Zwischenberichte ab Januar 2012

AGAPLESION-KONZERN: Mehr Rendite als die Deutsche Bank! Und auch noch steuerfrei!

■■■ „Die Eigenkapitalrentabilität des Agaplesion-Konzerns beträgt 27,4%.“
(Konzernlagebericht der Agaplesion AG)

„Agaplesion-Vorstandsvorsitzender Bernd Weber ist Manager des Jahres 2011“
(kma-Magazin – Managementwissen für die Gesundheitswirtschaft, 16.11.2011)

■■■ „Von einer Eigenkapitalrentabilität von 25 Prozent hat die Deutsche Bank sich endgültig verabschiedet, selbst 20 Prozent seien erst auf lange Sicht wieder drin. 2011 war es gerade die Hälfte.“ (FAZ, 2.2.2012)

„Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann ist der Verlierer des Jahres 2011“
(Der Spiegel, 29.12.2011)

Die vergiftete Zahl 25 %

Die Kirchen greifen Josef Ackermann als „Götzendiener“ an.

25 Prozent Eigenkapitalrendite (vor Steuern) hatte der Deutsche-Bank-Chef einst als Ziel ausgegeben. Die Zahl wurde öffentlich zum Zeichen seiner Maßlosigkeit. Besonders nach Ausbruch der Finanzkrise wurde sie zum heftig kritisierten Symbol des Turbokapitalismus. Franz Müntefering, ein heute fast vergessener SPD-Politiker, nannte eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent 2009 „egoistisch“ und eine „moralische Verirrung“. Die Taz titelte damals zum Thema: „Die Gier zeigt ihr Gesicht“ und bei den Demonstrationen der Occupy-Bewegung gab es viele Plakate, auf denen die Zahl 25 als Fetisch des Renditewahns gegeißelt wurde.

Ganz besonders aggressiv traten die Kirchen-Funktionäre auf. Der hochbezahlte Münchener Erzbischof Reinhard Marx polemisierte in einer Talkshow gegen „das Schlechte, die Gier, die Maßlosigkeit“ und nannte schon „acht, neun, zehn Prozent“ eine „strukturelle Sünde“. Der Berliner Bischof Wolfgang Huber (*), damals Vorsitzender des „Rates der Evangelischen Kirche“ (EKD) und bis heute ein Förderer der evangelikalen Bewegung, ging noch einen Schritt weiter. In einem Interview der „Berliner Zeitung“ bezeichnete er das Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent als „eine Form des Götzendienstes“, der ihn an den „Tanz ums Goldene Kalb“ erinnere. Seit 2000 Jahren neige der Mensch als solcher zu Gier und Maßlosigkeit. Die Finanzkrise habe daher keine systemischen Ursachen, sondern sei Folge unchristlicher Charakterschwäche. Von Ackermann verlangte der Bischof, „dass niemals wieder ein Vorstandsvorsitzender ein Renditeziel von 25 Prozent vorgibt und sich dadurch Renditevorstellungen hochschaukelt zu Größenordnungen, von denen man weiß, dass sie irgendwann zusammenbrechen müssen„. Die Deutsche Bank verwahrt sich gegen diese „persönliche Attacke“.

(* Aktuell: Huber wurde am 18.2.2011 von der CDU als Bundespräsidenten-Nachfolger von Christian Wulff vorgeschlagen. Zu ihrer Verbindung siehe hier).

Die Gesundheitswirtschaft begeistert sich für einen evangelikalen Konzern. Aber weshalb?

Einige Jahre später, Anfang Dezember 2011, schickten Leute, bei denen diese Art der „Kapitalismuskritik“ offenbar gut angekommen war, eine Briefbombe an den „Götzendiener“ Ackermann. Dass und warum dieser sein Ziel einer 25-Prozent-Rendite gerade grandiosverfehlt hatte, interessiert sie nicht weiter. Die Finanzwirtschaft und ihre Manager rangierten währenddessen in allen einschlägigen Vertrauens- und Berufsumfragen unter dem Titel „Finanzjongleure“ auf den hinteren Plätzen. Zugleich wurde Ackermann nun wegen einer Eigenkapitalrendite von bloß 10 Prozent in den Medien als „Verlierer des Jahres“ (Spiegel 29.12.2011) niedergemacht wird.

Genau zu dieser Zeit aber feiert die im Zuge der Privatisierungswellen entstandene und nun boomende „Gesundheitswirtschaft“ den Vorstandsvorsitzenden einer anderen Aktiengesellschaft als „Manager des Jahres“, also als einen, der den anderen zeigt, wo es lang geht:

Agaplesion-Chef Bernd Weber ist Manager des Jahres. „kma – Das Gesundheitswirtschaftsmagazin“ kürt den Agaplesion-Gründer zum Manager des Jahres. Mit einem einzigartigen Expansionsmodell und stringentem Management macht Weber konfessionelle Häuser zukunftsfähig. Für diese strategische Leistung kürt kma den 66-jährigen Gründer und Vorstandsvorsitzenden von Agaplesion zum Manager des Jahres 2011. Ihm ist ein unternehmerisches Wunder gelungen: Bernd Weber bewahrt mit seiner Agaplesion gAG kränkelnde Unternehmen vor dem Aus und erwirtschaftet zugleich eine solide Umsatzrendite von 5 Prozent.“

