Zwischenberichte ab Januar 2011

Hinweis: → Die Seiten „Zwischenberichte 2011“ und „Zwischenberichte 2012“ sind noch nicht vollständig, weil wir seit der Inbetriebnahme der Agaplesion-Klinik im Frühjahr 2011 viel Zeit in die kommentierte Foto-Dokumentation auf unserer Flickr-Seiten investierten. Durch die dadurch bewirkten Ereignisse (Presse-Reaktionen, Repression durch Agaplesion) hatte sich der Schwerpunkt unserer Veröffentlichungen zeitweise auf Flickr verlagert. Die von uns angestrebte Kontextualisierung der lokalen Auseinandersetzung mit den anderen sozialen, politischen und ideologischen Ereignissen, konnten wir seit 2011 nicht in dem Umfang leisten, wie es notwendigen gewesen wäre. Was fehlt, wird noch nachgetragen.

→ Nachtrag der IGDRA (2013): wegen der Drohungen der Agaplesion AG musste die Sparbier-Initiative ihre Flickr-Alben (es waren Konzept-Alben: nach dem Vorbild von Storyboards strikt gegliederte Foto-Serien mit ausführlichen Kommentaren) komplett löschen. Dadurch sind besonders wichtige Kommentare zu den Eimsbütteler Zuständen ab 2011 verschwunden. Wir werden diese Storyboards wieder zugänglich machen.

Inhalt dieser Seite
(wird noch verlinkt)
Schrumpfende Räume im Neoliberalismus
Kommentiert:Die Qualitätspresse über die Klinik-Einweihung
Elim-Abriss
Agaplesion-Theokrat Bernd Weber geht in Rente
Leiharbeit und Schwarzarbeit in der Holding Alten Eichen
Notfallübung vor der Agaplesion-Klinik verletzt alle Standards

Schrumpfende Räume

Die jetzt in der Finanzmarkt- und Schuldenkrise endenden „neoliberalen Reformen“ haben die Handlungsmöglichkeiten und den Bewegungsraum von vielen Menschen eingeengt. Ihre Welt ist kleiner geworden. In Hamburg-Eimsbüttel ist durch die Privatisierung einer riesigen öffentlichen Freifläche und ihre Bebauung mit einer Agaplesion-Filiale der Raum auch ganz real geschrumpft.

Der Neoliberalismus ist gescheitert

Die marktradikale Offensive, die drei Jahrzehnte andauerte und für die sich der Begriff ‚neoliberal’ bzw. ‚Neoliberalismus’ durchgesetzt hat, ist nicht vorbei, aber sie geriet mit der Finanzkrise ab 2008 ins Stocken. Seit sich die Banken gegenseitig keinen Kredit mehr geben ohne Staatsgarantie, ist die liberal-konservative Sprache der Marktradikalen als Tarnumhang kenntlich, der den ohnehin schon Reichen und Mächtigen dazu diente, sich ihre Vorteile zu sichern.

Obwohl sich diese Richtung trotz Finanzmarktkrise immer wieder reetablieren konnte (zuletzt im Fall Griechenland, wo man eine radikale Privatisierungspolitik als Krisenlösung propagiert), ist ihre Hegemonie inzwischen nicht mehr unumstritten. An diese ideologische Leerstelle tritt nun aber keine grundsätzliche Marktkritik. Auch die vor allem von der Regierung Schröder (1998-2005) bzw. in Hamburg vom Beust-Senat (2001-2011) durchgesetzten marktradikalen Entscheidungen (Abschaffung aller Steuern bei Firmenverkäufen, Privatisierung von Post, Bahn, Energie und Krankenhäusern, Altersvorsorge über den Kapitalmarkt, Hartz-IV) werden nicht zurückgenommen. Angeboten wird als systemimmanente Alternative das Schlagwort von der „guten alten Sozialen Marktwirtschaft“ und im Milieu der korporatistischen Industriezweige (Chemie, Metall) wird der „Rheinische Kapitalismus“ der Adenauer/Erhardt-Zeit beschworen. Doch selbst wenn das jemand wollte: Beides ist nach Jahren der „Deregulierung“, „Privatisierung“ und „Finanzialisierung“ des Alltagslebens so nicht mehr zu haben.

Der Neoliberalismus trat auf den Plan, als mit dem fordistischen Fabriksystem keine Wachstumssteigerung mehr zu erreichen war. Er entstand als kapitalistische Reaktion auf die Krise der gesellschaftlichen Verhältnisse des Fordismus und der anderen sozialen Pfeiler, auf denen das Industriekapital beruhte. Die Finanz- und Schuldenkrise ist wiederum nichts anderes als die Krise dieses Neoliberalismus. Er ist gescheitert, weil er in Wirklichkeit die Produktion nicht entwickelte.

Neoliberalismus war nur Umverteilung

Alle zentralen Merkmale neoliberaler Politik – starke private Eigentumsrechte und schwache Arbeitnehmerrechte, Privatisierung von Gemeingütern sowie Freihandel – konzentrieren sich nur auf den Handel und auf die Umverteilung von Reichtum. Neoliberalismus war und ist vor allem Umverteilung mittels Privatisierung öffentlicher Einrichtungen, Flutung der Finanzmärkte durch den Zwang zur „Finanzialisierung“ der Renten und Enteignung von Mitteln der Arbeitslosenversicherung. Weltweit gesehen wurde neoliberaler Reichtum besonders dadurch generiert, dass man die früheren Ostblockstaaten ausweidete und die nationalisierten Industrien in der Dritten Welt wieder privatisierte (das wird jetzt auch in Libyen geschehen).

Die Finanzindustrie hat die Krise um einige Jahre hinausgeschoben, indem sie im Intrabankenhandel gewaltige Geldmengen generierte, mit denen zum Beispiel das Lohndumpingland BRD die Käufermärkte in anderen Ländern (EU, Osteuropa, Schwellenländer) bis zu deren Insolvenz vorfinanzierte, was unter anderem zur Euro-Krise führte.

Anders als etwa 1929 ging diese Krise daher auch nicht von der Börse aus. Die Börse ist heute nicht mehr die Kommandoebene des Kapitals. Das sind die Investmentbanken, Finanzinvestoren und Rating-Agenturen. Mit einem Börsenkrach war niemals ein System-Risiko verbunden und vor allem nicht die Gefahr einer langjährigen Depression. Dass es diesmal „ums Ganze“ geht und Finanzinstitute als „systemrelevant“ gelten, hängt damit zusammen, dass nur noch das flexible, mobile und operativ durchaus außerhalb der (keineswegs unbeteiligten) „Realwirtschaft“ stehende Finanzsystem in der Lage ist, den sich rasant verändernden gesellschaftlichen Produktionszyklen der „postindustriellen“ Ökonomie zu folgen und Reichtum daraus zu extrahieren sowie das Kommando zu übernehmen. An dem Vorbild dieses Finanzsystem sind heute nicht nur alle anderen Märkte orientiert, es hat auch gewaltsam die Lebenswelt von Millionen Menschen durchdrungen (vom „Benchmarking“ öffentlicher Einrichtungen bis zur privaten Rentenvorsorge) und die Mentalitäten verändert.

Die Agaplesion AG profitierte vom Neoliberalismus

Privatisierung öffentlicher Einrichtungen, „verdichtendes Bauen“ auf wertvollen Grundstücken, Deregulierung der Arbeitsverhältnisse, Lohndumping, diktatorische Kontrolle der Erwerbslosen, vorgezogenes Abitur, Aufhebung der Ladenschlussgesetze, Schließung von Postfilialen und die Entgrenzung der Finanzwirtschaft, darin bestand das neoliberale Programm. Alle diese Maßnahmen stellen einen einheitlichen Prozess dar, der vorerst in der Finanz-, Schulden- und Eurokrise endete.

Auch die Privatisierung der letzten großen öffentlichen Freifläche in Eimsbüttel und ihre Bebauung mit einer Filiale der evangelikalen Agaplesion AG steht in diesem Zusammenhang. Sie war nur möglich, als die Hegemonie der Marktradikalen noch ungebrochen war. Auch die Gründung dieser evangelikalen Aktiengesellschaft im Frühjahr 2002 geschah vor diesem Hintergrund, denn auch die christlichen Heilsunternehmen wollten Teil dieser neuen Ökonomie sein und von der neoliberalen Umverteilungs- und Privatisierungspolitik profitieren.

Jetzt hat genau die Politik, der Agaplesion einen riesigen Vermögenszuwachs bescherte, abgewirtschaftet, weil sie zwar dazu in der Lage war, öffentliche Einrichtungen zu privatisieren und Reiche noch reicher zu machen, aber nicht dazu, die Produktion von neuem Reichtum anzukurbeln: Auch unter neoliberaler Vorherrschaft sind die Wachstumsraten gefallen.

Die demagogischen Lautsprecher dieser Politik sind von den politischen Bühnen entweder abgetreten oder deutlich kleinlauter geworden. Die pragmatische Realpolitik der Gegenwart verdeckt kaum die gähnende ideologische Leere, wenn die Frage nach der Rationalität des Ganzen auftaucht oder über das „Leistungsprinzip“ gesprochen wird. Die Krise der sogenannten bürgerlichen Politik ist offensichtlich. Der Neoliberalismus hat den Glauben an die „Leistungsgerechtigkeit“ zerstört und damit die zentrale Legitimation sozialer Unterschiede untergraben. Märkte – und insbesondere Finanzmärkte – belohnen nicht Leistung, sondern Markterfolg. Das ist keine gute Nachricht für die Vielen, die gehofft haben, Emsigkeit und Konformismus würden Sicherheit in die Lebensplanung bringen.

Man muss hier nicht mehr aufzählen, was geschah, wer alles an den Schalthebeln der Macht saß, als man der Agapl€sion AG ein Sahnegrundstück und Millionen für dessen Bebauung hinterher warf. Der Zusammenhang mit der Finanzkrise bzw. mit dem Denken und den Praktiken, die dieser vorausgingen, ist evident, zumal wenn man daran erinnert, dass die damals nicht im Haushalt vorgesehenen zusätzlichen öffentlichen Mittel von 40 Millionen Euro zur Finanzierung der Extrakosten einer Baus an dieser Stelle ohne die Spekulationsgewinne der staatlichen HSH-Nordbank kaum möglich gewesen wäre.

Folgen des Agaplesion-Baus gehören zur Krisenerfahrung 

Der Agaplesion AG kann die Finanzkrise, von deren Vorgeschichte sie profitierte, egal sein, denn diese Parteigänger der marktradikalen Privatisierungspolitik agieren selbst ja nur an Pseudomärkten. Sie finanzieren sich nicht am Markt, sondern durch staatliche Zuwendungen. Ihr Profit entsteht durch die ständige Ausdehnung der Geschäftstätigkeit, die Aneignung öffentlicher Grundstücke zu bloß symbolischen Pachtpreisen, die Entwicklung neuer „Angebote“ in Konkurrenz zu anderen Einrichtungen und die kalkulatorische Unterbietung der Preise, die mit den Kassen ausgehandelt werden (Löhne zum Kirchentarif, Rationalisierung mittels staatlich finanziertem Maschinenpark und „optimiertem“ Neubau).

So wenig wie die damals für diese Politik politisch Verantwortlichen und so wenig wie die Banker selbst, übernimmt diese AG heute irgendeine Verantwortung für das damalige Geschehen, das jetzt in der Finanz- und Schuldenkrise endete. Im Gegenteil: Während die Entwicklung bei einigen Banken in der flehentlichen Bitte um Verstaatlichung endete, feierte man in Hamburg-Eimsbüttel die Fertigstellung und Inbetriebnahme einer Klinik-Filiale auf privatisierten Grund unter der Regie der Agaplesion AG. Einer der firmeneigenen Manager-Pastoren dankte Gott für den Geldsegen, damit dessen sehr irdische Quelle möglichst im Hintergrund bleibt.

Man setzt darauf, dass die mit öffentlichen (!) Geldern finanziertePrivatisierung dieses öffentlichen Raumes von der Mehrheit der Betroffenen als unentrinnbares Schicksal begriffen wird. Tatsächlich aber verschärfen die Realisierung und Inbetriebnahme dieses Baus an dieser Stelle bei der betroffenen Öffentlichkeit die mit der Finanz- und Schuldenkrise einher gehende Krisenerfahrung.

Die Folgen von denen wir hier sprechen, bestehen nicht nur aus der Verschlechterung der allgemeinen Lebens- und Wohnbedingungen und den unmittelbar mit diesem privaten Klinikbau verbundenen Belästigungen und Einschränkungen. Der Bau an dieser Stelle drückt vielmehr zusätzlich auf ein ohnehin bedrückendes Lebensgefühl, das durch die marktradikalen „Reformen“ bewirkt wurde: Die Chancen für einen Job von dem man leben kann, eine bezahlbare Wohnung, eine ausreichende Rente, eine gute Ausbildung der Kinder, für die Bildung finanzieller Reserven etc. werden immer kleiner.

Mit den zunehmend eingeschränkten materiellen und politischen Handlungsmöglichkeiten zieht sich die Welt in der man lebt, ständig weiter zusammen. Und dieses Gefühl wurde nun in Hamburg-Eimsbüttel durch die Privatisierung und (dichte) Bebauung der letzten großen Freifläche zu einer körperlichen und psychischen Erfahrung real schrumpfender Räume. Der geschrumpfte Raum hat hier einen Namen: Agapl€sion AG!

Die mit dieser Schrumpfung einher gehende Senkung von Standards der Lebensqualität für Wohnbevölkerung und Patienten verdeutlicht die Praxis einer rigorosen Abwälzung der Folgen eines aus Profitgründen angeeigneten öffentlichen Raumes auf andere.

