Kategorie: Zwischenberichte

Zwischenberichte ab Januar 2013

Als Folge massiver Drohungen des evangelikalen Agaplesion-Konzerns gegen die Initiative war dieses weblog von Mai 2012 bis August 2013 offline. Recherchematerial konnte in dieser Zeit nicht publiziert werden. Die IGDRA wird nun nach und nach auch dieses Jahr rekonstruieren.

Nicht zuletzt für Kräfte der „alternativen“ Milieus, die sich mit dem Agaplesion-Konzern (den sie „die Diakonie“ nennen) und seinen Verbündeten (Parteien, ETV etc.) war das verschwundene weblog eine gute Zeit, weil sie nicht mehr mit einer öffentlichen Kritik rechnen mussten. In diesen Zeiraum fällt der Besuch der Linken–Abgeordneten Kersten Artus bei der Hamburger Agaplesion-Klinik, die auf einer privatisierten Erholungsfläche steht. In Eppendorf ließ das dortige „Kulturhaus“ alle Hemmungen fallen und bereitete der KH Bethanien GmbH mit einer Kunstaktion einen „würdigen Abschied“. Die bundesweite Bethanien-Holding ist Besitzer des aggressiv expandierenden Klinikkonzerns Agaplesion AG und Bethanien-Hamburg spielte bei der Privatisierung des Sparbierplatzes die Hauptrolle (Elim und Alten Eichen waren faktisch insolvent und daher Nebendarsteller).

Hpd, 11.01.2013
Diakonie-GmbHs bleiben diesmal außen vor
WEIMAR. Im Landkreis Weimarer Land ist Ungeheuerliches geschehen. Die Trägerschaft für die Erziehungsberatungsstelle war neu zu vergeben. Doch die Diakonie-Firmen kamen hier nicht zum Zuge. Das lässt aufmerken, zumal die CDU im Kreistag die stärkste Fraktion stellt und einer der bekanntesten Parteichristen des Landes Vorsitzender des zuständigen Sozialausschusses ist. Unter der Überschrift „Ohne große Diskussion“ berichtete die Lokalausgabe der „Thüringer Allgemeinen“ über den äußerst bemerkenswerten Beschluss der Kommunalpolitiker:
„Mittels einer Punktevergabe waren drei Bewerber geprüft worden, wobei das Trägerwerk Soziale Dienste am besten abschnitt. Beim Trägerwerk Soziale Dienste (TWSD) handelt es sich um eine säkulare, also eine weltanschaulich und religiös neutrale, Organisation. Das TWSD wurde nach 1990 von engagierten Thüringern gegründet. In den mehr als 20 Jahren seines Bestehens hat das TWSD thüringenweit eine Vielfalt von sozialen Einrichtungen selbst gegründet bzw. in Trägerschaft übernommen. Das reicht von Kindergärten über Jugendklubs und Beratungseinrichtungen bis hin zum „Betreuten Wohnen“ für Senioren. Und neuerdings engagiert sich das TWSD auch im stationären und ambulanten Hospizwesen. Der kirchliche Sozialkonzern „Diakonie“ war hier in gewohnter Weise siegessicher in die Bewerbung gegangen. Konzernen, die zu den Unternehmerdachverbänden Diakonie und Caritas gehören, sind es gerade in den ostdeutschen Ländern gewohnt, dass Staat und Kommunen ihnen bereitwilligst öffentliche Gelder und Einrichtungen übertragen.
Dieses eine kleine Beispiel zeigt, dass es in auch anders geht, vor allem wenn es alternative Trägerschaften gibt. Den beteiligten Kommunalpolitikenr gebührt große Anerkennung für diese Entscheidung gegen das Anspruchsdenken der Religionskonzerne. Ja, man könnte diese kommunalpolitische Entscheidung sogar als eine besondere Form der Zivilcourage bezeichnen!

Mittelbayrische Zeitung, 14.01.2013
61 Missbrauchsfälle in rheinischer Kirche und Diakonie
Düsseldorf. Der Evangelischen Kirche im Rheinland sind in den vergangenen zwei Jahren 61 Fälle sexueller Gewalt in den eigenen Reihen gemeldet worden. 41 Opfer hätten sich offenbart, aber auch zwei Täter. Meist seien die Opfer zur Tatzeit Kinder und Jugendliche gewesen. 23 Fälle seien verjährt, 19 Fälle stammten aber aus den letzten drei Jahren, berichtete Paul. Als Tatverdächtige seien 47 Männer und neun Frauen genannt worden. 43 der Beschuldigten seien zur Tatzeit bei der Kirche oder ihrer Diakonie beschäftigt gewesen. Seit einigen Jahren wird in ganz Deutschland der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen der evangelischen Kirche, in staatlichen Heimen und anderen Institutionen thematisiert.