Die Preisverleihung fand am 17. Januar 2012 im Rahmen einer „festlichen Gala des Clubs der Gesundheitswirtschaft“ (CDGW) im Marriott-Hotel am Potsdamer Platz in Berlin statt. Dieser Club „bietet Führungskräften und Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft eine Plattform der Vernetzung – und er wirkt in Gesellschaft und Politik hinein.“

Feier der falschen Rendite

Doch woher rührt die Begeisterung dieser Branche? Sind ihre Margen so gering, dass ihr ein Manager, der eine Umsatzrendite von 5 Prozent erwirtschaftet, schon als Heilsbringer vorkommt?

Tatsächlich gelten fünf Prozent in der Branche als Standard, den zum Beispiel Asklepios oder der HBH-Klinikverbund stets erreichen und der von vielen anderen wie der Rhön-Klinikum AG (6%), Helios (15%) oder der Klinikum Starnberg GmbH (15 %) deutlich überboten wird. Tatsächlich liegen die Umsatzrenditen in der Medizinbranche meistens höher als in der Industrie, wo nur einige Konzerne wie Daimler eine Umsatzrendite von 9 Prozent schaffen, während viele andere unter fünf Prozent liegen.

Um die Umsatzrendite eines Konzerns zu kennen, muss man allerdings seinen „Gewinn“ kennen und diesen durch die Umsatzerlöse teilen. Doch die Höhe des Agaplesion-Gewinns ist keineswegs so eindeutig auf der Basis der Konzernbilanz berechenbar, wie kma das vorgibt. Nicht zufällig widersprechen sich die diesbezüglichen Angaben des „Gesundheitswirtschaftsmagazins“. Noch im Mai 2011 schrieb man dort: „Agaplesion, mit einem konsolidierten Jahresumsatz von rund 389 Millionen Euro, soll weiter expandieren und die Umsatzrendite von gut zehn Prozent vor Steuern und Zinsen halten.“

Schon diese Diskrepanz ist eigenartig: Warum feiert die „Gesundheitswirtschaft“ Weber für 5 % Umsatzrendite, wo er doch gerade 10 % erreicht hat? Wenn die Zahl 5 % zuträfe, hätte man einen Mann zum „Manager des Jahres“ gekürt, dessen Umsatzrendite „vor Steuern und Zinsen“ sich gerade halbiert hat!

Davon abgesehen davon, dass dieser Konzern wegen seiner „Gemeinnützigkeit“ faktisch keine Steuern zahlt und wegen seiner überwiegenden Finanzierung aus öffentlichen Mitteln auch kaum Zinsen für Fremdkapital aufbringen muss, ist die Aussagekraft der Kennzahl „Umsatzrendite“ generell gering, weil der in der Bilanz ausgewiesene „Gewinn“ nichts über Bewertungen, Rücklagen, Stille Reserven etc. sagt. Tatsächlich weiß kma nichts über die „Umsatzrendite“ des Agaplesion-Konzerns. Die Angaben in dem Magazin beruhen überhaupt nicht auf eigenen Recherchen, sondern ganz schlicht auf „Angaben von Agaplesion“. Allerdings gerade nicht auf Angaben zur Umsatzrendite, sondern auf Angaben des Konzerns zu seiner „Ebit“-Marge. Das wiederum ist sehr bezeichnend, denn die „Ebit“-Marge ist eine Kennzahl, die erst im Zuge des Shareholder-Value-Neoliberalismus populär wurde. Es ist eine rein finanzwirtschaftliche Kennziffer, bei der alle „nachhaltigen“ Größen, also zum Beispiel notwendige langfristige Rückstellungen und Reserven nicht mehr vorkommen. Sie wurde als Benchmark-Größe vor allem bei „Anlegern“ beliebt. Selbst im Manager-Magazin wurde dieser „Ebit“ als eine Marge bezeichnet, die
„die Tore für eine geschichtlich einmalige Periode der scheinbar legitimen Bilanzmanipulation, Bilanzfälschung, des Betruges am Publikum und der exzessiven Einkommensgestaltung von Managern öffnete.

27,4 % Eigenkapitalrendite – Die wirklich spektakuläre Agaplesion-Kennziffer wird verschwiegen

Die „Führungskräfte der Gesundheitswirtschaft“ und auch ihr Gesundheitswirtschaftsmagazin lieben die Superlative. Gewinn, Umsatz, Bettenzahl, Expansion: je größer die Zahlen, desto doller ist das Image des Managements. Kranke Menschen kommen hier gar nicht mehr vor; sie haben sich in der Sprache dieser Leute in Fallzahlen und Kennziffern aufgelöst.

Die Vorliebe der Klinikmanager für möglichst beindruckende finanzwirtschaftliche Performance-Kennziffern stammt aus der Zeit, als sie voller Faszination auf die „Traumrenditen“ in der Finanzindustrie blickten. Seither wollen auch die Führungskräfte im Krankheitsbusiness das ganz große Rad drehen. An dieser Mentalität hat sich auch seit dem Platzen der Finanzblase nichts geändert.