Diese Folgen werden auf diesen Seiten als Sozialgeschichte einer Privatisierung und Bebauung des öffentlichen Raumes dokumentiert.

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DIAKONIE Berichte 2011

Die Presse zur Einweihung des Agaplesion Diakonieklinikums Hamburg am 14.01.2011
(Teil 1)

Zum Hintergrund der Pressemeldungen

Noch nie gab es so viele Negativschlagzeilen über das organisierte Staatschristentum und das „diakonische“ Firmenimperium. Vom Missbrauch über evangelikalen Fundamentalismus bis zum Lohndumping – seit einigen Jahren wird über „die Diakonie“ erstmals etwas zutreffender berichtet als das früher der Fall war. Im „Stern“ stand kürzlich der Vergleich mit Schlecker, vorher war schon der Vergleich mit Lidl verbreitet. Es hat sich inzwischen durchaus rumgesprochen, wie diese Heilsunternehmen agieren. Und wie sie dabei „rücksichtslos zum Schutz des eigenen Standes“ (FAZ) dicht halten um jede Aufklärung möglichst zu verhindern.

Die Presseberichte über die Einweihung des noch nicht fertigen Agaplesion Diakonieklinikums Hamburg erfolgten vor diesem Hintergrund. In den lokalen TV- und Printmedien sind die Negativberichte bekannt, auch wenn ihr eigener Anteil daran gering ist. Außerdem weiß man in den Redaktionen, dass der Agaplesion-Bau auf dem einst kommunal-öffentlichen Platz in Hamburg-Eimsbüttel seit Jahren umkämpft und umstritten ist. Selbst dem dümmsten Event-Reporter kann das nicht entgangen sein.

Andererseits: „Die Diakonie“ ist weiterhin ein mächtiger Apparat, ein Netzwerk mit besten Verbindungen zur politischen Klasse und zum wohlhabenden Bürgertum. Agaplesion-Hamburg hat innerhalb dieses Netzwerkes nicht nur wegen seiner Größe eine herausgehobene Rolle. Torsten Schweda, Vorstandsvorsitzender im Aufsichtsrat des Unternehmerverbandes „Diakonisches Werk Hamburg“ sitzt auch im Aufsichtsrat der Agaplesion AG.

Zugleich gibt es parallel zu den „Skandal“-Meldungen fast täglich Meldungen über die „guten Taten der Diakonie“, die von der PR-Maschine der Diakoniezentrale in den Medien lanciert werden. Von der (staatlich finanzierten) Haiti-Hilfe bis zur Beschwerde, dass es seit dem Ende der Wehrpflicht an Zivis mangelt. Fast täglich wird irgendwo ein christlicher Kindergarten, ein (Luxus-) Altenheim, eine Klinik, eine Drogenberatung, eine Arbeitslosenberatung und was auch immer eröffnet. All das wird staatlich finanziert und erfolgt im staatlichen Auftrag, was weltweit absolut einmalig ist. Alle diese Tätigkeiten sind ganz ordinäre „diakonische“ Geschäftszweige, die zumal besonders konkurrenzfähig sind, weil die „Kirchentarife“, die man den rechtlosen Beschäftigten zahlt, von der privaten Konkurrenz nicht zu unterbieten sind. Doch der Mythos vom „Wohlfahrtsverband“ ist hartnäckig, weil er politisch gewollt ist.

Die „diakonischen“ Konzerne drängen mit staatlicher Hilfe in immer mehr Bereiche, die eigentlich kommunale Aufgaben sind. Sie entziehen diese Aufagben damit der öffentlichen politischen Kontrolle und errichten stattdessen ihre Willkürherrschaft mit Streikverbot und Zwang zur Kirchenmitgliedschaft.

Die Medien, die wohl in keinem Land so angepasst sind wie hier, tragen diesen Staatswillen unkritisch mit. Kritik gibt es hier nur in sehr engen Grenzen. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat man sie meistens in besondere TV-Magazine ausgelagert. Manchmal macht eine Illustrierte oder eine Wochenzeitung einen „Skandal“ zu Thema. Aber auch dabei orientiert man sich strikt am Erlaubten. Der Maßstab, der angelegt wird, um festzustellen, ob etwas ein Skandal ist, führt immer zurück in die Sackgasse der Immanenz.

Das Muster dieser Skandalisierung zeigt sich derzeit besonders gut beim Thema Leiharbeit: Man findet sie im Prinzip okay. Nur wenn gleich die ganze Belegschaft entlassen und als Leiharbeiter wieder eingestellt wird, denn dürfen „Panorama“ oder „Stern“ einen Skandal ausrufen.

Kirchengerichte

In diesem Rahmen bewegt sich auch die Kritik an „der Diakonie“, die man nicht als Unternehmensverband wahr nimmt, sondern als Wohlfahrtseinrichtung. Es ist eine Kritik, die fast immer in dem Vorwurf gipfelt, das Verhalten der Christenkonzerne sei irgendwie nicht richtig christlich. Man hält dem konkreten Tun dieser Firmen ein Ideal entgegen, gerade so als sei man selbst die Kirche. Alles darf nur als Abweichung vom richtigen Gottesweg dargestellt werden. Jeder „investigative“ Journalist gebärdet sich da sofort päpstlicher als der Papst, und man scheut sich nicht einmal, Urteile von „Kirchengerichten“ zu zitieren, die angeblich Leiharbeit verbieten. Niemand kommt auf die Idee, dass die Existenz von Kirchengerichten ein ähnliches Übel ist wie die islamische Scharia, dass sie in einem säkularen Gemeinwesen schlicht verboten gehören. Die Deutschen stehen seit der franzözischen Revolution mit der Aufklärung immer auf Kriegsfuß. Die Grundsätze einer aufgeklärten Zivilsiation sind deutschen Journalisten nicht vertraut.

Profit statt Nächstenliebe„, „unchristliche Diakonie“ – das sind die Vorwürfe. Mehr ist nicht drin in diesem Land. Kaum jemand wagt zu sagen: „Genau so sind sie, die christlichen Konzerne. Wir erleben nicht eine Abweichung von einer guten Ideee, sondern wir sehen die Idee selbst in Aktion. Sie sind hart und mitleidslos, diese Christenfirmen. Aus Überzeugung. Hier will eine Gruppe von Priestermanagern auf Kosten andere ein pralles Leben führen. So war es immer schon. Das ist das klerikale Selbstverständnis. Sie halten zusammen und decken sich gegenseitig, sei es bei Vergehen an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen oder beim Geschäft. Der rücksichtslose Schutz des eigenen Standes ist ihr oberstes Gesetz.

Sie können einen Mißbrauchsfall aufdecken oder einen Fall von Lohndumping, aber sie schwören, dass sie damit nur die Kirchen und die Diakonie vor sich selbst retten wollen.

Die Häufung der Negativmeldungen über Kirche und Diakonie verändert nur langsam die Sicht auf dieses immer weiter wachsende klerikale Imperium. Weil die „diakonischen“ Praktiken immer härter werden, gibt es eine gewisse Verschiebung in der Wahrnehmung, aber wenn es darauf ankommt, funktioniert die Erzählung vom „Hilfswerk“ weiterhin.

Das ist der Hintergrund, vor dem die Medienberichte über die „Einweihung“ einer Klinik zu sehen sind, die sich erst seit einigen Wochen als Filiale eines bundesweit expandierenden evangelikalen Konzerns zu erkennen gibt, der sich Nächstenliebe AG nennt.

Das Krankenhaus im Kinderbuch

Eine weitere Einschränkung kommt hier schon vorab hinzu: Wenn heute über eine neue medizinische Einrichtung berichtet wird – und insbesondere wenn es dabei um ein Krankenhaus geht – „vergessen“ die sonst so „neoliberal“ orientierten Medien, dass es sich hierbei um einen Gesundheits-MARKT handelt, also um Geschäftsgründungen. Obwohl alle die Herausbildung dieses Marktes begrüßen, fallen sie, wenn es konkret wird, auf eigenartige Weise zurück in eine Kinderbuchwelt, wo der Onkel Doktor aus reiner Menschenliebe zu den Kranken kommt.

Die Eröffnung einer Klinik wird grundlos, aber ganz selbstverständlich als Eröffnung einer medizinischen Einrichtung gesehen, die einen BEDARF decken soll. Wenn genau gegenüber von Budni noch eine Schlecker-Filiale eröffnet, weiß jeder, dass es hier um Standortkämpfe geht und nicht um Bedarfsdeckung. Wenn gegenüber der Uniklinik eine privatwirtschaftliche klerikale Klinik eröffnet, ist dieses Wissen sofort vergessen. Auf jeden Fall – und das ist schon bezeichnend – wird in keinem einzigen Bericht über Agaplesion-Hamburg die Frage gestellt, wer dieses Hospital an dieser Stelle braucht, woher die Patienten kommen sollen, wie groß der Einzugsbereich ist und wie es zu diesem Standort kam. Es wird nicht einmal gefragt, warum es, obwohl der Klinikbau 12 Jahre „zu spät“ kommt, bislang keine Klagen gab, warum also niemand in Hamburg auf diese Klinik gewartet hat. Fakt ist: Die Nachfrage für die Agaplesion-Filiale muss erst erzeugt werden. Dazu wird gehören, dass man vorhandenen Kliniken und Ärztehäusern Patienten abspenstig macht.

All das kommt in den Medienberichten so wenig vor wie die Frage nach dem Sinn eines Krankenhauses, dass dort nur steht, wo es vorher eine riesige Fläche gab, die der Erholung diente. Schon bei der Anfahrt konnte jeder Lokalreporter sehen, dass da etwas nicht stimmt. Das Gebäude wurde zwischen einen Sportplatz und laute Straßen gegequetscht. Jeder sieht sofort, dass es hier zu eng und zu laut ist und dass es für die Patienten keinen Auslauf gibt, keinen Hof, keinen Garten, keinen Grashalm.

Worüber also schreiben?

Zunächst: Die Schreiber schreiben nicht mehr. Wie man der nächsten Seite entnehmen kann, bestehen alle Texte weitgehend aus der wortwörtlichen Wiedergabe der Pressemappe. Eigene Beobachtungen oder gar Gedanken kommen nicht vor. Die Vorlage wird lediglich etwas variiert. Es gibt heute Software, die das nicht schlechter machen würde. Das man trotzdem Menschen schickt, hängt nur damit zusammen, dass sie es sind, die entscheiden, welche PR in welchem Umfang ins Blatt oder in den Sender kommt. Schreiben müssen sie deswegen kaum etwas. Man begleitet nur den Weg der PR ins Blatt. Das ist ein soziales Ereignis, kein journalistisches. Die Interessenten müssen Beziehungen knüpfen, um etwas vom Raum der begrenzten Fläche abzubekommen. Nur deshalb fahren Leute, die nicht vorhaben, wirklich zu beobachten oder zu berichten, morgens um 11 zu einer Pressekonferenz in das Klinikum, wo es Kaffee und belegte Brötchen und abgestandene Formeln von Dietrich Wersich gibt, vor allem aber eine Mappe mit einer Foto-CD und mit schon vorproduzierten Texten.

Ein solcher Pressetermin ist stinkweilig. Niemand verbummelt dort gerne seine Zeit, zumal alles schon in den Papieren steht. Von zehn geladenen Medien sind dann auch nur sechs gekommen. Bei der Durchsicht der Pressemappen war sofort klar, worin der „Aufhänger“ bestehen wird: Angela Merkel wurde im Elim-Krankenhaus geboren. Das stand schon 1000 Mal im Abendblatt, meistens direkt neben dem Bericht über die Wahl der Heidekönigin. Das Elim gibt es seit Jahren nicht mehr, weil es insolvent war. Der Agaplesion-Konzern hat die Konkursmasse aufgekauft und den Namen weiter laufen lassen. Agaplesion hat also mit dem Elim wenig zu tun. Aber das interessiert jetzt nicht. Die Sache mit Merkel ist ein Plot. Der muss rein, in die Headline oder als Zwischentitel. Damit steht schon ein Drittel des Artikels.

Die Eröffnung einer Klinik ist nicht unbedingt ein Renner im Mediengeschäft. Die Eröffnung eines neuen Saturn-Megastores gibt da mehr her. Es war daher klar, das es dafür nur etwas Platz gibt, wenn es außer der Wiederverwendung der alten Merkel-Geschichte noch einige Superlative gibt. Dummerweise ist der Bau nicht besonders ansehnlich.

Es hat sich auch herum gesprochen, dass das PR-Foto von der Rückfront ein digitaler Fake ist. Im AK Barmbeck und in der Uniklinik, wo man Platz hat, sind die Eingangsbereiche wie Flughafenhallen. Da gab es wenigstens leicht futuristische Bilder. Agaplesion-Hamburg ist hingegen eine dunkle Kiste mit niedrigen Decken in einer engen Umgebung.

Woher also die Superlative nehmen? Bei einem Bau, wo es die Patient nicht wagen können, ein Fenster aufzumachen und der so sichtbar einen Platz der Erholung verdrängt hat? Auf der CD gibt es ein Farbfoto von der Firma Olympus. Es zeigt einen in rötliches Licht getauchten OP voller glänzender Instrumente. Laut Firmenwerbung ist es gerade ein „OP der Zukunft“. Das Foto zeigt einen Mann, der die OP-Liege hoch und runter fährt. Er steht dabei an einem Bildschirm. Wow! Fernsteuerung!! Das ist es! Superklinik! Stichwort „Touchscreen„. Unglaublich!

