielfeldrand. Wartezeiten lassen sich mit Blick auf das Trainingsgeschehen der zahlreichen Jugendmannschaften unterhaltsam verkürzen.“

EGL Entwicklung Gestaltung Landschaft 03

Der Kunstrasen des ETV-Privatplatzes ist das einzige „Grün“ an dem Agaplesion-Bau, auf das EGL überhaupt verweisen kann. Die übrigen in der EGL-Presseerklärung von 2011 aufgezählten „Grünelemente“ sind so wenig der Rede wert, dass EGL schon wieder übertreiben und lügen muss:

Die übrigen Außenanlagen bestehen aus aufwendig gestalteten Innenhöfen und Dachterrassen im 2. Obergeschoss.“

Wahr ist: Die „Innenhöfe“ sind überhaupt nicht zugänglich, also keine „Außenanlagen“ und sie bestehen aus „aufwendigen“ Topfpflanzen.

Über den Selbstwiderspruch von „Dachterrassen im 2. Obergeschoss“ (im zweiten Stock kann es keine „Dachterrassen“ geben und es gibt sie dort auch nicht) ist oben schon alles gesagt worden.

Und schließlich wird wieder der angebliche Quartiersplatz beschworen, diesmal als „städtischer Platz“:

Noch liegt der Haupteingang des Klinikums etwas versteckt. Dies wird sich ändern sobald der neue Klinikumsplatz fertiggestellt ist. Im Zentrum zwischen Klinik und noch zu bauendem Ärztehaus sowie Sporthalle entsteht ein neuer städtischer Platz mit Café, Sitzmöglichkeiten und einer schattenspendenden Baumgruppe aus Schnurbäumen.

Wahr ist: Niemand hält sich dort freiwillig auf, das „Café“ ist die Klinikkantine mit den entsprechenden Gerüchen, es gibt vier dürre Bäume, die keinen Schatten spenden, was aber nichts macht, weil der Platz ohnehin im Schatten des „Kaifu-Ärztehauses am DKH“ liegt.

EGL und die Agaplesion-Bürgerinitiative „Martini erleben“

EGL macht also mehr für den Agaplesion-Konzern als das bei Dienstleistern sonst üblich ist. EGL ist auch bei einem Projekt beteiligt, von dem kaum jemand weiß, dass dahinter die Frankfurter Agaplesion AG steckt: Es geht um die „Bethanienhöfe“ in Eppendorf. Als deren Bauherr trat zuerst ein „Bethanien-Bethesda-Verbund“ und dann die „Bethanien-Diakonissen-Stiftung“ auf. Verschwiegen wurde und wird, dass es sich bei dem „Schwesternheim“ um eine bundesweit tätige Subholding des methodistischen Bethanien-Verbundes handelt, zu dem auch die weitaus größere Frankfurter Holding „Diakoniewerk Bethanien Verein“ gehört. 2002 gründete dieser Verbund mit 17 Kliniken und Altenheimen die Aktiengesellschaft Agaplesion.

EGL berät hier die von Agaplesion gesponsorte Astroturfing-BürgerinitiativeMartini erleben“ und begutachtet dort u.a. die „Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Grün- & Freiflächen“ im „Quartier Martini/Bethanien”. Agaplesion und „Martini erleben“ sorgen gemeinsam dafür, dass in Eppendorf am alten Standort des KH Bethanien die Geschäfte von Agaplesion florieren. Wir werden dazu auf der Bethanien-Seite dieses Blogs weitere Information liefern. (Es lohnt sich unter Ute Lützen e.luetzen@egl-plan.de. nachzuschauen, was EGL sonst noch treibt. Lützen ist Gesellschafterin von EGL).