Islamisten und Agaplesion

Wieso befinden sich eigentlich dermaßen viele Krankenhäuser in klerikaler Hand? Die christlichen Heilsunternehmen handeln – wie auch die Muslimbrüder (z.B. in Ägypten oder im Gaza-Streifen) – nach dem Prinzip: „Gebe den Menschen zu essen, lindere ihre Schmerzen, heile ihre Krankheiten – und sie werden Dich lieben und Dir dann politisch folgen“. Aua diesen Gründen haben sich auch die christlichen Gruppen („Kirchen“) immer gerne um die Krankenversorgung und Armenspeisung gekümmert und diese Instrumentalisierung der Not anderer dann als „Nächstenliebe“ bezeichnet. Als der Staat diese Bereiche im 19. Jahrhundert in die eigenen Hände nahmen wollte, sahen die Klerikalen ihr ureigenes Terrain bedroht und kämpften gegen Bismarcks Sozialgesetzgebung. Es gelang zwar, die repressiven klerikalen Armenspitäler zurück zu drängen und Krankenversorgung zu einer öffentlichen Angelegenheit zu machen, aber noch unter dem Kanzler Adenauer, gelang es den Kirchen (1961), das Subsidiaritätsprinzip im Sozialgesetzbuch zu verankern. Das besagt: Wenn ein freier Träger eine Einrichtung betreiben will, dann hat der Staat zurück zu treten.

Junge Freiheit, 11.1.2013
(rechtsradikale Zeitung)
Evangelikale empören sich über Islamvergleich
Mit Empörung hat der evangelikale Dachverband „Deutsche Evangelische Allianz“ auf einen Vergleich von Evangelikalen mit Salafisten in der Wochenzeitung Die Zeit reagiert. „Es ist durch nichts gerechtfertigt, die Bezeichnung Evangelikale auf den Islam zu beziehen“, sagte der Vorsitzende der Evangelischen Allianz, Michael Diener, dem Medienmagazin pro.
Der Islamwissenschaftler Rüdiger Lohlker hatte in einem Interview den Salafismus als „gewissermaßen die islamische Ausprägung eines Evangelikalismus“ bezeichnet. Der Salafismus sei gewissermaßen die islamische Ausprägung eines Evangelikalismus, in der Form der Gemeinschaftsbildung, die sich gegen die Auflösung bestehender Bindungen richte. Darauf angesprochen, daß seine Äußerungen unter Evangelikalen einen Aufschrei hervorrufen werden, antwortete Lohlker: „Das ist mir klar. Aber für den Wissenschaftler ist das nicht relevant.“

Agaplesion-Eigner unterstützen die radikalen Abtreibungsgegner

Die unter dem Label „Pro-Life“ konfessionsübergreifend organisierten ultrareaktionären Abtreibungsgegner, die sich in den USA mit Angriffen auf Abtreibungskliniken hervor tun, werden in der BRD auch von der Methodistenkirche (EmK) unterstützt, der die Agapelsion AG gehört. Zum Beispiel verkauft die EmK das Pro-Life-Buch „Argumente gegen die Tötung Ungeborener“.

FAZ, 23.01.2013
Christliche Kliniken: Lasset uns Denunzieren
Eva Doppelbauer sagt nicht einfach „Guten Tag“ oder „Grüß Gott“. Bei ihr lautet der Gruß: „Laudetur Jesus Christus“. Auch wenn Frau Doppelbauer als Moderatorin im Internet-Fernseh-Portal „Gloria.tv“ auftritt, grüßt sie ihr Publikum mit „Laudetur Jesus Christus“. Vor einem Jahr, am 3. Februar 2012, verkündete Frau Doppelbauer in der „Gloria.tv“-Nachrichtensendung direkt nach ihrer Laudetur-Fanfare eine schon sprachlich ziemlich unscharfe Behauptung: „In christlichen Kliniken in Köln werden durchwegs (sic) Rezepte für die Pille danach abgegeben.“ Das hätten Recherchen von „Lebensschützern in Zusammenarbeit mit einer Testkaufagentur“ ergeben. Mitglieder der Vereinigung „ProLife“ organisierten den „Klink-Test“. Der „Klinik-Test“ steht am Anfang einer unheilvollen Entwicklung, an deren Ende Ärzte von zwei christlichen Kliniken in Köln einer mutmaßlich vergewaltigten Frau die Behandlung verweigerten, weil sie fürchteten, mit ihrem christlichen Arbeitgeber in Konflikt zu geraten, wenn sie die Patientin im Rahmen des Arzt-Patienten-Gesprächs auch über die „Pille danach“ aufklären.