Umso erstaunlicher ist es, dass man Weber nicht für die wirkliche Superzahl seiner Bilanz feierte: 27,4 Prozent Eigenkapitalrendite!

Die Eigenkapitalrendite bei privatwirtschaftlichen Klinikkonzernen, zu denen – anders als in der Agaplesion-PR dargestellt – auch die „frei-gemeinnützigen“ Konzerne gehören (siehe weiter unten), liegt immer schon höher als in der Industrie. Außer im Bankensektor kann man in kaum einer anderen Branche mit so wenig Eigenkapital so viel Profit machen. Der Durchschnitt der Eigenkapitalrendite bei den Klinikfirmen liegt bei 10 Prozent. Am oberen Ende liegt mit rund 15 Prozent meistens die Rhön-Klinikum AG. 27,4 Prozent sind also sowohl im internen Branchenvergleich wie auch gesamtwirtschaftlich gesehen eine wirkliche Sensation.

Es ist nun sehr unwahrscheinlich, dass den Besuchern der „Gala des Clubs der Gesundheitswirtschaft“ und dem kma-Magazin diese spektakuläre Zahl entgangen ist. Warum man sie trotzdem nicht erwähnte und feierte, sondern ersatzweise die (falsche) Umsatzrendite, liegt auf der Hand:

Nach dem jahrelangen 25 Prozent-Bashing von Ackermann, bei dem die Kirchenleute eine besonders demagogische Rolle spielten, konnte man diese Zahl einfach nicht mehr „kommunizieren“.

Unternehmensberatungen und PR-Agenturen hatten davon – gerade in den Zeiten der Finanz- und Schuldenkrise – mit Sicherheit dringend abgeraten. Agaplesion und kma dürften sich darüber einig gewesen sein, dass es klüger ist, die „moderater“ wirkende (und zudem falsche) Kennziffer „5 % Umsatzrendite“ in den Mittelpunkt der PR zu rücken:

Wenn die Zahl 25 schon vergiftet war, dann musste 27,4 tödlich sein für das Image einer „gemeinnützigen“ AG.

In die Bilanz kann man das reinschreiben, weil die ja vor allem von Geschäftspartnern und potentiellen Aktionären gelesen wird. Aber als öffentliche PR-Meldung unter der Headline:

„Agaplesion toppt Deutsche Bank –
Bernd Weber ist der ultimative Supermanager des Jahres“

hätte man nicht nur Bischöfe in arge Verlegenheit gebracht.

Die Agaplesion-Bilanz

Dass eine in der Gesundheitswirtschaft tätige „gemeinnützige“ Aktiengesellschaft mit verhältnismäßig wenig Eigenkapital überhaupt eine derartige Rendite erzielen kann, hat viele Gründe, von denen wir hier einige benennen wollen.

Zuvor dokumentieren und kommentieren wir die letzten beidenAgaplesion-Jahresabschlüsse, in denen auch die besagten 27,4 Prozent zu finden sind.

Um es etwas kürzer zu machen, bringen wir den Abschluss für 2009vom November 2010 im Wortlaut und nachfolgend die Zahlen und Angaben aus dem Abschluss für 2010 vom November 2011 nur soweit es gegenüber dem Vorjahr Veränderungen gab.

Auf den Abdruck der Tabellen mit den Aktiva und Passiva der Konzernbilanz verzichten wir, da man Einzelheiten wie„Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen“ oder „Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht“ von außen kaum beurteilen kann.

Auch „Forderungen nach dem Krankenhausfinanzierungsrecht in Höhe von 35.538.943 Millionen Euro“ an den Staat kann man auf dieser Grundlage keinen konkreten Objekten zuordnen. Summen von 20 Millionen Euro kassiert Agaplesion ständig für immer neue Bauprojekte. Selbst solche aggregierte Zahlen wie „Umsatzerlöse 388.817.205 Millionen Euro“ aus der Gewinn- und Verlustrechnung sind ohne Zusatzinformationen zum Beispiel über Ermessensspielräume bei Ansatz und Bewertung nicht sonderlich informativ.

Nicht zufällig gibt Agaplesion jährlich fast eine halbe Million Euro an Honoraren für die Erstellung der Konzernbilanz aus.

Irgendwo in diesem Zahlenwerk sind übrigens auch die Bezüge der Agaplesion-Führung versteckt, über die es in der Bilanz heißt: „Die Bezüge des Vorstandes werden gem. § 286 Abs. 4 HGB nichtangegeben“. Wendelin Wiedeking, einst Chef des Sportwagenherstellers Porsche hatte seinerzeit auf die Forderung nach Offenlegung der Vorstandgehälter mit dem schönen Satz geantwortet: „Die Veröffentlichung meines Gehalts würde die Republik nicht verkraften.“ Ganz so viel wird es bei Agaplesion nicht sein, aber offenbar genug, um sich selbst sagen zu können: „Die Veröffentlichung der Gehälter der Agaplesion-Führung würde das Märchen von der christlichen Selbstlosigkeit nicht überleben.“

Agaplesion AG, Frankfurt am Main
Jahresabschluss und Konzernlagebericht zum 31. Dezember 2009 (vom 4.11.2010)
Jahresabschluss und Konzernlagebericht zum 31. Dezember 2010 (vom 4.11.2011)

→ Unsere eigenen Kommentare sind in [eckige Klammern] gesetzt.