EGL Entwicklung Gestaltung Landschaft 06

Blick- und Sichtachsen sind ein wesentlicher Aspekt städtischer Lebensqualität. Gerade in dicht bebauten Stadtvierteln gilt es als Erleichterung, wenn der Blick auch mal der Enge entkommt und in die Ferne schweifen kann. Die Bebauung von Sichtachsen gilt allgemein als Beeinträchtigungen des offenen Raumes. Sie bewirkt ein bedrückendes Lebensgefühl. Der Agaplesion-Bau auf der öffentlichen Erholungsfläche ist die körperliche und psychische Erfahrung real schrumpfender Räume, die mit anderen „neoliberalen“ Erfahrungen einhergeht, die die Handlungsmöglichkeiten und den Bewegungsraum vieler Menschen einengen.

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2015: Wird EGL für Agaplesion am Isebek-Tisch sitzen?

Seit 10 Jahren definiert EGL den Isebek-Park als Vorgarten für eine Klinik-Firma, die 22.000 qm des Eimsbütteler Grüngürtels zerstört und bebaut hat, und obendrei selbst laut EGL „nahezu keine Freiflächen für Patienten und Besucher“ hat. Was zur Folge hat, dass ein Teil des Klinikbetriebes auf den Bürgersteigen und Straßen der Umgebung stattfindet!

2005 setzte EGL den Agaplesion-Bau erstmals in Bezug zum Isebek-Park:

„Das Grünkonzept steht im Spannungsfeld zwischen dem Grünzug am Isebekkanal und der dichten Bebauung an der Straße „Hohe Weide“. Es entwickelt sich von naturnah geprägten, weitläufigen Grünflächen am Kanal über funktionale Grünelemente im Bereich der Sportanlagen hin zu architektonischen, linearen Grünstrukturen am Klinikum und im angrenzenden Straßenraum.“

Man könnte die Beschreibung dieses „Spannungsfeldes“ für einen aus der Not geborenen krampfhaften Versuch halten, die zu 100 Prozent aus Beton bestehende und als schalldichter Bunker konzipierte Agaplesion-Klinik nachträglich irgendwie in Verbindung mit einer entfernten Grünfläche zu bringen. Darum geht es EGL auch, aber es geht hier um mehr.

Denn diese Inbezugsetzung von Klinik und Isebek beruht auf einem städtebaulichen Vertrag zwischen der evangelikalen Klinikkette und dem Bezirk Eimsbüttel!

Die „Umgestaltung von Grünflächen am Isebekkanal mit dem Ziel, Sichtbeziehungen und den Zugang zum Wasser zu verbessern und damit die Erlebnis- und Aufenthaltsqualität zu erhöhen“ ist in der Baugenehmigung des Bezirksamtes ausdrücklich als verbindliche „Ausgleichsmaßnahme außerhalb des Plangebiets“ (Ex-Sparbierplatz) definiert.

Diese „Ausgleichsmaßnahmen“ am Isebek sollen dort „auf Kosten des Vorhabenträgers“ durchgeführt werden (auf Kosten des Agaplesion-Konzerns, der das Geld dafür von der Stadt bekommt) und sind in einem – nichtöffentlichen! – städtebaulichen Vertrag in Einzelheiten ausgeführt.

Im Zusammenhang liest sich das so:

Bezirksamt Hamburg-Eimsbüttel, 23.1.2007
Begründung zum Bebauungsplan Eimsbüttel 9

Die bestehende öffentliche Freifläche „Sparbierplatz“ („eingeschränkt nutzbare Grünanlagen“) und das Kaiser-Friedrich-Ufer mit Isebekkanal („Parkanlage“) sind nach dem Landschaftsprogramm Teile der Eimsbütteler Landschaftsachse von „Planten und Blomen“ zum Niendorfer Gehege und Teil des Grünzuges an der Isebek, der die Eimsbütteler Landschaftsachse mit der Alster-Landschaftsachse verbindet.

Im Zusammenhang der öffentliche Freifläche „Sparbierplatz“ mit dem Grünzug am Isebekkanal hat das Plangebiet (die Agaplesion-Klinik) auf Grund des hohen Freiflächenanteils eine Funktion als lokalklimatisch wirksame Freifläche. Der Grünzug dient der wohnungs- und siedlungsnahen Erholung der Anwohner . Das Landschafts- und Stadtbild wird durch die geplanten Neubauten verändert. Es sind Beeinträchtigungen des offenen Raums sowie Verluste für das Landschaftsbild zu erwarten.

