Zwischenberichte ab Januar 2014

Agaplesion Diakonieklinikum gGmbH
Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 1.1.2013 bis 31.12.2013

Jahresabschlüsse sind ein besonderes Instrument der public relations, also interessenorientierte Bilanzgestaltung, um bei für das Unternehmen wichtigen Gruppen oder Personen einen bestimmten Eindruck zu erwecken. Zum einen soll durch die Beschränkung auf die vom Gesetz vorgeschriebenen Angaben ein möglichst geringer Einblick gegeben werden. Zum anderen soll aus imagewirksamen Gründen, eine Rechnungslegung mit weiter gehenden Angaben präsentiert werden.

Bilanzpolitik nutzt dazu die sehr großen Spielräume der gesetzlichen Bestimmungen. Im Zuge der allgemeinen Deregulierung sind viele Vorschriften des Bilanzwesens gelockert oder beseitigt worden. Es gibt ein Interesse, die Konzernergebnisse schlechtzurechnen, um Lohnforderungen abzuwehren, aber auch zugleich das Interesse der Beschönigung. Wichtigstes Ziel der Bilanzpolitik ist die Gewinn-Einbehaltung. Mit dem Instrumentarium der Gewinnermittlungspolitik wird versucht, die Höhe des Jahresüberschusses zu beeinflussen, wobei der Erfolg bei gutem Geschäftsverlauf tendenziell zu niedrig, bei schlechtem tendenziell zu hoch auszuweisen versucht wird.

Der Jahresabschluss der Hamburger Agaplesion-Filiale zum Geschäftsjahr 2013 ist nicht sonderlich informativ. Die Präsentation wird in der Frankfurter Zentrale entwickelt und mit dem Konzernbericht abgeglichen. Agaplesion gibt für die Anfertigung der Jahresberichte jährlich viele Millionen Euro aus. Für einen Großkonzern wie Agaplesion ist dabei die Darstellung des Verhältnisses zwischen Konzernmutter und Tochterfirmen besonders relevant, weil die Bilanzierungswahlrechte einem Konzern die Entscheidung darüber überlassen, ob ein Geschäft als Aktivposition oder Passivposition abgebildet wird. Verkäufe und Kredite der Konzernmutter an die lokale Filiale können zum Beispiel in der Zentrale als Barerlös erscheinen und zugleich bei der Tochterfirma als Investition.

Die Hamburger Agaplesion-Klinik, die seit 2002 aus Frankfurt gesteuert wird, hat sich jahrelang als ein lokales Stadtteilkrankenhaus dargestellt und den Namen der Konzernmutter verschwiegen. Bis 2011 tauchte er in keinem offiziellen Dokument auf. Seit der Inbetriebnahme im Frühjahr 2011 bevorzugt man eine Darstellung, wonach Agaplesion-Hamburg Mitglied eines lockeren „Verbundes“ sei, der sich der Nächstenliebe gewidmet hat. Tatsächlich ist Agaplesion-Hamburg nichts anderes als eine eine absolut UNSELBSTSTÄNDIGE Tochterfirma, die vollständig aus Frankfurt gelenkt wird. Der Hamburger Geschäftsführer Jörn Wessel ist nichts anderes als ein Filial-Leiter, so wie es jeder Geschäftsführer einer Aldi-Filiale ist.

Die Hamburger Agaplesion-Filiale erhielt und erhält aus Frankfurt Millionenkredite. Zuerst 20 Millionen zur Finanzierung des Eigenanteils an dem 100 Millionen-Bau auf dem privatisierten Sparbierplatz. Dieser Anteil sollte bei 33 Millionen liegen und wurde durch politische Tricks (unter anderem durch eine „Entschädigungszahlung“ für den „Verlust des Elim“) auf 20 Millionen gedrückt. Die Frankfurter Zentrale finanziert auch den Bau des „Praxenparks“ neben dem Hauptgebäude mit.