Die AGAPLESION gAG, Frankfurt am Main, besteht seit 26. Juni 2002. Sie wurde im Wege einer Sachgründung errichtet. Aktionäre zum 31.12.2009 sind:

• Diakoniewerk Bethanien e.V. (41,4%)
[Dahinter steckt die Methodistenkirche].
• Frankfurter Diakonissenhaus (12,2%)
[Gehört ebenfalls der Methodistenkirche. Name ist Marketingtrick: die Diakonissen sind schon alle verstorben oder Rentnerinnen].
• Bethesda Diakonie-Stiftung (8,2%)
[Eine weitere „Stiftung“ der Methodisten. Dieselbe Rechts-Konstruktion wie bei der Bertelsmann-Stiftung].
• Bethanien DiakonissenStiftung (8,2%)
[ebenso].
• Ev. Regionalverband Frankfurt/M. (5,8%)
[Politische Absicherung über die Staatskirche].
• Elisabethenstift Darmstadt (4,4%)
[Die haben sich lange gewehrt und sich selbst als Beute des Agaplesion-Konzerns bezeichnet. Große Liegenschaften wechselten den Besitzer].
• Ev. Dekanat Darmstadt-Stadt (4,4%)
[Erhielt 2002 Aktienanteile im „Tausch“ gegen ein ganzes Krankenhaus, heute „Agaplesion Elisabethenstift“].
• Evangelische Kirche in Hessen-Nassau
(6,1%) [Sichert Agaplesion-Einfluss in der Staatskirche].
• Markus-Stiftung (1,9%)
[Nicht identisch mir der gleichnamigen Aldi-Stiftung. Dahinter steckt eine Einrichtung des Frankfurter Markuskrankenhauses von Agaplesion].
• Methodistische Kirche (5,4%)
[Wirklich subversiv: Die Methodistenkirche, der der ganze Laden gehört, taucht nochmal extra als Aktionär auf!].
• Schwesternheim Bethanien Hamburg (0,9%),
[Name ist Marketingtrick. Es gibt keine „Schwestern“. Angabe über Rechtsform fehlt. Dahinter steckt das oben bereits als Aktionär aufgeführte bundesweite methodistische „Diakoniewerk Bethanien“ mit diversen Kapitalgesellschaften in Hamburg, Berlin und Ostdeutschland, aus dem heraus die Agaplesion AG gegründet wurde!].
• Diakonissenanstalt Alten Eichen Hamburg (0,9%)
[das ist das Königreich von Torsten Schweda, der mit 20 Prozent an der Hamburger Filiale Agaplesion-Diakonieklinikum beteiligt ist].
• Stiftung Kurhessisches Diakonissenhaus Kassel (0,2%)
[Den Minianteil gab es im „Tausch“ gegen die Diakoniekliniken von Kassel, siehe Anm. 5].

• Agaplesion ist Mitglied im [Unternehmerverband] Diakonisches Werk Hessen/Nassau.

[Kommentar zu diesem Abschnitt:

(1) Schwesternheim, Diakonissenhaus, Elisabethenstift, Diakonissenanstalt – hinter all diesen so altbacken klingenden Bezeichnungen stecken knallharte Kapitalgesellschaften. Es ist bewusstes Kalkül, diese Bezeichnungen, die mit der heutigen Wirklichkeit absolut nichts zu tun haben, beizubehalten und zugleich die im Handelsregister eingetragene und im Geschäftsverkehr benutzte Rechtsform (überwiegend GmbHs) gegenüber dem Publikum zu verschweigen. Man maskiert sich mit Phantasienamen, die Assoziationen wie „Selbstlosigkeit“ oder „barmherziges Samaritertum“ wecken sollen. Diese Namen beschönigten schon in der Vergangenheit die Realität, was besonders während der NS-Zeit deutlich wurde, als die „Nächstenliebe“ allein „kranken deutschen Volksgenossen“ (Satzung des Hamburger KH Elim, 1938) galt und im „NS-Reichsbund deutscher Schwestern“ stattfand.

(2) Wo die Bezeichnung „Stiftung“ im Namen auftaucht, handelt es sich um Holdings, die ähnlich funktionieren wie die Bertelsmann-Stiftung, also als „gemeinnützig“ anerkannte und privatwirtschaftlich betriebene Konzern-Zentrale, unter deren Dach die Kapital- Gesellschaften ihren Geschäften nachgehen.