Eine erhebliche Beeinträchtigung des Naturhaushaltes im Plangebiet stellt die Neuversiegelung der Grünflächenstreifen am Rand zur Straße Hohe Weide und zur Bundesstraße sowie der Gartenflächen des Krankenhauses Elim (insgesamt ca. 3.850 m2) mit dem damit verbundenen Verlust von 87 Bäumen (davon 46 nach Baumschutzverordnung) dar.

Es entstehen erhebliche Beeinträchtigungen für den Naturhaushalt. Eine erhebliche Beeinträchtigung des Landschaftsbildes entsteht durch die Überbauung des offenen Raums und durch die Einengung der Landschaftsachse.

Ausgleichsmaßnahmen innerhalb des Plangebiets
Ausgleichsmaßnahmen sind auf Grund der überwiegenden Flächeninanspruchnahme durch das Sondergebiet „Klinikum“ und die Sportanlage innerhalb des Plangebiets nicht möglich.

Ausgleichsmaßnahmen außerhalb des Plangebiets:
Die weiteren Ausgleichsmaßnahmen außerhalb des Plangebietes wird die Stadt Hamburg anstelle und auf Kosten des Vorhabenträgers (Agaplesion) durchführen. Die Maßnahmen werden über einen städtebaulichen Vertrag gesichert. Es sind folgende Maßnahmen geplant:
1. Umgestaltung von Grünflächen am Isebekkanal mit dem Ziel, Sichtbeziehungen und den Zugang zum Wasser zu verbessern und damit die Erlebnis- und Aufenthaltsqualität zu erhöhen.
2. Durchführung von Baumpflanzungen an Straßen und auf öffentlichen Grünflächen in Eimsbüttel.

Krankenhaus-Garten

Es ist eindeutig: Das „Spannungsfeld“ zwischen Isebekkanal und dem Agaplesion-Bau auf der privatisierten Erholungsfläche ist mehr als ein PR-Gag von EGL.

Der Isebekpark gilt der Eimsbütteler Politik und der Bezirksverwaltung ganz offiziell als VORGARTEN der evangelikalen Klinik. Man wusste, was man tat, als man den riesigen öffentlichen Sparbierplatz zerstörte und mit einer Betonburg bebaute. Man plante diesen Bau in dem Bewusstsein, dass das Ergebnis für die Wohnbevölkerung und die Patienten gleichermaßen schrecklich und dauerhaft nicht zu ertragen sein wird.

Doch bei diesen Planungen geht es nicht um Wohnbevölkerung und Patienten, sondern im die ökonomische Rentabilität des Hamburger Agaplesion-Filiale.

Dort weiß man sehr gut, wie abschreckend der eigene Bau ist. Nicht zufällig zeigen die PR-Fotos niemals die Vorderseite der Klinik, sondern die Rückseite und zwar so, dass der Kunstrasen des (leeren) Fußballplatzes des ETV auf den PR-Fotos wie eine grüne Parkwiese aussieht. Und nicht zufällig steht diese Klinik auf dem Anfahrtsplänen der DKH gGmbH direkt neben dem Isebekpark (siehe unten). Die tatsächliche Lage dieses Baus ist nicht vorzeigbar, also nicht gut fürs Geschäft, auf das allein es ankommt.

Vor diesem Hintergrund hatte man von Beginn an vor, den Agaplesion-Bau irgendwie in die Nähe des Isebek zu rücken und Park und Uferweg so herzurichten, dass Agaplesion-Patienten dort entlang gehen und sich dort aufhalten können. Vor allem für Agaplesion will man die „Erlebnis- und Aufenthaltsqualität“ am Isebek erhöhen. So steht es wörtlich da. Die Details sind unter Verschluss, da städtebauliche Verträge zu den Betriebsgeheimnissen zählen.