Zwar hat jeder der Presseleute selbst ein Smartphone in der Tasche und weiß daher, dass ein „Touchscreen“ nicht wirklich sensationell ist, aber das reicht doch schon für die Meldung: „Hamburgs modernste Klinik“. In der Pressemappe gibt es noch Steigerungsvorschläge: „Modernste Klinik des Universums“. Wegen des Touchscreens. Man einigt sich auf: „Modernste Klinik Europas.“ Denn in der Agaplesioniliale gibt es WLAN. WLAN! Superklinik! Zwar gibt es WLAN in jeder Redaktion und in fast jeder Wohnung, aber wer hätte gedacht, dass das auch in einer Klinik funktioniert? Außerdem haben die dort Laptops. Keine PCs auf Rädern. Man stelle sich das einmal vor: Ein Arzt mit einem Laptop! Am Krankenbett! Der Artikel steht nun: Merkel, Touchscreen, WLAN.

Nichts davon muss man selber schreiben. Alles ist bereits fertig im Press Kit zu finden. Die Artikellänge erfährt man später vom CvD. Aber egal ob 50, 100 oder 150 Zeilen: Merkel, Touchscreen und WLAN bleiben auf jeden Fall drin. Klar, der Bau steht auf einem Sportplatz und der restliche Fußballplatz direkt neben der vergitterten Empfangshalle wirkt ziemlich strange, aber auch dafür gibt es schon eine fertige Formulierung in der Pressemappe: „Die benachbarten Sportplätze mussten umgestaltet werden.“ Alle ist schon fertig da.

Die Kritik des Journalismus

leidet daran, dass es ihren Gegenstand eigentlich nicht mehr gibt. Den unverhüllten PR-Journalismus, der sich in letzten Jahren noch einmal rasant ausgebreitet hat, mag man als solchen nicht mehr bezeichnen, weil der Begriff „PR-Journalismus“ noch mit einer Vorstellung von vorsätzlichem Handeln einher geht. Aber vielen Leuten, die heute beim Abendblatt oder bei der Mopo, beim NDR oder bei Sat1 tätig sind, würde man damit Gedanken unterstellen, die sie sich überhaupt nicht machen. Die unveränderte Wiedergabe einer kommerziellen oder staatlichen Presseerklärung ist ihnen so selbstverständlich, dass sie erstaunt wären, wenn man ihnen unterstellte, sie würden damit eine Absicht verfolgen.

Sie wissen instinktiv, welche Presseerklärung sie auf keinen Fall drucken würden und welche auf jeden Fall. So wie ihr Job organisiert ist, kommt es darauf an, keine unnötige Reibung zu erzeugen. Sie wissen, dass der Slogan „Merkel im Elim geboren“ flutscht. Sie würden auch eine Meldung wie: „Ganze Belegschaft durch Leiharbeiter ersetzt“ bringen, weil sie flutscht. Wird aber eine Klinik auf einer öffentlichen Fläche gebaut, dann wissen sie nur noch, dass WLAN die absolute Sensation ist.

Sie – das sind meistens immer wieder ganz neue Leute. Der Kollege, der letztes Jahr hier war, ist nicht mehr dabei. Wo es kein Gedächtnis gibt, flutscht es besonders gut. Allerdings: Manchmal macht sich bemerkbar, dass diese Handelsvertreter für Lokalnachrichten auch zu denen kein richtiges Verhältnis haben, denen sie dienstbar sein wollen. Sie folgen einer medialen Eigenlogik. Sie wollen und müssen gut stehen mit den Mächtigen, von denen es die fertigen Pressemappen gibt und bei denen die Entscheidungen fallen, aber davon gibt es viele und am Ende muss die Mischung stimmen, denn sie betreiben immerhin ihr eigenes Geschäft. Da können partikulare Kundenwünsche auch mal zu kurz kommen.

Der Lokalreporter kommt mit Fotografen an, die wie die Wahnsinnigen alles in ein Blitzlichtgewiter tauchen. Geschmeichelt posieren Sozialsenator und Klinikbetreiber vor dem Pulk der Kameras. Und dann: Kaum ein Bild erscheint! Der CvD hat die Sache eingedampft. 50 Zeilen und eine grelle Überschrift. „Super! Gelbe Wanne! Touchscreen! WLAN!, Merkel!.“ Fertig. So sexy ist ein Krankenhaus nun auch wieder nicht. Eine Geburt vielleicht. Auch Krebs, aber nur wenn das den Artikel daneben nicht ruiniert.

Trotzdem wird für ein 100-Millionen-Projekt eine Ecke freigeschaufelt. Im Boulevard (Bild, Mopo) ist sie besonders klein, bei den anderen etwas größer. Das klärt die Gesundheitsbehörde mit dem Chefredakteur. Ein „Bericht“ über die Eröffnung einer weitgehend staatlich bezahlten Klinik ist ja auch eine Meldung über eine große Investition. Der „Steuerzahler“ hat ein Recht darauf, zu erfahren, dass sein Geld gut angelegt ist. Dass damit eine „Superklinik“ gebaut wurde, ist wohl das Mindeste, was er erwarten kann. Und natürlich, dass „Hamburg“ damit wieder ganz vorne ist im Städte-Ranking.

Das Ergebnis ist für Agaplesion-Hamburg gleichwohl dürftig. Klar, Abendblatt, Welt und die Ärtezeitung haben die Pressetexte übernommen und NDR und RTL haben einige Minuten abgezweigt. Aber gemessen an den seitenlangen Berichten über die Neubauten von Asklepios Barmbek und der Uniklinik sind es Pflichtbeiträge. Nach so vielen Jahren an Negativmeldungen und nicht eingelösten Ankündigungen will da niemand mehr so richtig ran. Noch auf den letzten Metern wird man mit falschen Eröffnungsankündigungen blamiert und muss einen „Wasserschaden“ melden, um die Sache wieder gerade zu biegen. Wer weiß schon, wie es mit diesem Bau, den so viele nicht wollen, weitergeht?

Die Presse zur Einweihung des Agaplesion Diakonieklinikums Hamburg am 14.01.2011
(Teil 2)

140111hatitel

Nach 12 Jahren Verspätung klappt es auch kurz vor dem angekündigten „Countdown“ nicht. Pflichtschuldig haben die Lokalmedien die Eröffnung für den Dezember 2010 angekündigt und dann für den Januar 2011. Ein „Wasserschaden“ muss den PR-Schaden jetzt gerade biegen.

HamburgAbendblatt, 29.12.2010
Klinik-Neubau unter Wasser – Umzug geplatzt
Der Innenausbau wurde bis auf weiteres gestoppt
Der für Anfang Januar geplante Umzug des Diakonie-Klinikums Hamburg ist aufgrund eines Wasserschadens geplatzt. Ursprünglich sollten die drei Krankenhäuser am 8. und 9. Januar [bzw. im Dezember 2010] in den Neubau an(!) der Straße Hohe Weide in Eimsbüttel ziehen. Nach den bisherigen Planungen werde der Umzug auf Ende Januar oder Anfang Februar verschoben, sagte Klinikums-Sprecherin Ute Schlemmer am Mittwoch. Dennoch soll die geplante Eröffnungsfeier des „Agaplesion Diakonie-Klinikums Hamburg“ am 14. Januar stattfinden [einen Monat vor den Neuwahlen, damit Dietrich Wersich noch dabei sein kann] .(Quelle: epd!)

2007 Dietrich Wersich Diakonieklinikum

Evangelischer Pressedienst, 30.12.2010
Umzug des Diakonie-Klinikums erst später
Hamburg (epd). Der für Anfang Januar geplante Umzug des Diakonie-Klinikums Hamburg ist aufgrund eines Wasserschadens geplatzt. Ursprünglich sollten die drei Krankenhäuser am 8. und 9. Januar in den Neubau neben dem Elim-Krankenhaus [auf dem Ex-Sparbierplatz] (Hohe Weide) ziehen. Nach den bisherigen Planungen werde der Umzug auf Ende Januar oder Anfang Februar verschoben, sagte Klinikums-Sprecherin Ute Schlemmer dem epd. Dennoch soll die geplante Eröffnungsfeier des „Agaplesion Diakonie-Klinikums Hamburg“ am 14. Januar stattfinden.

Kommentar:
Die PR-Abteilung der Klinik hat die Meldung ber den epd-Mann Klaus Merhof lanciert. Weitere Meldungen über den Wasserschaden brachte das Kirchenportal Nordelbien.de und die Klinik-Homepage. Erstmals tauchte das „Drama“ in der kurzen Heute-Journal-Sendung zum „Tag der offenen Tür“ am 19.12.2010 auf. Allerdings gab es davon zwei Fassungen auf der Meditahek. Die erste, die kurz nach der Sendung eingestellt wurde, enthält kein Wort zum „Wasserschaden“. Der tauchte erst in einer zweiten Fassung auf. (Hamburg-Journal = Sinje Stadtlich). Später taucht der „Wasserschaden“ noch in einigen Meldungen zur „Einweihung“ auf. In keinem Artikel gibt es Fotos oder Beweise. Das Abendblatt lieferte später die Zahl „400 Liter“ nach. Das sind fünf bis acht Tankfüllungen, mit denen man kein Klinikum unter Wasser setzen kann. Wir haben uns den Schaden angeschaut und eine Pfütze gesehen. Über die Meldung wurde vor Ort heftig geschmunzelt. Man war einfach nicht fertig.

http://www.d-k-h.de/dkh-news/einweihung

Agaplesion-PR, 14.01.11
Klinik-Neubau feierlich eingeweiht, Patientenumzug Mitte Februar 2011
Mit 350 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Politik, Kirche, Gesundheitswesen und Medien hat das AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM HAMBURG am 14.01.2011, die Einweihung seines Krankenhaus-Neubaus in Hamburg-Eimsbüttel gefeiert. Der zweite Bürgermeister und Gesundheitssenator, Dietrich Wersich (CDU), sagte, dieser Neubau sei eines der wichtigsten Vorhaben der letzten zehn Jahre in diesem Bereich.

Grußworte sprachen auch Landespastorin Annegrethe Stoltenberg vom Diakonischen Werk Hamburg, Gerhard Hallenberger, Vorstand der AGAPLESION gemeinnützige AG (Frankfurt/ Main) und der Vorsitzende der Konzerngeschäftsführung der Asklepios Klinik-Gruppe Tobias Kaltenbach sowie Torsten Schweda, Pastor und Rektor der Diakonissenanstalt Alten Eichen [= Geschäftsführer mehrerer Kapitalgesellschaften, Aufsichtsratsvorsitzender Diakonisches Werk, Aufsichtsrats DKH GmbH, Aufsichtsrat Agaplesion AG],

segnete

gemeinsam mit der Diakonisse und Oberin des methodistischen Schwesternheims Bethanien Christine Grünert das neue Krankenhaus.

Der Krankenhaus-Neubau mit 360 Betten (plus 25 Betten der Asklepios Klinik Eimsbüttel – CardioCliniC Hamburg) gilt [der Medizingerätefirma Olympus] als modernstes Krankenhaus Europas. Das Haus verfügt zum Beispiel über acht hochmoderne Operationssäle und über eine WLAN-Telefonanlage. Die mobile Visite mit Laptops und elektronisch abrufbaren digitalen Röntgenbildern wird eingeführt. Es gibt zwei „Umweltzimmer“ für Patienten mit Multipler Chemischer Sensitivität (MCS) oder anderen Allergien oder Umwelterkrankungen [da werden dann die Kritiker der dichten Bebauung eingeliefert].

Der Umzug der bisherigen drei Krankenhäuser des AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUMS HAMBURG ist für Mitte Februar 2011 geplant. Das neue Klinikum hat rund 100 Millionen Euro gekostet. Davon trägt die Stadt Hamburg [viel mehr als] zwei Drittel [zum Beispiel noch den Baugrund und eine „Entschädigung“ von 8,4 Milllionen für den Altbau].

Das AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM hat rund 1000 Mitarbeiter [die kein Streikrecht haben und zur Kirchenmitgliedschaft gezwungen sind] , versorgt pro Jahr 35.000 Patienten [das ist eine Zielgröße, keine Tatsache] , davon 17.500 stationär, und erwirtschaftet [steuerfrei] einen Jahresumsatz von ca. 56 Millionen Euro. Es ist eine Einrichtung im Verbund der AGAPLESION gAG.

Die Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt am Main wurde 2002 gegründet, um christliche Einrichtungen vor Ort zu stärken und zukunftsfähig zu gestalten. Zu dem Gesundheitskonzern gehören bundesweit rund 80 Einrichtungen, darunter 22 Krankenhäuser sowie 32 Senioren- und Pflegeeinrichtungen. Über 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter [davon viele in ausgegründeten GmbHs] sorgen [arbeiten] für patientenorientierte [warum muss man das dazu sagen?] Medizin und eine Pflege nach anerkannten Qualitätsstandards [wie zum Beispiel im Auguste Victoria Stift] . Die AGAPLESION gAG versorgt [wie Lidl das Volk mit Lebensmitteln „versorgt“] in ihren Krankenhäusern mit rund 5.000 Betten über 280.000 Patienten. Die Seniorenzentren verfügen über rund 2.800 Plätze in der Pflege und zusätzlich 800 betreute Wohnungen. Der Jahresumsatz liegt bei 620 Millionen Euro. [Der Jahresgewinn liegt bei xxx Millionen. Die Gehälter der Führung liegen bei xxx Millionen].

Hamburger Abendblatt, 14.01.2011
Die neue Superklinik der Hansestadt steht in Eimsbüttel
Das neue Diakonieklinikum Hamburg besitzt Europas modernste Operationssäle, eine Dementenstation und 360 Zimmer.
[aus der Pressemappe entnommen] von Friederike Ulrich

Es sind zwei Dinge, auf die das neue Agaplesion Diakonieklinikum besonders stolz ist: ein schweres Buch mit abgewetztem Einband und vergilbten Seiten, in dem am 17. Juli 1954 die Geburt von Angela Merkel vermerkt wurde; und ein Operationsraum der Superlative – mit blau verglasten Wänden und
Europas modernster Hightech-Ausstattung.