(3) Die Oberholding dieses Firmenkonglomerats mit seinen ausgesprochen verschachtelten und undurchsichtigen Beteiligungskonstruktionen, trägt den Zusatz „eingetragener Verein“ und den Namen „Diakoniewerk Bethanien„. Dass ein eingetragener Verein Holding-GmbHs mit weiteren Töchter-GmbHs besitzt, ist nicht ungewöhnlich. Vereine können durch „formwechselnde Umwandlung“ zu Kapitalgesellschaften werden, wie zum Beispiel die Schufa, die heute eine AG ist. Der entscheidende Grund, warum die Zentrale des methodistischen Firmennetzwerkes, die auch die Mehrheit der Agaplesion-Anteile hält, als Verein betrieben wird, dürfte darin bestehen, dass man nur über einen Verein diesen Multikonzern übernamentlich ausgewählte evangelikale Spitzenfunktionäre steuern kann, da das Stimmrecht im Verein bei den Mitgliedern liegt, während es bei Kapitalgesellschaften entsprechend der Anteile am Stammkapital verteilt ist.

(4) Für Außenstehende ist aus dieser Liste kaum zu entnehmen, dass78,2 % der Agaplesion AG der evangelikalen Methodistenkirche gehören. Hier werden Akteure desselben Imperiums unter irreführenden Phantasienamen als einzelne Aktionäre aufgelistet, die scheinbar außer ihren Anteilen nichts verbindet. Es gibt in dieser Liste nur wenige Akteure, die nicht direkt zum Kern des methodistischen Unternehmensverbundes gehören.

(5) Beispiele für die Übernahme anderer Firmen durch Aktienausgabe:

→ „Mit notariellem Kaufvertrag hat die Agaplesion AG als Konzernmuttergesellschaft 20 % des Stammkapitals der Diakonie-Kliniken Kassel GmbH von der „Stiftung Kurhessisches Diakonissenhaus Kassel“ [noch so eine Stiftung mit Phantasienamen als Holding] im Nennbetrag von € 400.000 erworben. Die daraus resultierende Kaufpreisforderung hat die Stiftung mit einer Abtretungsvereinbarung als Sacheinlage in die Agaplesion AG eingebracht. Als Gegenleistung hat die Agaplesion AG 352 Nennbetragsaktien im Nennwert von jeweils € 50 ausgegeben sowie eine Barzahlung von € 400.000 an die Stiftung geleistet.“

→ „Agaplesion hat 16,66% der Geschäftsanteile an der Bethanien Krankenhaus Chemnitz GmbH von der [eigenen] Methodistischen Kirche (EmK) erworben. Die EmK hat ihre Forderung gegenüber der Agaplesion AG auf Leistung an diese als Sacheinlage übertragen, und zwar gegen Gewährung von 8.311 Nennbetragsaktien im Nennwert von jeweils € 50,00.“

→ „Die Bethanien Diakonissen-Stiftung [eine Holding des eigenen Netzwerkes] hat ihre Forderung auf Ausgleichsleistung nach vorweggenommener Geschäftsanteilsübertragung an der edia.con gGmbH, Chemnitz [gehört auch zum Netzwerk] in Höhe von € 1.288,900,00 durch Abtretungsvertrag in die Agaplesion AG als Sacheinlage eingebracht. Dafür hat sie 2.935 Nennbetragsaktien im Wert von jeweils € 50,00 erhalten.“ ]

Mitteilung gemäß § 20 Abs. 5 AktG
Die Agaplesion AG hat mit Schreiben vom 6. Juli 2009 eine Mitteilung vom Diakoniewerk Bethanien eingetragener Verein erhalten. Der Diakoniewerk Bethanien e.V. teilt hierin mit, dass er weiterhin mit einem Anteil von mehr als dem vierten Teil an dem Grundkapital der Agaplesion AG beteiligt ist.

[Kommentar zu diesem Abschnitt:

Hält ein Unternehmen, ein Verein oder eine Stiftung die Mehrheit der Stimmrechte an einem anderen Unternehmen, so ist dieses als ein„in Mehrheitsbesitz stehendes Unternehmen“ definiert. Sobald einem anderen Unternehmen mehr als der vierte Teil der Aktien einer Aktiengesellschaft gehört, muss diese Machtposition laut Aktiengesetz offengelegt werden. Das ist der Hintergrund dieser Mitteilung in der Agaplesion-Bilanz.

Wie hoch genau der Anteil des „Vereins“ ist, wird hier nicht gesagt, ist aber auch nicht entscheidend: Der Bethanien-Verein, über dessen Satzung und Mitgliederzahl öffentlich nichts bekannt ist (es ist ein kleiner Kreis führender Kader) ist die informelle Zentrale eines von außen kaum erkennbaren Konzernverbundes, dessen „Werke“, „Stiftungen“ und „Schwesternheime“ wiederum einzeln an der methodistischen Aktiengesellschaft beteiligt sind.

Wenn aber Tochterfirmen eines Unternehmens, das Anteile an einer AG hält, ihrerseits Anteile an dieser AG halten, muss das laut Aktiengesetz ebenfalls in die Angaben über den Umfang des Mehrheitsbesitzes eingehen. Doch genau hier wird es nebulös, denn das Unternehmen, das hier eine 78-Prozent-Mehrheit an Agaplesion besitzt ist, keine Firma, sondern eine „Kirche“, die als solche formal nur mit 5,4 Prozent an der Agaplesion AG beteiligt ist, zugleich aber mehrere andere „Werke“ (Kapitalgesellschaften) besitzt bzw. steuert, die die übrigen Aktienanteile halten.