(Anmerkung: Auch das evangelikale Eimsbütteler Krankenhaus Elim verweigerte Abtreibungen)

FAZ, 18.01.2013
Christliche Kliniken entschuldigen sich bei Patientin
Eine Welle der Empörung ist über die beiden christlichen Kliniken in Köln hereingebrochen, die eine junge, offenbar vergewaltigte Frau abgewiesen hatten. Die Träger entschuldigten sich für das „Missverständnis“. Nun wird über rechtliche Folgen diskutiert. Rudolf Henke, der Vorsitzende des Ärzteverbands Marburger Bund, meldete sich am Freitagmorgen sowohl im Fernsehen zu Wort. Die Erklärungsversuche des Klinikträgers, es habe sich um ein Missverständnis gehandelt, hält Henke für nicht glaubhaft. Die Trägerin der beiden Krankenhäuser, die „Hospitalvereinigung St. Marien GmbH“, hat sich bei der abgewiesenen Patientin entschuldigt. Wieso es zu dem „Missverständnis“ kam, wird jedoch nicht erklärt. Offenbar gibt es ein internes Regelwerk mit dem Titel „Ethische Stellungnahme zur Notfallkontrazeption bei Patientinnen, die vermutlich Opfer eines Sexualdelikts geworden sind“. Dort wird dargelegt, dass die Kirche die „künstliche Verhütung einer potentiellen Schwangerschaft, auch nach einem vermuteten Sexualdelikt als schweres sittliches Vergehen“ wertet. Dass christliche Krankenhäuser ein Opfer von Sexualdelikten nicht abweisen dürfen, steht außer Frage. Aufgrund öffentlich-rechtlichen Auftrages sind sie zur medizinischen Versorgung und zur Sicherung der Tatspuren verpflichtet. Aber die Mitarbeiter christlicher Krankenhäuser unterliegen dem kirchlichen Arbeitsrecht. Daraus ergeben sich Besonderheiten auf dem Feld des Kündigungsrechts. Inwieweit sich das kirchliche Selbstbestimmungsrecht auch auf die ärztlichen Behandlungspflichten auswirkt, ist bislang nicht höchstrichterlich geklärt. Weil die Ärzte eine Behandlung von vornherein verweigert haben, drohen ihnen berufsrechtliche wie strafrechtliche Konsequenzen. Unklar ist noch, ob es eine Dienstanweisung gegeben hat. Davon hängt ab, wer sich letztlich vor Gericht verantworten muss.

Kommentar

Nach dem Kölner Krankenhausskandal will NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens katholischen Krankenhausbetreibern eine goldene Brücke zur »Pille danach« bauen. Zum Beispiel könnten externe Ärzte auf Vertragsbasis in den Krankenhäusern das Medikament verabreichen. Und das obwohl klar ist, dass in einer öffentlich finanzierten Einrichtung die allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen umgesetzt werden müssen. Und da weder die »Pille danach« noch der Schwangerschaftsabbruch noch Präimplationsdiagnostik strafbewehrt sind in Deutschland, haben alle öffentlich finanzierten Krankenhäuser die Pflicht, diese Leistungen anzubieten. Der Bau der klerikalen Krankenhäuser wird von den Bundesländern finanziert, außerdem erhalten diese Krankenhäuser Gelder aus privaten wie gesetzlichen Krankenkassen. Sie machen besonders hohe Profite, denn sie praktizieren mehr als andere Private Lohndumping und Outsourcing.

Kliniken mit angeschlossenem Ärztehaus (und MVZ) bieten ideale Voraussetzungen für Abrechnungs-Betrug: Bei den kassenärztlichen Vereinigungen gibt es daher „Stellen zur Bekämpfung von Fehlverhalten“.