[Ulrich weiß natürlich nichts über den Stand der Medizintechnik. Das erleichtert ihr das Abschreiben des Pressematerials. Die in der Klinik verwendete Technik gibt es heute überall in Deutschland und Europa. Vor allem aber: Warum gibt es in keinen Text hier einen Hinweis auf Superlative in den Patientenzimmer und Superlative der Lage des Baus? Zum Beispiel: Europas einziges Krankenhaus mit vergitterten Fenstern? Oder: Europas einziges Krankenhaus auf einem Sportplatz!]

Hervorgegangen ist das neue Klinikum in Eimsbüttel aus der Fusion [es war keine Fusion, sondern eine Übernahme, das Elim war insolvent] von drei alten, evangelischen Traditionskrankenhäusern [besonders zu erinnern ist an die Nazitradtion von Elim und Alten Eichen]: Alten Eichen (GmbH), Bethanien (GmbH) und Elim (GmbH) – in Letzterem kam die Bundeskanzlerin als Tochter von Herlind Kasner zur Welt. In vier Wochen werden hier zahlreiche Patienten, 110 Ärzte und ebenso viele Klinikmitarbeiter einziehen; heute wird der unmittelbar neben dem Elim liegende Neubau an der Hohen Weide von Gesundheitssenator Dietrich Wersich und 300 geladenen Gästen feierlich eröffnet [eben nicht eröffnet, sondern nur eingeweiht].

Die ersten Überlegungen, die einst von [„erweckungsbewegten“] Diakonissen betriebenen Häuser zusammenzulegen, hatte Geschäftsführer Jörn Wessel bereits vor zwölf Jahren.

[Es war nicht Wessel, sondern Otto Buchholz. Geschäftsführer des Elim. Wessel war damals gegen einen Bau im Kerngebiet, denn er war Geschäftsführer von Alten Eichen. Umgesetzt werden konnte die „Idee“ aber nicht vom insolventen Elim, sondern nur vom potenten Agaplesion-Konzern und auch das nur, weil gerade Schill und Beust an die macht kamen]:

„Es war uns klar, dass die Situation für kleine Krankenhäuser kritisch wird [Unsinn, viele kleine Krankenhäuser laufen besser als große. Größe ist kein BWL-Kriterium] und wir nur durch einen Zusammenschluss überleben können“, sagt er. 2005 schließlich fusionierten [sic!] die drei Kliniken zum Diakonieklinikum [GmbH] , betrieben aber weiterhin ihre drei Standorte – nun wird der Zusammenschluss durch den Einzug in den 101-Millionen-Euro-Neubau perfekt. „Wir freuen uns sehr, dass es jetzt bald [nach 12 Jahren!] losgeht“, sagt Wessel.

Noch wuseln überall Handwerker und IT-Techniker herum. [Und das nicht wegen eines Wasserschadens] Sie montieren Tische und Stühle, verlegen die letzten Kabel und stellen die Hightech-Geräte in den Operationssälen ein. Eigentlich hätte der Umzug schon im Januar stattfinden sollen, doch ein Wasserschaden verzögerte [sic!] die Angelegenheit.

„Glücklicherweise war nur der Estrich im Untergeschoss [ein Quadratmeter] betroffen“, sagt Wessel. Er steht im „Magistrale“ genannten Eingangs- und Empfangsbereich des Klinikneubaus, der sich über die Gesamtlänge des Neubaus erstreckt, die immerhin 153 Meter beträgt. Eine Längsseite der „Marginale“ ist komplett verglast und gibt den Blick frei auf die Sportplätze des Eimsbütteler Turnverbandes. [es ist der Rest eines Sportplatzes. Dem ETV gehört er erst seit 2009. Vorher war es ein öffentlicher Raum von 22.000 qm]

Der hat einen Teil seiner Fläche für den Neubau zur Verfügung gestellt und als Gegenleistung zwei Kunstrasen- und zwei Beachvolleyballplätze erhalten, eine Dreifeldhalle ist in Planung. [Friederike Ulrich lügt. Weil der Platz nicht dem ETV gehörte, konnte er nichts zur Verfügung stellen].

An dem einen Ende der „Magistrale“ liegt die Cafeteria, die auch der Öffentlichkeit offen stehen wird, am anderen befindet sich der „Raum der Stille“. [wahrscheinlich der lauteste Raum im Haus. Er grenzt an die Tiefgarage und die Bundesstrasse] I

Über vier große Türen gelangt man zu der interdisziplinären Notaufnahme mit Kardiologie, den chirurgischen Eingriffsräumen und der Radiologie mit ihrem neuen Magnetresonanztomografen und dem Computertomografen. „Diese Geräte arbeiten digital [alle Geräte arbeiten heute digital. In ganz Europa. Ulrichs High-Tech-Gerede verdeckt nur, dass es in und um diese Klinik keinen Grashalm gibt], sodass die Aufnahmen überall abgerufen werden können – auch auf den mobilen EDV-Wagen auf den Stationen“, sagt Wessel stolz. [Als habe er es aus eigener Tasche bezahlt. Es ist öffentliches Geld.]. Im vierten Block ist die Endoskopie mit hoch modernen Geräten untergebracht. „Diese Räume sind mit den Operationssälen vernetzt, sodass die Chirurgen von dort den hier tätigen Kollegen Tipps geben können“, sagt Wessel. Ein solcher „cross talk“ zwischen Endoskopie und Chirurgie sei [weltweit?] einmalig.

Im ersten Obergeschoss befinden sich die Intensivstation und die sieben Hightech-Operationsräume, deren Glastüren jede von einer Hamburgensie geschmückt werden, darunter die Symbole von HSV und St. Pauli [so sind sie die Leute von der Agaplesion-Arena. Wessels Elim ist bundesweit die einzige Klinik mit einer Deutschlandfahne am Haupteingang. Aber warum fehlt der ETV-OP?], der Michel und Hummel.

In den oberen drei Stockwerken schließlich sind die Demenzstation und die 345 Ein- und Zweibettzimmer untergebracht. 25 weitere Zimmer werden von der CardioClinic belegt, die vom Asklepios-Konzern [wie kommt der da rein? Ulrich interessiert es nicht. Deshalb hat man sie gerne genommen] betrieben wird.

[Was Friederike Ulrich sonst so als Journalistin treibt, kann man sich auf der Abendblatt-Homepage ansehen. Sie läuft zum Beispiel als Oma vekleidet durch Hamburg und berichtet dann, wie sich das anfühlt. Dieser neue Event-Journalismus, der seine Meldungen selbst fabriziert, wenn er gerade nicht PR abschreibt, ist mit den konventionellen Mitteln der Kritik nicht mehr zu fassen].

Die Welt, 14.01.11
Europas modernster OP in neuer Klinik
Diakonie-Konzern eröffnet heute in Eimsbüttel ein Krankenhaus mit 360 Betten – Im Februar beginnt der reguläre Betrieb
[Aus der Pressemappe entnommen] von Gisela Schütte

Unter der Marke Agaplesion [Schütte hat es sechs Jahre vermieden, den ihr bekannten Namen Agaplesion auch nur zu erwähnen!] kooperieren die Krankenhäuser Alten Eichen, Elim und Bethanien sowie eine Asklepios-Klinik.

Heute Mittag wird in der Hansestadt ein weiterer Krankenhausneubau eingeweiht: das Agaplesion Diakonieklinikum an (!) der Hohen Weide mit Europas modernsten Operationssälen. Rund 101 Millionen Euro kostete das Projekt am Standort des Krankenhauses Elim [Schütte wählt diese Umschreibung seit 2002] – in dem übrigens einst die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Welt kam. Die Kosten für den Neubau trägt zu etwa zwei Dritteln (?) die Hansestadt. Die Einweihung wird im Beisein von Gesundheitssenator Dietrich Wersich (CDU) und der Landespastorin Annegrethe Stoltenberg gefeiert. Der offizielle Betrieb beginnt im Februar.

[Schütte ist die wohl dienstälteste Parteigängerin des neoliberalen Gesundheitsmarktes. Im Gegensatz zu Frau Ulrich vom Abendblatt, weiß sie, worüber zu schreibt und worum es hier geht. Sie hat die „Gesundheitspolitik“ von Schill und Wersich vom ersten tTg an bejubelt. Es ist klar, dass sie das auch am letzten Tag machen wird].

Hamburgs [vorher: Eimsbüttels!] Patienten dürfen sich auf ein attraktives [es ist ein schalldichter Bunker!] und modernes Klinikum und medizinische Versorgung auf hohem Niveau freuen“, sagte Wersich im Vorfeld. „Dieser Neubau ist eines der wichtigsten Vorhaben der letzten zehn Jahre in diesem Bereich.

Hamburgs Position als die Gesundheitsmetropole [es sollte doch um was anderes gehen!?] im Norden wird damit weit über die Grenzen Eimsbüttels hinaus nachhaltig untermauert, wie auch unsere Investitionsausgaben belegen.“

Die neue Klinik wird nach drei Jahren Planungs- und Bauzeit [12 Jahre „Planung“] neben der Grund- und Regelversorgung mit Not- und Unfallmedizin rund um die Uhr Kompetenzzentren in den Bereichen Geriatrie, Darmerkrankungen, Brustkrebs, Übergewicht, Handchirurgie sowie Herzchirurgie bieten. Außerdem stehen für die stationäre Behandlung die zentrale Notaufnahme, die Intensiv-, Palliativ- und Schmerzmedizin sowie die Schlafmedizin mit Schlaflabor zur Verfügung. Hinzu kommen teilstationäre und offene Angebote

[in der Tat, es sind geschäftliche Angebote. Die Nachfrage muss erst geschaffen werden bzw. man muss anderen Anbietern Kunden abwerben]

wie eine geriatrische Tagesklinik, ein Familientreffpunkt rund um die Geburt sowie die enge Kooperation mit Selbsthilfegruppen. Eigenständige Facharztpraxen kooperieren mit dem Klinikum im Sinne eines Gesundheitszentrums.

[Sie wagt es nicht, etwas zum Zustand des total gequetschten Baus zwischen Straßen und Sportplatz zu sagen. Kein Wort über die Lage der Patientenzimmer und die Zerstörung einer Erholungsfläche. Schütte weiß das alles. Sie weiß, dass ein HighTech-OP niemand gesund macht, der durch die äußeren Umstände nicht gesunden kann und dass ein HighTech-OP, der eine Erholungsfläche ersetzt, zum Zynismus des neuen Gesundheitsmarktes gehört].

Neben den Fragen der medizinischen Versorgung ist das Klinikum ein bedeutender Baustein in der Neuordnung der Hamburger Krankenhauslandschaft. [Und ein bedeutender Baustein in der Neuordnung der Hamburger Freiflächenlandschaft]. Zunächst hatten sich für das Projekt die drei evangelischen Krankenhäuser Alten Eichen, Elim und Bethanien verbunden [Sie sind Töchter der Agaplesion AG] . Darüber hinaus zieht [nach der Pleite der CardioClinic] die Asklepios Klinik Eimsbüttel-CardioCliniC in das neue Haus ein.

Es ist ein komplexes Projekt, denn bei der Realisierung ging es nicht nur um einen Zusammenschluss hamburgischer Traditionshäuser [über den Inhalt dieser „Tradition“ schweigt Schütte lieber] , sondern auch um die Einbindung des Bauvorhabens in den Stadtteil. [Schütte weiß, dass sie mit dieser Formulierung provoziert!]

Um die nötigen Grundstücksflächen für den Bau zu gewinnen, mussten die benachbarten (öffentlichen) Sportplätze [sie sind nicht benachbart, weil auf der einen Hälfte der Bau steht] mit zwei Fußballplätzen und zwei Beachvolleyball-Feldern umgestaltet [bebaut] werden.

Das neue Klinikum wird von drei Gesellschaftern getragen – zu 60 Prozent von der Agaplesion gemeinnützige Aktiengesellschaft, einem überregional agierenden Träger, zu 20 Prozent von der Evangelisch-Lutherischen Diakonissenanstalt Alten Eichen und zu weiteren 20 Prozent vom Evangelisch-methodistischen Schwesternheim Bethanien. [Unsinn: Bethanien und Agaplesion gehören beide den Methodisten, es sind 80 Prozent]. Die Klinik beschäftigt rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von rund 56 Millionen Euro. Das Haus versorgt [das ist ein Geschäftsziel, keine Realität. Mit Eimsbüttlern allein wird die Zahl nicht erreicht. Schütte vermeidet die Frage, wer den Bau in der Nähe des UKE braucht] pro Jahr 35 000 Patienten.