EGL als Agaplesion-Dienstleister kennt die Details dieses städtebaulichen Vertrags. Mit diesem Wissen würde EGL dann am „Runden Tisch“ sitzen, der ohnehin nichts anderes bewirken soll als die Erhöhung der „Erlebnis- und Aufenthaltsqualität“ am Isebek.

EGL-Plan Greenwashing

Agaplesion arbeitet übrigens noch an einer zweiten Lösung – einem Zugang zum Isebekufer über die Kaifu-Lodge und Bäderland. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Ankündigungen in den Agaplesion-PR-Broschüren ähnlich klingen werden wie jetzt schon die Anzeigen für die umliegenden Eigentumswohnungen, in denen mit dem Isebek-Ufer geworben wird. In den Wegbeschreibungen für Besucher macht Agaplesion das bereits (siehe Artikel dazu auf dieser Seite).

Wie auch immer:
EGL vertritt die Interessen von Agaplesion und sucht DESHALB einen Platz am „Runden Tisch“. Mit ARGUS hat sich dafür ein weiterer Agaplesion-Dienstleister beworben. Mit dem ETV sitzt dort schon der engste Agaplesion-Geschäftspartner. Weitere werden dazu kommen, andere sind jetzt schon auf die eine oder andere Weise mit dem Agaplesion/ETV-Gespann verbandelt und die Bezirksparteien haben ohnehin kein höheres Ziel als es Agaplesion und ETV recht zu machen.

Nachträge

Der Agaplesion-Dienstleister EGL-Plan erhielt tatsächlich den Planungsauftrag für ein „Entwicklungskonzept“ für den Isebek-Grünzug – zusammen mit dem Verkehrsplaner-Unternehmen Urbanus GbR. Zur Beruhigung der Öko-Fundamentalisten hat man zusätzlich den Heuschrecken-und Tagfalter-Experten Frank Röbbelen mit einem Beitrag beauftragt. Röbbelen ist Vorstandsmitglied des Vereins „Naturwacht“. Der Vereinsname stammt aus dem Reichsnaturschutzgesetz, s. Stefan Dirscherl: Tier- und Naturschutz im Nationalsozialismus. In der Sprache der Bezirksverwaltung hört sich der Vorgang so an:

Sitzungsdienst-Eimsbüttel der Bezirksversammlung
Kerngebietsausschusses, 09.02.2015
Beschlussvorschlag
Am 27.01.2015 tagte der Runde Tisch zum Isebek Grünzug. Um die Beauftragung für ein Entwicklungskonzept sowie der Objektplanung durchführen zu können, haben sich fünf Planungsbüros vorgestellt. Nach der Vorstellung stimmten die Teilnehmer mit 16 zu 3 für die Kombination aus EGL Entwicklung und Gestaltung von Landschaft GmbH, Urbanus GbR Ingenieurbüro für Verkehrsplanung Lübeck und Frank Röbbelen Hamburg. Es wird gebeten den Mehrheitsbeschluss zu bestätigen, damit die Verwaltung den Planungsauftrag vergeben kann.

Drucksache 20-0560, 09.02.2015
Ergebnis: Der Drucksache wird einstimmig zugestimmt. Die „Fraktion die Linke in der Bezirksversammlung Eimsbüttel“ enthielt sich ohne Begründung. Federführend: Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt. Beteiligt: Fachamt Management des öffentlichen Raumes.

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Die Klinik am Isebek-Park

Nachdem das Hamburger „Diakonieklinikum
der Frankfurter Agaplesion AG
mit dem öffentlichen Raum auch jeden Grashalm beseitigt
und darauf einen schalldichten Bunker
ohne Hof und Garten errichtet hat,
wirbt dieses Klinik-Unternehmen mit einer „grünen Umgebung“:

Anfahrtskizze Kontakt Agaplesion Diakonieklinikum
Anfahrtsskizze Agaplesion Diakonieklnikum Hamburg

Als „Umgebungsplan“

wird diese Darstellung der Lage des Agaplesion-Klinikum auf der Klinik-Homepage bezeichnet. Sie richtet sich an ortfremde Personen, die diese Klinik nicht kennen und aus verschiedenen Gründen entweder dorthin wollen (weil „Einweiser“ sie ihnen empfohlen haben oder als Besucher) oder sich über die Lage von Kliniken informieren wollen, weil sie in ein Krankenhaus müssen.