Diese als „Kirche“ organisierte (und als „gemeinnützige“ Körperschaft des öffentlichen Rechts steuerlich privilegierte) Gruppierung, tritt also als doppelgesichtige Organisation auf – als Erweckungsbewegung zwecks „Verkündigung des Heils“ und zugleich als Wirtschaftsunternehmen mit sehr weltlichen Zwecken, die wiederum als „gelebter Glaube“ ideologisiert werden. Das Doppelgesicht dieser Gesinnungsfirma zeigt sich auch daran, dass viele Aufsichtsratsmitglieder der Agaplesion AG und ihrer GmbH-Töchter „Prediger“ als Berufsbezeichnung angeben.

Wenn aber die Holding eines Konzernverbundes als Religionsgemeinschaft organisiert ist, tauchen die Anteile, die die mit dieser Religionsgemeinschaft verbundenen Konzerne und Ketten an der Agaplesion AG halten, nicht entsprechend dem Aktiengesetz als „Anteile an einer AG, die einem anderen Unternehmen gehören“ auf].

Geschäftsverlauf des abgelaufenen Geschäftsjahres

Marktposition

Durch die demografische Entwicklung wird die Betreuung von alten- und pflegebedürftigen Menschen immer größeren Stellenwert einnehmen. Aus diesem Grund hat sich die Agaplesion AG unter anderem als großer Anbieter für das Marktsegment Geriatrie positioniert. [Agaplesion ist heute der größte Geriatrie-Anbieter in der BRD. Dieser boomende Geschäftszweig macht in Hamburg ein Drittel der Planbetten aus].

Zum 31.12.2009 gehören dem Konzern 10 Krankenhäuser, sowie 12 Altenpflegeeinrichtungen, zwei Diakoniestationen [das hart umkämpfte Geschäft mit ambulanten Pflegediensten], eine Fortbildungsakademie, 2 [Unternehmens-] Beratungsgesellschaften und 4 Medizinische Versorgungszentren [MVZ: Konkurrenz zu niedergelassenen Ärzten, Aufbau von „Einweiser“-Seilschaften] an. Darüber hinaus sind weitere 7 Krankenhäuser und 4 Altenhilfeeinrichtungen im AGAPLESION-Verbund die [in dieser Bilanz noch] nicht konsolidiert werden.

Die Einrichtungen im Unternehmensverbund sind nachfrageorientiert strukturiert [sie sind angebotsorientiert und auf Markterweiterung aus]. Die Krankenhäuser sind auf Dauer in den Krankenhausplänen der jeweiligen Bundesländer aufgenommen. [Dazu braucht man Einfluss auf die Politik in den Bundesländern].

Es wurden im Wirtschaftsjahr 101.568 stationäre Patientenaufenthalte in den Krankenhäusern abgerechnet, wobei für 96.331 Fälle DRGs zur Anwendung kamen. [Diagnosebezogene Fallgruppen/DRGs werden seit Mitte der 80er Jahre zur Abrechnung mit den Kassen verwendet. 5237 Behandlungen wurden also privat bezahlt, von wem auch immer].

Die Kapazität im Bereich [des Geschäftsfeldes] der stationären Altenhilfe wurde auf 915 Plätze in 2009 erweitert. Das Segment „Betreutes Wohnen“ umfasst 168 Wohneinheiten zum 31.12.2009. [Darunter vor allem das Segment Luxusaltersheime]. Der Aufbau dieses Bereiches steht im Zusammenhang mit der Diversifikation des Leistungsspektrums.

Der Vorstand übt eine Überwachung der operativ tätigen Tochtergesellschaften aus. Das zentrale Controlling der Agaplesion AG unterstützt mit seinen Instrumenten den Vorstand.

Fortsetzung des Bilanztextes folgt

Aktuelle Pressemeldungen:

■ Hamburger Abendblatt, 1. März 2012:
http://www.abendblatt.de/hamburg/eimsbuettel/article2202778/Fehlplanung-am-Agaplesion-Diakonieklinikum.html

(zum Lesen des Abendblatt-Textes: Nach dem Anklicken des Links, die Artikel-Überschrift kopieren und bei Google-Suche erneut eingeben. Dann erscheint der ganze Text).

■ Elbe Wochenblatt, 28. Februar 2012
http://www.elbe-wochenblatt.de/eimsbuettel/lokales/krankenhaus-elim-ist-bald-geschichte-d6415.html

Fortsetzung folgt

Folgen der Inbetriebnahme der Agaplesion-Klinik für die Öffentlichkeit

Die Freifläche „Sparbierplatz“ hatte durch ihre schiere Existenz als großer unbebauter Raum das Leben in einem dicht besiedelten Gebiet deutlich angenehmer gemacht. Die unmittelbaren Folgen dieses Verlustes für die allgemeine Lebensqualität sind allgemein spürbar.