[Der gesamte Text ist überwiegend wörtlich dem Pressematerial entnommen. Man hätte auch eine vollautomatische Software einsetzen können. Dr Name „Schütte“ ist völlig überflüssig].

http://www.bild.de/BILD/regional/hamburg/dpa/2011/01/14/neues-krankenhaus-in-hamburg-eingeweiht.html

BILD, 14.01.11
Neues Krankenhaus in Hamburg eingeweiht
Nach drei Jahren Bauzeit ist in Hamburg das modernste Krankenhaus der Stadt [also nicht „Europas“. Ausgerechnet BILD belässt es bei der „Stadt!“] eingeweiht worden: Seinen Betrieb soll das neu gegründete Agaplesion Diakonieklinikum, das aus den evangelischen Krankenhäusern Alten Eichen, Bethanien und Elim hervorgegangen ist, aber erst im Februar aufnehmen. Das Gebäude sei direkt auf die Bedürfnisse der Patienten [die keinen Meter Auslauf haben werden. Der Bau ist auf die Bedürfnisse des Konzernes zugeschnitten] zugeschnitten, sagte Klinikgeschäftsführer Jörn Wessel am Freitag. Jährlich sollen in den fünf Etagen im Stadtteil Eimsbüttel bis zu 18 000 Patienten behandelt werden. Mit 360 Betten und weiteren 25 für die Herzspezialisten der Asklepios Klinik ist die Einrichtung nach Betreiberangaben das drittgrößte konfessionelle Krankenhaus in Hamburg. Der Bau kostete 101 Millionen Euro – davon trägt die Stadt zwei Drittel.

Anmerkung:
BILD Hamburg = Miriam Kaefert hat als einzige aus dem Pressematerial eine halbswegs sachliche Meldung gebaut. Als einzige sagt sie nicht, es sei alles so, sondern die Betreiber würden es so darstellen.

Lübecker Nachrichten, 14.01.11
Neues Krankenhaus in Hamburg eingeweiht
Nach drei Jahren Bauzeit ist in Hamburg das modernste Krankenhaus der Stadt eingeweiht worden: Seinen Betrieb soll das neu gegründete Agaplesion Diakonieklinikum, das aus den evangelischen Krankenhäusern Alten Eichen, Bethanien und Elim hervorgegangen ist, aber erst im Februar aufnehmen. Das Gebäude sei direkt auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten, sagte Klinikgeschäftsführer Jörn Wessel am Freitag. Jährlich sollen in den fünf Etagen im Stadtteil Eimsbüttel bis zu 18 000 Patienten behandelt werden. Mit 360 Betten und weiteren 25 für die Herzspezialisten der Asklepios Klinik ist die Einrichtung nach Betreiberangaben das drittgrößte konfessionelle Krankenhaus in Hamburg. Der Bau kostete 101 Millionen Euro – davon trägt die Stadt zwei Drittel. (kein Autor, vollautomatischer Journalismus, erstellt mit der Software Stats Monkey der US-amerikanischen Northwestern University).

http://www.taz.de/1/nord/hamburg/artikel/?dig=2011%2F01%2F15%2Fa0245&cHash=780ca1b8f5
Taz-Hamburg, 15.01.11
Neue Klinik
Das neue Agaplesion Diakonieklinikum ist nach dreijähriger Bauzeit eingeweiht worden. Damit wurde die 2003 beschlossene Fusion der drei evangelischen Kliniken Alten Eichen, Bethanien und Elim abgeschlossen. [In der TAZ selbst stand es mal anders!]

Hamburger Morgenpost, 15.01.11
Neues Diakonieklinikum
Eine gelbe Wanne für die Geburt
Fünf Stockwerke, acht OP-Säle, 385 Betten, 32000 Quadratmeter Fläche und drei Geburtsbadewannen: Nach drei Jahren Bauzeit ist gestern das „Agaplesion Diakonie-Klinikum Hamburg“ in Eimsbüttel eingeweiht worden. Es vereint die evangelischen Krankenhäuser Alten Eichen, Bethanien und Elim unter einem Dach. 101 Millionen Euro kostete der Neubau, zwei Drittel davon trägt die Stadt.

In dem Rotklinker-Bau steckt Hightech pur.

[wieso „pur“? Der Autor hat nicht mitbekommen, dass HighTech-Medizin keineswegs ein positiv besetzter Begriff ist. Das alte Elim war bleibt, weil es so altmodisch war. Die Tatsache, dass es nicht einmal einen Garten für Patienten gibt, ist Teil DIESER Art des HighTech-Medizin-Geschäfts, das mit den krank machenden Bedingungen kalkuliert]

Die Operationssäle gehören zu den modernsten in Europa

[laut BILD nur zu den modernsten der Stadt! Was weiß Malte Habscheidt denn von Europas Medizin?].

Von einem zentralen Touchscreen aus können alle Geräte gesteuert, Live-Bilder in jeden Raum der Klinik übertragen werden. Auch Röntgenbilder und medizinische Patientendaten stehen dem behandelnden Arzt digital sofort zur Verfügung. Der Betrieb des Krankenhauses soll am 14. Februar starten. (mh)

Anmerkungen:

1. „mh“ = Malte Habscheidt
Moin Moin-Reporter Habscheidt ist bei der Mopo u.a. für „Diakonie-Themen“ zuständig. Aufgefallen ist ihm dabei auch bisher schon nichts.

2. Das High-tech-Gerede fungiert hier als Lückenfüller für das, was verschweigen wird, vor allem die krank machen Folgen dieses Baus. Jedes iPhone hat einen Touchsrceen zum Steuern von Anwendungen. So beeindruckt kann der Schreiber garnicht sein. Er ist ja auch nicht der Schreiber, sondern der Abschreiber.
3. Touchscreens sind übrigens voller Bakterien. Das sollte Malte Habscheidt doch bedenklich erscheinen. Er hat sich gewiss nicht informiert, auf welchem Stand die Entwicklung in dieser Hinsicht bei Touchscreens in Operationsräumen ist. Die verwendeten flüssigen Desinfektionsmittel sind meistens nicht zuverlässig und schädigen das Reinigungspersonal. Erst seit 2005 gibt es antibakterielle Touchscreen-Beschichtungen aus Silberionen. Ganz zuverlässig ist auch das nicht: Da der Operateur seine Handschuhe ausziehen muss, gibt es immer wieder Probleme.
4. Am 23. Dezember erschien in der Mopo noch ein Artikel mit der Subheadline: „Diakonieneubau ist fertig. Drei christliche Kliniken ziehen hier ein“. Dort stand schon, was auch hier steht. Bemerkenswert ist die Überschrift:

Operieren mit Gottes Segen

Der Text ist von einer Simone Pauls. Simone Pauls überschreibt alle ihre Artikel, in denen Kirchen vorkommen mit der Sequenz „mit Gottes Segen“. Am 14. Juni 2010 berichtete sie über den Motorradgottesdienst auf dem heiligengeistfeld. Überschrift:

30.000 dabei! Knatterei mit Gottes Segen

Da versagt jede Kritik.

http://www.ndr.de/apps/php/forum/showthread.php?t=41700
http://www.ndr.de/regional/hamburg/krankenhaus167.html

NDR, 14.01.2011
Diakonieklinikum in Eimsbüttel eingeweiht

(Untertext zur Abbildung: Fußballfeld vor der Tür: Das neue Diakonieklinikum in Eimsbüttel, Computer-Grafik). [Der Hinweis „Computer-Grafik“ geht auf unsere Intervention zurück]

Nach drei Jahren Bauzeit ist in Hamburg das Agaplesion Diakonieklinikum im Stadtteil Eimsbüttel eingeweiht worden. Hervorgegangen ist das neue Klinikum in der Hohen Weide aus der Fusion ? der drei Krankenhäuser Alten Eichen, Bethanien und Elim. Der Betrieb in dem Neubau wird im Februar aufgenommen.

Prominentester Gast der Einweihung wäre beinahe Bundeskanzlerin Angela Merkel gewesen, die am 17. Juli 1954 im Elim zur Welt kam. Klinik-Geschäftsführer Jörn Wessel sagte im Gespräch mit NDR 90,3: „Ich hatte sie eingeladen, aber sie konnte [wollte] leider aus Termingründen nicht kommen.“

Gesehen hätte die Kanzlerin einen freundlichen und hellen Wartebereich – mit direktem Blick auf ein riesiges Fußball-Feld.

[Dieser NDR-Mann war entweder völlig besoffen oder er ist Sportreporter. Abgesehen davon, dass der Warteberreich gewiss NICHT freundlich und hell ist, sondern VERGITTERT wie ein Gefängnishospital – was bitte schön soll gut daran sein, wenn auf Kranke ständig Fußbälle anfliegen, die mit einem lauten Knall an einem Metallgitter hängenbleiben? Dieser „Journalist“ berichtet für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Er sollte einem Klinikkonzern gegenüber nicht verpflichtet sein, sondern dem öffentlichen Publikum. Beruht dieser „Bericht“ wirklich nur auf Dummheit? Oder steckt da mehr dahinter? Siehe dazu weiter unten]

Neu ist nicht nur das Krankenhaus, sondern auch der Name: Agaplesion Diakonieklinikum. Wessel: „Agaplesion heißt übersetzt ‚Liebe den Nächsten‘ [Nächstenliebe AG! wem fällt da nicht Orwell ein??] und wir haben den Namen nach vorne geschoben, weil der Konzern jetzt doch sehr, sehr stark gewachsen ist, aber es ist das Gleiche drin, was auch vorher da war.“ Das Klinikum wird zu 60 Prozent von dem Frankfurter Mutterkonzern Agaplesion getragen sowie zu jeweils 20 Prozent von der Diakonissenanstalt Alten Eichen und vom methodistischen Schwesternheim Bethanien.

Die sieben Operationssäle gehören zu den modernsten in Europa: Mit einem zentralen Touchscreen [wieder einer, der noch nie ein iPhone gesehen hat] lassen sich viele medizinische Geräte steuern. Mit 360 Betten und weiteren 25 für die Herzspezialisten der Asklepios Klinik ist die Klinik den Betreibern zufolge das drittgrößte konfessionelle Krankenhaus der Stadt. Rund 1.000 Menschen werden in dem Neubau arbeiten

Dazu drei Leserkommentare auf der NDR-Seite:

14.01.2011 15:56
PR-Journalismus
Die Popularität von Wikileads hat vor allem mit einem Journalismus zu tun, der nur noch PR-Meldungen nachdruckt. Diese Meldung besteht zu 98 Prozent aus dem PR-Material, das heute Morgen auf der Pressekonferenz in der Agaplesion-Filiale verteilt wurde. Die PR-Abteilung des Klinikums hat richtig kalkuliert, als die davon ausging, dass jeder Journalist auf die Merkel-Story abfahren wird. Dass das evangelikale Klinikum auf einem privatisierten einem Platz steht, der der Erholung diente und dass es in Eimsbütteler Kerngebiet keinerlei Bedarf für dieses Hospital gibt – der muss erst durch Verdrängung anderer erzeugt werden! – bleibt unerwähnt. Bei dieser Hofberichterstattung braucht man keine Zensur mehr. Orwell ist veraltet. (Petra)

Bizarr: Fußballplatz direkt neben Klinik
Immerhin hat der Web-Designer des NDR die einschlägigen Informationen auf Flickr zur Kenntnis genommen (http://www.flickr.com/photos/etv-ham…7616782170936/) das gefakte PR-Bild des Klinikums als „Computer-Grafik“ bezeichnet. Auch die Bildunterschrift „Sportplatz vor der Tür“ erinnert daran, worüber der NDR hätte berichten können: Der Abstand zwischen der Klinik und dem Fußballplatz beträgt nur einen Meter. Das ist mehr als bizarr, und es ist eine Belastung für die zukünftigen Patienten. (Doro)

Stellingen
Diese Klinikum hätte ebensogut in Stellingen auf dem Gelände Alten Eichen stehen
können. Was nützt ein Krankenhaus das krank macht, denn eine öffentliche
Freifläche wurde zerstört. Jetzt gibt es nur noch einen umzäunten Rest mit Kunstrasen und man muss Vereinsmitglied sein. Bolzen für Kinder aus der Umgebung oder Joggingrunden drehen ist dort nicht erlaubt. Und die Politiker, die das durchgesetzt haben, schämen sich überhaupt nicht, auch noch zur Einweihung zu gehen. Wahrscheinlich erhalten sie kostenlose Behandlung. (Gisela Warnke)

Anmerkung
Autor der NDR-Sendung ist, wie wir wissen, Jörn-Strähler-Pohl. Hat er sich dabei was gedacht? Das wäre noch schlimmer. Denn wenn solche üblen Berichte erscheinen, muss dahinter nicht Unfähigkeit beruhen, wie folgender Vorfall zeigt:

NDR, 24.03.2010
Korrupt? – Vorwurf gegen NDR Redakteur
Gerade haben wir die Drehbuch-Affäre um die ehemalige Fernsehspiel-Chefin Doris Heinze so einigermaßen verdaut, gibt es schon wieder Wirbel. Proteste in Damp: Die Mitarbeiter des großen Klinik-Konzerns an der Küste streiken für mehr Geld. Viele Journalisten berichten, weil das wichtig ist und relevant. Ein Reporter aber interessiert sich auch aus ganz anderen Gründen jahrelang für Damp: Gerd Rapior, NDR-Redakteur. Es geht um viel Geld und eine schillernde Geschäftsbeziehung zwischen Rapior und Carl-Hermann Schleifer, dem damaligen Damp-Chef. Schleifer hat den Journalisten bezahlt, offiziell für Medientrainings. Und Rapior hat weiter über Damp berichtet.
Eine neue „NDR-Affäre“ (Lübecker Nachrichten, 21.03.10) macht Schlagzeilen. „Geld gegen Sendezeit?“ (Hannoversche Allgemeine Zeitung, 20.03.10), fragen die Blätter entgeistert. Und: „Hat sich dieser NDR-Journalist bestechen lassen?“ (Bild, 20.03.10). Fakt ist: Rapior hat die Damp-Holding gegen Geld beraten und gleichzeitig in Filmen selbst über das Unternehmen berichtet. Er interviewte sogar seinen Geschäftspartner Schleifer. Und Rapior hat üppig profitiert. Anfangs 3.000 Euro, bald schon 5.000 Euro soll der NDR Mann von der Damp-Holding kassiert haben, monatlich. Im Sender in Kiel sitzt der Schock tief. Rapior war seit Jahren als Kollege geschätzt. Er hat Geld kassiert, will aber nicht bestechlich gewesen sein.

http://nordelbien.de/nachrichten/newsnek/one.news
Kirchenportal nordelbien, 14.01.11
[faktisch eine Eigenmeldung der Betreiber]

Agaplesion feierlich eingeweiht
Nach dreijähriger Bauzeit und Investitionen von 101 Millionen Euro ist am Freitag das neue Agaplesion Diakonieklinikum feierlich eingeweiht worden. Damit sei die 2003 [es begann 1999] beschlossene Fusion [sic!] der drei evangelischen Traditionskliniken erfolgreich abgeschlossen, sagte Jörn Wessel, Geschäftsführer des Krankenhauses. Gesundheitssenator Dietrich Wersich (CDU) bezeichnete den Neubau als „das wichtigste Vorhaben der letzten zehn Jahre für den gesamten Gesundheits- und Medizinstandort Hamburg“. Das Diakonieklinikum verfügt über 360 Betten. Weitere 25 Betten stellt die CardioClinic der Hamburger Asklepios-Gruppe, die ebenfalls mit in das neue Gebäude einzog. Noch allerdings fehlen die Patienten: Ein Wasserschaden [sic!] hatte den für Anfang Januar geplanten Umzug aus den alten Standorten verhindert. Jetzt soll der Umzug am 12./13. Februar stattfinden. Die Patienten dürften sich auf ein attraktives und modernes Klinikum mit medizinischer Versorgung auf höchstem Niveau freuen, sagte Wessel. Träger der Klinik sind die gemeinnützige [methodistische] Aktiengesellschaft Agaplesion (60 Prozent), die Ev. Diakonissenanstalt Alten Eichen (20 Prozent) und das methodistische Schwesternheim Bethanien (20 Prozent) [= 80% Methodisten] .