FAZ, 17.01.2013
Klinik- und Ärzte-Betrügereien können für Patienten gefährlich werden
Zehntausende Fälle von Fehlverhalten im Gesundheitswesen zählt die Statistik für die vergangenen zwei Jahre: Rechnungen für Verstorbene, Manipulation von Rezepten, unnötige Behandlungen. Für die Patienten kann das gefährlich werden. Die Spielarten des „Fehlverhaltens“ sind vielfältig, manche für Patienten gefährlich. Etwa im Fall des Arztes, der Patienten zur Dialyse in seine Praxis bestellt haben soll, ohne dass die medizinisch einwandfrei als notwendig erwiesen war. Im Gesundheitswesen werden jährlich mehr als 250 Milliarden Euro umgesetzt, 180 Milliarden Euro davon zahlen die Kassen. Seit 2004 müssen alle Kassen und Kassen(zahn)ärztliche Vereinigungen sowie deren Spitzenorganisationen „Stellen zur Bekämpfung von Fehlverhalten“ unterhalten. Dort kann sich jeder melden, der glaubt, einen Betrug oder anderes Fehlverhalten entdeckt zu haben. Der Spitzenverband der Kassen hat die Möglichkeit geschaffen, dies anonym im Internet zu tun.

Hamburger Abendpost, 05.01.2013
Dietrich Wersich & Co. haften nicht
Die Elbphilharmonie und der Agaplesion-Bau auf einer privatisierten Fläche bleiben für Politiker ohne Konsequenzen.Als die Elbphilharmonie geplant wurde, galten 77 Millionen Euro noch als zu teuer, während für den Agaplesion-Bau in Eimsbüttel 100 Millionen eingeplant wurden. Doch weder die Kostensteigerung für die Konzerthalle noch das Verschwinden der öffentlichen Großfläche hat für die Politiker Konsequenzen. 2002 wurde der Agaplesion-Bau beschlossen, 2005 die Elbphilharmonie. In beiden Fällen mit Zustimmung von SPD, FDP und Grünen. Politische folgen haben diese Entscheidungen bis heute nicht. Immerhin führte das zur Diskussion über ein Transparenzgesetz in Hamburg. Dieses Gesetz, dass den Senat zwingt, die Dokumente seines Handelns im Internet zu veröffentlichen, ist inzwischen in Kraft.

Kommentar:
Selbstverständlich schreibt das Abendblatt nur über die Elbphilharmonie und nicht über einen klerikalen Konzern, weshalb man bei Abendblatt-Artikeln ständig hinzufügen muss, was konformistische Schreiber „vergessen“ obwohl sie es wissen. Man kann jetzt vielleicht einige der geheimen Abkommen zwischen Hamburg und der Agaplesion AG einsehen. Ob das wirklich so ist, muss noch überprüft werden. Im Fall der Elbphilharmonie fehlen viele Unterlagen oder sind geschwärzt – „wegen der Bedenken der privaten Vertragspartner“. Vor allem ältere Dokumente sind in der Datenbank nicht zu finden. Es ist immerhin möglich Anträge zu stellen. Wir würden zum Beispiel gerne die Verträge sehen, die der Rechtssenat (meistens Dietrich Wersich) mit der Frankfurter Agaplesion AG abgeschlossen hat. In der Öffentlichkeit wurde der Konzern-Name Agaplesion AG zehn Jahre lang verschwiegen. Man tat so, als sei das „Diakonieklinikum“ der Agaplesion AG ein lokales Stadtteilkrankenhaus.

Eliten wollen den Aberglauben fördern

Während Hunderttausende die Kirchen verlassen und Millionen Kirchenmitglieder nur aus Konformismus dabei sind, weshaln die Kirchen leer sind, zwingen die klerikalen Konzerne ihr Personal zur Kirchenmitgliedschaft, ohne zu glauben, dass diese abhängig Beschäftigten dann an etwas glauben. Esist ein reines Machtspiel. Und nicht zufällig sind heute rund 95 Prozent aller Parteipolitiker Mitglied in einer Kirche. Kirchen und „diakonische“ Kapitalgesellschaften sind heute das, was früher der Golfclub oder die Militärparade waren. Hier trifft man sich um im pastoralen Ton über politische Entscheidungen zu sprechen und hier kann sich die Mittelschicht, nicht zuletzt auf Kirchentagen, distinkt abgrenzen. Über „Gedenkgottesdienste“ wird heute ein großer Teil der neudeutschen „Erinnerungskultur“ abgewickelt, bei der es keine Täter gibt, sondern nur Opfer (Juden, Wehrmachtssoldaten, Bombenopfer), für die man eine Gedenkkerze anzündet. Die Eliten sind inzwischen so auf Religionsförderung eingestellt, dass die Richter eine säkulare Errungenschaft nach der anderen kassieren. Während in klerikalen Konzernen wie Agaplesion einer Kirche angehören MUSS, dürfen nun ZUGLEICH in säkularen Betrieben religiöse Symbole nicht mehr verboten werden. Kapitalistische herrschaft führt zum Verrat an der Aufklärung. Lieber Aberglaube als Befreiung. Wer hätte gedacht, dass dieses alte Spiel wieder so offen gespielt wird?