Agaplesion-Hamburg könnte das alles aus eigenen Mitteln nicht leisten. Anders gesagt: Ohne die Frankfurter Aktiengesellschaft des methodistischen Bethanien-Konzerns gäbe es diese Klinik nicht bzw. nicht auf dem privatisierten „Sahnegrundstück“.

Was an diesen Geschäftsberichten besonders auffällt, ist die Abwesenheit jeder christlichen Marketing-Dichtung. Hier geht es ganz nüchtern ums Geschäft und um sonst gar nichts.

KAIFU Ärztehaus am DKH 2014 ETV

Agaplesion Diakonieklinikum gGmbH
Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 2013

Auszug

Die Agaplesion Diakonieklinikum gGmbH betreibt ein Krankenhaus (auf einer privatisierten Erholungsfläche) mit insgesamt 370 Planbetten. Die Klinik-GmbH ist in den Krankenhausplan der Freien und Hansestadt Hamburg auf Dauer aufgenommen, (wird also komplett von Staat und Kassen finanziert). Die Agaplesion Diakonieklinikum gGmbH betreibt die Geschäftszweige Chirurgie, Gynäkologie, Geburtshilfe, Hand-, Fuß-, Unfallchirurgie, Innere Medizin, Medizinisch-Geriatrische Abteilung, Plastische Chirurgie und Diabetologie.

Wirtschaftsbericht

(Die Formulierungen sind aus dem Jahresbericht der Konzernmutter übernommen). Mit dem Beitragsschuldengesetz (Gesetz zur Beseitigung sozialer Überforderung bei Beitragsschulden in der Krankenversicherung vom Juli 2013) hat die Politik vor der Bundestagswahl Finanzhilfen für Krankenhäuser von über einer Milliarde Euro für 2013 und 2014 beschlossen. Des Weiteren wurde 2012 eine Refinanzierung der Tarifsteigerungen für 2013 beschlossen. Ferner wird es 2014 und 2015 erstmals ermöglicht, die tatsächlichen Steigerungen bei den Personal- und Sachkosten bis zum vollen Wert zu berücksichtigen. (Gewerkschaftliche Lohnforderungen sind also für private Klinikkonzerne wie Agaplesion kein Problem). Der Trend der Anbieterkonzentration durch Übernahmen setzte sich weiter fort (genau das macht die Agaplesion AG).

Geschäftsjahr im Überblick

Im Geschäftsjahr 2013 konnten 18.068 Patienten mit einem Case-Mix von 17.098 (2012: 17.114) behandelt werden. Der Schweregrad der Fälle (Case-Mix-Index) liegt mit 1,9 % unter dem Vorjahreswert von 0,964. Die durchschnittliche Verweildauer der stationären Behandlung sank von 6,21 auf 5,93 Tage in 2013.

Aufgrund von Leistungseinbrüchen (Chefarzt-Wechsel, unbesetzte Stellen in der Geriatrie, Abwertung der DRG, Prüfungsaktivitäten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen mit einem Anstieg des Kürzungsvolumens, zunehmende stationsersetzende ambulante Operationen) konnte die geplante Leistungssteigerung von 2,4 % nicht erreicht werden. (Der Wille zur „Leistungssteigerung“ = Profitsteigerung kommt hier ganz und gar ohne klerikalen Überbau aus!).

Der Umsatz konnte von 59.719.000 Euro auf 60.702.000 Euro gesteigert werden. Die Umsatzsteigerung ist im Wesentlichen auf den erhöhten Landesbasisfallwert in 2013 (€ 3.109) zurückzuführen. Aufgrund der nicht erzielten Leistungssteigerung wurde die Prognose hinsichtlich eines geplanten Umsatzes von 61.479.000 Mio. sowie eines ausgeglichenen Ergebnisses verfehlt. Der Verlust von 3.239.000 € in 2012 konnte 2013 auf 1.457.000 € verringert werden. (Das sind „Bilanzverluste“, die nichts über Profite sagen. Man baut ein „Ärztehaus“ und schon hat man „Verluste„).