Rund 1.000 Mitarbeiter erwirtschaften einen Jahresumsatz von etwa 56 Millionen Euro. Die Grundfläche des Klinikums samt Tiefgarage ist mit 12.000 Quadratmetern größer als ein Fußballfeld. [sic!] Das Gebäude ist über 150 Meter lang und über 40 Meter breit, die Bruttogeschossfläche beträgt 32.000 Quadratmeter.

[= Klaus Merhof/epd]

Hamburg 1, 14.01.11
http://www.hamburg1.de/aktuell/Diakonieklinikum_eingeweiht
Diakonieklinikum eingeweiht
Das Agaplesion Diakonieklinikum ist heute eingeweiht worden. An der Einweihungsfeier nahmen Persönlichkeiten aus der Hamburger Medizinwelt [das ist gut gesagt] teil und besichtigte die neuen Räumlichkeiten. Das konfessionelle Klinikum verfügt über 385 Betten die neueste Medizin-Technologie. Am 14. Februar wird das Krankenhaus eröffnet.

[ = Sarah Timm]

Ärzte Zeitung, 17.1.01
Hamburger High-Tech-Klinik eingeweiht
Nach drei Jahren Bauzeit ist jetzt das Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg eröffnet worden. Für 101 Millionen Euro entstand ein Neubau, für den drei Klinikstandorte aufgegeben wurden.
[Der Pressemappe entnommen] von Dirk Schnack.

Das Krankenhaus Elim ist [war] eine Institution in Hamburg. Nun hat das Haus [das Elim gibt es seit Jahren nicht mehr. Es war bankrott und wurde von Agaplesion eingesammelt] in direkter Nachbarschaft [sic!] ein neues Domizil gefunden. Zusammen mit Alten Eichen und Bethanien geht es im neuen Agaplesion Diakonie Klinikum auf.

[Es ist schon vor Jahren dort aufgegangen. Die GmbH wurde aus dem Handelsregister gelöscht!]

Auch die zum Asklepios-Konzern zählende Cardio Clinic (25 Betten) zieht ein. Ab Februar sollen hier jährlich rund 35.000 Patienten behandelt werden, davon 18.000 stationär. Chefarzt Lindner spricht von einem „Allround-Krankenhaus“, das der Bevölkerung im Stadtteil Eimsbüttel [Unsinn: Der Stadtteil ist überversorgt] eine Rundum-Versorgung von der Geburtshilfe bis zur Geriatrie anbietet.

Lindner hob auch auf die komplett neu angeschaffte Technik im Haus ab. „Wir sind aus ärztlicher Sicht begeistert“, sagte Lindner. So kommen Ärzte etwa mit mobilen PCs [mein Gott, jetzt wird ein Laptop zur Revolution, während man verschweigt, dass dieses Krankenhaus krank macht] an die Krankenbetten, um Daten aufzunehmen. Das komplette Gebäude ist mit WLAN ausgestattet. [Jede Wohnung ist heute damit ausgerüstet].

In den sieben Operationssälen ermöglicht das Integrationskonzept Endoalpha die Steuerung und Kontrolle der medizinischen Geräte sowie der gesamten nicht medizinischen Peripherie von einem zentralen Touchscreen aus. [jeder erzählt den selben Unsinn]. Medizinische Patientendaten sind zudem über eine digitale Dokumentation jederzeit abrufbar [Auch das gibt es doch überall] .

Auch Gesundheitssenator Doktor Dietrich Wersich [er war Doktor in Bethanien, das verschweigt der Mann vom Ärzteblatt] ist überzeugt, dass die hohen Investitionen – 68 der 101 Millionen Euro [plus Sportplatz, plus Entschädigung!] stammen aus öffentlichen Mitteln – gut angelegt sind. Er bezeichnete das Diakonieklinikum als „eines der wichtigsten Vorhaben der letzten zehn Jahre in diesem Bereich“.

Hamburg hat seine Kliniken in den vergangenen zehn Jahren rasant modernisiert [und privatisiert und besonders die kleirkalen Träger gefördert] .

In diesem Zeitraum flossen rund eine Milliarde Euro in die Kliniken. [Herr Schnack, warum sind Sie extra dorthin gefahren, wenn sie alles abschreiben? Doch nicht wegen der Schnittchen?]

Das alte Krankenhaus Elim wird demnächst abgerissen. In einem neuen Gebäude sollen dann bis zu 25 eigenständige Facharztpraxen einziehen [das ist eine Kampfansage an alle umliegenden Ärztehäuser. Ein evangelikaler Konzern macht sich breit!] , mit denen das moderne Klinikum eng kooperieren möchte.

Nicht in diese Dokumentation aufgenommen:
„Hamburg gesund“ (Meier Medien, Uwe Meier) sowie RTL Nord (Jens Gaiser). Die Sendung ist nur wenige Sekunden lang. Außerdem die Meldung der dpa (Söhnke Möhl), die zum Beispiel von den Lübecker Nachrichten übernommen wurde und ihrerseits auf der PR der Betreiber beruht. Außerdem die PR-Meldungen der Betreiber bei „openpr“, in „Management Krankenhaus“, in der Zeitschrift für Handchirurgie, in der „Gesundheitswirtschaft“ und in dem PR-Buch „Norddeutschland. Investitionen in das Gesundheitswesen“, wo sich übrigens ein zweite Variante des gefakten PR-Bildes von der als Vorderfront ausgegebenen Hinterfront der Klinik findet: Dort sind einige Gebäude noch nicht weggepixelt, die man später ganz verschwinden ließ.

Zwischenberichte 2011 
(Teil 2 – März/April)

(Text folgt)

 

Zwischenberichte 2011 
(Teil 3 – Mai/Juni)

(Text folgt)

 

Zwischenberichte 2011 
(Teil 4 – Juli/August)

(Text folgt)

 

Zwischenberichte 2011
(Teil 5 – September/Oktober)

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Ausschreibung, 16.09.2011
1. Elim-Abriss zwecks Bau eines weiteren Agaplesion-Gebäudes
2. Bau einer Halle für den ETV mit Agaplesion-Tiefgarage

Bewerbungsfrist: 24.10.2011

Finanziert: öffentliche Mittel
Aktenzeichen beim öffentlichen Auftraggeber: 05-60.04/101

Zuständige Stelle. Vergabekammer der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU), Hamburg, Neuer Wall 88, 20354 Hamburg. E-Mail: ruediger.junge@bsu.hamburg,de Tel. +49 4042840-2503, Internet: fhh.hamburg,de

Als Auftraggeber tritt auf: Agaplesion-DKH GmbH
Auskünfte erteilt die (auch für andere Agaplesion-Baustellen tätige) Firma:
Temak Projektmanagement- und Projektsteuerungs GmbH Lindenstraße 5, 54292 Trier, Tel. 0496519787930 (H. Malzahn), Mail: info@temak,de

Beschreibung der Ausschreibung:

Neubau Agaplesion-DKH – Bauteil IV
• Abbruch des Krankenhauses Elim in zwei Teilabschnitten.
• Bauabschnitt 2 der Agaplesion-Tiefgarage.
• Bau einer Dreifeld-Sporthalle auf der Tiefgarage
• Entsorgungsarbeiten
• Abbruchbegleitende Kampfmittelberäumung.
• Umfang: BRI ca. 55 000 m³ für den Abbruch beider Gebäudeteile.

Zuschlagskriterien:
Wirtschaftlich günstigstes Angebot die nachstehenden Kriterien
1. Preis. Gewichtung 80
2. Dauer der Ausführungszeit. Gewichtung 20

Die Unterlagen sind kostenpflichtig. Preis 25,00 EUR
Fragen sind bis zum 17.10.2011 zu stellen. Die Fragen werden gesammelt beantwortet. Die Antworten werden den Abforderern am 18.10.2011 per Protokoll zur Verfügung gestellt.

Kommentar:

1. Der Abriss des Elim erfolgt in zwei Schritten: Zuerst werden die Gebäudeteile abgerissen, die an die Kaifu-Lodge grenzen. Von dort aus soll der Abriss bis vorne zum Elim-Eingang stattfinden. Nach dem Abriss will Agaplesion neben dem Privat-Fußballplatz des ETV eine weitere Tiefgarage bauen. Darauf soll dann die Sporthalle gestellt werden, die faktisch dem ETV gehören wird – so wie jetzt schon der Sportplatz-Rest. Nach dem Abriss will Agaplesion mit dem Bau von „Agaplesion Zwei“ beginnen, einem Erweiterungsbau, der unter dem Titel „Ärztehaus“ läuft, in den aber auch Teile des Klinikbetriebes stattfinden sollen.

Dieser Bau soll in zwei Abschnitten erfolgen, weswegen auch der Elim-Bau nicht sofort vollständig abgerissen wird: „Agaplesion Zwei“ soll ein großes quadratisches Gebäude werden. Für die Bauplanung hat man es in zwei L-förmige Teile zerlegt. Das erste „L“ soll dort entstehen, wo jetzt der zum Neubau gelegene vordere Teil des Elim steht. Während dieser Zeit wird der hintere Teil renoviert (!). Dort sollen für einige Jahre Abteilungen des Bethanien-Krankenhauses (!), Büros und die Helden von der braven „Mitarbeitervertretung“ (MAV) untergebracht werden (die sitzen seit Januar 2010 bereits im Elim-Altbau und haben daher kein Interesse an der Umwandlung des Elim in ein Soziokulturelles Zentrum). Wenn das erste „L“ fertig ist, soll alles dorthin verlegt und der Rest des Elim abgerissen werden, damit dort das zweite „L“ errichtet werden kann.

2. Diese Bauaktivitäten werden sich bis 2015 hinziehen. Deshalb wurde auch die Straße Hohe Weide nie ausgebessert. Doch diesmal sind die Betreiber selbst massiv von den Folgen ihres eigenen Tuns betroffen, denn die ganze Bautätigkeit wird direkt vor dem Haupteingang des Klinikneubaus stattfinden, über dem zudem sehr viele Patientenzimmer liegen. Das ist gewiss nicht gut fürs Geschäft, aber das wird ein Riesen-Konzern wie Agaplesion nicht in Schwierigkeiten bringen (die klerikalen Kliniken haben ohnehin einen indirekt gesetzlich garantierten Mindestmarktanteil. Wenn sie in Schwierigkeiten kommen, ist der Staat sofort mit einem weiteren Rettungsschirm zur Stelle).

Vor allem aber wird die jahrelange Bautätigkeit vor dem Haupteingang Personal und Patienten die Möglichkeit nehmen, sich weiterhin am Straßenrand zu sonnen und frische Luft zu schnappen. Sie tun das derzeit auf Kosten der Öffentlichkeit, weil die Klinik weder Hof noch Garten hat, sondern nur die direkt an den lauten und nervigen Fußballplatz grenzende niedrige Halle hinter dem Haupteingang. Man kann also damit rechnen, dass sich ab 2012 der Bürgersteig vor der Klinik in der Hohen Weide vollends zurKlinikpromenade verwandeln wird.

3. Mit „Agaplesion Zwei“ wird der Konzern seine Geschäftstätigkeit auf dem Hamburger Gesundheitsmarkt noch einmal erheblich ausdehnen und am Ende die ganze Straße Hohe Weide in ein Gewerbegebiet verwandelt haben.

Die Geschäftsstrategie der Evangelikalen ist rigoros: Die frühere SPD-Regierung wollte durch die Zusammenlegung von drei klerikalen Krankenhäusern am Standort Alten Eichen diese zu Einsparungen zwingen. Als Dach-GmbH für eine Fusion wurde auf Betreiben der Politik die „Diakonie-Klinikum-Hamburg GmbH“ geründet. Während dieser Phase stand das Elim aber vor der Insolvenz. Der 2002 gegründete methodistische Agaplesion-Konzern griff sich zuerst das Elim und übernahm dann die Mehrheit an der DKH GmbH.