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2013
Mitarbeiter dürfen Kreuz um den Hals tragen
Arbeitnehmer dürfen darauf bestehen, bei der Arbeit eine Kette mit einem Kreuz sichtbar zu tragen. Das hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) zur Religionsfreiheit in Großbritannien entschieden. Die Straßburger Richter gaben damit einer Angestellten der Fluggesellschaft British Airways recht, die entgegen den bis 2007 geltenden Regeln ein Kreuz für alle sichtbar über ihrer Arbeitskleidung trug und deswegen suspendiert wurde. Damit habe die Fluglinie die Religionsfreiheit der Frau verletzt. Die Fluglinie beugte sich 2007 und erlaubt seither religiöse Symbole über der Kleidung. Der britische Premierminister David Cameron lobte das Urteil: „Ich freue mich, dass der Grundsatz, bei der Arbeit religiöse Symbole tragen zu dürfen, aufrechterhalten wurde“, schrieb er im Internetdienst Twitter. Mit ihrem Urteil haben die Straßburger Richter ein Grundsatzurteil zur Religionsfreiheit aus dem Jahr 2011 weiter ausgebaut. Darin entschieden sie, dass in italienischen Klassenzimmern Kruzifixe hängen dürfen, nachdem ein früheres Urteil mit einem gegenteiligen Ergebnis zu einem Aufschrei der Kirche geführt hatte.

Klerikale Konzerne

1919 ist es einem Bündnis aus SPD, KPD und Deutscher Demokratischer Partei gelungen, die klare Trennung von Kirche und Staat in der Weimarer Verfassung zu verankern. Dieses demokratische Postulat war nach der zweiten Reichstagswahl 1923 kein Thema mehr. Und danach nie wieder.

ARD, 08. Januar 2013
Agaplesion hat hohe Nebenkosten

Bernadette K. wurde als Leiterin eines christlichen Kindergartens entlassen, weil sie sich von ihrem Mann trennte und zu einem neuen Partner zog. Ehebruch. Ein Verstoß gegen die Loyalität zur ihrem Arbeitgeber, hatte die Kirche entschieden und ihr gekündigt. Wie Bernadette K. arbeiten weit über eine Million Menschen in sozialen Einrichtungen für die Kirchen – in Kindergärten, Krankenhäusern, Schulen und Altenheimen. Sie alle unterliegen einem besonderen Arbeitsrecht.
Doch wo Kirche draufsteht, ist häufig vor allem Staat drin. Denn für die klerikalen Firmen zahlt zum größten Teil die Allgemeinheit. Der Kindergarten, in dem Bernadette K. arbeitete, wird zu 100 Prozent aus öffentlichen Geldern finanziert. Die Allgemeinheit zahlt Milliardenbeträge, aber sie hat nichts zu sagen. Eva Müller hat in ihrem Buch „Gott hat hohe Nebenkosten“ und einer gleichnamigen Fernsehdokumentation, die am 25.3. im WDR-Fernsehen ausgestrahlt wurde, hinter die Kulissen von Deutschlands zweitgrößtem Arbeitsgeber geblickt. Sie schildert, wie die Kirchen immer mehr Einfluss gewinnen und was das für Arbeitnehmer bedeutet.

Siehe Video bei youtube: „Gott hat hohe Nebenkosten – Doku über die Besonderheiten kirchlicher Arbeitgeber. Der Fall Schaumburg betrifft die Agaplesion AG.