Diesen Menschen werden hier nicht nur Verkehrsverbindungen mitgeteilt, sondern auch eine erste Vorstellung davon vermittelt, was sie an diesem Ort erwarten können. Für ortfremde Patienten, die sich wegen einer notwendigen Behandlung für eine Klinik entscheiden müssen, stellt ein „Umgebungsplan“ tatsächlich eine erste Orientierung dar. Eine solche Grafik hat daher auch Werbecharakter. Emotionale Kriterien wie Ruhe, schöne Lage und viel Grün spielen bei der Entscheidung für eine Klinik bekanntermaßen eine große Rolle. Vertraut man dieser Grafik, so scheint das Agaplesion-Klinikum in Hamburg-Eimsbüttel all das ausreichend zu bieten: Eingerahmt zwischen zwei sehr großen Grünflächen, liegt diese Klinik offenbar auch noch ganz idyllisch an einer Wasserfläche.

Es handelt sich hier um eine schematische Darstellung, bei der es legitim ist, einige Details wegzulassen. Doch hier wurden ganz entscheidende Informationen „vergessen“ und zudem noch falsche hinzugefügt. Der Eindruck, diese Klinik liege zwischen zwei Grünflächen, wird vor allem dadurch geweckt, dass das dicht bebaute Wohngebiet zwischen Hohe Weide und Schlump , das von sieben weiteren Straßen und einer Hochbahnlinie durchschnitten wird, hier mit der selben grünen Farbe markiert wird, wie der Park am Isebekkanal. Dass dieser Effekt beabsichtigt ist, zeigt sich daran, dass die anderen Wohngebiete nicht als Grünflächen dargestellt werden.

Der Eindruck,

die Agaplesion-Klinik liege zwischen zwei Parks wird in Blickrichtung Eppendorfer Weg sodann noch dadurch verstärkt, dass man alle Einrichtungen und Gebäude, die in Wirklichkeit Park und Klinik trennen, zu einer einheitlichen grauen Fläche zusammengezogen hat. Diese Fläche, die laut Grafik direkt an den Park grenzt, scheint zur Umgebung der Klinik zu gehören, die hier als blauer Punkt dargestellt wird. Es entsteht der Eindruck, dass der Übergang zwischen Klinik und Park sozusagen barrierefrei ist. Tatsächlich existiert hier ein breiter Riegel. Er besteht – von der Hohen Weide aus gesehen – aus einem Fußballplatz, einem großen und viel frequentiertem Parkplatz, mehreren Gebäuden einer privaten Fitness-Company (Kaifu-Lodge ) sowie der hohen Randbebauung eines öffentlichen Freibades (Kaifubad).

Dort wo der blaue Punkt eingezeichnet ist und wo sich in Wirklichkeit nicht das Klinikum, sondern das frühere Elim-Krankenhaus befindet, existiert eine 50 Meter tiefe und 200 Meter lange Barriere, nämlich der ausgedehnte Gebäudekomplex eines öffentlichen Hallenbades. Dahinter wiederum liegt das etwa 100 Meter tiefe Gelände des Freibades, dessen große Wiese hier interessanterweise nicht grün markiert wurde. Es gibt somit keine Verbindung zwischen Klinik und Uferpark, nicht einmal eine Sichtverbindung. Das Ufer neben dem Gewässer (dem Isebek-Kanal) ist an dieser Stelle auch nicht so breit, wie die Grafik das darstellt. Es besteht auf der südlichen Seite aus einem Fußweg und ist auf der anderen Seite bis ans Wasser mit Wohnhäusern bebaut. Der eigentliche Park beginnt erst oberhalb der Bundesstraße.