Dank der guten Beziehungen zum Beust-Senat und dessen „Gesundheitsexperten“ Dietrich Wersich, der früher Arzt am methodistischen Bethanien-Krankenhaus war (der Agaplesion-Chef Weber war dort seit 1978 Geschäftsführer!) wurde nicht nur aus der Fusion eine Übernahme, sondern man verschaffte Agaplesion auch noch kostenlos eine öffentliche Freifläche im Kerngebiet Eimsbüttels als lukratives Sahnegrundstück.

Währenddessen gehen in Alten Eichen die Geschäfte in modifizierter Form weiter und man hat über die Mit-Initiierung einer Astroturfing-Bürgerinitiative („Martini-Erleben“) auch noch auf dem Bethaniengelände die Finger drin. Im Kerngebiet wird Agaplesion am Ende nicht nur einen Neubau auf einer (kostenlos) privatisierten Freifläche haben, sondern zusätzlich noch den größten Teil des Elim-Geländes. Was unter dem Titel der „Sparpolitik“ begonnen hattte, endet mit einem riesigen Vermögenszuwachs und einer absoluten Marktausdehnung.

4. Agaplesion erhielt zusätzlich zum ehemaligen Sparbierplatz und dem 100-Millionnen-Neubau noch 8,4 Millionen Euro „Entschädigung“ für den „Verlust“ des Elim-Gebäudes, das jetzt auf Staatskosten abgerissen wird. Den größten Teil dieses Geländes hat der Agaplesion-Konzern, der laut dem steuerfreien Status der „Gemeinnützigkeit“ angeblich keine Profite macht, inzwischen für 2,5 Millionen gekauft. Bei 8,4 Millionen „Entschädigung“ ein gutes Geschäft. Und obendrein: Auch der Teil des Elims, der inzwischen Agaplesion gehört, wird – zusätzlich zur „Entschädigung“ auf Staatskosten abgerissen. Als Auftraggeber der öffentlichen Ausschreibung tritt jedoch der Privatkonzern Agaplesion auf.

Süddeutsche Zeitung, 27.10.2011
(Ressort: Wirtschaft)

Bernd Weber von Agaplesion geht
Der Vorstandsvorsitzende des Gesundheitskonzerns Agaplesion, Bernd Weber, scheidet aus dem Unternehmen aus. Der 1945 geborene Betriebswirt verlasse die Aktiengesellschaft Ende März 2012 auf eigenen Wunsch, teilte die Agaplesion AG mit. Eine Nachfolgeregelung gebe es noch nicht. Weber leitete das Unternehmen seit seiner Gründung im Jahr 2002. Zuvor war er Geschäftsführer der Frankfurter Diakonie-Krankenhäuser Markus und Bethanien. Zur Agaplesion AG gehören rund 80 Tochterfirmen, darunter 22 Krankenhäuser und 32 Alten – und Pflegeeinrichtungen. In ihnen arbeiten 12 000 Beschäftigte. Der Jahresumsatz liegt bei 620 Millionen Euro.

(Hinweis: Die SZ hat hier eine Meldung der klerikalen Agentur epd fast unverändert übernommen. Unerwähnt bleibt daher, mit welchem Geld Weber mal eben eine Aktiengesellschaft gründen konnte! Unerwähnt bleibt also das methodistische Bethaniennetzwerk, das hinter Weber steht. Diese Holding ist als „Stiftung“ verfasst, wodurch ein Einblick in die Strukturen von außen kaum möglich ist. Die Agaplesion AG wurde am 26. Juli 2002 gegründet. Der Eintrag ins Handelsregister erfolgte am 19.9.2002).

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Zwischenberichte 2011 
(Teil 6 – November/Dezember)

Alte Neuigkeiten zur Holding „Alten Eichen“

■ Im letzten Jahr haben wir auf der „Alten Eichen“-Seite dieses weblogs ausführlich die Struktur dieser Holding und ihre ökonomischen Strategien (Leiharbeitsfirmen, Servicefirmen, Minijobs etc.) dargestellt. Obwohl diese Enthüllungen die Runde machten, haben Abendblatt und Ver.di dazu geschwiegen. Jetzt, nach einem Jahr, melden sie sich zu Wort, aber ihre nachträgliche Bestätigung unserer Recherche hat einen Haken: Sie behaupten wahrheitswidrig, was in Alten Eichen passiert, sei „unchristlich„. Tatsächlich ist nichts so christlich wie diese Praktiken.

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Hamburger Abendblatt, 17.11.2011
Schwere Vorwürfe gegen Kirchen-Stiftung

Das Leitbild des Diakonischen Werks ist eine der berühmtesten Erzählungen im Neuen Testament. Es ist die Geschichte des barmherzigen Samariters, der einem ausgeraubten und schwer verletzten Mann half, ihn in eine Herberge brachte und für seine Pflege bezahlte. Genau jene Barmherzigkeit streitet die Gewerkschaft Ver.di der Diakonie nun ab. Nach Überzeugung der Mitarbeitervertretung (MAV) verstoßen die Kirchenleute nicht nur gegen das eigene Leitbild, sondern auch gegen Vorschriften der Evangelischen Kirche (EKD) und Gesetze. Es geht um den Verdacht der Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung und des Lohndumpings.

In die Kritik gerät die Art der Beschäftigung von Mitarbeitern der Ev.-Luth. Diakonissenanstalt Alten Eichen. Vorstandsvorsitzender der Einrichtung ist Pastor Torsten Schweda. Er ist auch Aufsichtsratsvorsitzender des Diakonischen Werks in Hamburg. Ihm wirft Gewerkschaftssekretär Arnold Rekittke vor, mit der Gründung einer Zeitarbeitsfirma gegen das eigene Kirchenarbeitsrecht zu verstoßen. Zwar sei „diakonischen Dienstgebern“ Leiharbeit nicht verschlossen, um etwa „kurzzeitigen“ Beschäftigungsbedarf zu überbrücken. Aber ganz klar spricht sich die Kirche über längerfristige Beschäftigungen aus: „Die auf Dauer angelegte Beschäftigung von Leiharbeiternehmern (…) ist mit dem Kirchenarbeitsrecht nicht vereinbar.“

In der Zeitarbeitsfirma von Alten Eichen, der DAH Dienstleistungsgesellschaft für Altenhilfe in Hamburg, sind laut Pastor Schweda 16 Mitarbeiter beschäftigt. Diese würden „zu 95 Prozent“ in den Einrichtungen von Alten Eichen beschäftigt. Als dauerhafte Beschäftigung sieht er das nicht an, da die Mitarbeiter zwischen den Einrichtungen bei Bedarf wechselten.

Dazu sagt Gewerkschafter Rekittke: „Wenn schon die dauerhafte Beschäftigung von Leiharbeitnehmern dem Kirchenrecht widerspricht, dann widerspricht doch die Gründung einer Leiharbeitsfirma, die darauf aufgebaut ist, dauerhaft Pflegekräfte zu verleihen, diesem doch erst recht.“ Zudem würden Leiharbeiter (noch! Anm. Initiative) schlechter bezahlt als fest Angestellte. Für Rekittke ist klar: „Alten Eichen will mit den Zeitarbeitsfirmen keine vorübergehenden Personallöcher stopfen, sondern Lohndumping betreiben.“ Damit sei auch die Beschäftigung von Pflegemitarbeitern in der ausgegliederten Alten Eichen Service GmbH gemeint.

Die Diakonie, die Dachorganisation von Alten Eichen, hält diese Praxis für vertretbar. Die Zeitarbeitsfirma bewege sich „im Rahmen der Grundsätze der Diakonie und der kirchenrechtlichen Anforderungen“, ließ Landespastorin Annegrethe Stoltenberg über ihren Sprecher ausrichten. Sie macht das „Konkurrenzprinzip“ im Gesundheitswesen für die Bezahlung unterhalb des Tarifs verantwortlich. „Die Politik ist nach wie vor nicht bereit, die tarifgerechte Bezahlung in der Kranken- und Altenpflege zu refinanzieren. Dadurch geraten Träger der Hamburger Diakonie zunehmend unter Druck.“

Dem Verdacht, die Stiftung Alten Eichen würde mit ihrer Service GmbH Lohndumping begehen, widerspricht Torsten Schweda. „Es ist nicht so, dass dort grundsätzlich weniger als der Tarif gezahlt wird. Es gibt auch Mitarbeiter, die höher bezahlt werden.“

Möglicherweise strafrechtlich relevant könnte der Umgang mit Aufwandsentschädigungen sein. Diese werden üblicherweise für ehrenamtliche Tätigkeiten gezahlt. In der „Anweisung zu den Aufwandsentschädigungen“ heißt es, dass diese „ausschließlich für die Pflege von alten, kranken oder behinderten Menschen ausgezahlt“ werden. Gewerkschafter Rekittke hält das mit dem Grundsatz des Ehrenamts für nicht vereinbar. „Das ist reguläre Arbeit, und die Bezahlung dafür ist zu versteuern. Alles andere ist Schwarzarbeit.“

Laut Alten-Eichen-Chef Schweda erhalten vier sogenannte 400-Euro-Kräfte zusätzlich eine Aufwandsentschädigung. Dass deren Tätigkeiten, für die sie jeweils Geld erhalten, jeweils Pflege ist, hält er für unproblematisch. Der Arbeitsrechtler Rolf Geffken sieht das anders. Ein weiteres Indiz für den Verdacht der Steuerhinterziehung erkennt er in der Anweisung, dass die Leitung die Stundenzettel für die Mitarbeiter führt. Geffken: „Das wäre ein Direktionsrecht im Rahmen eines regulären Arbeitsverhältnisses.“ Pastor Torsten Schweda zeigte sich von dem Verdacht der Schwarzarbeit überrascht und kündigte an: „Wir werden nun prüfen, ob unsere Praxis immer noch rechtlich gedeckt ist.“

Kommentar:

Der Soziologe Max Weber bezeichnet privatwirtschaftliche Konzerne im Umfeld von „Kirchen“ schon vor 100 Jahren als „Heilsunternehmen“. Er wollte damit ihren Doppelcharakter deutlich machen – als kapitalistische Firmen, die ihre Praxis mit einer „frommen Botschaft“ bemänteln, um in der Konkurrenz zu anderen Firmen zu punkten und um dabei konkrete Vorteile einzusetzen: Steuerfreiheit und Dumpinglöhne. Das alles ist nicht besonders schwer zu begreifen, und wenn zum Beispiel das Stichwort Scientology fällt, begreift das auch jeder Abendblatt-Reporter und Gewerkschaftsfunktionär.

Ganz anders jedoch, wenn es um die staatstragenden Kirchen (Weber nennt sie „Gnadenkirchen“: die Leute sind aus Bequemlichkeit dabei und die Kirche verlangt nicht viel von den „Sündern“) und um die ihnen angeschlossenen Sekten geht (zum Beispiel die Methodisten, die von ihren Mitgliedern Engagement und Karrieren verlangen): Dann wird, wenn sich Kritik mal nicht vermeiden lässt, der schwere Vorwurf erhoben, diese Konzerne handelten „unchristlich“.

Aus den Kritikern werden plötzlich Inquisitoren, die besser als die Kirchen selbst wissen, was christlich und „unchristlich“ ist. Man misst das, was zu kritisieren wäre, also nicht an weltlichen Maßstäben, sondern macht sich die ideologischen Schlagworte wie „Barmherzigkeit“ zu eigen, mit denen die Heilsunternehmen ihr Marketing betreiben.

Laut Marketing sind diese Konzerne „barmherzige Samariter“. Dabei ist ja immerhin allgemein bekannt, dass die christlichen Heilsunternehmen sich komplett aus öffentlichen Mitteln finanzieren, da der säkulare Staat und die Kassen ihre Mittel durch diese Konzerne hindurch leiten wie durch eine Pipeline und zwar so, dass dort genug hängen bliebt, um ganzen Heerscharen von christlichen Managern und Funktionären fette Gehälter zu zahlen und ihre gesellschaftliche Macht zu vergrößern.

Ausgerechnet die Gewerkschaft Ver.di, die doch keine christliche Gewerkschaft sein will, vermisst nun bei „der Diakonie“ (so nennt auch sie den Unternehmerdachverband „Diakonisches Werk“) den christlichen Fundamentalismus und wirft den Christenfirmen auch noch vor, nicht christlich GENUG zu sein: Nach der Überzeugung von Ver.di und der rechtlosen Mitarbeitervertretung „ verstoßen die Kirchenleute nicht nur gegen das eigene Leitbild, sondern auch gegen Vorschriften der Evangelischen Kirche (EKD) und Gesetze.“

Man beachte: die weltlichen Gesetze werden ganz zuletzt angeführt. Die hauptsächliche Verfehlung der Holding Alten Eichen soll in einer Abweichung von den „Vorschriften der Evangelischen Kirche“ und deren eigenem Marketing („Leitbild“) bestehen.

Der Gewerkschafter Rekittke wird plötzlich päpstlicher als der Papst und droht den „diakonischen“ Firmen ausgerechnet mit dem Kirchenrecht! Ihm fällt überhaupt nicht auf, dass es doch Aufgabe säkularer Gewerkschaften sein müsste, die Abschaffung des reaktionären Kirchenrechts, das anderswo Scharia heißt, zu verlangen. Er aber findet, dass der theokratische Herrscher über „Alten Eichen, Thorsten Schweda, gegen das eigene Kirchenarbeitsrecht verstoße.