Filme über „diakonische“ Kapitalgesellschaften

Es gibt mehr Film-Kommentare zur Praxis der „diakonischen“ Konzerne als je zuvor. Allerdings bleiben die meisten davon immanent: Den klerikalen wird vorgeworfen nicht christlich genug zu sein. So argumentiert übrigens auch die Gewerkschaft ver.di. Manche „kirchenkritischen“ Sendungen sind auch richtig widerlich, zum Beispiel diese:

Sonntag, 3. Februar 2013, Günther Jauch, NDR
Im Namen Gottes – Wie gnadenlos ist der Konzern Kirche?
Gäste: Prälat Peter Neher (Präsident des Deutschen Caritasverbandes), Eva Müller (Journalistin), Martin Lohmann (Chefredakteur K-TV Katholisches Fernsehen), Bernhard von Tongelen (Gynäkologe). Thema: Krankenhäuser, Altenheime oder Kindergärten – die Kirchen, nach dem Staat zweitgrößter Arbeitgeber in Deutschland, bestimmen in ihren Einrichtungen die Regeln mehr als üblich. Nur wer den rechten Glauben hat, bekommt einen Job. Das Streikrecht ist eingeschränkt, Scheidung oder Homosexualität können ein Kündigungsgrund sein. Besonders brisant: die Vorgaben zur Behandlung von Vergewaltigungsopfern in katholischen Krankenhäusern. Stellen die Kirchen die Morallehre über die Nächstenliebe? (Diese dumme Frage gilt als Journalismus!). Welche Rolle spielen kirchliche Einrichtungen in unserem Sozialstaat? Sind die Sonderregelungen für die Kirchen im Arbeitsrecht noch zeitgemäß?

(Eine schlimme Sendung: Christliche Lebensschützer, vergleichbar mit den Islamisten, können ihre „Werte“ ausbreiten. Eine Grüne Ministerin wagt es nicht einen laizistischen Standpunkt zu vertreten. Niemand wagt es die Oligopole der Kirche in Frage zu stellen).

Weitere Filme:

28.01.2013, 22:45 ARD
Arbeiten für Gottes Lohn
Über Nächstenliebe reden Kirchekonzerne gern und viel. Doch viele ihrer Mitarbeiter vermissen genau diese Tugenden (?), wenn es um die Bedingungen an ihren Arbeitsplätzen geht. (Hinweis: „Nächstenliebe“ ist keine „Tugend“, sondern eine Drohung! Eine Drohung zur Rückkehr zur Abhängigkeit von „Gönnern“. Gegen die „Nächstenliebe“ muss man den Rechtsanspruch auf Hilfe verteidigen!).

30.01.2013, 22:50 NDR/extra3
Ist die Kirche noch zu retten? Ein Fall für unseren Ex-Messdiener Tobias Schlegl.

30.01.2013, 22:50 NDR/extra3
Gott hat die Faxen dicke. Ein Fall für Johannes Paul Schlüter, den Krisenmanager der Kirche.

Ostthüringer Zeitung, 07.02.13
Die „Diakonie“ schwimmt im Geld und spart an den Buchhaltern
Ein Buchhalter der Diakonie Sonneberg GmbH bekam drei Jahre Haft. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Leiter des Rechnungswesens der kirchlichen GmbH zwischen 2006 und 2011 insgesamt 700.000 Euro in die eigene Tasche wirtschaftete. Der 47-Jährige gestand, ab 1999 sogar 1,3 Millionen Euro veruntreut zu haben. Neben seinem mageren Monatsgehalt von 2000 Euro (Brutto!) habe er sich Beträge von bis zu 170.000 Euro im Jahr zusätzlich aus öffentlichen Mitteln überwiesen. Auch diese GmbH wird komplett aus öffentlichen Mitteln finanziert. Die Taten seien angesichts einer Jahresbilanz der christlichen Kapitalgesellschaft von 22 Millionen Euro einfach nicht ins Auge gefallen. „Es hat niemand nachgefragt“, sagte der Angeklagte.

Notiz:

Immer wenn Agaplesion wieder ein anders Unternehmen schluckt, wenden sich viele betroffene bei uns. Meistens bemerken wir solche Veränderungen schon an stark steigenden Zugriffen auf dieses weblog. In Bremen hat Agaplesion sich ein riesiges Krankenhaus einverleibt. Seither wenden sich Leser aus Bremen an unsere Kontaktadresse (siehe Startseite) und fragen zum Beispiel: Wer ist eigentlich Agaplesion? Ist die Rendite bei Agaplesion wirklich höher als die der Deutschen Bank? Hat Agaplesion etwas mit Scientology zu tun? Ist Agaplesion eine Sekte? Antworten sind meistens hier zu finden. Wenn es wichtig ist, antworten wir auch per Mail.