Vermögenslage

Das in der Gesellschaft gebundene Vermögen beträgt 91.574.000 Euro, davon entfallen auf das Sachanlagevermögen 88,3%. Durch die Teilnahme am Cash Pooling der Muttergesellschaft ist die Liquidität gesichert.

Investitionen

In Neubauten wurden 2013 insgesamt 2.992.000 € investiert. (Keine näheren Angaben, es dürfte sich um eine Teilfinanzierung des „Ärztehauses“ handeln).

Personal- und Sozialbereich

Die Zahl der Vollkräfte ist im Jahr 2013 von 706,8 auf 696,5 Vollkräfte gesunken. Es wurden 130 Vollkräfte Ärzte, 312 Vollkräfte Pflege- und Funktionsdienst, 124 Vollkräfte im medizinisch-technischen Dienst und 128 Vollkräfte sonstiges Personal beschäftigt. Dies entspricht einer Anzahl von 1.068 Köpfen. Mit der Einführung des DataWareHouse (eine Datenbank) werden nun in die Vollkraftzahl auch die Mehrarbeitsstunden und Bereitschaftsdienste gezählt (!), der Ausweis der Vollkraftzahl in dieser Form ist eine Konzernvorgabe.

(2012: „Die Fluktuation der Mitarbeiter des ärztlichen / nichtärztlichen Dienstes beträgt 20,99% / 19,13%“. 2013: keine Angaben).

Wichtige Vorgänge im Geschäftsjahr

In der Chirurgie fielen im ersten Halbjahr 2013 zwei chirurgische Oberärzte durch lange Krankheitsdauer aus, was zu einem erheblichen Leistungseinbruch führte. Auch der geplante Chefarztwechsel zum 01.06.2013 führte zu einem zurückhaltenden Einweisungsverhalten und aktiver Abwerbung von Einweisern durch die Konkurrenz. (Kann es kapitalistische Konkurrenz beim Streben nach Nächstenliebe geben???)

Der neue Chefarzt PD Dr. Dr. Roblick vermochte trotz aktiver Öffentlichkeitsarbeit erst in den letzten zwei Monaten des Jahres diese Tendenz aufzuhalten. Der bis dahin entstandene CM-Verlust konnte nicht mehr kompensiert werden.

„Praxenpark“ – „Gesundheitszentrum Hohe Weide“ – „KAIFU Ärztehaus am DKH“

Das im DKH-Eigentum stehende Grundstück „Praxenpark“ wurde an den Investor des Praxengebäudes mit Vertrag vom 29.08.2013 und einem Kaufpreis in Höhe von 3.450.000 € verkauft. Es wurde ein Gewinn von 708.000 € erzielt.

Die letzte Phase des Bauprojekts „Neubau Diakonie-Klinikum/CardioCliniC“ konnte mit der Eröffnung der Dreifeld-Sporthalle (des ETV) sowie einer Erweiterung der Tiefgarage um 75 Plätze im Januar 2014 nahezu abgeschlossen werden. In diesem Zusammenhang wurde die Sporthalle in Erfüllung der Kompensationsvereinbarung („Kompensation“ meint Millionenwerte für den ETV und NICHTS für die geschädigte Öffentlichkeit!) an die Stadt übergeben. (Es ist schon ein Zeichen von Verrohung, diesen Deal als „Übergabe an die Stadt“ zu bezeichnen, die alles finanziert hat).

Risikomanagement

Im Verbund (da ist er wieder, der „Verbund“ der unselbstständigen Tochterfirmen!) der Agaplesion AG besteht ein konzernweites Risikofrüherkennungssystem. Hierzu gehört unter anderem ein regelmäßiges Belegungs- und Einweisungscontrolling, Personal- und Sachkostencontrolling und eine Liquiditätsplanung. Ferner werden die Ergebnisse des Meinungsmanagements (!) ausgewertet.