Der Verlust dieser Fläche ist leider nicht mehr rückgängig zu machen. Mehr noch: Weil die Politik sich vollständig in den Dienst der Interessen von Agaplesion und ETV gestellt hat und weiter stellt, gibt es nach dem Verlust dieses öffentlichen Raumes auch keinerlei Kompensation für die betroffene Öffentlichkeit. Eine gewisse Kompensation wäre zum Beispiel die Umwandlung des Elim-Krankenhauses in ein Soziokulturelles Zentrum. Doch dafür will sich nach dem Ende des Beust-Senates auch die neue SPD-Regierung nicht einsetzen.

Nach der Inbetriebnahme der Klinik im Frühjahr 2011 zeigte sich, dass die sozialen Folgen und Belastungen, die mit diesem Bauwerk einhergehen, noch weit über das Befürchtete hinaus gehen. Es sind Folgen, die vor allem die kommunale Öffentlichkeit belasten, aber auch viele der Patienten, die nicht ahnen, was sie erwartet, wenn sie von „Einweisern“ in ein Hospital geschickt werden, das direkt neben einem Fußballplatz und – ohne jeden „Diskretionsabstand“ – mitten in einem Wohngebiet liegt .
Hinzu kommen die gesellschaftspolitischen Folgen: Staat, Behörden, Parteien, Agaplesion AG und ETV bilden in Hamburg-Eimsbüttel eine geradezu totalitäre Einheit zur Abwehr jeder Kritik und jedes Protestes. Alle Maßnahmen, Vorhaben und Übergriffe werden weiterhin komplett hinter verschlossenen Türen vereinbart. Es ist ein Bündnis der Gegenaufklärung, denn für diesen Klinikbau an dieser Stelle gab und gibt es kein einziges gesellschaftlich vernünftiges Argument.

Die unhaltbaren Zustände, die seit der Inbetriebnahme der Agaplesion-Klinik entstanden, sind vor allem begründet in der baulichen Enge der Klinik/Fußballplatz-Kombination, die von den Klinik-Betreibern und dem ETV aus Profitgründen in Kauf genommen wurde: Das Grundstück wurde zu 100% bebaut. Der Bau reicht direkt bis an die Bürgersteige und hat weder Hof noch Garten, also keinerlei Klinikgelände. Wegen dieser Enge kommt es seit der Inbetriebnahme zur Ausdehnung des internen Klinikbetriebes in den öffentlichen Raum. Das gilt vor allem für den Patiententransport. Zudem nutzen Patienten und Personal den öffentlichen Straßenraum, weil es für sie so gut wie keine Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien gibt.

Die massivsten Übergriffe auf den öffentlichen Raum finden an der Liegend-Kranken-Vorfahrt statt. Diese grenzt direkt an den öffentlichen Bürgersteig. Fußgänger gehen dicht an der Rampe vorbei und sehen aus nächster Nähe die (zum Teil ansteckenden) Patienten, die gerade angeliefert werden. Die Wagen, die auf die Rampe fahren, müssen dazu den Bürgersteig kreuzen, weil die Klinik keine andere ebenerdige Zufahrt hat. Die Vorfahrt wird als Notaufnahme bezeichnet, aber den meisten Verkehr verursacht der Bringedienst für die Tagesklinik. Die Auffahrt ist für diesen Stoßverkehr nicht ausgelegt. Die Pendelbusse stauen sich in der ganzen Straße und laden ihre Patienten beliebig auf dem Bürgersteig oder direkt auf der Straße aus. Dieser Zustand ist extrem belastend und entwürdigend für Patienten und Passanten.

Die Eingangshalle der Klinik ist von dem Privatfußballplatz des ETV nur durch ein Metallgitter getrennt. Die Fußbälle fliegen auf die Patienten und Besucher zu und knallen dann an das Gitter. Diese nervöse Situation wird dadurch verschärft, dass die Klinik weder Hof noch Garten hat. Patienten und Mitarbeiter, die etwas frische Luft schnappen, einen Sonnenstrahl erwischen oder eine Zigarette rauchen wollen, haben dazu nur einen schmalen Streifen direkt am Fußballplatz.

Die Folge ist, dass auch Patienten und Personal diese Bedürfnisse auf den angrenzenden Bürgersteigen zu befriedigen suchen: Patienten mit Wundschläuchen oder mit Infektionsschutzkleidung gehen auf dem Bürgersteig spazieren.

Trotz mehrerer Zeitungsveröffentlichungen seit September 2011 hat sich an diesen Zuständen bis heute nichts grundsätzlich geändert. Auf die öffentliche Kritik hat Agaplesion mit Drohungen gegen die Initiative reagiert. Man will verbieten, dass dokumentiert und kommentiert wird, was täglich viele Menschen mit eigenen Augen sehen. Seit die Initiative nach Drohungen der Agaplesion AG ihre Weblogs aus dem Netz genommen haben, glaubt der Konzern endgültig auf niemand mehr Rücksicht nehmen zu müssen. Gleichzeitig geht die räumliche Expansion weiter: Nach einem Anbau auf dem Elim-Gelände wird der Agaplesion-Bau zu den längsten Gebäuden in Hamburg zählen.