Eigene Meldung, 18. Februar 2013
Methodismus – der Glaube fürs Geschäftsleben
Michael Nausner, Professor für Systematische Theologie an der methodistischen Theologischen Hochschule in Reutlingen, definiert den evangelikalen Methodismus: „Die methodistische Bewegung im England war eine innerkirchliche Erneuerungsbewegung und legte deshalb den Schwerpunkt auf die heilvolle Veränderung des Lebens Einzelner. Der Methodismus ist die „katholische Variante des Protestantismus“. Die methodistische Erneuerung hat zum Ziel, »schriftgemäße Heiligung« über die Lande zu verbreiten. Es wird das protestantische Prinzip, wonach allein die Heilige Schrift entscheidend für das Heil ist, mit der katholischen Betonung der Heiligung des Lebens verbunden. Gemäß des methodistischen Erfahrungsverständnisses ist Gott in den alltäglichen Situationen menschlichen Zusammenlebens erfahrbar. Heiligung ist notwendigerweise »soziale Heiligung«. Das erlaubt es den Methodisten, sich den sozialen Herausforderungen der Gegenwart resolut zuzuwenden.“

Kommentar

Der Methodismus wird zur reinen Betriebswirtschaftslehre
Zwei evangelikale Sekten („Evangelischen Gemeinschaft“ und „Methodistenkirche“) gründetn vor 50 Jahren die Methodistenkirche „EmK“, die 2002 aus ihren diversen „Diakoniewerken“ 2002 die expansive Agaplesion AG gründen. Während die Konzerne der Methodisten boomen, schmilzt die Schar der Abergläugigen extrem zusammen und eine Kirche nach der anderen muss verkauft werden. Die Zahl der Lohnanhängigen bei Agaplesion dürfte bald die Zahl der Methodisten überschreiten. Viele von ihnen haben gut bezahlte Posten in den Konzrenen und Stiftungen der EmK. Eine immer größer werdende Zahl der Sektenmitglieder wird auf diese Weise direkt zu Ausbeutern der Arbeitskraft anderer, über die sie auch per Weisungsbefugnis persönlich herrschen. Bei den Methodisten führt das sichtbar zu einer Verhärtung und Verrohung der Einzelnen.

Heimatdichtung 2013

Deutsche Erinnerungskultur in Eimsbüttel und Eppendorf
Alle sind Opfer. Die einzigen Täter sind die britischen Bomberpiloten. Von Stolpersteinen für deutsche Bombenopfer wird vorerst noch abgesehen. Dafür gibt es Original-Nazi-Feuerwehr. Die Heimatforscher der Geschichtswerkstätten (Eimsbüttel)und Stadtteilarchive (Eppendorf) schaffen den zur deutschen Weltmachtstellung passenden zeitgemäßen Gemeinschaftsgeist auf lokaler Ebene:

Geschichtswerkstatt Eimsbüttel/Verein Hamburger Unterwelten
Als Eimsbüttel brannte
Der Verein Hamburger Unterwelten erinnert an den „Feuersturm“.
Wann? 08.06.2013 um 11:30 Uhr
Wo? Bunker Eidelstedter Weg 10
Vor 70 Jahren tobte in Hamburg der „Feuersturm“: Ende Juli 1943 trafen massive britische Bombardements auch Eimsbüttel; , große Teile der Viertel standen in Flammen. In ganz Hamburg starben etwa 30.000 Menschen. Der Verein Hamburger Unterwelten erinnert mit einer Veranstaltungsreihe in Eimsbüttel an die „Operation Gomorrha“.
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Der Bunker im Eidelstedter Weg 10 wird an drei Wochenenden für Führungen geöffnet – auch für Kinder gibt es spezielle Touren. Vieles ist noch im Originalzustand erhalten wie im Krieg. Die Geschichtswerkstatt Eimsbüttel zeigt eine Foto-Ausstellungen zum Bombardement Hamburgs. Am 19. Juni spricht der Historiker Joachim Szodrzynski über den Luftkrieg am Beispiel Hamburgs. Beginn 18.30 Uhr. Zur Eröffnung des Bunkers am 8. Juni wird ein historisches Löschfahrzeug präsentiert, wie es in den Feuersturmnächten im Einsatz war.

Geschichtswerkstatt Eimsbüttel
Gedenkwochen in Eimsbüttel
Wann? 06.06.2013 um 19:30 Uhr
Wo? Galerie Morgenland/Geschichtswerkstatt Eimsbüttel, Sillemstraße 79.
Die Geschichtswerkstatt lädt für den 6. Juni, 19.30 Uhr, zu einem Vortrag ein: „Gedanken über das Gedenken – Ein Monat des Gedenkens an die Opfer des NS-Regimes“. Referentin: Helga Obens. (Von Tätern soll keine Rede sein).