Aufgrund der derzeitigen Beschäftigungssituation auf dem Arbeitsmarkt und der daraus resultierenden tariflichen Entwicklungen, ist von einem weiteren Anstieg der Personalkosten auszugehen. Durch die Verlagerung von Tätigkeiten auf andere Berufsgruppen (Delegation von ärztlichen Tätigkeiten auf das Pflegepersonal) wird versucht, diesem Effekt Rechnung zu tragen. (sic!)

Prognose

Für das Jahr 2014 streben wir eine Leistungssteigerung der Case-Mix Punkte (5,5 %) an. Im Bereich der Umsatzerlöse erwarten wir eine Steigerung durch Erhöhung des Landesbasisfallwerts. („Leistungssteigerung“ durch mehr Zuschüsse!). Die für 2014 zu erwartenden Kostensteigerungen werden mit der konsequenten Umsetzung von Einsparmaßnahmen kompensiert.

Einzelheiten

Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten: 18.036.268 Euro (kirchliche Hausbank). Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sind durch Grundschulden besichert. Die Verbindlichkeiten gegenüber der Konzernmutter enthalten ein zinsloses Darlehen in Höhe von 2.750.000 Euro (wohl Anschubfinanzierung für das „Ärztehaus“) welches unbefristet ist. Des Weiteren sind Verbindlichkeiten aus dem Konzern-Cashpool enthalten.

Derivate (statt Gottvertrauen)

Risiken aus Zinssatzänderungen werden durch den Abschluss derivativer Finanzinstrumente begrenzt. Die Gesellschaft setzt dazu Zinsswaps und Zinscaps ein. Die Vertragspartner des Unternehmens bei derivativen Finanzinstrumenten sind ausschließlich Banken.

Organe der Hamburger Agaplesion-Firma

sind die Geschäftsführung und die Gesellschafterversammlung. Geschäftsführer ist (immer noch) Jörn Wessel. Mitglieder der Hamburger Gesellschafterversammlung sind Markus Horneber (Frankfurt), Gerhard Hallenberger (Frankfurt), Torsten Schweda, Ralf Giese und für das (Frankfurter) Diakoniewerk Bethanien e. V. (dem der ganze Konzern gehört), Uwe Junga, Arno Gerlach und Lothar Ernst.

Auf Angaben zu den Abschlusskosten gem. §285 Nr. 17 HGB (Honorar Steuerberater, andere Bestätigungsleistungen) wird mit Verweis auf die Einbindung in den Frankfurter Konzernabschluss verzichtet.

Subfirmen (gehören der Frankfurter Zentrale)

MVZ am ADKH gGmbH. Geschäftsführung: Maria Elisabeth Theis und Jörn Wessel.
ADKH Service GmbH. Geschäftsführerin Maria Elisabeth Theis.
Schule für Krankenpflege gGmbH. Geschäftsführer: Wolfgang Gerckens, Hasloh.

Anlagenspiegel

Grundstücke und grundstücksgleiche Rechte mit Betriebsbauten: 54.513.908 Euro.
Grundstücke und grundstücksgleiche Rechte ohne Bauten: 2.674.803 Euro. (= Fläche „Ärztehaus“).

Gezahlte Steuern
3.145,10 Euro

Hamburg, den 11. April 2014, Jörn Wessel, Geschäftsführer

KAIFU Ärztehaus am DKH 2014
März 2014: Seit der Inbetriebnahme im Februar 2011 nutzt Agaplesion die Wohnstraße Hohe Weide als Klinikgelände für Materialtransporte und Krankenverladung in aller Öffentlichkeit. Die politischen Parteien schweigen dazu, weil sie diesen Bau auf öffentlichem Grund genehmigt haben – ohne eigene Wirtschaftsflächen! Der Extra-Gewinn durch die illegale Straßennutzung taucht in der Bilanz nicht auf.

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