Die entscheidende Information,

die hier „vergessen“ wurde, ist der auf anderen Agaplesion-PR-Fotos als natürliche Grünfläche dargestellte Fußballplatz, der zur Hälfte auf dem Dach der Agaplesion-Tiefgarage liegt und bis an die Scheiben der Klinik heran reicht. Ein „Umgebungsplan“, der diese für potentielle Patienten besonders relevante Tatsache verschweigt, manipuliert die Fakten.

Die Klinik, die in Wirklichkeit oberhalb des blauen Punktes liegt und dort direkt an die vielbefahrene Bundesstraße grenzt, steht auf einer privatisierten Freifläche, die bis zu ihrer Bebauung 2008 in allen Stadtplänen als Teil des „Eimsbütteler Grüngürtels“ eingezeichnet war, die also als unbebaute und öffentliche Freifläche mit dem öffentlichen und unbebauten Parkufer eine städtebauliche Einheit darstellte. Durch den Agaplesion-Bau wurde diese für ein dicht bebautes Wohngebiet so wichtige Erholungsfläche mutwillig zerstört. Dass ein Unternehmen der privatwirtschaftlichen Gesundheitsbranche einen öffentlichen Erholungsraum verdrängt, ist bislang ein bundesweit einmaliger Vorgang.

Es handelt sich bei dieser Grafik also um einen besonders üblen Zynismus:

Die Zerstörer der öffentlichen Freifläche schmücken ihren „Umgebungsplan“ mit der Nähe zu dem öffentlichen Erholungsraum, den sie an einem Ende aus Profitmotiven bebaut haben! Als es hier noch den unbebauten öffentlichen Raum gab, bildete dieser tatsächlich eine Einheit mit dem Parkufer. Zum einen, weil die heute beseitigte Freifläche bis 2008 von einem breiten Grünstreifen umsäumt war, wodurch schon optisch eine Verbindung zu dem Kanalufer gegeben war. Bis 2008 gab es auch eine freie Sichtachse von der Hohen Weide bis zum Eppendorfer Weg, die dem gesamten Wohngebiet sozusagen Luft verschaffte.

Nicht einmal der Fußballplatz-Rest, der jetzt zwischen Klinik und Kaifu-Gebäuden eingezwängt ist, lindert die Folgen dieser Bebauungen. Er stellt vielmehr eine weitere Barriere zwischen dem Uferpark und der Wohnbebauung dar. Erstens steht am Rand des Platzes nun ein zweistöckiges Gebäude. Zweitens sieht man den wuchtigen betonierten Tiefgarageneinfahrten, die unter den Platz führen, an, dass der Fußballplatz-Rest als Teil des Klinikbaus projektiert wurde. Hinzu kommt, dass dieser Restplatz nach seiner Privatisierung durch den ETV öffentlich nicht mehr zugänglich ist.

Doch in dieser zynischen Fake-Grafik steckt auch eine unausgesprochene Wahrheit:

Agaplesion gesteht damit ein, dass eine realistische Abbildung der tatsächliche Lage der Klinik eine abschreckende Wirkung hat! Man weiß dort genau, was man angerichtet hat und man weiß auch wie abstoßend und deprimierend das Ergebnis ist.

Ein „Umgebungsplan“, der die tatsächlichen Verhältnisse darstellen würde, hätte eine negative Wirkung auf die potentiellen „Kunden“. Alle gefakten PR-Darstellungen, die von Agaplesion bisher in Umlauf gebracht wurden (darunter die Darstellung der Rückseite als Vorderansicht – mit dem ETV-Kunstrasen als „Park“) sind letztlich nur das Eingeständnis, dass diese Klinik an dieser Stelle nicht vorzeigbar ist.

Gefaengniskrankenhaus Hamburg
Die verleugnete Vorderfront. Sie ist auf keiner einzigen Agaplesion-Abbildung zu sehen.

Agaplesion-Arena Hamburg
Die Rückfront wird in der Agaplesion-Werbung als Vorderfront dargestellt. Der Fußballplatz-Kunstrasen wird (ohne Spieler und Zuschauer) als Park dargestellt.

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