Kulturverein Eppendorf
Kunstausstellung Kunstklinik
Wann? 08.06.2013 ab 12:00 Uhr
Wo? KH Bethanien, Martinistraße 4
Im (evangelikalen) Bethanien-Krankenhaus (des aggressiv expandierenden Frankfurter Agaplesion-Konzerns) werden in den leerstehenden Krankenzimmern Kunstexponate zu sehen sein. Das Projekt Kunstklinik will dem (evangelikalen) Bethanien einen würdigen Abschied bereiten. Das Projekt Kunstklinik schweigt daher bewusst zu folgenden Themen: Die aktive Zustimmung der Methodisten zu Hitler, die evangelische Unterstützung der Euthanasie, die gewalt der Diakonissen gegen Heimkinder, die Zusammenarbeit der Bethanien-Holding (Agaplesion AG) mit dem Schill/Beust-Senat bei der größten Freiflächen-Privatisierung im Eimsbüttel (Sparbierplatz)..

Stattdessen betreibt das (von Agaplesion unterstützte) Projekt Kunstklinik Geschichtsklitterung durch folgende Aktion im Rahmen dieser Veranstaltung:

Geboren im Bethanien!
Wurden Sie im Krankenhaus Bethanien geboren, haben dort gearbeitet oder waren als Patient dort? Bringen Sie ein Bild oder anderes Dokument mit, das wir an unsere Erinnerungswand hängen dürfen. Die Erinnerungswand wird im Flur in der Patientenverwaltung hängen. Bitte ankreuzen: Ich bin im KH Bethanien geboren. Ich habe im KH Bethanien gearbeitet. Ich war Patient im KH Bethanien. Ich habe andere Erinnerungen ans KH Bethanien. Die Aktion GEBOREN IM BETHANIEN? findet in Zusammenarbeit mit dem Stadtteilarchiv Eppendorf (und der Agaplesion AG) statt. Senatorin Jutta Blankau und Bezirksamtsleiter Harald Rösler sprechen zur Eröffnung.

(wird fortgesetzt)

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Zwischenberichte ab Januar 2012

AGAPLESION-KONZERN: Mehr Rendite als die Deutsche Bank! Und auch noch steuerfrei!

■■■ „Die Eigenkapitalrentabilität des Agaplesion-Konzerns beträgt 27,4%.“
(Konzernlagebericht der Agaplesion AG)

„Agaplesion-Vorstandsvorsitzender Bernd Weber ist Manager des Jahres 2011“
(kma-Magazin – Managementwissen für die Gesundheitswirtschaft, 16.11.2011)

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Zwischenberichte ab Januar 2011

Hinweis: → Die Seiten „Zwischenberichte 2011“ und „Zwischenberichte 2012“ sind noch nicht vollständig, weil wir seit der Inbetriebnahme der Agaplesion-Klinik im Frühjahr 2011 viel Zeit in die kommentierte Foto-Dokumentation auf unserer Flickr-Seiten investierten. Durch die dadurch bewirkten Ereignisse (Presse-Reaktionen, Repression durch Agaplesion) hatte sich der Schwerpunkt unserer Veröffentlichungen zeitweise auf Flickr verlagert. Die von uns angestrebte Kontextualisierung der lokalen Auseinandersetzung mit den anderen sozialen, politischen und ideologischen Ereignissen, konnten wir seit 2011 nicht in dem Umfang leisten, wie es notwendigen gewesen wäre. Was fehlt, wird noch nachgetragen.

→ Nachtrag der IGDRA (2013): wegen der Drohungen der Agaplesion AG musste die Sparbier-Initiative ihre Flickr-Alben (es waren Konzept-Alben: nach dem Vorbild von Storyboards strikt gegliederte Foto-Serien mit ausführlichen Kommentaren) komplett löschen. Dadurch sind besonders wichtige Kommentare zu den Eimsbütteler Zuständen ab 2011 verschwunden. Wir werden diese Storyboards wieder zugänglich machen.

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Schrumpfende Räume im Neoliberalismus
Kommentiert:Die Qualitätspresse über die Klinik-Einweihung
Elim-Abriss
Agaplesion-Theokrat Bernd Weber geht in Rente
Leiharbeit und Schwarzarbeit in der Holding Alten Eichen
Notfallübung vor der Agaplesion-Klinik verletzt alle Standards

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Zwischenberichte ab Januar 2010

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Zwischenberichte ab Januar 2009

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Zwischenberichte ab 8-2008

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