Agaplesion Hamburg 2012

Agaplesion Hamburg 2012a

Agaplesion Hamburg 2012b

Evangelikale 2012

Mai 2012
Dissidenten-Verfolgung in Eimsbüttel

Die Initiative gegen die Bebauung des Sparbierplatzes war bis Mai 2012 im Internet mit mehreren Text- und Fotoblogs vertreten. Die Hauptseite keindiakonieklinikum.blogger.de existierte seit 2006 als umfangreiches Archiv einer zehnjährigen Auseinandersetzung. Das Blog mit 65 Unterseiten war zeitweise tagesaktuell und wurde als wichtigste Informationsquelle zu dieser Auseinandersetzung sozusagen von Freund und Feind bundesweit regelmäßig gelesen. Die täglichen Zugriffe lagen im Schnitt bei 500 Lesern, in Zeiten großer Zuspitzungen auch beim Doppelten. Verlinkt war dieses Blog mit zwei Flickr-Fotoblogs und einigen Satteliten-Blogs für spezielle Themen, die ebenfalls eine sehr große Leserschaft hatten.

Im Mai 2012 sah sich die Initiative gezwungen, alles aus dem Netz zu nehmen, um einem Prozess zu entgehen, der – unabhängig von seinem Ausgang – die Mitglieder finanziell in den Ruin geführt hätte. Resultat der Drohungen des Agaplesion-Konzerns ist die Löschung des historischen Gedächtnisses einer Auseinandersetzung, die nicht nur von lokalem Interesse ist.

Am 10. Mai faxte ein Hamburger Anwaltsbüro an die Provider aller Blogs folgenden Text:

Rechtsanwälte, Hamburg, 10. Mai 2012
Sehr geehrte Damen und Herren, die Agaplesion Diakonieklinikum gGmbH hat uns beauftragt, ihre rechtlichen Interessen zu vertreten. Auf der von Ihnen gehosteten Internetseite http:/xxxxxxxxx.de wird in rechtlich angreifbarer Weise über unsere Mandantschaft berichtet. Das Angebot stellt einen elektrischen Informationsdienst dar, sodass nach § 5 TMG der Dienstanbieter, der für die Inhalte juristisch verantwortlich ist, ein Impressum vorzuhalten hat. Dies ist hier jedoch nicht geschehen. Bitte stellen Sie bis zum 17. Mai 2012 sicher, dass das genannte Angebot ein ordnungsgemäßes Impressum erhält oder die Inhalte aus ihrem Portal gelöscht werden. Anderenfalls werden wir unserer Mandantschaft empfehlen, den Rechtsverstoß anzuzeigen und gegebenenfalls strafrechtliche und zivilrechtliche Sanktionen zu erwirken.

Die Initiative hat darauf hin ihre zehnjährige Recherche und Dokumentation komplett aus dem Netz genommen. Warum? Bei nichtkommerziellen Blogs ist ein Impressum nicht vorgeschrieben. Die Initiative war aber rechtzeitig gewarnt worden: Mit Unterstützung aus Frankfurt und einiger Dienstleister hatte Agaplesion-Hamburg diesmal einen Angriff vorbereitet, der zur existenziellen Ruinierung der Initiativen-Mitglieder geführt hätte.

Eine Strafanzeige wegen des angeblich fehlenden Impressums gegen „Unbekannt“ hätte
Polizeibehörden, die ohnehin seit Jahren die Initiativen-Blogs beobachteten, den Vorwand geliefert, auch ohne Hilfe der Provider die Login-Daten und damit die Adressen zu besorgen, denen die Agaplesion AG dann Klageschriften und Geldforderungen zugestellt hätte.

Seit einigen Jahren nehmen die Angriffe von Konzernen gegen Kritiker deutlich zu. Weil das Internet als Selbstdarstellungs- und Verkaufsplattform für Unternehmen immer wichtiger geworden ist, sehen sie in kritischen Kommentaren eine Störung des Geschäfts. Behilflich bei der Entfernung solcher Kommentare sind ihnen Anwaltskanzleien, die sich auf Abmahnungen spezialisiert haben.

Normalerweise richten sich deren Drohungen gegen einzelne Textpassagen oder Videos. Abmahnanwälte raten ihren Klienten bei Angriffen auf Soziale Medien mit „Augenmaß“ vorzugehen. Die Forderung: „Löschen Sie ALLES über unser Unternehmen“ ist nicht üblich.

Die Agaplesion AG hat hingegen die KOMPLETTLÖSCHUNG ALLER Initiativen-Blogs verlangt!

Dieses extrem aggressive und totalitäre Vorgehen – parallel ließ Agaplesion in der Umgebung des Klinikums geklebte Flugblätter von den Wänden abkratzen – hat zum einen damit zu tun, dass Agaplesion der Konzern einer evangelikalen Gruppierung ist und zum anderen mit dem unerwarteten Presseecho auf die Dokumentation der Initiative zu den unhaltbaren Zuständen an der Agaplesion-Klinik nach der Inbetriebnahme im Frühjahr 2011.

2012 05 Agaplesion Anwalt

2012 05 evangelikale Methoden

Konzern-Kritik sichern!

2012 05 Free Speech

Initiative gegen die realisierte Absurdität, September 2013

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