Das müssen Schweda und andere sich natürlich nicht gefallen lassen. Und schon meldet sich die „Landespastorin“ Annegrethe Stoltenberg zu Wort, die nicht nur im DW neben Schweda sitzt, sondern auch in dessen Holding mitmischt, und betont, dass die alltäglichen Ausbeutungspraktiken absolut christlich sind und sich absolut „im Rahmen der Grundsätze der Diakonie und der kirchenrechtlichen Anforderungen“ bewegen.

Die Frau ist immerhin nach der Bischöfin die zweithöchste Autorität dieses Vereins. Sie wird also schon wissen, was christlich ist. Rekittke könnte nun also sagen: Wir verurteilen diese absolut christlichen Ausbeutungs- und Herrschaftspraktiken. Wir sehen nun, dass „die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ genau so zusammen gehören, wie Max Weber es in seinem gleichnamigen Buch beschrieben hat.“

Immerhin benennt nun auch Ver.di einige Tatsache hinsichtlich der Hodling „Alten Eichen“, die seit langer Zeit auf unserem weblog ziemlich genau beschrieben sind: Die Holding betreibt u.a. eine Leiharbeitsfirma, die jede Woche in den Lokalblättern Anzeigen schaltet und die eingerichtet wurde, um statt festen „Mitarbeitern“ Leiharbeiter in eigenen und fremden Firmen einzusetzen. Außerdem sind hier besonders viele Minijobber eingesetzt, die nicht einmal sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind.

Aber auch die Löhne der anderen sind nicht berauschend, denn auch wer dort „nach Tarif“ bezahlt wird, wird eben zu Kirchentarifen bezahlt, die allerdings von Ver.di so wenig grundsätzlich in Frage gestellt werden wie das Kirchenrecht. Im Gegenteil: Bei den letzten ver.di-Streiks in diesem Bereich ging es darum, einen weniger „guten“ Kirchentarif (AVR) gegen einen „guten“ Kirchentarif auszutauschen, den man mit dem Unternehmerdachverband „Diakonisches Werk“ und den Kirchen ausgehandelt hat.

Keine Frage: Unsere Enthüllungen führten, obwohl sie von vielen Interessierten gelesen werden (auch von Abendblatt-Reportern und Ver.di-Leuten) nicht zu einem großem Abendblatt-Artikel. Wenn hingegen Ver.di die Kritik an Dumpinglöhnen mit dem Vorwurf verbindet, diese seien „unchristlich“, dann kann das durchaus dazu führen, dass sich die Blicke auf Schwedas Imperium richten. Das hat letzten Jahr aber auch schon die ARD-Sendung „Panorama“ bewirkt, um kurz darauf unter dem Druck „der Diakonie“ einzuknicken.

Diese Aufmerksamkeit für eine Holding, deren undurchsichtigen Stiftungs-Strukturen geradezu im Verborgenen wirken, ist uns sehr recht, zumal in diesem Fall erstmals im Abendblatt in einem „Infokasten“ ein Satz steht, den wir da sonst nie hinein bekommen hätten:

„Darüber hinaus ist die Stiftung am Agaplesion-Diakonieklinikum Hamburg in Eimsbüttel beteiligt“.

Viele Leser haben darauf hin bei uns nachgeschaut und konnten hier erfahren, wie Stoltenberg, Schweda und Agaplesion AG zusammen wirken.

Bezeichnend ist übrigens die „Erklärung“, mit der die kaltschnäuzige „Landespastorin“ das Lohndumping rechtfertigt: „Sie macht das „Konkurrenzprinzip“ im Gesundheitswesen für die Bezahlung unterhalb des Tarifs verantwortlich. „Die Politik ist nach wie vor nicht bereit, die tarifgerechte Bezahlung in der Kranken- und Altenpflege zu refinanzieren. Dadurch geraten Träger der Hamburger Diakonie zunehmend unter Druck.“ 

Kurz vor der Einweihung des Agaplesion-Klinikums im Januar 2011 ist Stoltenberg mit einem solchen Statement bereits im NDR zitiert worden. Man sieht an diesem Statement gut, dass das Führungspersonal dieser Heilsunternehmen inzwischen auch ideologisch nicht mehr sattelfest ist, weil das Geldscheffeln die ganze Aufmerksamkeit absorbiert.

Diese Frau lebt so in und von diesen Strukturen, dass ihr nicht einmal auffällt, dass sie ein Geheimnis ausplaudert. Es lautet: „Der einzige Grund, warum wir Klinken und andere Einrichtungen betreiben, besteht darin, dass wir in der Konkurrenz um Marktanteile mitmischen wollen. Dazu sind wir zu allem bereit.“ Dabei tut sie so, als wurde sie höhere Zahlungen der Kassen direkt an die „Mitarbeiter“ weiterreichen.

Es ist aber genau umgekehrt: Erst durch Erhöhung der Differenz zwischen diesen Zahlungen und dem was davon bei den Beschäftigten ankommt, erhöht sich der „diakonische“ Profit, aus dem auch die Ausweitung der Marktanteile finanziert wird.

Notfall-Übung vor dem Agaplesion-Klinikum 

29.11. 2011

■ Am 29. November 2011 wurde die für alle Hamburger Krankenhäuser vorgeschriebene Notfallübung erstmals an dem im Februar 2011 eröffneten Agaplesion-Klinikum in Eimsbüttel durchgeführt. Agaplesion hatte den letzten Termin dieser Übungsreihe im Dezember 2008 verpasst, da aus der für 2006, 2007 und 2008 angekündigten Fertigstellung des Neubaus auf dem privatisierten Ex-Sparbierplatz wegen des Widerstandes gegen diesen Bau nichts geworden ist.

Die Hamburger Gesundheitsbehörde musste sich nun alsonachträglich ein Katastrophen-Szenario für das Agaplesion-Klinikum einfallen lassen. Zu einem solchen Szenario gehört auch eine realistische Beschreibung der Krankenhaus-Standorte: (1) Wo liegen die Zufahrtswege? (2) Wo spielt sich die Aufnahme der Unfallopfer ab? (3) Ist dort überhaupt genügend Platz für eine große Zahl von Rettungswagen, die gleichzeitig eintreffen oder sollte nicht besser eine andere Klinik angefahren werden? (4) Ist der Ort der Klinikaufnahme so abgeschirmt, dass Unbeteiligte nicht durch den schockierenden Anblick von Schwerverletzten traumatisiert werden?

Alle diese Fragen sind im Fall des Agaplesion-Klinikums mit „Nein“ zu beantworten:
(1) Die Zufahrt zu dieser Klinik liegt mitten in einer Wohnstraße direkt am Bürgersteig. Die niedrige Zufahrt ist nicht abgeschirmt. (2) Auffahrt und Bürgersteig sind nur durch Gitterstäbe getrennt. Jeder Passant blickt unvermeidlich direkt in den Rettungswagen wenn dort jemand ausgeladen wird und ist mit dem Anblick und natürlich auch den Schmerzensschreien der Verletzten unmittelbar konfrontiert. (3) Zudem haben nur sechs Rettungswagen Platz auf dieser Zufahrt. Sowie mehr als sechs Verletzte gleichzeitig angeliefert werden, parken die Rettungswagen auf der Straße und auf dem Bürgersteig und gefährden so Passanten und den Durchgangsverkehr erheblich. (4) Zugleich spielt sich alles direkt vor den Fenstern von Hunderten Anwohnern ab, da der Abstand zwischen der Klinik und der Wohnbebauung so gering ist, dass die Mieter direkt in die Patientenzimmer schauen – und umgekehrt.

Diese Übung setzte die Praxis fort, den öffentlichen Raum und das angrenzende Wohngebiet als Klinikgelände zu behandeln.

Eine kommentierte Dokumentation mit 9 Fotos findet sich hier.

Leserbrief zu dem Wochenblatt-Artikel:
Massenpanik beim ETV – 40 Verletzte
Eine Übung im Agaplesion Diakonieklinikum.

05.12.2011
Misslungene Notstandsübung

Auswärtigen Lesern, die die örtlichen Bedingungen nicht kennen, wird an dieser Katastrophenübung weiter nichts auffallen. Wer jedoch den Ort kennt, an dem diese Übung stattfand, kann nur zu dem Ergebnis kommen, dass die Gesundheitsbehörde und ihr Katastrophenschutz-Referent Michael Kerber ihren Verpflichtungen nicht gerecht werden.

Erstens:

Der Fußballplatz, auf dem laut Szenario der Gesundheitsbehörde eine Massenpanik ausbrach, liegt auf der Agaplesion-Tiefgarage auf und grenzt unmittelbar an die Fensterscheiben der Aufenthaltshalle der Klinik. Dass das in dem Szenario nicht einmal erwähnt wird, zeugt von einem Mangel an Realismus, der auch mit viel Schminke nicht auszugleichen ist.

Diese bundesweit einzigartige Nachbarschaft zwischen einem lauten Fußballplatz und einem Hospital, in dem auch eine Herzklinik von Asklepios untergebracht ist, verstößt gegen alle Vorschriften des Lärmschutzes in der Nähe von Krankenhäusern. Es gibt das so genannte Tibarg-Urteil aus den 1990er Jahren, das eine solche Nachbarschaft ausdrücklich untersagt. In der Baugenehmigung wird dieses Urteil unter Berufung auf eine „Hafen-City-Lösung“ umgangen, wo man den rechtlich umstrittenen Innenschallpegel erfunden hat: Die Klinik musste als schalldichter Bunker konzipiert werden; die Lärmschutzvorschriften sind nur bei geschlossenen Fenstern einzuhalten. Sie werden aber bei großen Spielen mit vielen Zuschauern trotzdem weit überschritten, vor allem wenn sie in den Abendstunden stattfinden.

Es ist bewiesen, dass ein lautes Krankenhaus krank macht.

Das Szenario der Gesundheitsbehörde setzt also einen Verstoß gegen den Lärmschutz bereits voraus, indem es von einem großen Spiel mit sehr vielen Zuschauern ausgeht, die auch noch Rauchbomben und bengalische Feuer entzünden (was auf einem Kunstrasenplatz und neben dem Sauerstofftank an der Bundestraße aus Gründen des Brandschutzes und der Explosionsgefahr untersagt ist) und dann wahrscheinlich auch Vuvuzelas mit sich führen.

Dieses amtliche Szenario legitimiert also einen Rechtsverstoß und ist daher ungültig. Ganz abgesehen davon, dass man Verletzten nicht wünscht, in ein derart nervöses Krankenhaus zu kommen und von dort aus auch noch den Fußballplatz zu betrachten, auf dem sie gerade ihre Verletzungen erlitten haben.

Zweitens:

Unrealistisch ist das Szenario auch hinsichtlich der Anfahrt der Verletzten: Es gibt am unteren Ende des Fußballplatzes rechts eine Tür, die nur wenige Meter vom Klinik-Haupteingang entfernt ist. In der Realität (auf die es laut Übungsszenario doch so sehr ankommen soll!) würden Verletzte also nicht mit Rettungswagen vorgefahren, sondern mit Bahren in die Klinik gebracht werden. Das haben Michael Kerber und seine Leute völlig übersehen und insofern tatsächlich eine falsche Übung durchgeführt. Die Rettungsleute bräuchten eine ganz andere Ausrüstung. In diesem Fall wäre also alles schiefgegangen, und es würde daher auch im Ernstfall alles schiefgehen.

Drittens:

Vor allem tagsüber wäre auf der Agaplesion-Rampe führ so viele Rettungsfahrzeuge überhaupt kein Platz. Durch den Pendelverkehr für die Tagesklinik ist die Rampe ständig verstopft, weswegen schon im Normalbetrieb einzelne Rettungsfahrzeuge dort kaum Platz finden. Aber auch am Abend ist dort nur Platz für sechs Fahrzeuge.

Viertens:

Das Agaplesion-Klinikum hat kein Klinikgelände. Seine Auffahrt grenzt direkt an den Bürgersteig des angrenzenden Wohngebietes. Die Rampe ist vom Bürgersteig und den umliegenden Häusern aus direkt einzusehen, da sie keine Sichtblende hat. Da die Rampe zu klein ist, müssten die 40 Schwerverletzten mitten auf der Straße und dem Bürgersteig des Wohngebietes ausgeladen werden. Dieser öffentliche Bürgersteig wird jedoch von vielen Passanten genutzt wird, darunter Schul- und Kindergartenkinder.

Davon abgesehen, dass es ein Skandal ist, dass man eine Klinik ohne Klinikgelände überhaupt genehmigt und die Bewohner der benachbarten Mietshäuser sich wie auf einem Klinikgebiet vorkommen, müsste also die Wohnstraße Hohe Weide in einem solchen Notfall komplett abgesperrt werden. Auch das wurde von Michael Kerber und seinen Leute „vergessen“.

Das Katastrophenteam selbst hat diesen Test also nicht bestanden! Die richtigen Schlussfolgerungen müssten lauten:

1Die Nutzung des Fußballplatzes für größere Spiele mit Zuschauern ist zu untersagen. Was in dem Szenario geschildert wird, darf gar nicht stattfinden.

2. Da das Agaplesion-Klinikum kein Klinikgelände hat und Schwerverletzte nicht auf den Straßen eines Wohngebietes ausgeladen werden dürfen, werden im Katastrophenfall grundsätzlich keine Verletzten zu dieser Klinik gefahren.

Ob der Katastrophenschutzreferent den Mut zu diesen zwingenden Schlussfolgerungen haben wird?

[In der Gesundheitsbehörde sitzen weiterhin die Gefolgsleute des ehemaligen Sozialsenators Wersich. Sie haben diesen Bau federführend durchgesetzt. Das jetzt von ihnen entworfene Notfall-Szenario soll ihr widersinniges „Projekt“ nun nachträglich normalisieren].

Doro Sand, Initiative 

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